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Montag, 15 Oktober 2012 04:43

Mit den Hadschpilgern (2)

Mit den Hadschpilgern (2)
Zur Zeit haben wir die schönsten Bilder aus Mekka vor Augen.


Sie zeigen die Versammlung der Gottgläubigen auf diesem himmlischen Stück Erde. eisenden zur Gebetsrichtung des Lichtes preisen einstimmig bei der Kaaba die Herrlichkeit Gottes. Und wir stimmen in ihren Ruf ein: Labaik Allahoma labaik, ...
Und kündigen an: Gott wir sind Deinem Ruf gefolgt , Preis und Dank sei Dir , Du bist der einzige Gott... 

Die Haschpilger sind gekommen, um das Haus Gottes zu besuchen. Aber wir müssen uns den Sinn dieser Reise bewusst machen und die Hadschrituale nicht ohne dieses Wissen durchführen. Denn erst die Erkenntnis und richtige Sichtweise verhilft dem Hadschpilger am Hause Gottes zu jener Wahrheit, welche seine Liebe wachsen lässt und die Freude an den gottesdienstlichen Handlungen verdoppelt. 

Nachdem die Pilger zum Haus des Freundes ihre Absicht (Nijjat) für Gott geläutert und das Herz von jeglicher anderer Liebe befreit haben, tauschen sie nun- um in Gottes Nähe zu treten - ihre übliche Bekleidung, die ihr Statussymbol war, gegen das Pilgergewand ein. 

Tausende Menschen, alle in weiß gehüllt, eilen gemeinsam zur Kaaba: 

"Und die Menschen sind Gott gegenüber verpflichtet, die Wallfahrt nach dem Haus (Gottes) zu machen - soweit sie dazu eine Mِöglichkeit finden"

(Vers 97, Sure 3)

Bevor die Pilger in den Weihezustand getreten sind, haben sie das Ganzwaschungsritual vorgenommen . Dieses Ihram-Ghusl ist eine spirituelle Reinigung.

Wenn die Pilger im Miqat den Weihezustand annehmen, sollen sie sich vergegenwärtigen, dass sie das Heiligtum Gottes betreten. Sie sollen sich die Unantastbarkeit der göttlichen Gebote vor Augen halten und alle gottesdienstlichen Handlungen mit dieser geistigen Haltung und mit dieser Absicht durchführen.

Von Imam Sadiq (a.s.) wird überliefert: Werde muhrim( geh in den Weihezustand) und halte dich von allem fern, was dich am Gott-Eingedenksein hindert und dich von der Dienstbarkeit Ihm gegenüber fernhält. (aus Misbah al Scharia, Kapitel 22)

Der Ort, wo der Weihezustand beginnt, wird Miqat genannt. Die Pilger die aus Richtung Medina nach Mekka kommen, treten in der Schadschara-Moschee nahe bei Medina in diesen Zustand des Ihram.

Diese Moschee heißt deshalb so, weil der Propht (s.a.s.) unter einem Baum an diesem Ort in den Weihezustand getreten ist, Schadschara bedeutet nämlich Baum.

Der Gottergebene Diener beugt sich nun ergeben vor dem Tor zum Palast des Freundes. Er akzeptiert das fürs Leben, was Gott, Sein Herr und Schöpfer, möchte

Der Hadsch verknüpft mit seinen verschiedenen Riten und erstaunlichen Wirkungen das diesseitige Leben mit der jenseitigen Ewigkeit. Er gibt dem Menschen einen Eindruck von der Auferstehung und der Versammlung der Menschen am Jüngsten Tag.

Die Hadschreise beginnt mit Abschied von der Familie und dem Durchqueren und Überqueren von mehreren Ländern. Diese Anreise geht in eine spirituelle Reise über. Die Hadschreise ähnelt daher dem Übergang vom Diesseits ins Jenseits.

Der Pilger scheint , zusammen mit all den anderen weiß gekleideten Anbetern des Einen Gottes und mit den verschiedenen gottesdienstlichen Handlungen, in die Situation am Tag der Auferstehung hineinversetzt.

Imam Sadiq a.s. sagt zu den Hadschpilger: Jede gottesdienstliche Handlung, die Gott der Höchsterhabene zur Pflicht gemacht hat und jeder Brauch , den der Prophet Friede sei ihm und seinem Hause eingeführte, ob es sich um Erlaubtes oder um Verbotenes oder Rituale handelt, dient zur Vorbereitung auf den Tod, das Zwischenreich (Barzach) und das Jenseits. Auf diese Weise und durch Einführung dieser Zeremonien, stellt Gott den Schauplatz des Jüngsten Tages vor der Einkehr der Paradiesbewohner ins Eden und vor der Einkehr der Höllenbewohner ins Feuer bereit. (aus Misbah al Scharia, Band 47) 

Indem sie sich alle gleich kleiden und sich von Dingen, die sie mochten, wie Status und Besitz, lossagten, versuchen die Pilger zu erfahren, wer sie ohne alle diese Zierde in Wirklichkeit sind. Sie wollen in dieser edlen Umgebung zur Erkenntnis über sich selber gelangen und erkennen, was ihnen fehlt.

