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Sonntag, 20 Juli 2014 06:46

Frühling Ramadan (4)

Frühling Ramadan (4)
Die Tage und Nächte des gesegneten Monats Ramadan gehen rasch nacheinander zu Ende. Und die letzten 10 Tage dieses kostbaren Monats sind angebrochen. Wir grüßen alle, die in die Nähe Gottes gelangen durften und an dem Segen dieses großen göttlichen Banketts teilhaben konnten.

Auch die letzten Tage dieser einmaligen Zeit mögen uns noch Erfolg bei der Selbsterkenntnis, Selbstveredlung und Vollbringung guter Werke, die Gottes Zufriedenheit finden, bescheren.                              

Eine der besten spirituellen Stationen für  alle, die Gott in diesem Monat dienen  und auf Seine Barmherzigkeit hoffen, ist die Nacht der Bestimmung (am 19. 21. oder 23.  Ramadan). Wir begegnen wie jedes Jahr der Frage Gottes über diese Nacht, nämlich der Frage in der Sure Qadr, Sure  97, Vers 2: „Aber wie kannst du wissen, was die Nacht der Bestimmung ist?“

 Es ist vielleicht eine der wichtigsten Fragen im Heiligen Koran, die den Menschen immer wieder zum Nachdenken über das Verborgene anregt.

 

 Die Nacht der Bestimmung ist eine segensreiche heilige Nacht, welche Gott im Koran besonders würdigt. Gott  hat eine gleichnamige Sure – die Sure Qadr, Sure 97 -   herabgeschickt. Keine Nacht besitzt die großen Vorzüge der Qadr-Nacht. Diese Nacht ist die Nacht der Herabsendung des Korans und der Engel. Sie ist mit schönen Geheimnissen angefüllt, mit Anflehungen und vertraulichen Gesprächen zu Gott; mit Anrufungen und inständigem Bitten um Seine Vergebung.

                     

Im Iran gibt es eine Kinderspiel namens „Schlangen und Leitern“ und zwar ist das Spielbrett in eine größere Anzahl kleine Quadrate aufgeteilt  und  in einigen Häuschen ist eine Schlange und in anderen eine Leiter abgbildet. Wer bei diesem Spiel auf ein Häuschen mit einer Leiter zu stehen kommt, der darf einige Felder überspringen und höher steigen, aber wer in ein Häuschen mit der Schlange gerät, der rutscht um einige Felder wieder zurück.

Manchmal ist jemand weit unter auf dem Spielbrett , aber er kommt zu einer Leiter und kann eine größere Anzahl von Häuschen weiter hoch steigen.  Und manchmal ist einer schon weit oben, aber weil ihm eine Schlange begegnet , fällt er wieder zurück.

Das Leben lässt sich mit diesem Spielbrett für  Schlange und Leiter vergleichen.  Manchmal bist du  weit unten aber Gott stellt dir eine Leiter auf den Weg. Zum Beispiel ein gutes Buch, einen guten Freund oder einen guten Ehepartner und diese verhelfen dir aufzusteigen und dich zu vollenden. Und manchmal bist du schon weiter oben, hast ein Studium erfolgreich abgeschlossen, besitzt Prestige oder hast sogar schon eine hohe Stufe der Gottesfürchtigkeit erreicht, aber da beißt dich eine Schlange. Zum Beispiel zieht dich ein schlechtes Buch, oder ein schlechter Freund oder ein unerlaubtes Einkommen wieder von deiner Stufe herunter.

  In der  göttlichen Ordnung  ist der Ausgang am wichtigsten. Wie wird unser Ausgang aussehen?

 

 In den Überlieferungen wird empfohlen, dass der Mensch immer Gott um einen guten Ausgang bittet und nie die Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit aufgeben soll. 

Die Nächte der Bestimmung sind die beste Zeit, um solche Bitten vor Gott zu tragen.  

Gott ist Ozean der Barmherzigkeit und wir sind wie verschmutztes Flußwasser, das wieder rein und klar wird, wenn es ins Meer zurückkehrt. Durch unsere Umkehr zu Gott werden wir rein. Gott spricht im Vers 49 der Sure Hidschr:, Sure 15:

„Gib meinen Dienern kund, dass ich derjenige bin, der barmherzig ist und bereit zu vergeben.“

                                 

Einmal gab es zur Zeit von Prophet Moses (a) eine Dürre und überall herrschte Hungersnot. Da baten die Gläubigen den Propheten,  dass er das Gebet zur Erflehung von Regen verrichtet. Moses zog mit einer großen Schar vor die Stadt. Gemeinsam verrichteten sie das Gebet für Regen und danach flehten sie Gott inständig an. Doch es regnete nicht.

Da sprach Moses zu Gott: „O Gott ! Zusammen mit siebentausend Menschen habe ich um Regen gebetet, aber es hat nicht geregnet! Woran liegt das? Bin ich vor Dir auf eine niedrigere Stufe herabgesunken?“

Gott sprach:

„Moses! Dein Rang ist nicht weniger geworden, aber unter euch ist einer, der seit 40 Jahren sündigt. Sag ihm er soll gehen, damit ich euer Gebet erhöre!“

Moses (a) verkündete, der Sünder solle die Menschenmenge verlassen, damit Gott Regen schickt.

