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Freitag, 03 Juli 2015 00:45

30 Tage in der Ramadan Karawane (8)

30 Tage in der Ramadan Karawane (8)
    Für einen größtmöglichen Genuss des Segens von Ramadan  ist die Wahrung der körperlichen Kräfte und der Gesundheit wichtig.  Der Fastende beschränkt die Mahlzeiten in der Mehrheit auf das Iftar – die Speise zum Fastenbrechen und das Sahari (die Speise vor dem Morgengrauen). 

Die Beachtung einiger  Gesundheits- und Ärztetipps kann für das Fasten sehr nützlich sein. Erstens sollte unser Essen nicht völlig anders aussehen als vor dem Fastenmonat. Auf jeden Fall sollte es einfach und der Speiseplan so gestaltet sein, dass der Fastende nicht zu viel an  Gewicht verliert. 

 

Mit Beginn des Fastenmonats und bei den langen Fastentagen im Sommer braucht der Körper eine Nahrung, die seinen Stoffwechsel anregt.  Es schadet dem Verdauungsapparat ohne Sahari zu fasten, das heißt ohne vor Anbruch des Fastentages etwas zu essen und es wird für diese Zeit eine vollständige Mahlzeit empfohlen, besonders wenn die Zeitspanne bis zum Fastenbrechen am Abend groß ist.  Wir sollten dabei Nahrung zu uns nehmen, die langsam verdaut wird. Zu empfehlen sind Hülsenfrüchte und Getreidekörner,  Nüsse wie Mandeln und Früchte wie Bananen. Es wird außerdem Nahrung mit viel  Zellulose empfohlen,  wie Obst, Salat, Küchenkräuter sowie zusätzlich eine geeignete Menge an  Protein und Mineralstoffen, zum Beispiel in Form von Eiern,  Fleisch und Molkereiprodukten.

Aber auf sehr Fettiges oder Angebratenes  oder sehr zuckerhaltige Speisen sollte man verzichten.

 

  Da der Mensch normalerweise innerhalb von 24 Stunden 8 Gläser Wasser zu sich nehmen  muss, sollte er entsprechend genug in der Zeit vom Fastenbrechen bis zur Speise vor dem Morgengrauen trinken, vor allen Dingen Wasser.

Einige Fastende begehen den Fehler beim Fastenbrechen erst etwas Kaltes zu trinken, um ihren Durst zu löschen. Es ist aber besser, das Fasten mit etwas warmen Wasser oder mit einem warmen Tee zu beginnen und dann ein paar Datteln oder  Rosinen  zu essen. Dadurch wird der Appetit und Durst gebremst. Imam Sadiq (Friede sei mit ihm) sagt:

„Der Prophet Gottes hat sein Fastenbrechen mit einer Süßspeise  eröffnet und wenn es keine gab, dann mit Datteln und wenn er keine Datteln hatte, mit lauwarmen Wasser. Er sagte darüber, dass dies den Magen und die Leber reinigt und Kopfschmerzen beseitigt.“

Es ist gut beim Fastenbrechen eine eher flüssige Nahrung wie Suppe oder Eintopf (Aasch) zu sich zu nehmen, um das angemessene Verhältnis zwischen Körpersalzen und Körperflüssigkeit zu bewahren.

Um dem Körper die nötige Wassermenge zuzuführen, sollte man nach dem Fastenbrechen bis zum Schlafen nacheinander Obst  und schwachen Tee oder andere Flüssigkeiten zu sich nehmen, insbesondere Wasser.   

Ein wichtiger Schritt zur Befreiung der Seele von Gelüsten und diabolischen Verlangen besteht darin, eine Bilanz über sich selbst zu ziehen, d.h. der Mensch sollte am Ende jedes Jahres, oder Monats bzw. wöchentlich oder sogar jeden Abend sich mit der Bilanz seiner Taten auseinandersetzen. Er soll sorgfältig überprüfen was er an guten und schlechten Taten auf seinem Konto stehen hat. Wie oft hat er die göttlichen Gebote befolgt und wie oft hat er gegen sie verstoßen? Wann hat er Gott gedient und wann hat er den Verlangen des Egos gefrönt?

Der Gläubige  sollte bei dieser Kontrolle  genauso präzise vorgehen wie jemand, der über Gewinne und Verluste seiner weltlichen Handelsgeschäfte Rechnung führt.

Eine solche Bilanzführung ist  auch in religiösen Angelegenheiten von  großem Nutzen. Wenn die Abrechnung über unsere  Taten am Ende einen großen Gewinn anzeigt, so zeugt dies dafür, dass wir  den rechten Weg gegangen sind und ist ein Ansporn, diesen Weg fortzusetzen.   Steht jedoch ein hoher Verlust nach der Berechnung unter dem Strich, ist es ein Alarmzeichen für einen Missstand und so bald wie möglich sollte der Mensch etwas gegen diesen Missstand unternehmen.

Der Mensch muss achtgeben, welchen Ertrag er für das Leben, das er verbraucht, erntet.   Wie wird sein Ausgang sein? Hat er etwas gewonnen  oder hat er Schaden? Wenn er bisher Verluste hatte, sollte er weitere verhindern und immer mehr nach  immateriellen Gewinnen streben.

