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Sonntag, 14 Oktober 2012 02:28

Mit den Hadschpilgern (1)

Mit den Hadschpilgern (1)
Die Hadschzeit ist angebrochen. Im Hadschmonat sind Hunderttausende von Gläubigen in Mekka versammelt, um den einmaligen Gottesdienst des Hadsches zu vollziehen. Die Menschenmassen strömen herbei, um sich zu einem riesigen Meer zusammenzuschließen. Eine geschlossene Gemeinschaft unter dem Banner des Glaubens an den Einen Gott.


Das Gebet des Abrahams ist  in Erfüllung gegangen. Damals als er auf Gottes Geheiß seine Gemahlin Hadschar und seinen Sohn Ismail  in das heilige Gebiet brachte, betete er laut  Vers 37 der Sure 14 (Ibrahim) :

"Herr! Ich habe einen aus meiner Nachkommenschaft in einem Tal, in dem es kein Wasser und kein Gras gibt, bei deinem geheiligten Haus (d. h. der Ka`ba) Wohnung nehmen lassen, Herr, damit sie das Gebet verrichten. Mach, dass das Herz von einer Gruppe von Menschen sich ihnen zuneigt, und beschere ihnen Früchte! Vielleicht werden sie dankbar sein." 

Heute – viele Jahrhunderte nach dem Gebet des Abraham sind Scharen von Pilgern nach Mekka und zum Hause Gottes, der Kaaba , geeilt, um in den Genuss des Hadsches zu kommen und sich an die Geschichte des Glaubens an den Einen Gott und Seine Anbetung  vor Ort zu erinnern.

Diese riesige Zusammenkunft verbirgt bereits viele Geheimnisse in sich und ein jedes ihrer Rituale besitzt einen Sinn und enthält eine Weisheit.

Die wichtigste Philosophie des Hadsches besteht darin, Gott dem Höchsterhabenen unsere Dienstbarkeit und Ergebenheit zu zeigen. Alle Hadsch-Handlungen sind von diesem Geist geprägt.

In dieser heiligen eindrucksvollen Zeit möchten wir von dem tieferen Sinn dieses bedeutenden Gottesdienstes und seinen Bräuche sprechen. 

Die Übereinstimmung der Lehre des Islams mit der Fitrah des Menschen, nämlich seiner Gott gegebenen Urnatur,  bewirkt nicht nur ihre  Anziehungskraft ,  sondern ist auch ein Zeichen für die Unvergänglichkeit und Universalität dieser Religion.

Gott der Allweise hat  die Gebote des Islams, die mit der Fitrah des Menschen übereinstimmen, für alle Zeiten aufgestellt. Diese Konzepte und gottesdienstlichen Handlungen, darunter der Hadsch, können in jedem Zeitalter die Bedürfnisse des Einzelnen und der Gesellschaft erwidern.

Jede Form des islamischen Gott-Dienens enthält eine verborgene Wahrheit.  Es ist notwendig, diese Geheimnisse kennenzulernen, um die schönen und wertvollen Früchte des Gott-Dienens ernten zu können. 

Die Pilger zu Mekka sind von weit her gekommen. Sie haben keine Kosten gescheut, um in das Land der Offenbarung zu reisen. An einem Ort, der sich Miqat nennt, wechseln sie die Kleidung. Sie hüllen sich in das Ihram-Gewand das Gewand der Pilger. Sie rufen "labaik", um Gott zu sagen, dass sie seinem Aufruf zum Hadsch gefolgt sind.  Nun sind sie muhrim-  in einem geweihten Zustand, in dem sie einige Dinge unterlassen. Sie ziehen nach Mekka weiter und beginnen dort gemeinsam die Kaaba zu umkreisen: Tawwaf.

Dann legen  sie mehrmals die Strecke zwischen den beiden Anhöhen Safa und Marweh zurück, mal schnell und dann wieder langsam.

Daraufhin kürzen sie etwas von ihrem Haar oder ihren Fingelnägeln und begeben sich bei dem Großen Hadsch, Hadsch Tamattu` in eine weite Ebene vor der Stadt, die sich Arafat nennt.  Einige Stunden später geht es weiter zu dem Masch`ar al Haram-Tal, um nach einigen Stunden Verbleib  bei Sonnenaufgang in die Gegend von Mina zu ziehen.

Nach Vollziehung der Hadschbräuche in Mina zieht es sie wieder zur Kaaba zurück. Sie umkreisen das Haus Gottes , vollbringen den Sa`i zwischen Safa und Marweh und den Nisa-Tawwaf. Damit ist ihr Hadsch vollendet .

Die Hadschpilger kehren, von dem Gedanken beglückt, Gottes Zufriedenheit erreicht zu haben, in ihre Heimat zurück. 

Besteht der Hadsch,  der für viele  vielleicht nur einmal im Leben möglich ist, lediglich aus diesen äußerlichen Handlungen, so dass die Muslime ohne irgendeine Veränderung erfahren zu haben, in ihre Heimat zurückkehren?

Die Antwort lautet nein.

Alle diese Handlungen beinhalten zahlreiche Geheimnisse.

Jeder, der die Rituale betrachtet, ohne die    Geheimnisse und  Weisheit wahrzunehmen, welche in diesen großen Gottesdienst eingebettet sind, könnte sich fragen: Was sollen alle diese Anstrengungen und Mühen und Unkosten bedeuten? Welchen Sinn haben diese Handlungen und Bräuche?