 

 Der Sünder, der 40 Jahre lang nicht die Gebote Gottes befolgt hatte, sah, dass  keiner weggeht und da wurde ihm klar, dass Gott ihn meint. Er dachte bei sich: Wenn ich weggehe, werde ich mein Gesicht verlieren,  und wenn ich nicht gehe, wird es keinen Regen geben!

Ihm wurde bewusst, dass er mit seinen Sünden daran schuld ist, dass alle diese Menschen auf den Segen Gottes verzichten müssen. Da wachte er auf, wandte sich mit ganzem Herzen  Gott zu und bat Ihn inständig um Verzeihung für sein 40jähriges Sündigen. Er flehte Seinen Herrn an, dass er ihn nicht bloßstellen möge, und Gott verzieh ihm auf der Stelle und es begann zu regnen. 

 

Da fragte  Moses (a): „O Gott!  Niemand hat die Menschenmenge verlassen! Wie kommt es, dass es nun regnet?“

Und Gott sprach:  

„Ich habe euren Durst wegen dem gleichen Menschen gestillt, wegen dem ich mit dem Regen zurückhielt.“

Da sagte Moses: „O Gott! Zeig ihn mir, ich möchte ihn kennenlernen!“  Gott aber sprach:  „Als er gesündigt hat, habe ich ihn nicht bloßgestellt. Soll ich ihn jetzt, wo er reuevoll umgekehrt ist, bloßstellen?... Ich verdecke Fehler, enthülle  sie nicht und stelle niemanden bloß!“

Ja! So ist Gott, der Allbarmherzige.

Wenn wir in diesen Nächten des Lichtes, den Nächten der Bestimmung,  reuevoll zu Gott zurückkehren, wird vielleicht die göttliche Vergebung auf alle Muslime herabkommen . Bitten wir also in diesen Nächten der Bestimmung, Gott um Seine Vergebung und kehren wir mit wahrer Reue in die ausgebreiteten Arme Gottes zurück.                                

Die ersehnte Vollkommenheit kann der Mensch nur durch das Gott-Dienen erreichen . Die Wahrheit der Gottesdienstbarkeit besteht darin, dass der Mensch begreift; Er ist Gottes Diener. Und er soll diese Einsicht zum Ausdruck bringen. Der gesegnete Monat Ramadan ist eine gute Zeit dafür. In diesem Monat, in dem Gott zu Seinem wunderbaren Bankett herbeiruft, erfährt der Gott-Diener besondere Barmherzigkeit.

Imam Zain ul Abedin (a) bittet in seiner Anrufung der Mutawassilin ( der Flehenden) :

„Oh Gott, niemand (kein Gast ) wird einen Freigebigeren aufsuchen können als Dich und jemanden finden , der den Bedürftigen freundlicher und barmherziger begegnet als Du.  O du der Beste, zu dem sich die Einsamen zurückziehen können, um beachtet zu werden. O du Gütigster, bei dem ein Flüchtiger, der von  den anderen abgewiesen wird, Zuflucht finden kann.“

 

In diesem Gebetsauschnitt nennt Imam Sadschad (a) Gott den großzügigsten Gastgeber. Wer nach Güte und Barmherzigkeit sucht, wird in Gott dem Barmherzigsten und Gütigsten finden. Denn Gottes Barmherzigkeit ist unendlich.  Gott ist Zufluchtsort für alle, die von Verwandten und Freunden abgewiesen wurden und die niemanden haben.  Mit ihm kannst du dich am besten aussprechen. Wer verstoßen wurde und bei niemandem aufgenommen wird, der findet bei Gott Zuflucht. 

Imam Zain ul Abedin (Imam Sadschad a.)   spricht in dieser Anflehung von der grenzenlosen Huld Gottes. Über die Gnade Gottes gibt es folgende Begebenheit in der Geschichtsschreibung:

Jemand kam zum Propheten (s) und fragte, wer am Jüngsten Tag die Abrechnung über die Menschen führt. Da sagte der Prophet: „Es ist Gott!“ Da war der Mann beruhigt und ging. Der Prophet wandte sich an seine Anhänger und sagte: „Er hat den Kern der Wahrheit begriffen.“

Die Prophetengefährten riefen den Mann zu sich und fragten ihn: „Wieso warst du beruhigt, obwohl der Prophet Gottes (s) gesagt hat, dass Gott am Jüngsten Tag die Abrechnung vornimmt?“  Der Mann antwortete: „Der Großzügige verzeiht,  wenn er die Macht zur Vergeltung hat.“

Imam Zain-ul Abedin (a) betet auch: „O Gott: Und am Saum Deiner endlosen Freigebigkeit halten sich meine Hände fest.“

Wenn der Mensch tief in Achtlosigkeit und Unwissenheit zubringt, entfernt er sich durch unwürdige Taten von Gott. Er  geht schrittweise auf seine Vernichtung zu und bereitet mit seinen schlechten Taten das  Inferno in der Hölle vor.  Jemand, in dessen Arbeitszeugnis kein würdiges Werk zu Buche steht, dem bleibt für die Verschonung von dem heißen Höllenbrand nur ein Weg, und dies ist die Zufluchtssuche bei der göttlichen Großzügigkeit.

Imam Sadschad (a), dieser Edle aus dem Hause des Propheten (s)  beendet seine Anrufung der Flehenden mit folgenden Worten:

„Wende Dich nicht ab von mir durch deine Enthaltung (von der Gnade) , und mache mich nicht durch Hoffnungslosigkeit  und Schaden unglücklich,

O du der du das Bittgebet deiner Geschöpfe hörst!“

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