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Montag, 22 Juni 2015 00:35

30 Tage in der Ramadan Karawane (3)

30 Tage in der Ramadan Karawane (3)
Der Fastende ist sich bewusst, dass der Mensch verschiedene Seiten hat: materielle und immaterielle. Jede seiner Seiten bedarf

eines besonderen Programmes für eine optimale Entwicklung. Eines der Programme für die Entfaltung seiner immateriellen Seite ist das gottesfürchtige Handeln. Gottesfürchtigkeit  - Taqwa – hält den Menschen davon ab zu sündigen und gegen Gottes Gebot zu verstoßen.

Gottesfürchtigkeit motiviert ihn zur Gott-Dienstbarkeit. Will der Mensch seine immaterielle Seite zur Entfaltung bringen und formen und die gewünschte Läuterung erreichen, dann muss er seine egoistischen Wünsche  zügeln und die Hindernisse auf dem Weg zu seiner Entfaltung eines nach dem anderen beseitigen.  Das Fasten gehört zu den gottesdienstlichen Handlungen, die hierbei helfen können.  Wir sagten bereits, dass Gott  in dem Vers 183 der Sure 2 das Fasten damit begründet, dass es ein Weg zur Gottesfürchtigkeit ist.   Es ist eine Übung für die Gottesfürchtigkeit:

Denn es heißt: „O ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr gottesfürchtig.“

Fasten scheint  nach außen hin nur in dem Verzicht auf einige Dinge wie Essen und Trinken zu bestehen, aber in Wahrheit trainiert der Mensch beim Fasten  durch Nicht-Beachtung seiner egoistischen Neigungen die Gottesfürchtigkeit.

Das Fasten im Monat Ramadan ist eine 30 tägige Übung, bei der der Mensch bewusst, um Gott zu gehorchen und Ihm zu dienen, das Ego von dem, was es begehrt, zurückhält. Bei diesem bewussten Handeln kann sich der Gläubige mit Hilfe weiterer  Mittel der echten Gottesfürchtigkeit nähern. Diese Mittel,  die ebenso den Glauben stärken, sind die Verrichtung des Ritualgebetes in Gemeinschaft oder zusätzliche Ritualgebete, die Verlesung des Korans,  die nächtliche Andacht und Anflehung und ähnliches.

Die Belohnung mit dem Paradies und die Erreichung der höchsten Güter macht der Koran von der Gottesfürchtigkeit der Menschen abhängig. In vielen Versen heißt es, dass das Paradies mit seinen Gnaden den Gottesfürchtigen „Muttaqin“ zusteht. Sie waren im Leben bestrebt, zu idealen Menschen zu werden. Gott der Allmächtige sagt in den Versen 45 bis 48 der Sure Hidschr (Sure 15 ):

„Wahrlich, die Gottesfürchtigen werden sich in Gärten und an Quellen befinden. „

„(die Engel sagen zu ihnen: ) `Tretet hinein in Frieden und Sicherheit!`"

„Und Wir wollen hinwegnehmen, was an Groll (Neid, Ablehnung und Feindschaft) in ihren Herzen sein mag (und ihren Geist läutern) ; brüderlich (sollen sie) auf Ruhesitzen einander gegenüber sitzen.“

„Müdigkeit wird sie darin nicht berühren, noch sollen sie jemals von dort vertrieben werden.“

 

 Durch Beachtung der  göttlichen Gebote im Fastenmonat Ramadan frischt der Mensch seine Gottesfürchtigkeit auf.

Die verschiedenen Triebe  im Menschen, wie  das Verlangen nach Essen und Trinken und ebenso sein Hang zum Materiellen  usw. sind für den Erhalt des Lebens notwendig. Wichtig ist jedoch,  die Grenzen für diese Wünsche  einzuhalten. Denn wenn sie das natürliche Maß überschreiten, wird der Mensch ihr Untertan. Der Fastende schränkt jedoch seine leiblichen Wünsche in der Fastenzeit ein. Fasten ist aber nicht nur  Verzicht auf Speis und Trank sondern auch  Enthaltung von der Sünde. 

Der Prophet des Islams (Friede ihm und seinem Hause) antwortete  auf die Frage Imam Alis (a), welches gottesdienstliche Werk im Monat Ramadan am besten sei,  mit den Worten: „Sich der Sünde  enthalten.“ (Wasail al Schiah).

 

Gottesfürchtig zu sein und zu bleiben ist gar nicht so schwierig. Bei jedem rechtschaffenen Werk und bei jeder Distanzierung von etwas Schlechten,  praktizieren wir Gottesfürchtigkeit.

 

Der segensreiche Monat Ramadan ist die beste Zeit für die Befolgung der Anweisungen Gottes und die Praktizierung der Gottesfürchtigkeit. 

Für gottesfürchtiges Handeln gibt es viele Beispiele – zum Beispiel anderen helfen, nichts an sich nehmen, was einem anderen gehört, oder auch bei gottesdienstlichen Handlungen wie dem täglichen Gebet auf die richtige Ausführung zu achten.  Durch Einüben und Aneignen dieser Gewohnheiten, gewöhnt sich der Fastende an die Einhaltung der göttlichen Gebote und vertieft die Gewissheit, dass er immer in der Allgegenwart des Herrn ist.

Auf diese Weise macht er sein Herz schön und hell.

 

Gottesfürchtigkeit bedeutet, sich von dem zu enthalten, was Gott  verwirft. Wer sich aus Liebe zu Gott von hässlichem Tun fernhält und um Gott zufrieden zu stellen bereit ist, Härten zu ertragen, dem erweist Gott besondere Gunst. Der Erhabene Prophet (Friede sei ihm und seinem Hause)  hat –wie dem Band 77 von Bihar ul Anwar zu entnehmen ist, zu seinem treuen Schüler Abu Dharr gesagt: „Abu Dharr!  Denk immer an Gott und an seine  Zufriedenheit, damit Er dich ins Auge fasst.“ In dem gnostischen Buch „Tadhkirat- al Auliya “ von Scheich Attar Neyschaburi, ( 13. Jahrhundert n. Chr.) steht:

„Ein Mystiker hatte sich gelobt, bei Geschäften  nur 5 Prozent Gewinn zu verlangen.  Eines Tages kaufte er Mandeln zu einem Preis von 60 Dinaren.  Zufällig stieg der Preis der Mandeln auf dem Bazar. Ein Zwischenhändler kam in seinen Laden, um Mandeln zu erwerben und fragte wieviel sie kosten. Er antwortete ihm:  „63 Dinar!“  Der Zwischenhändler sagte: „Der Preis für  Mandeln beträgt aber 90 Dinar.“ Jedoch der Gnostiker antwortete ihm: „Das stimmt! Aber ich habe mir gelobt, dass ich nicht mehr als 5 Prozent an einer Ware verdienen will.  Ich bin bereit, den Preis auf dem Markt zu brechen, aber nicht mein Gelöbnis.“

 Bald darauf entstand im Bazar ein Feuer und alle Läden brannten mitsamt ihrer Ware ab. Nur das Geschäft  des Gnostikers blieb heil. Gott hatte ihn beschützt, weil er nach Gottesfürchtigkeit gestrebt hatte.

 

Ramadan ist mit seinen schönen Dingen wieder in die Häuser der Muslime eingekehrt.  Sie sind eifrig darum bemüht ihrer religiösen Pflicht nachzukommen. Viele Nicht-Muslime wundern sich über die Fröhlichkeit und Zufriedenheit die sie dabei ausstrahlen.  Sie denken nämlich  Monat Ramadan bedeutet nur Verzicht auf Essen und Trinken,  und sie fragen sich, warum die Muslime diesen Verzicht auf  sich nehmen. Manchmal treibt ihre Wissenslust sie dazu an, selber einmal das Fasten im Monat Ramadan auszuprobieren, um zu erfahren, weshalb die Muslime diesen Monat lieben.

Raul aus Indien hat diese Erfahrung gemacht. Und diese Erfahrung im Monat Ramadan ließ ihn mit dem Islam Bekanntschaft schließen. Raul wurde schließlich Muslim. Er sagt: „Ich bin nun schon seit einigen Monaten Muslim. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, wo alle Hindus waren. Einige von ihnen beteten Götzen an, und andere verehrten Tiere wie das Rind und wieder anderen haben die Sonne für Gott gehalten. Ich bin in einem solchen Umfeld groß geworden und habe wegen dieser Ansicht in Unglauben und Irrtum gelebt, bis Gott es wollte, dass ich in das muslimische Land Oman gehe um dort zu arbeiten.   Dort bin ich zum ersten Mal Muslimen begegnet und habe während der drei Jahre, die ich in diesem Land gelebt habe, viel über den Islam erfahren. Diese 3 Jahre haben mir sehr viel bei der Erkenntnis der Wahrheit und beim Umdenken geholfen.“

Das Fasten der Muslime war der Impuls für die ersten Fragen, die Raul sich stellte. Er begann über den Sinn des Fastens und den Monat Ramadan nachzuforschen. Die Antwort, die ihm seine Freunde gaben und das Ergebnis seiner Nachforschungen, hatten eine große Wirkung auf ihn. Er entschloss sich wie die Muslime im Ramadan zu fasten um herauszufinden, was ein Muslim beim Fasten empfindet. Über das Fasten sagt er:

„Bevor  ich Muslim wurde, habe ich nur aus Neugier gefastet. Ich habe dabei auch nur auf Nahrung verzichtet. Aber wenn ich jetzt faste, dann erwacht in  mir die Gott-Dienstbarkeit und Gottergebenheit. Der Monat Ramadan bedeutet jetzt für mich nicht nur ein Verzicht auf Nahrungseinnahme, sondern ich bete in diesem Monat und verrichte das Gebetsritual, gebe Almosen, und verbringe einige nächtliche Stunden in Andacht und lese im Koran.“

Raul hat, nachdem er Muslim wurde, den Namen Rayyan für sich ausgewählt. Gott hat nämlich den Fastenden verheißen, dass sie das Paradies durch das Bab-ul Rayyan betreten, das Tor derer, deren Durst gestillt wurde.  

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