Imam Ali (a) sagt: „Wer  über sein Ego Bilanz führt, der lernt seine Fehler kennen. Er erfährt über seine Sünden und anschließend bereut er sie und korrigiert seine Fehler.“ (Gharar al Hakam)

Es fördert die Achtsamkeit des Menschen, wenn er Bilanz über seine Taten führt und dabei auch seine Gedanken und die Absicht, mit denen er ein religiöses Werk oder seine Taten begangen hat,  überprüft und somit auch die Handlungsgründe untersucht.

Wenn er sich über etwas freut oder ihn etwas bekümmert, fragt er sich dann nach der eigentlichen inneren Ursache. Oder wenn er sich zu einer Sache geäußert hat, fragt er sich, ob er es Gott zuliebe getan hat oder ob er nur die Aufmerksamkeit oder Gunst der anderen für sich gewinnen wollte oder andere versteckte Motive vorlagen.  Das heißt der Mensch zieht bereits im Leben mit sich selber ins Gericht, bevor er am Jüngsten Tag die Fragen der Engel Gottes beantworten muss.   

 

Der Prophet (s) empfahl seinem aufrichtigen und treuen Schüler Abu Dharr Ghafuri : „Abu Dharr! Ziehe Bilanz über dein Ich, bevor über es Bilanz gezogen wird, denn dies wird eine Erleichterung für deine Abrechnung am Jüngsten Tag sein. Bevor sie dich einschätzen, schätze du dich selber ein und bereite dich auf den Tag des Jüngsten Gerichtes, an dem nichts verborgen bleibt, vor … Keiner ist ein Gottesfürchtiger, es sei denn, dass er Bilanz über sich selbst führt und zwar noch strenger als jemand, der seinen  Geschäftspartner prüft. Am Ende dieser Berechnungen sollte er wissen woher  das kommt,  was er isst und trinkt und anzieht. Hat er es auf einem Wege, der hilal (religionsrechtlich erlaubt) oder auf einem der haram (religionsrechtlich verboten) ist, erworben?  O Abu Dharr! Wer die Gebote Gottes nicht beachtet und keine Bedenken hat auf welchem Wege er etwas erwirbt,   demgegenüber hat auch Gott keine Scheu auf welchem Wege Er ihn in die Hölle schickt.“ (Wasail Al Schia ,Bd.16)  

 

Jederzeit kann der Mensch über sich selber Bilanz ziehen. Doch der Monat Ramadan ist besonders für eine jährliche Bilanz geeignet.  Seyyed Ibn Tawus, der ein großer Ethik-Gelehrter war und im  13. Jahrhundert nach Christus lebte, wird wie folgt zitiert:

„Für einige ist der Farwardin (1. Monat im iranischen Sonnenkalender)  der Beginn des Jahres und sie hüllen sich in neue Kleidung wie die Bäume, deren Jahresbeginn der Farwardin ist,  an dem sie sich in ein neues Kleid hüllen.  Für einen Bauer ist der Herbst Jahresbeginn, wenn er den Ertrag seines Ackers feststellen kann. …. Aber für die, die auf dem mystischen Pfad zu Gott sind, beginnt das Jahr im Monat Ramadan.

Sie ziehen Bilanz über sich selber, um zu sehen welchen Grad an Spiritualität sie im letzten   Ramadan besaßen und welchen sie inzwischen erreicht haben.  Für die mystischen Wanderer ist der gesegnete Monat Ramadan der Monat der Begegnung mit dem Geliebten Freund (mit Gott)  und der Monat des Bilanzziehens.“

 

Der Monat Ramadan ist der Frühling des Korans und des grenzenlosen Segens Gottes.  Es ist die Zeit in der der Fastende die Nähe zu Gott in Erfahrung bringen kann.

Der Wille des Fastenden wird gestärkt und er wird von inneren Fesseln befreit. Er konfrontiert mit seinen egoistischen Wünschen und leistet den Trieben gegenüber Widerstand.

Für die gebürtige Hamburgerin und Fernsehjournalistin Kristiane Backer  ist das Fasten eine schöne Erfahrung. Sie  sagt: In der schönen Fastenzeit werde ich doppelt motiviert , denn das Himmelsbuch des Korans wurde zum ersten Mal in diesem Monat auf den Propheten des Islams (Friede sei mit ihm) herabgesandt. Der Prophet  sagt:  `Mit Beginn des Ramadan stehen den Gläubigen, die fasten, die Tore zum Paradies offen und werden die Tore zur Hölle geschlossen.`

Der Monat Ramadan und das Fasten sind  also wie ein spirituelles Schutzschild und dadurch dass mir diese Wahrheit bewusst wird, erstarke ich um ein Vielfaches.“

 

Kristiane sieht im Fasten und in der Fähigkeit zu fasten eine Hilfe von Gott und sagt: „ Die Regeln des Monats Ramadan bescheren mir jeden Tag eine erfolgreiche Erfahrung und bei jedem Fastenbrechen entfacht in mir ein Siegesgefühl. Auf diese Weise habe ich eine wichtige Regel des Islams nachvollzogen. Denn Gott ließ durch den Propheten des Islams wissen: „Wenn ein Diener einen Schritt auf Mich zugeht, so gehe ich ihm 10 Schritte entgegen.“ Darin steckt die Weisheit, dass ein Schritt von uns aus genügt damit Gott uns bei den nächsten Schritten hilft.“

Kristiane sagt sie fühlt sich am Ende des Ramadan von Freude erfüllt und  verspürt, dass sie innerlich rein geworden  und in größere Nähe zu Gott gelangt ist.

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