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Sonntag, 08 Juni 2014 12:55

Die Reise des Lebens

Die Reise des Lebens
Für Muslime ist das Bewegtsein eine mehrdimensionale Erfahrung, die das ganze Leben anhält.

 

In den 1970ern Jahren schrieb der deutsche Liedermacher Hannes Wader seinen bekannten Song: „Heute hier, Morgen dort.“ Darin heißt es: „Heute hier, morgen dort. Bin kaum da, muss ich fort. Hab' mich niemals deswegen beklagt. Hab' es selbst so gewählt.“

Wie schon im vergangenen, fällt auch in diesem Jahr der Fastenmonat Ramadan wieder in den Beginn der globalen Reisesaison. Nicht wenige Muslime, die es sich leisten können und wollen, werden diese besondere Zeit entweder in der Heimat ihrer Eltern verbringen oder in ein muslimisches Land reisen, wo das Fasten manchmal leichter fällt, weil es in einer gemeinschaftlichen Gestimmtheit geschieht.

Das eine wie das andere verweist auf den Wegcharakter, den das Leben eines Muslims hat. Wir sind als Geschöpfe ­Allahs insgesamt – egal, ob uns das bewusst ist – alle schon auf unserer je eigenen Reise. Jeder Atemzug führt uns unausweichlich von der Geburt, mit jedem Schritt, näher an das Ende unserer physischen Existenz. Es ist daher kein Zufall, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, die menschliche Existenz als kurze Rast auf der Reise einer Karawane beschrieb.

Auf einer anderen Ebene – daran erinnert auch die reinigende und vergeistigende Wirkung des Fastenmonats – sollte unser Leben die Qualität des auf-dem-Weg-sein annehmen. Gelingt uns ein von Allah angenommenes Fasten, dann sind wir nach seinem Ende nicht mehr die gleichen Menschen wie vorher. Wie die Moleküle unseres Körpers, die in unterschiedlichen Zeitläufen regelmäßig vollkommen ausgetauscht werden, werden die Elemente, von denen wir glauben, dass sie unser Selbst ausmachen, durch den Ramadan neu ausgerichtet.

Und, auch dies ein Teil der menschlichen Existenz, hoffen wir auf und fürchten gleichermaßen die Ankunft beim Herrn der Welten. Damit diese Reise – die größte, die ein Mensch unternimmt – gelingen kann, braucht es (siehe S. 10) die notwendige Furcht vor unserem Schöpfer. Wie ein Reisender in dieser Welt Proviant braucht, muss jeder Reisende diese Ehrfurcht (arab. Taqwa) auf dem Weg zu Allah haben.

Einer der vielen Nutzen des Reisens liegt im Bruch festgefahrener Verhaltensmuster und Gewohnheiten, die uns zurückhalten können. Das verbindet es mit der existenziellen Erfahrung des Fastens, bei dem die Gewohnheiten des Selbst gebrochen werden. Unserem Wesen nach sind wir wie Wasser. Wir stagnieren, wenn wir über lange Zeit an einem Ort bleiben, aber werden ebenso klar und süß, je mehr wir fließen und uns bewegen. Auch daher sagten die alten Araber: „Der Segen erwächst aus der Bewegung.“


Quelle: IZ

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