Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Montag, 14 Oktober 2013 08:10

Hadsch – Manifestation religiöser Bräuche und Moral (2)

Hadsch – Manifestation religiöser Bräuche und Moral  (2)
In diesem zweiten Teil über die guten Hadschsitten geht es um die Regeln und moralischen Grundsätze, zum Beispiel das Verhalten zu den Mitreisenden und anderen Pilgern, bei dem Geduld und Großzügigkeit geboten ist.

 

Der Hadsch ist eine Reise im Zeichen Gottes und vom Geist der Hidschra – dem Verlassen der gewohnten Umgebung für die Religion geprägt. Diese Reise erfordert daher die Beachtung einiger moralischer Regeln. Die Mekkareise kommt für die meisten Pilger nur einmal im Leben vor. Wer diese kurze und so kostbare Chance und die mit dem Hadsch verbundenen Pflichten nicht zu schätzen weiß, handelt sich in Wahrheit nur Schaden ein.

Wenn der Pilger jedoch die Hadschriten aufgrund der nötigen Erkenntnis und Andacht durchführt, wird er sich auf dem Hadsch von jeglicher Sünde reinhalten: Sein Herz wird bei der Rückkehr von allem Hässlichen befreit und mit Gutem geschmückt sein. Dies ist das kostbarste Reisegeschenk des Hadsches.

Eine wichtige moralische Grundregel für die Hadschreise sind Bescheidenheit und Gott-Ergebenheit. Eine tiefe Weisheit des Hadsches besteht ja darin, dass der Pilger den Geist der Dienstbarkeit und Ergebenheit gegenüber Gott in sich weiterentwickelt und mit Selbstbezogenheit und dem Eigendünkel kämpft. Das einfache Pilgergewand und der Anschluss an die Pilgermassen sowie das gemeinsame Vollbringen der Pilgerpflichten gelten zum Beispiel diesem Ziel – Die Grenzen zwischen den Gesellschaftsschichten fallen flach und die Strecken, bei denen der Hadschpilger zusammen mit den anderen Muslimen zu Fuß geht, sind von fruchtbarer Wirkung.

Wer dort bei dem edlen Heiligtum am Hause Gottes und neben der Kaaba zugegen sein will, muss wissen, was seine dortige Anwesenheit voraussetzt und welche Sitten er zu beachten hat. Er soll über die Bedeutung des Ortes, an den er tritt, nachdenken und nicht unvorbereitet und überstürzt das Heiligtum betreten. Am Eingang zur Heligen Moschee soll er verharren, bescheiden und ergeben zu Gott sprechen und seinen Gastgeber, Gott würdigen – Seinen Gott, der großzügig und gütig ist.

Neben der Gott-Ergebenheit spielt wie gesagt auch die Beziehung zu den Mitreisenden eine Rolle. Die Pilger zur Kaaba in Mekka und zur Moschee des Propheten (s) in Medina müssen gegenüber den Gästen dieses großartigen Empfanges bestimmte Regeln beachten. Auf der ganzen Reise sollten sie sich anstrengen, auf die beste Art mit den anderen zu sprechen. Der Pilger muss sich vor Aggressivität, Dreistigkeit, Streit, Lüge und davor hüten, die Fehler anderer weiter zu erzählen. Er darf die anderen nicht beleidigen und nichts sagen, was Zwietracht hervorruft oder unsinnig ist. Die Beachtung dieser guten Sitten sind besonders im Weihezustand des Ihram , wenn der Pilger sein Pilgergewand angelegt hat, wichtig. Die Durchführung der Hadschpflichten erfordert nämlich größte Aufmerksamkeit für die Regeln des Anstands.

Imam Sadiq (a) sagt hierzu:

„Hüte dich vor Angeberei ! Du solltest gottesfürchtig sein, denn die Gottesfürchtigkeit hält dich vom Ungehorsam gegenüber Gott, dem Höchsterhabenen, ab. Denn Gott spricht: `Dann befreit euch von der Verschmutzung` und zu den Verschmutzungen gehört, dass ihr im Weihezustand des Pilgers etwas Hässliches sagt. Sprich also, wenn du Mekka betrittst und das Haus (die Kaaba) umschreitest, Reines, dies ist Sühne für Sünden.“ (Usul-e Kafi, Band 4, S. 543)

Eine geeignete Sprechweise und Verhaltensweise zu guten Menschen reinigt Geist und Seele . Diese Regel gehört zur Pilgerreise. Eine würdige Ausdrucksweise ist nicht nur Bestandteil für gute Umgangsformen. Sie ist auch gemäß den Worten des Propheten Gottes (s) ein Grund dafür, dass der Hadsch von Gott angenommen wird.

Der Hadschpilger sollte die ganze Reise über versuchen ein guter Reisegefährte für die anderen und gegenüber den Mitreisenden freundlich und hilfsbereit zu sein. Während der Hadschriten sollte er auf die anderen Rücksicht nehmen, insbesondere auf ältere Menschen und auf Kranke.

