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Donnerstag, 10 Oktober 2013 02:59

Hadsch - Manifestation religiöser Bräuche und Moral (1)

Hadsch -  Manifestation religiöser Bräuche und Moral (1)
In diesem Beitrag möchten wir über die Hadsch-Bräuche und -Gebote sprechen und beginnen bei den Empfehlungen und Regeln, die zur Vorbereitung der Mekkareise gehören.  
Der Monat Dhul-Hidscha hat begonnen. Und es haben sich Hundertausende darauf vorbereitet, den Glauben in ihrem Herzen aufzufrischen. Die Muslime strömen aus allen Teilen der Welt herbei und ergießen sich in die wogende Menschemmenge in Mekka: sie veranschaulichen den Zusammenschluss zu einem einzigen Volk unter dem Banner des Ein-Gott-Glaubens.

 

 

Der Hadschbrauch und die Durchführung seiner Rituale rufen mit jeder Phase eine Wandlung im Menschen hervor.

Nun ist die beste Gelegenheit um sich von dem Schlechten zu befreien und die Reise zum Guten anzutreten.

Natürlich ist ein Hadsch erst fruchtbar und nützlich, wenn seine Teilnehmer aus seinen tiefen Inhalten schöpfen. Der Hadsch stellt den Menschen Schritt für Schritt auf die Probe, um in ihm eine Veränderung im Denken und Verhalten hervorzurufen.

Und dieser Wandel wird sich in dem Verhalten und der Gesinnung der Hadschpilger bemerkbar machen.

Bei dieser großen Versammlung zu Mekka wird ein neues Lebensmuster vorgelegt: das Modell für ein Leben, bei dem die Anbetung des Einen Gottes ganz oben zu stehen kommt und in dem von Streit und Unrecht und Benachteiligung nichts mehr zu verspüren ist. Der Pilger zum Hause Gottes macht die wertvolle spirituelle Erfahrung, dass er erst in sich selber Frieden und Freundschaft herstellen muss, und dann diese bessere Wesensart in seiner gesellschaftlichen Umgebung verbreiten soll.

Gott der Barmherzige und Weise hat den Hadsch, diese wichtige spirituelle Reise, in verschiedene Phasen eingeteilt. Der Pilger zu Seinem Hause, der Kaaba, soll einen praktischen Lehrgang zur Reinigung der Seele und zur Beachtung der ethischen Grundsätze besuchen, damit er sich die gute islamische Moral aneignet.

 

 

Ein Mekkapilger muss sich vor seiner Reise in das Land der Offenbarung materiell und immateriell vorbereiten.

Er muss sich innerlich von allem, was nicht an Gott erinnert , freimachen und nur daran denken, wie er Gott näher kommen und Seine Zufriedenheit erreichen kann.

Hadsch bedeutet, vor Gott treten . Und um das Heiligtum Gottes zu betreten muss der Mensch zum Gottdiener werden.

Die Beachtung einer Reihe von guten Sitten und moralischen Grundsätzen vor dem eigentlichen Hadschritual bereichert diese große spirituelle Erfahrung noch mehr.

Die Islamische Lehre nennt verschiedene gute Bräuche zur Vorbereitung auf den Hadsch.

Das wichtigste Ziel des Hadsches besteht darin, Gott näher zu kommen und Sein Wohlwollen zu erreichen, aber die Erreichung dieses Ziels wird erst durch ein lautere Absicht und die Läuterung des Herzens möglich.

Imam Sadiq (a.s.) sagt in Bezug auf diese Aufrichtigkeit und innere Vorbereitung:

„Wenn du den Hadsch vornehmen willst, dann befreie vor Antritt der Reise dein Herz von jeglichen trüben Gefühlen und allen Hindernissen und sei nur für den Allmächtigen da.

 

Überlasse alle deine Angelegenheiten deinem Schöpfer und vertraue bei allem Tun und Lassen auf Ihn und ergib dich in sein Gebot und in seine Bestimmung!

