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Montag, 22 Oktober 2012 11:36

Mit den Hadschpilgern (4)

Mit den Hadschpilgern (4)
Der Hadsch ist ein einmalige Gelegenheit, eine nahe Beziehung zu Gott zu erreichen. Der Sinn des Hadsches liegt darin, sich von den anderen zu befreien und sich nur dem Einen Gott zuzuwenden. Das ist das wahre Glück. Der Hadsch trennt den Menschen für eine kurze Zeit von dem materiellen Leben.

Diese Trennung ist eine Gelegenheit , dass er über die Vergangenheit nachdenkt und eine neue Vorstellung von seinem zukünftigen Leben erhält; einem Leben, in dessen Mittelpunkt die Erkenntnis und die Dienstbarkeit gegenüber Gott stehen soll.

 

Die Pilger zum Hause Gottes sind gekommen, um die Ketten des Stolzes und der Heuchelei abzustreifen und die Huld Gottes zu verspüren.

Jeder Hadschbrauch bringt dem Herzen Erleuchtung.

Neben der Al-Haram-Moschee in Mekka liegen zwei kleine Anhöhen im Südosten und im Norden von ihr. Der Abstand zwischen diesen beiden Bergen, nämlich Saffa und Marwa beträgt 420 Meter. Die Pilger zum Hause Gottes laufen die Strecke nach der Umschreitung der Kaaba und dem Gebetsritual 7 Mal entlang.

Das Wort Saffa bedeutet eigentlich "klar" oder auch "festes Gestein" und Marwa bedeutet weißer Stein oder auch fester rauher Stein.

Einen Teil der inzwischen zweistöckig überdachten Strecke zwischen Saffa und Marwa legen die Pilger mit beschleunigtem Schritt zurück , in einem Zustand zwischen gehen und laufen. Das Ritual nennt sich Sa`i . Sa`i bedeutet "Eilen".

Der Sa`i beginnt beim Saffa und endet beim Marwa.

Das Hin- und Hereilen zwischen den beiden Anhöhen erinnert an Hadschar und den Sohn Abrahams a.s.

Prophet Abraham sollte die beiden auf Geheiß Gottes in der trockenen Ebene, in der die Kaaba war, zurückgelassen und nach Schaam (damaliges Syrien) zurückkehren. Das fiel ihm sehr schwer. Hadschar fragte ihren Gemahl: "Abraham! Lässt du uns an einem Platz zurück, wo wir niemanden kennen und wo es kein Wasser gibt und keine Äcker? Wo gehst du hin? Wem willst du uns in diesem trockenen baumlosen Tal anvertrauen?"

Abraham schaute Hadschar und Ismael mit Tränen in den Augen an und antwortete:

"Gott hat mir geboten, dass ich euch hier lasse und zurückkehre. Er wird euch beistehen!"

Als Hadschar erfuhr, dass es Gottes Gebot war, hielt sie Abraham nicht mehr vom Gehen ab, sondern sprach: "Gott wird uns niemals allein lassen!"

Abraham bereitete sich darauf vor, zurückzukehren, doch bevor er ging flehte er zu Gott: Herr! Ich habe Leute aus meiner Nachkommenschaft in einem Tal, in dem kein Getreide wächst, bei deinem geheiligten Haus Wohnung nehmen lassen, Herr, damit sie das Gebet verrichten. Mach, dass das Herz von Menschen sich ihnen zuneigt, und beschere ihnen Früchte! Vielleicht werden sie dankbar sein!"

(Sure Ibrahim, Vers 37)

Abraham war gegangen und hatte Hadschar und das Baby zurückgelassen. Hadschar musste eine große Prüfung bestehen. Sie musste Ismael beschützen; alleine und in dieser trockenen Gegend! Ihr Wasser- und ihr Nahrungsvorrat ging zu Ende. Die Sonne brannte heiß auf die beiden herab. Hadschar begann zwischen den beiden Bergen Saffa und Marwa nach Wasser zu suchen. Ihr Ismael weinte. Und Hadschar lief zwischen Saffa und Marwa hin und her. Sieben mal lief sie diese Strecke in Vertrauen auf Gottes Hilfe entlang, damit sie Wasser findet und den Durst des kleinen Sohnes stillt. Wenn sie sich dem Kind näherte, beschleunigte sie ihren Schritt um zu sehen, ob es noch lebt. Und der Anblick des durstigen Kindes ließ sie schnell zum anderen Berg weiterlaufen. Doch Wasser fand sie nicht.