Einmal wandte sich einer strikter Ungläubiger namens Ibn Abi Al Audscha   an Imam Sadeq (a.s.) und sagte selbstsicher: "Bis wann wollt ihr bei diesem Stein Zuflucht suchen und dieses Haus, welches aus Steinen und Lehm errichtet wurde, anbeten und um es herum schreiten?"

Da begann Imam Sadiq über die Geheimnisse des Tawwafs (der Umschreitung der Kaaba zu sprechen). Er sagte:

Dies ist das Haus, durch das Gott Seine Diener zur Anbetung bringt, damit Er an ihrem Herbeikommen an diesen Ort die Intensität  ihrer Gefolgschaft und ihres Gehorsams prüft. Daher hat Er seine Diener aufgerufen, dieses Haus zu ehren und es aufzusuchen, und  hat es zur Gebetsrichtung der Betenden gemacht.

Die Kaaba ist das Zentrum für die Erreichung der Zufriedenheit Gottes und ist der Weg , der zu Seiner Vergebung führt.

Somit gebührt es Gott am meisten von allen, dass der Mensch sich seinem Gebot unterwirft und sich von dem, was Er verboten hat, fernhält. Er ist Gott, der die Gesichter und die Seelen erschaffen hat."

(aus Bihar al Anwar, Bd. 10, S. 2093)

Der Hadsch hat also ein sichtbares Äußeres und ein verborgenes Inneres. Gott möchte einen Hadsch, bei dem der Hadschpilger den Ruf keines anderen mit "Labaik" erwidert und niemand anderen sucht außer Gott. 

Das Hadsch-Ritual bedeutet Erinnerung an das Leben von großartigen Persönlicheiten, die Geschichte machten, wie Abraham und Ismael und Hadschar.  Der Hadsch soll zum Nachdenken über diese Menschen anregen.

Wer in dieses Gebiet reist, muss  vergessen, jemand anderem als Gott zu dienen, damit er wie Abraham und Ismael die göttlichen Prüfung  aufrecht und siegreich bestehen kann.

Im Islam kommt der Hadsch einem Trainingslager für die Charakterveredlung des Menschen gleich. Dieses Training findet aufgrund bestimmter Programme und zu einer bestimmten Zeit statt.

Der Hadsch hat eine nützliche Wirkung auf den Menschen.

Seine Bräuche sind dergestalt, dass ein jeder von ihnen auf seine Weise  den Menschen vom Egoismus und der Egozentrik befreit.

Die Pilger zum Hause Gottes sind mit dem Ruf Labaik Allahoma Labaik – O Gott wir sind Deiner Einladung gefolgt – herbeigekommen,  um ihre Ergebenheit Gott, dem Einen, gegenüber zu demonstrieren.

Indem sie "Labaik" sagen, geben sie ihre innere Bereitschaft kund, jedem Ruf und jedem Gebot Gottes zu folgen. 

Die Hadsch-Riten gewinnen den Menschen für höhere spirituelle Werte und lösen ihn aus den materiellen Abhängigkeit.

Die erste Voraussetzung für diese spirituelle Reise ist die Reinheit der Absicht – die  völlige Aufrichtigkeit des Herzens.

Alles was nicht Gott ist, soll aus dem Herzen weichen.

Solange das Sündige die Seele verschmutzt hält , wird der Mensch nicht in Erfahrung bringen, wie schön es ist, sich innerlich zu Gott,  dem großen Freund, zurückzuziehen. Der Mensch muß aufrichtig die Absicht hegen, sich von der Sünde abzuwenden, damit er seine Beziehung zu Gott intensiviert. Damit er in Seine Nähe kann. Das ist überhaupt eine Voraussetzung dafür, dass sein Hadsch angenommen wird. 

Der Hadsch ist eine schöne Gelegenheit zur rettenden Hidschra – zur Emmigration aus den alltäglichen Dingen, in die wir  wie in einem Kokon eingeschlossen sind. Diese Hülle behindert unsere  Weiterentwicklung. Die kunterbunten weltlichen Bedürfnisse  ketten uns an und lassen den Aufstieg zu  hohen spirituellen Horizonten nicht zu.

Diese Hidschra – diese Emmigration  -  führt uns von den egozentrischen Neigungen und von den weltlichen Lieben weg und zu Gott. Gott dem Einzigen. Daher muss die Hadschreise in edler, unvermischter Absicht angetreten werden.

Diese spirituelle Reise setzt voraus, dass sich das Herz von allem außer von Gott trennt. Diese Reise entsteht durch den Hadschbrauch. Der Hadsch schafft Bedingungen, durch die der Pilger zum Hause Gottes sich innerlich verändern kann.

Der Hadsch versetzt den Menschen in verschiedene Zustände und Umstände und lässt ihn jeden Augenblick an Gott denken.  Mal in stiller Andacht und Ruhe und mal in Unruhe versetzt, hin und hereilend. Mal am Tag, mal in der Nacht, manchmal am Berg und manchmal in der weiten Ebene. Überall  geht der Hadschpilger den Zeichen Gottes nach, damit er seine dürstende Seele an dem unversiegbaren Quellen der Gottesliebe labt.  

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