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Freitag, 19 Juni 2015 20:55

30 Tage in der Ramadan-Karawane (2)

30 Tage in der Ramadan-Karawane (2)
AMWir sind Gott von Herzen dankbar, dass wir auch dieses Jahr den segensreichen Monat Ramadan erleben dürfen, den Monat, über den Gott

  in Seinem Heiligen Buch in der Sure 2, Vers 185 sagt: „Der Monat Ramadan ist es, in dem der Koran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung (zwischen Recht und Unrecht)….“

 

Zum Monat Ramadan gehört die Fastenpflicht  und zwar soll jeder, der fasten kann,  29 bzw.  30 Tage lang tagsüber, d.h.  vom ersten Morgenlicht  bis zum Sonnenuntergang  nichts zu sich nehmen und alles unterlassen, was das Fasten ungültig macht. Diese religiöse Übung dient dazu,  Gott näher zu kommen.  

 

In den Versen 183 und 184 der Sure 2 heißt es über die Fastenpflicht.

„O ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr gottesfürchtig.“

„Es sind nur abgezählte Tage, (in denen ihr fasten sollt). Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten). Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können(weil sie krank sind oder betagt), ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es (nur) wüsstet!“

                                  

Wie an dieser Stelle im Koran steht, ist das Fasten auch für die früheren Glaubensvölker eine Pflicht gewesen.  Aber einige werden vom Fasten im Monat Ramadan befreit, weil sie krank und schwach sind oder auf Reisen. Wer in dieser Zeit nicht fasten kann, darf es nachholen oder kann es durch die Speisung von Armen ausgleichen.

An dieser Stelle im Koran spricht der Allbarmherzige auch von dem großen Nutzen und dem Sinn des Fastens. Der Fastendienst soll uns nämlich zur Gottesfürchtigkeit verhelfen. Dadurch wir das Fasten für Gott zu einer erstrebenswerten gottesdienstlichen Handlung für die Gläubigen.  Gott klärt uns darüber auf,  dass es besser ist zu fasten.  Er spornt die Gläubigen an, dieser religiösen Pflicht nachzukommen.

                                   

Der Monat Ramadan ist eine Gelegenheit damit wir Bilanz über uns selbst und unsere Taten ziehen. Haben wir bisher alle gottesdienstlichen Werke aufrichtig nur für Gott getan?  Wir befinden uns nun an der Festtafel Gottes im Monat Ramadan. Sie beschert uns die segensreichen Stunden vor dem Morgengrauen, besinnliche Momente beim Fastenbrechen, Gebetssitzungen und Koranlesungen. Du bist eingeladen dir von dieser Festtafel so viel zu nehmen, wie es dich verlangt und wie du es vermagst.

                      

Es ist ein Segen, dass der Mensch sich an etwas erfreuen kann.

Die einen genießen es an einem wissenschaftlichen Disput teilzunehmen und andere haben Freude an einem guten Essen.

Die höchsten Stufen des Genusses  sind jedoch in der Spiritualität zu suchen.  Der Mensch erreicht  solche Freuden,  wenn er  sich gute Eigenschaften zulegt, anderen kein Unrecht tut, anderen ein Unrecht, das sie ihm angetan haben,  verzeiht oder einem Bedürftigen etwas spendet.

Die spirituellen Freuden  erreichen im Monat Ramadan beim Fasten ihren Höhepunkt. Das Herz erfreut sich zutiefst an der Verlesung des Korans und der schönen Atmosphäre des Gemeinschafsgebetes und  den vertraulichen Gebeten zu Mitternacht.

                    

Ahmad ist noch nicht lange Muslim. Er lebt in San Franzisco, USA.  Er erzählt:

„Bevor ich Muslim wurde, ging ich in eine katholische Schule in Florida. Außerhalb des Unterrichts habe ich viel gelesen. In einem der Bücher über den Islam las ich, dass die Muslime fasten müssen.

Fasten bedeutet Hunger und Durst ertragen und Selbstbeherrschung zu erlernen. Es war für mich zunächst nicht einfach, das Fasten zu verstehen.  Als ich Muslim geworden war und zum ersten Mal gefastet habe, war ich 19. An diesem Tag sagte ich stolz zu meinem Zimmergenossen, dass ich fasten will, weil Ramadan ist. Es war das erste Mal, dass ich etwas nicht für meine Eltern tat oder um eine gute Note zu erhalten.  Sondern ich habe für jemanden gefastet, den ich nie sah, aber dessen Gegenwart ich mit Leib und Seele spürte.  Dieser Tag war der beste und vielleicht der bedeutendste Tag in meinem Leben.“

Ahmad erzählt weiter: „Meine nicht-muslimischen Freunde denken, jemand der fastet, würde bis zum Abend nur Durst und Hunger ertragen. Aber sie bemerkten eine Veränderung in mir, wenn ich ihnen beschrieb,  dass ich das Gefühl habe rein und erleichtert zu werden und seelische Ruhe empfinde.

Durch das Fasten habe ich in Wahrheit einen spirituellen Genuss erlebt, dem ich zuvor  vielleicht  noch nie begegnet bin.“

 

Wir bitten Gott dass die lieben jungen Menschen in allen Teilen der Welt in dieser schönen spirituellen Zeit des Monats Ramadan den Genuss des Glaubens kennenlernen und er fester Bestandteil ihres Lebens wird.