Die Pilger zum Hause Gottes haben sich in zwei einfache weiße Tücher gehüllt. Sie wissen, dass sie Hochmut und Egoismus und Überlegenheitsbestrebungen aus ihrem Innern vertreiben sollen.

Sobald der Pilger in den Weihezustand eintritt, muss er auf sein Verhalten und sein Tun achten, denn einige Dinge sind ihm in diesem Zustand nicht gestattet.

Es ist, als ob er das sichere Heiligtum Gottes in sich selber erkennt und es zum Sperrgebiet für Satan und zum Gebiet des Friedens und der Sicherheit erklärt.

Damit dieses Gefühl tief auf die Seele des Pilgers wirkt, ist er vorher aufgefordert worden, sein Äußeres , welches Symbol der weltlichen Dingen und der Weltenliebe ist, zu ändern und aus dem weltlichen Gewand herauszuschlüpfen.

Wer sich in den Ihram – in das Pilgergewand hüllt soll verspüren, dass er nun ihm Heiligtum des großen Freundes zugegen ist. Er soll sich so verhalten, wie es der Anwesenheit in der göttlichen Hoheitssphäre gebührt.

Darum hat Imam Sadschad (a.s.) zu Schibli, der ihn nach dem Hadsch aufsuchte, diesem die Wahrheit des Hadsches durch einige Fragen nahegebracht.

Er fragte Schibli : Hast du den Hadsch vollzogen?

Schibli antwortete: "Ja, du Sohn des Propheten Gottes."

Da sagte der Imam: Hast du in Miqat Halt gemacht und das genähte Gewand abgelegt und die rituelle Ganzwaschung vollzogen?

Schibli sagte: Ja!

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Die nächste Frage des Imam lautete: Und hast du, als du im Miqat warst, die Absicht gehegt, das Kleid der Sünde und des Ungehorsams abzulegen und dir stattdessen das Gewand des Gehorsams und der Befolgung Gottes anzulegen?

Da antwortete Schibli mit: "Nein!"

Der Imam fuhr fort: Und hast du dir, als du das Hadsch-Bündnis geschlossen hast, vorgenommen, dass du jedes andere Bündnis außer das göttliche fallen lässt?

Wieder antwortete Schibli mit nein:

Da sagte Imam Sadschad: Du bist weder in den Weihezutand getreten, noch bist du geläutert worden, noch hast du die (klare) Absicht zum Hadsch gehegt!

Durch die Dinge, die für den Weihezustand untersagt sind, wird die Widerstandskraft des Menschen gegenüber seinen Verlangen und den Wünschen seines Egos gestärkt, zum Beispiel durch das Verbot der Jagd und dem Töten von Tieren, das Gebot der Enthaltung von der Lüge, und von Schimpfwörtern und Streit mit anderen. Diese Verbote, die auf eine kurze Zeit beschränkt sind, bereiten den Pilger darauf vor, fürs ganze Leben den Weg der Menschlichkeit und der Vollkommenheit zu gehen.

Betrachtet man die Gründe der einzelnen Verbote während des Weihezustandes sieht man deutlich, dass es sich um Dinge wie Schutz der Umwelt und Achtung aller Lebewesen geht.

Durch Enthaltung von den verbotenen Handlungen nimmt der Mensch an einem Lehrgang teil, der zur praktischen Grundlage für die Erreichung eines gottesfürchtigen Lebens wird.

Der Mensch wird so geformt, dass er er sich vor den Versuchungen seines Egos schützt und seine Kräfte und Triebe beherrscht.

Die Verbote während des Hadsches sollen ermöglichen, dass der Mensch gottesfürchtig wird.

Durch Herstellung des Weihezustandes bereitet sich der Mensch darauf vor ein Heiligtum zu betreten, das ihn zum Gottesfürchtigen macht.

Die Verbote während des Hadsches sind ein Zeichen dafür, dass gerade diese Dinge, die im Weihezustand verboten sind, im Leben dem Menschen selber oder den anderen Menschen und Geschöpfen den größten Schaden zufügen können.

Daher muss der Hadschpilger nach Verlassen des Weihezustandes und Rückkehr in seine Heimat sich so veredeln, dass er anderen nicht schadet, seine Triebe kontrolliert, Worte und Gedanken verwaltet und den Weg Gottes geht.

Das Pilgergewand (Ihram) muss natürlich sauber und rechtmäßig erworben sein . Bei den Männern darf es sich nicht um genähte Kleidung handeln. Meistens wickeln sich die Männer zwei weiße lange Tücher um den Leib.

Die nächste Phase des Weihezustandes ist das Gebetsritual mit zwei Gebetsabschnitten (Rak`at). Danach wird der Ruf Labaik Allahoma labaik gesprochen: Ich bin deinem Ruf gefolgt o Gott.

Der Prophet Gottes (s.a.s.) hat gesagt: Wenn jemand im Weihezustand mit Glauben und Hoffnung auf den göttlichen Lohn 70 mal sagt: "Labaik", nimmt Gott Tausende von Engel zum Zeugen, dass er ihn aus der Hölle und von der Heuchelei befreit hat. 

Nun haben sich die Pilger mit dem Ruf Labaik Labaik darauf vorbereitet, die Kaaba, Haus Gottes, aufzusuchen und zu umschreiten. Augenblick für Augenblick wollen sie ihre Beziehung zu Gott vertiefen.

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