Hadschar gab sich alle Mühe und immer bat sie inständig Gott, er möge ihr helfen. Schließlich trug ihr Mühen Früchte.

Gott ließ ein Wunder geschehen. Aus dem Boden unter den Füßen Ismaels begann Wasser hervorzutreten. Hadschar konnte schließlich den Durst ihres Kindes stillen.

Die unermüdliche Anstrengung der Hadschar war nicht vergeblich gewesen. Sie wurde für ihr Vertrauen in Gott belohnt.

Die Quelle, die unter den Füßen Ismaels hervorquoll, heißt Zamzam. Wegen Vorhandensein dieser Quelle kamen verschiedene Sippen herbei und siedelten sich bei der Kaaba an. Die Quelle Zamzam ist bis heute nicht versiegt.

Die Hadschpilger wiederholen das, was Hadschar tat. Sie laufen und gehen sieben Mal die Strecke zwischen Saffa und Marwa, hoffen auf Gott und vertrauen auf ihn, so wie Hadschar damals vertraute und zu Gott flehte, bis ihr Gebet erhört wurde.

Gott der Gepriesene hat im Koran im Vers 158 der Sure 2, Baqara, dieses Hadschritual, nämlich das Eilen zwischen Saffa und Marwa mit "göttlicher Brauch und Zeichen" benannt.

Das heißt Saffa und Marwa sind Zeichen , die den Menschen an Gott erinnern. Sie vergegenwärtigen eine historische Erinnerung, die dieses heilige Land in sich birgt.

Imam Sadschad a.s. hat zu Schibli über das Geheimnis des Sai`s zwischen Saffa und Marwa gesagt: Bist du dich zwischen Saffa und Marwa hin und hergeeilt?

Schibli sagte: "Ja!"

Da fragte der Imam weiter: Hast du die Absicht gehegt, zwischen Furcht und Hoffnung zu bleiben? Da antwortete Schibli mit Nein.

Imam Sadschad sagte daraufhin: Dann hast du dich nicht angestrengt, du hast nicht den Sa`i vollbracht und du bist nicht zwischen Saffa und Marwa hin und her gegangen!

Imam Sadschad a.s. meinte, dass sich der Mensch hinsichtich der Dinge, die er im Leben getan hat, immer wegen seiner Sünden und seinem Tun fürchten muss, damit er nicht stolz und hochmütig wird.

Mit dem Wort Radscha`, das Imam Sadschad in dieser Überlieferung benutzte, ist gemeint, dass der Mensch, obwohl er sich wegen seiner Handlungen fürchtet, dennoch auf die Huld und Barmherzigkeit und Vergebung Gottes hofft. Denn diese Hoffnung motviert ihn, sich um Verbesserung in Richtung Vollkommenheit zu bemühen.

Eine spirituelle Seite des Sa`is besteht darin, dass er die Sünden vernichtet.

Der Prophet Gottes (s.a.a.s.) hat gesagt: Wenn der Hadschpilger zwischen Saffa und Marwa hin- und hereilt, verlässt er seine Sünden (Al Tahzib, Bd. 2, Riwayat 56). Auch hat Imam Sadiq a.s. über den Sa`i zwischen Saffa und Marwa gesagt: Wenn du am Berg Saffa stehst, reinige deinen Geist und dein Inneres für den Tag des Treffens mit Gott und bringe es zum Glänzen. Am Marwa sei Besitzer von Barmherzigkeit und edlen Eigenschaften. Und bleibe bis zum Jüngsten Tag diesen Bedingungen des Hadsches und dem Bündnis, welches du mit Gott geschlossen und welches du dir zur Pflicht gemacht hast, treu und halte daran fest.( Misbah Al Schari`ah, S. 164)

Imam Sadiq hat ebenso gesagt: Der Sa`i zwischen Saffa und Marwa ist die Flucht vor den Gelüsten des Ichs , und die Abkehr von Hochmut und Macht des Menschen.

Daher führt der Sa`i dazu, dass die Hochmütigen kleinmütig werden. (Bihar al Anwar, Bd. 96, S. 124)

Nach dem Sa`i zwischen Saffa und Marwa folgt die gottesdienstliche Handlung des Taqsir. Bei diesem Ritual wird etwas vom Haar oder den Fingernägeln gekürzt. Dieses Kürzen symbolisiert die Rückbesinnung auf das irdische Dasein des Menschen durch eine körperliche Handlung, die während des Weihezustandes ansonsten verboten ist. Danach beginnt der nächste Abschnitt in der spirituellen Reise namens Hadsch...

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