Sag dich vom Weltlichen, der Bequemlichkeit und den Geschöpfen los. Doch streng dich an, deine Pflichten gegenüber den Mitmenschen zu erfüllen.

Verlass dich nicht auf dein Alter und auf dein Reittier, auf deine Helfer und Mitreisenden, oder auf deinen Einfluss, deinen Reichtum oder deine Jugend. Denn es kann sein, dass sie dein Feind und dir zum Problem werden. So wird sich zeigen, dass es für niemanden Macht und Hilfe gibt, außer wenn er bei Gott dem Allmächtigen, der den Segen für jeden Erfolg schickt, Zuflucht sucht.

Bereite dich also auf eine Weise vor, als hättest du keine Hoffnung auf eine Rückkehr.

(aus Misbah ul Scharia, S. 47-48) .

Imam Sadiq empfiehlt, dass der Mensch den Wunsch hegen soll, durch den Hadsch zu Gott zu finden. Dieses Ziel ist aber nur durch die aufrichtige unvermischte Absicht, den Hadsch nur für Gott zu vollbringen, möglich.

Die Niyyat – die Absicht – ist die Seele einer Tat. Eine religiöse Tat wird zur seelenlosen Hülle, wenn ihr keine ehrliche, nur auf Gott ausgerichtete Absicht zugrunde liegt.

 

Das Ziel des Hadsches soll Gott sein, und wir sollten ausschließlich Gott zuliebe den Entschluss (Nijjat) zum Hadsch fassen.

Wenn wir aus unserer Absicht alles Störende herausgefiltert haben, was nicht auf Gott ausgerichtet ist, dann müssen wir als Pilger zu Seinem Haus in Mekka auch das Herz von allen negativen Gefühlen zu Mitmenschen befreien. Wenn der angehende Pilger mit jemandem zerstritten ist oder jemand mit ihm unzufrieden ist, so befiehlt die Moral, dass er den Streit vor Antritt der Hadschreise aus der Welt schafft. Es kann sein, dass er ohne Einverständnis eines anderen etwas über ihn gesagt oder ihn sogar verleumdet hat. Vieleicht ist er auch selber auf jemanden schlecht zu sprechen. Jedenfalls soll er seine Seele von diesen Trübungen befreien.

Daher ist es eine wichtige Sitte zum Hadsch, dass sich der Pilger vor seiner Mekkareise von allen verabschiedet. Dies bietet ihm die Möglichkeit , durch ein freundliches Verhalten einen eventuellen Streit wieder beizulegen. Manchmal genügt ein kleiner Besuch und eine Entschuldigung um dich mit jemanden, den du verärgert hast oder dem du selber etwas übel nimmst, zu versöhnen!

Es gehört also zu den guten Sitten in Vorbereitung der wichtigen Hadsch-Reise , dass der Pilger sich bei den anderen verabschiedet und sie um Verzeihung für etwaiges falsches Verhalten bittet.

Der Pilger soll Freunden, Bekannten und Verwandten Bescheid sagen, dass er auf die Hadschreise geht.

Dies alles hat eine nützliche Wirkung.

 

Sein freundliches Verhalten vor dem Beginn der Reise zum Hause Gottes bringt nicht nur beeinträchtigte Beziehungen wieder ins Lot, sondern es regt auch die anderen dazu an, dieser wichtigen religiösen Pflicht nachzukommen.

Indem er erreicht, dass die Menschen in seiner Umgebung mit ihm zufrieden sind, hat der Mekkapilger auch Aussichten darauf, dass Gott mit ihm zufrieden sein wird.

Der Pilger zum Hause Gottes muss vor seiner Abreise auch seinen Zahlungensspflichten, die er gemäß Gottes Gesetz zu erfüllen hat, nachkommen, wie die Zahlung des Fünftels seines jährlichen Einkommensüberschusses (Khums) und die Zakkatsteuer. Auf diese Weise wird sein Vermögen „halal“ –d.h. religionsrechtlich rechtmäßig und rein.

Außerdem muss er seine Schulden an die anderen begleichen. Und wenn die anderen gegenüber dem Pilger einen Rechtsanspruch hat, muss er diesem Anspruch nachkommen.