Der Hadsch ist mit besonderen Mühen verbunden. Aber darin verbirgt sich die göttliche Weisheit , dass die Gläubigen sich während des Hadsches verschiedenen Prüfungen unterwerfen sollen. Diese spirituelle Reise erfordert also Geduld. Sie erfordert Selbstbeherrschung bei Zorn, gegenseitigen Respekt, Nachsicht und gegenseitige Hilfsbereitschaft. Die Pilger zum Haus des Großen Freundes – zu Gott – sollen sich von der Egozentrik abwenden und sich in den Dienst der anderen stellen. Dies ist eine schöne Sitte, welche der Prophet des Islams und die anderen Großen Leitbilder des Islams uns empfohlen haben. Der Prophet (s) sagt:

„Wenn jemand einem Reisenden hilft, wird Gott Probleme für ihn beseitigen, ihn im Leben und im Jenseits schützen und von der Trübsal bei der Auferstehung von Toten befreien.“

Imam Sadiq (a) hat ebenso wie folgt empfohlen:

„Behandle deine Mitreisende gut, halte die Zeiten für das Gebetsritual ein und beachte deine Pflichten in Bezug auf gute Umfangsformen, Geduld, Dankbarkeit, Freundlichkeit und Großzügigkeit.“

 

Auch zur Wahl der Mitreisenden gibt es Empfehlungen. Als guter Mitreisender gilt jemand, der vertrauenswürdig und ehrlich, hilfsbereit und freundlich ist. Der Prophet (s) sagt: „Euer bester Kamerad ist jemand, der euch an Gott erinnert, durch das was er sagt, euer Wissen vermehrt und euch durch seine Werke dazu anspornt für das Jenseits etwas zu tun.“

Ein rechtschaffener Reisegefährte während des Hadsches wird also die spirituellen Früchte, die der Pilgern bei Erfüllung dieser Pflicht erntet, vermehren.

Dem Hadschpilger wird auch Großherzigkeit empfohlen. Er soll nicht geizig sein.

Der Prophet des Islams (s) empfiehlt dem Haldschpilger Freigebigkeit zu den anderen. Natürlich kann er nur aus Besitz spenden, der im religionsrechtlich gehört. Eine weitere islamische Reisesitte ist das gemeinsame Essen. Bei einem gemeinsamen Essen lernen sich die Mitreisenden besser kennen und dies wirkt sich positiv auf ihr Verhalten aus. Die Beachtung der Hygiene ist ebenso eine wichtige Regel beim Hadsch. Hunderttausende nehmen an den Pilgerzeremonien teil und daher müssen alle auf Körperpflege, saubere Kleidung und einwandfreies Essen achten. Dies gehört ohnehin zu den Lehren des Islams. Den Pilgern wird ebenso der Verzicht auf übermäßiges Essen empfohlen, denn erstens gehen viele Krankheiten auf übermäßige Nahrungseinnahme zurück und zweitens verursacht eine solche körperliche Müdigkeit und seelisch-geistige Trägheit, so dass der Eifer für das Gott-Dienen abnimmt.

Es ist eine schöne islamische Sitte, Geschenke von einer Reise mitzubringen. Imam Sadiq (a) sagt: „Wenn einer von euch auf Reisen geht, soll er - so gut er kann -, für seine Familie und Verwandten Geschenke mitbringen.“

Daher ist es auch für Hadschpilger Sitte, Geschenke mit in die Heimat zu nehmen. Es ist gut, wenn diese Geschenke an die Spiritualität dieser Reise , das Haus Gottes und die heiligen Stätten in Mekka und Medina erinnern. Aber keiner sollte bei der Besorgung der Mitbringsel übertreiben und einen Großteil der kostbaren Gelegenheiten des Hadsches vergeuden, indem er seine Zeit mit dem Einkauf von Geschenken im Bazaar von Mekka verbringt.

Dem Hadschpilger in Mekka wurden Koranlesen und Bittgebete empfohlen. Sie wirken sich günstig auf seine Moral und sein gutes Verhalten aus und erhellen Seele und Geist. Ihre Wirkung wächst mit der inneren Andacht und der Beachtung des Inhaltes der Koranverse und Gebete.

Die Mekkapilger sollen also die lichtdurchfluteten Augenblicke des Hadsches zu schätzen wissen und nicht versäumen, laufend Gott eingedenk zu sein, ihn anzuflehen, im Koran zu lesen und in Form des Salawats um Segen für den Propheten und sein Haus zu bitten.

Wegen ihrer Spiritualität ist die Hadschreise etwas Besonderes, denn der Mensch soll sich mit guten moralischen Eigenschaften schmücken. Da jede Reise durch gutes Verhalten, Weitherzigkeit und Geduld angenehmer wird, sollten sich die Pilger zum Hause Gottes in Mekka würdig verhalten. Dadurch wird auch ihr Hadsch mit Spiritualität bereichert wird. Insgesamt lässt sich sagen, dass das schönste Mitbringel von dieser spirituellen Reise, der geistig-seelische Wandel und die Aneignung höherer Eigenschaften ist, denn diese sind ein kostbares Kapital für jeden.

Wir beenden unseren Beitrag mit einem Wort von Imam Baqir (a) aus dem Prophetenhaus. Er hat gesagt:

„Jemand der für den Hadsch zum Haus der Kaaba herbeikommt, wird nur von Gott beachtet, wenn er drei Eigenschaften aufweist: „Eine geeignete Moral für den Umgang mit den Mitreisenden, die Kraft der Geduld und Ausdauer, so dass er mit seinem Zorn zurückhalten kann sowie die Gottesfürchtigkeit, die ihn davon abhält eine Sünde zu begehen.“

Aus Tahzib, Bd. 5, S. 445

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren