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Sonntag, 06 Juli 2014 14:08

Reinigung des Reichtums

Reinigung des Reichtums
Die Zakat ist Pflichtelement des Islam, dessen Bedingungen und ­Bedeutungen seit Längerem in Vergessenheit gerieten. Schaikh Habib ­Bewley erinnert an eine gefallene Säule unseres Dins

 

Zakat ist die Säule des Islam, die am stärksten verändert wurde – in einem derartigen Maße, dass die Leute nicht länger wissen, was Zakat ist. Sie wurde reduziert auf einen persön­lichen Akt des Spendens (arab. Sadaqa), wenn er auch noch als verpflichtend gilt. Solange wir, so die heutige Meinung, 2,5 Prozent unseres ­überschüssigen Eigentums nehmen und es an die Bedürf­tigen oder eine wohltätige Organisation überweisen, hätten wir unsere Pflicht erfüllt. Aber dies ist nicht wirklich Zakat.

Diese Säule ging verloren, weil das Ver­s­tänd­nis ihrer Grundlagen verloren ging. Die Zakat bleibt zerbrochen, bis das korrekte Verständnis dieser Säule wiederher­gestellt ist. Das Haus des Islam, das von solchen Säulen getragen wird, bleibt eine Ruine. Die erste fundamentale Angelegenheit der Zakat ist eine gemeinschaftliche Führung. Denn Zakat – weit davon entfernt, ein privater Akt der Anbetung zu sein, dessen Bezahlung dem individuellen Bewusstsein überlassen bleibt – ist eine Funktion der Autorität unter den Musli­men insgesamt; aber zumindest der loka­len Autorität unter den Muslimen an einem bestimmten Ort. Zakat wird ge­nom­­men, nicht gegeben.

Allah sagt in einem bekannten Vers: „Nimm Sadaqa von ihrem Reichtum, um sie zu reinigen und zu säubern." Nach Ansicht der Qur'ankommentatoren bezieht sich Wort „Sadaqa" hier gezielt auf Zakat. Dies und das „Khudh (Nimm)" sind entscheidend für das Verständnis der Aussage. Allah befiehlt Seinem Propheten, die Zakat vom Reichtum der ­Leute zu nehmen – und nicht, es ihnen zu über­las­sen, ob sie geben wollen oder nicht. Das war seine Praxis und die der recht­geleite­ten Autoritäten unter den Muslimen, die nach ihm kamen.

Sie waren sogar bereit, einen Konflikt um die Zakat zu führen, da sie ihrer Ansicht nach wesentlich für die Aufrechter­haltung der Einheit und des Wohlergehens der muslimischen Gemeinschaft war. Abu Bakr zwang die Stämme – die dem Propheten noch die Zakat ­ga­ben –, die Pflichtabgabe auch an ihn zu ­zahlen. Er wusste, dass das Überleben des Dins auf der korrekten Umsetzung und Kennt­nis der Zakat aufbaute. Er verstand, dass ein Verlust des Wissens von der Zakat – und ihre Zahlung als bloße Privatan­gelegenheit – zum Zerfasern der ganzen Sache an ihren Rändern führte.

Dies beweist die Lage der zeitgenössi­schen muslimischen Gemeinschaft; machtlos, führungslos und halbherzig – trotz der unglaublichen Menge an Reichtum, derer sie sich stellenweise zu erfreuen scheint. Dieser Reichtum jedoch ist unrein, schmutzig und ohne Segen. Er wird weiterhin eine Quelle des Schädlichen für Muslime bleiben, bis die ­Säule der Zakat wiederbelebt wird. Denn es ist die Zakat, die Reichtum reinigt und ihn tajjib (vollwertig, gut) macht. Wie wir wissen, akzeptiert Allah nur, was tajjib ist.