Eine weitere Sitte für die spirituell segensreiche Reise nach Mekka besteht darin, dass der Mensch vorher sein Testament schreibt.

Es ist eine gute alte Sitte für die Gläubigen ein Testament aufzusetzen.

Imam Sadeq hat über ein Testament vor Antritt einer Reise gesagt: „ Wer eine Reise antritt, muss ein Testament schreiben „ (Usul-e Kafi, Bd. 4, S. 542)

Es ist daher für einen Pilger sehr angebracht, dass er vor seiner Abreise schriftlich ein Testament aufsetzt und noch nicht bezahlte Schulden darin nennt oder Angaben über die Wohltätigkeiten macht, die die Hinterbliebenen durchführen sollen, falls er stirbt. Er soll sein Testament von einer zuverlässigen Person aufbewahren lassen.

Ein weiterer wichtiger moralischer Aspekt für die Hadsch-Reise ist die Hidschra- das Verlassen der gewohnten Umgebung zur Erfüllung einer religiösen Pflicht. Der Hadsch beginnt nämlich mit dem Abschied von den Dingen, die der Mensch liebt und gewohnt ist. Dies ist eine Art Hidschra – eine Trennung von der gewohnten Umgebung, Gott zuliebe. Der Gedanke der Hidschra sollte beim Hadsch verinnerlicht werden.

Der iranische Philosoph und Verfasser des Al-Mizan-Korankommentars, Alameh Tabatabai sagt darüber:

„Wenn wir die Geschichte von Hasrat-e Abraham (a.s.) und seine Hidschra (Auswanderung) zusammen mit seiner Frau (Hadschar) und seinem Sohn (Ismael) (von Schaam) nach Mekka und deren Niederlassung in diesem Heiligen Land betrachten und wenn wir dann genau die anschließenden Ereignisse verfolgen - wie die Bereitschaft Ismael zu opfern,der Ruf der daraufhin seitens Gottes auf Abraham herabkam , die Errichtung des Kaaba - , dann sehen wir den vollendeten Werdegang einer Gottdienerschaft vor uns. Wir sehen wie ein Diener – bei seinem „Ego“ aufbricht und sich auf den Weg zu Gott macht. Wir sehen, dass er aus einm fernen Land kommend eine Reise antritt, um den Weg zum Heiligtum der Gottesnähe zu betreten und sehen, wie er die Augen vor den schönen Dingen der Welt und von den Genüssen und Verlangen nach Ruf und Vermögen, Frau und Kind die Augen abwendet und absolut aufrichtig und voll bewusst sich dem Ort der Gottesnähe und der Heiligkeit zuwendet.

 

 

Wer sich in das Land der edlen guten Dinge begibt, sollte nicht nur Geist und Seele sondern auch seinen Körper reinigen um dafür würdig zu werden. Deshalb gehört auch das Ghusl – die rituelle Ganzwaschung zu den Hadschsitten. Der Pilger sollte vor Reisebeginn , vor Anlegen des Pilgergewandes am Reiseziel, und/ oder vor der Umschreitung der Kaaba (Tawwaf) ein Ghusl vornehmen.

Die Reinwaschung des Körpers trägt natürlich auch zur Reinheit und Erfrischung der Seele bei.

 

Eine gute Sitte ist es auch, vor Reisebeginn das Ritualgebet zu verrichten und Bittgebete zu sprechen.

Den Hadschpilgern wird ans Herz gelegt, die lichterfüllten Augenblicke der Hadsch-Reise alle zu schätzen und in keiner Situation die Gottpreisungen, Gott-Anflehungen und die Segensgrüße für den Propheten und das Prophetenhaus zu vergessen.

Dies alles unterstützt ihn bei der andächtigen Hinwendung zu Gott und bereitet ihn auf den Empfang der großen Segnungen des Hadsches vor.

Im nächsten Teil werden wir weitere Sitten und moralische Grundsätze des Hadsches anführen.

 

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