                         

Der Monat Ramadan ist der Monat der Selbsterziehung. Dieser Monat verleiht dem Menschen Kraft, sich selbst zu erkennen und den Weg Gottes zu gehen. Nur in diesem Monat ist das Fasten eine Pflicht.  Dieses gottesdienstliche Werk hat seine besonderen Vorzüge.  Gott hat gesagt: „Das Fasten ist für Mich und Ich Selber belohne  es.“

Das Fasten setzt echte Gottergebenheit  voraus. Die anderen sehen nicht, ob der Mensch fastet. Es ist ein verborgenes Werk. Im Gegensatz  dazu sind andere Formen des Gott-Dienens zu sehen. So ist die Verrichtung des Ritualgebets mit seinen Verbeugungen und Niederwerfungen für die anderen sichtbar. Auch die Verrichtung der Khums- und Zakkatabgabe und das Spenden bleiben nicht verborgen, zumindest diejenigen, die diese erhalten, erfahren davon. Hadsch und Dschihad sind ebenso sichtbar. Aber nicht das Fasten. Solange jemand nicht davon spricht, dass er fastet, merken die anderen es nicht. Imam Ali (a) weist darauf hin, dass das Fasten eine Beziehung ist zwischen Diener und Herr: Nur Gott erfährt vom Fasten des Gottdieners und der Gottesdiener erhält nur von Gott seinen Lohn dafür. 

Das Fasten verhilft dem Menschen also zu seiner aufrichtigen Hingabe an Gott und der ausschließlichen Suche nach Gottes Zufriedenheit.  Wer diese gottesdienstliche Handlung einen Monat lang durchführt, kann  echte Gottergebenheit erlernen.  

                                 

Das Fasten ist auch ein Kampf gegen den Feind Gottes: gegen Satan.  Das Instrumentarium Satans sind die triebhaften Wünsche des Menschen und diese wachsen durch Essen und Trinken. Deshalb hat der  Prophet(s)  gesagt: „Satan beginnt wie Blut den Menschen zu durchströmen, deshalb engt  ihm durch den Hunger die Korridore ein.“

                    

Ichlas – die unvermischte Gottergebenheit ist eine der höchsten Stufen spiritueller Vervollkommnung.  Diese Gottergebenheit bedeutet, dass wir nur für Gott handeln, zum Beispiel fasten oder spenden oder beten. Wer eine solche unvermischte Absicht hegt, für den spielt es keine Rolle mehr, ob die anderen ihn loben oder rügen.  Ihm geht es beim Gott-Dienen nur darum, den Herrn und Schöpfer zufriedenzustellen- ob jemand anderer damit zufrieden ist oder nicht.   

 

In einer Erzählung wird von einem frommen Mann berichtet, der gesagt hat: „Ich habe das Ritualgebet, das ich im Laufe von 30 Jahren in der Moschee in Gemeinschaft mit den anderen und in der ersten Reihe gebetet habe, noch einmal nachgeholt! Denn einmal kam ich etwas zu spät in die Moschee und weil in der ersten Reihe kein Platz mehr war, habe ich mich in die zweite Gebetsreihe gestellt. Da habe ich mich vor den Leuten, die mich in der zweiten Gebetsreihe  stehen sahen, geschämt.

In dem Augenblick wurde mir klar, dass mir die Ansicht der anderen wichtig ist und ich habe begriffen, dass alle meine Gebete mit Heuchelei vermischt und ohne ungetrübte, reine Gottergebenheit geschehen waren.

                              

Der Prophet (s) hat gesagt: Durch die aufrichtige Absicht, etwas nur für Gott zu tun, können die höheren Stufen eines  Gläubigen erreicht werden.“

 

Es gibt  verschiedene Grade der aufrichtigen Gottergebenheit und je nach diesem Grad kommen Gläubige auf eine höhere Stufe zu stehen.

 

Der eine  Grad  aufrichtiger Gott-Ergebenheit wird durch die Angst vor der Verdammnis bewirkt und ein anderer Grad durch das Sehnen nach dem Paradies.  Aber der höchste Grad der aufrichtigen Gottergebenheit  besteht darin, dass der Mensch nichts anderes im Auge hat als  Gott .

Imam Ali sagt: „O Herr! Ich diene dir nicht aus Furcht vor dem Feuer oder wegen der Faszination der paradiesischen Gaben, sondern weil  ich erkannt habe, dass du der Anbetung würdig bist!“

 

Die Vorbilder für  Gotterkenntnis waren immer darum bemüht, sich von der Heuchelei freizuhalten  und strebten nach hohen Graden der aufrichtigen Gottergebenheit zu erreichen.

Allamah Abdullah Schuschtari , so wird berichtet, hatte Scheich Bahai, den großen Rechtsgelehrten und Mystiker des 10. Jahrhunderts nach der Hidschra (16. Jahrhundert nach Christus) einen Besuch zuhause abgestattet. Sie unterhielten sich, als es Zeit zum Gebet wurde. Scheich Bahai bat  Allamah Schuschtari dass sie gemeinsam das Gebet verrichten, und er der Gebetsimam sein solle  d.h. dass er, Scheich Bahai, sich hinter ihm  zum Gebet aufstellt. Aber der Gelehrte lehnte ab und kehrte nach Hause zurück. Einige fragten ihn nach dem Grund. Da sagte er: „Ich habe hin und her überlegt und mir dann gesagt, wenn jemand wie der Scheich Bahai hinter mir zum Gebet steht, könnte sich etwas an meinem Herzen ändern und weil ich vor dieser Änderung  Angst hatte, habe ich es abgelehnt.“ 

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