Es besteht Einigkeit unter Gelehrten, dass das Nehmen der Zakat eine Pflicht der muslimischen Autorität ist. Sie kann entscheiden, an wen sie es unter den acht Kategorien [wie diese im Qur'an bestimmt werden] verteilt: Arme, absolut Mittellose, ihre Einsammler, diejenigen, die kurz vor der Annahme des Islam stehen, für den Freikauf von Sklaven, den Schuldner, denjenigen, die sich auf dem Weg Allahs bemühen, und den Reisenden. Das war die gemeinsame Ansicht der vier Imame und aller folgenden Gelehrten ihrer Rechtsschulen. Im Gegensatz zu dem, was viele glauben, gilt sie genauso für versteckten Reichtum (das heißt, Gold und Silber) wie für offenen (Vieh und Ernten).

Der Beweis dafür findet sich in den Handlungen früher Khalifen. 'Umar ibn Al-Khattab wies seine Gouverneure an: „Nehmt von den Muslimen von jeden vierzig Dirhams einen Dirham."

Und 'Uthman ibn 'Affan nahm die Zakat direkt von den jährlichen Besoldungsgeldern, bevor sie den Leuten ausgehändigt wurden. Ein weiterer Beweis dafür findet sich in der Muwatta, wo Malik die Aussage Qudamas überlieferte: „Wenn ich zu 'Uthman ibn 'Affan ging, um meinen Sold zu holen, fragte er mich: 'Besitzt du irgendwelchen Reichtum, auf den Zakat fällig ist?' Wenn ich 'ja' ­sagte, nahm er die fällige Zakat direkt von meinem Sold. Verneinte ich, zahlte er mir die Summe voll aus."

Der große hanafitische Rechtsgelehrte Schaikh Abu Bakr Muhammad As-Sarkhasi ging so weit zu sagen, das jeder, der seine Zakat jemandem anderen gibt als der Autorität, seine Pflicht der ­Zakat nicht erfüllt. Mit anderen Worten, dies war keine Zakat, sondern bloße Wohltätigkeit und nichts weiter.

Und Imam Ahmad wird in dem Buch „Asch-Scharh Ar-Rabbani li Musnad Ahmad" zitiert: „Der Khalif allein hat die Autorität und die Verantwortung, die Zakat einzusammeln und zu ­verteilen. Egal, ob er es selbst tut oder jemanden dafür beauftragt."

Das zweite wesentliche Element, das heute bei der Zakat fehlt, ist das Mittel ihrer Bezahlung. Zakat betrifft ausschließlich drei Bereiche: Ernten, Vieh und Geld. Das letztere ist eine ­Kategorie, zu der Waren gehören und das, was an Bodenschätzen verborgen ist. Dies gilt, solange jede dieser Kategorien eine Mindestmenge [Nisab] erreicht und eine notwendige Frist abgelaufen ist. Abgesehen davon wird nichts anderes mit der ­Zakat belegt.

Imam Malik sagte in der Muwatta: „Es gibt keine Zakat, außer auf drei Dingen: Ernten, 'Ain [das heißt, Gold und ­Silber] und Vieh." Das ist klar und der Mehrheit der muslimischen Gemeinschaft bekannt. Weniger bekannt ist jedoch, dass Zakat in diesen Kategorien bezahlt werden muss. Besteht der Besitz aus Vieh, wird die Zakat in Vieh bezahlt. Besteht sie aus landwirtschaftlichen Ernten [haltbare Dinge wie Getreide, Mais etc.], dann wird sie in dieser Kategorie fällig. Hat man Besitz in Form von Gold und ­Silber – oder Handelswaren –, gibt man Gold und Silber. Das sind die einzigen Subs­tanzen, mit denen Zakat bezahlt werden kann. Nur, wenn man diese benutzt, hat man seine Pflicht zur Zakat erfüllt.

Da Landwirtschaft für den Lebensunterhalt hier weitestgehend entfällt, und die große Mehrheit von uns das Maß ­unseres Besitzes nur in Geld bemisst, dann ist 'Ain das einzige Gebiet, das uns hier interessiert. Es ist beschränkt auf Gold und Silber. Das Geld, das die meisten von uns nutzen, ist Papier oder besteht aus Zahlen auf den Monitoren der Computerterminals.

Was also sollen wir tun? Akzeptieren wir den Status Quo und gehen davon aus, dass Papiergeld seinen Platz eingenommen hat, dass es vollkommen austauschbar mit Gold und Silber ist, wie viele Modernisten glauben? Berechnen und bezahlen wir unsere Zakat in Papier­geld, basierend auf seinem Wert in Gold und Silber? Die Antwort ist ein kategorisches Nein!

Dies ist nicht möglich, weil es der Legalisierung von Wucher (Riba) gleichkommt. Eine Praxis, der Allah und Sein Gesandter den Krieg erklärten. Die Sunna des Gesandten Allahs, seiner Gefährten und die Bücher des Rechts sind eindeutig. Zakat wird fällig auf das ­Volu­men oder das Gewicht zweier Metalle, nicht auf ihren Wert als Geld. Wert ist kein Bestandteil dieser Gleichung. Selbst wenn 20 Golddinare nur so viel wert wären, um einen Laib Brot zu kaufen, müsste man trotzdem Zakat darauf ­bezahlen. Es zählt nur das Gewicht der Metalle im Besitz. Imam Malik sagte in der Muwatta: „Es gibt keine Zakat auf 20 Dina­re, die eindeutig fehlerhaft [in Anbetracht ihres Goldgehalts oder ihres Gewichts] sind. Werden mehr Münzen hinzugefügt, sodass sie ein Niveau erreichen, dass ihr Gewicht [in Gold] dem von 20 ­voll­wertigen Dinaren entspricht, dann wird sie fällig. Es gibt keine Zakat auf ­ir­gendetwas, dessen 'Ain [das heißt, der Goldgehalt] weniger als 20 Dinare ­beträgt."

Im späten 19. Jahrhundert, kurz nach der Einführung von Papiergeld im osma­nischen Reich, wurde der große Schaikh der Azhar, Schaikh 'Illisch, befragt, ob die Zakat mit dem Papiergeld zu bezahlen sei, dass in den osmanischen ­Gebieten zirkulierte. Er entgegnete kategorisch: „Darauf wird keine Zakat bezahlt. Denn Zakat ist beschränkt auf Vieh, bestimmte Arten von Getreide und Früchten, Gold, Silber, den Umsatz von Geschäften und dem Preis gelagerter Waren. Der ­fragliche Gegenstand ist in den obigen Kategorien nicht enthalten." Zakat, so sein Urteil, wird nur dann fällig, wenn sein Wert als Schmierzettel den Nisab erreicht. In dem Fall ist sie als Ware zu behandeln, für welche die Abgabe in Gold bezahlt wird. Zakat gilt nur für Dinge, die einen innewohnenden Wert haben und wird nur in etwas genommen, das über ­einen eigenen Wert verfügt.

Allah sagt in Seinem Buch: „Und sprich: 'Die Wahrheit ist gekommen, und das Falsche geht dahin; das Falsche ist ja dazu bestimmt, dahinzugehen.'" (Al-Isra, 81) Papiergeld ist in Wirklichkeit eine Lüge – es hat überhaupt keinen Wert. Es ist ein leeres Versprechen, dass keine Wirkung auf den wirklichen Reichtum einer Nation hat. Es ist wie die Magie der Zaube­rer von Pharao; Illusion, deren Macht darin liegt, dass die Menschen an sie glauben.

Heute sind wir in einem Zustand der Darura. Das sind Umstände, unter ­denen etwas Verbotenes zeitweise erlaubt wird. Auch wenn – genau gesprochen – keine Zakat auf Reichtum in Form von Bankkonten sowie anderen modernen Spar- und Investitionsformen erhoben wird, weil kein eigentliches Gold oder Silber beteiligt ist, dann ist es doch im besten Interesse der Muslime, dass Zakat ­bezahlt wird. Sie sollten in dieser Übergangsphase den Wert ihres Geldes in Gold kalkulieren und bezahlen, was geschuldet wird. Sie müssen jedoch sicherstellen, dass sie dasjenige, was sie zahlen müssen, in physischem Gold geben – in Dinaren. Denn Zakat ist ein Akt der Anbetung und die rituellen Handlungen müssen genau­so ausgeführt werden, wie sie im Qur'an und in der Sunna festgelegt ­werden.

Quelle: IZ

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