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Samstag, 04 Juli 2015 01:24

30 Tage in der Ramadan Karawane (9)

30 Tage in der Ramadan Karawane (9)
 Die religiöse Pflicht des Fastens bringt  großen immateriellen Segen und  hat eine ausgezeichnete charakterformende Wirkung.   
Der Fastendienst ist zum Beispiel für heranwachsende Jugendliche das beste Mittel, um ihre starken Gemütsschwankungen in den Griff zu bekommen. Dr. Dolatyar Baastaani, iranischer Psychologe und Universitätsdozent erklärt dazu: „Generell ist das Fasten ein Kontrollsystem, welches dem Menschen beibringt, seine Bedürfnisse aufzuschieben, so dass er bei starker Gefühlserregung und Verlangen nach Deckung eines Bedürfnisses, seine Gedanken unter Kontrolle bringen  und ruhig und sicher handeln kann.“
In der muslimischen Gesellschaft wird im Fastenmonat die Achtung vor dem Gesetze und Beachtung der Rechte der anderen trainiert. Geduld gegenüber dem Verhalten und den Äußerungen anderer  gehört zu den Grundlagen von konstruktiven sozialen Beziehungen und das Fasten ist ein gottesdienstliches Werk, welches die Geduld und Ausdauer stärkt.

 

In einer Gesellschaft, in der das Fasten als eine religiöse Pflicht gepflegt wird, fühlen sich im Monat Ramadan alle, auch diejenigen die aus bestimmten Gründen nicht fasten können, zur  Selbstbeherrschung angehalten. Sie vermeiden daher Dinge, die den Fastenden oder die Heiligkeit dieses Monats verletzen, zum Beispiel sollten sie während des Fastens der anderen in der Öffentlichkeit selber auch nichts essen oder trinken.   In einer solchen Gesellschaft achten alle aus Respekt vor den Ramadan-Geboten Gottes  darauf, sich so zu verhalten, dass es nicht gegen die religiösen Sitten verstößt.   

  

Im Monat Ramadan übt der Gläubige mit seinem ganzen Körper die  Enthaltsamkeit. Die Beherrschung von Zunge, Auge und Ohr spielt eine wichtige Rolle für  die Herstellung von gesunden Beziehungen in der Gesellschaft. Das Fasten ist wie eine innere Polizei, die das Verhalten des Menschen überwacht und Sicherheit in der Gesellschaft herbeiführt.  Es lässt sich sagen, dass allgemein die gottesdienstlichen Werke, ganz besonders aber  Ritualgebet und Fasten, ein wichtiger Faktor für die Reduzierung von Sünden zum Beispiel von Kriminaltaten sind.   

 

Im Monat Ramadan gehen Kriminaltaten, wie Diebstahl, Verbrechen, Mord und Schlägerei usw.  erheblich zurück und das liefert den besten Beweis für die allgemeine positive Wirkung des Fastens.

Der Monat Ramadan lässt eine angenehme, spirituell bereicherte  Atmosphäre in der Gesellschaft entstehen.  Durch  Hervorrufung eines inneren Wandels in den Menschen gehen die Ursachen für Fehlverhalten zurück und nimmt die Sicherheit in der Gesellschaft zu.

 

Zu den freiwilligen guten Werken im Monat Ramadan gehört es, andere am Ende des Fastentages zu speisen.  Der Islam empfiehlt allgemein ausdrücklich die Gastfreundlichkeit und verspricht eine große Belohnung für sie. Der Prophet des Islams (Friede sei ihm und seinem Hause) betrachtet jeden Gast, der ins Haus kommt, als göttliches Geschenk. Durch die Bewirtung eines Gastes werden gemäß einem Hadith (in Bihar Al Anwar, Bd.75) die Sünden der Familie, bei der er zu Gast war, gelöscht. Imam Sadiq (a)  hat ebenso (laut Usul – e Kafi, Bd.2 ) gesagt, dass jemand, der einen Gläubigen sättigt, der bei ihm zu  Gast ist,     von Gott am Jüngsten Tag eine große Belohnung erhält und diese Belohnung so groß ist, dass nur Gott sie kennt, und sonst keiner.   

Die Speisung der anderen bringt den Menschen also Gott sehr nahe, besonders wenn es eine Speisung zum Fastenbrechen ist.

Vom Prophet wird überliefert: „Wer einen gläubigen Fastenden im Monat Ramadan zum Fastenbrechen speist,  erhält von Gott eine Belohnung wie die für den Freikauf oder die Freilassung eines Sklaven oder Gefangenen  und dann werden ihm auch die Sünden, die er in der Vergangenheit begangen hat, vergeben.“ Da sagten einige: „O Prophet Gottes! Nicht jeder von uns, kann einem Fastenden ein Iftari (Speise zum Fastenbrechen) geben.“ Da sagte er: „Gott der Höchsterhabene ist so großzügig, dass er jemanden, der einem Fastenden nicht mehr zum Fastenbrechen spenden kann als einen Schluck Milch mit Wasser vermischt, oder ein Glas erfrischendes Wasser oder ein paar Datteln , auf die gleiche Weise belohnt (Man La Yahdhuruhu al Faqih,  Bd. 2).  

 

Imam Ali (a) sagt gemäß der gleichen Quelle: „Deinem muslimischen Bruder eine Speise zum Fastenbrechen zu geben ist noch besser als dein Fasten.“  

Durch den Ansporn zum Spenden einer  Fastenspeise  sollen Freundschaft und Brüderlichkeit zwischen den Menschen und den verschiedenen Bevölkerungsgruppen hervorgerufen werden. Sowohl wird zum Spenden eines Iftari angehalten als auch zur Annahme einer  Iftari-Einladung.

Der Prophet (F.s.m.i.) hat gesagt: „Es verstößt gegen die Regeln der Höflichkeit, dass jemand zu einem Besuch eingeladen wird und ablehnt oder die Einladung annimmt, aber nichts isst.“

 

In der Tat ist die Einladung der anderen zu einem Besuch Ausdruck ihrer Freundschaft. Deshalb ist eine Absage im Grunde eine Art Nichtbeachtung  des Einladenden und eine Ablehnung einer freundschaftlichen Beziehung zu ihm. Das aber verstößt gegen die  Grundsätze der Religion und guten Moral. In den Überlieferungen ist umgekehrt die Annahme der Einladung und das gemeinsame Essen mit ihnen ein Zeichen für Freundschaft. Hischam Ibn Salim, ein Schüler und Helfer Imam Sadiqs (a) berichtet:

„Wir betraten zu mehreren das Haus von Imam Sadiq (a) und ich war der jüngste von ihnen. Der Imam lud uns zum Essen ein. Alle setzten sich ums  Esstuch und aßen mit ihm gemeinsam. Da wandte der Imam sich mir zu und sagte: „Hischam! Weißt du nicht dass die Freundschaft eines Muslims mit seinem muslimischen Bruder gefestigt wird,  wenn er freudig  von seinem Essen isst?“ (Bihar al Anwar, Bd.15)

 

Es gibt allerdings auch Ausnahmefälle, bei denen man eine Einladung nicht annehmen darf.  Zum Beispiel wenn Wohlhabende einen Empfang vorbereiten, zu dem kein Bedürftiger eingeladen wird.  Außerdem darf keiner die Einladung eines Frevlers und Unterdrückers  annehmen:  „Der Prophet Gottes(s) hat seinem treuen Helfer und Schüler Abu Dharr Ghafari geraten: „Iss nichts von den Speisen von Leuten, die Gott gegenüber  ungehorsam sind.“ (Wasail al Schia, Bd. 24)

                          

Prophetenenkel Imam Hasan (a) legte viel Wert darauf, den Bedürftigen zu helfen. Er hat zweimal im Leben sein ganzes Vermögen  und dreimal  im Leben die Hälfte seines Vermögens an die Armen verschenkt.  Es wird überliefert, dass der Imam niemals einen Armen mit leeren Händen wieder fortschickte. 

 

Als er nach dem Grund gefragt wurde, sagte er: „Ich selber bin ein Bettler vor Gott und liebe es, Ihn um etwas zu bitten. Ich schäme mich selber Bittsteller zu sein und einen Bittsteller fortzuschicken. Gott hat mich daran gewöhnt, dass er seine Segensgeschenke für mich herabschüttet und ich habe mich demgegenüber  daran gewöhnt, die Menschen zu beachten und die Gaben Gottes an sie weiter zu verschenken.“

 

Imam Hasan und sein Bruder Imam Husain (gegüßet seien sie) hatten sich zusammen mit ihrem Cousin Abdullah Ibn Dschafar auf den Weg zum Hadsch gemacht. Unterwegs blieben sie hinter ihrer Karawane zurück und hatten nichts zu essen und zu trinken. Da sahen sie in der Steppe ein Zelt. In diesem wohnte ein altes Mütterchen.  Sie baten die Frau um Wasser und etwas Essen. Da holte sie großzügig ihr einziges Schaf herbei und sagte: „Ihr könnt es melken und die Milch trinken. Dann könnt ihr es schlachten. Ich gehe derweil Reisig sammeln, damit ich euch etwas koche.   Sie bereiteten ein Essen mit dem Schafsfleisch vor und stillten ihren Hunger. Dann verabschiedeten sie sich dankend  und sagten, sie solle nach Medina kommen, damit sie sich für ihre Gastfreundlichkeit erkenntlich zeigen können.

Es verging einige Zeit, und es trat eine Dürre ein und die Beduinen zogen in die Stadt. Die alte Frau kam mit ihrem Mann nach Medina und da sie kein Einkommen hatten, sammelte sie die Exkremente von Kamelen ein und verkaufte sie. Einmal sah der Imam die alte Frau an seinem Haus vorbeikommen. Er erkannte sie und sagte zu ihr: „Dienerin Gottes! Kennst du mich?“ Aber die alte Frau antwortete: „Nein.“ Imam Hasan (a)  sage: „Ich bin einer von jenen Gästen, die du damals in deinem Zelt bewirtet hast. Mein Name ist Hasan Ibn Ali.“  Da freute sich die alte Frau: „Meine Eltern seien euch geopfert! Ihr seid Imam Hasan gewesen und ich habe euch nicht erkannt!!“

Imam Hasan sagte seinem Diener, dass er der alten Frau wegen ihrer Wohltätigkeit und Gastfreundschaft 1000 Schafe kaufen und  1000 Dinare geben soll und dann schickte er sie zu seinem Bruder Husein (a) der auch sehr großzügig war. Und Imam Husain (a) beschenkte die alte Frau mit dem gleichen und schickte sie zu Abdullah Ibn Dschafar, dem Ehemann seiner Schwester Hadhrate Zainab (s). Abdullah folgte dem hohen Beispiel der  Imame und schenkte der alten Frau die gleiche Summe.

 

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