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Montag, 07 Juli 2014 05:39

Frühling Ramadan (2)

Frühling Ramadan (2)
Der Monat Ramadan ist wie klarer wohltuender Regen, der auf die Erde herabströmt und den Menschen mit dem Segen der göttlichen Vergebung bedenkt.

Die Bittgebete zu nächtlicher Stunde und am Tag im Monat Ramadan bieten dem Menschen die Gelegenheit, zu sich zu kommen und sich selbst zu erkennen und Geist und Seele mit Hilfe der herabströmenden Barmherzigkeit Gottes zu erfrischen und zu reinigen von hässlichen Eigenschaften. In diesem Monat begeben sich Arm und Reich fastend zu ihrem  Herrn.   Das Fasten verbindet sie. Die Reichen bekommen die Not der Entbehrenden zu verspüren und ihnen wird bewusst, dass sie diesen helfen und sie wie Brüder behandeln müssen.

 

Solange ein Regentropfen noch nicht die Erde erreicht hat, ist er nur nutzlos, doch wenn er auf die Erde fällt und sich mit den anderen Tropfen vereint, kann er zusammen mit ihnen fließen, Staub hingwegspülen und die Saat in der Erde zur Entfaltung bringen.  Die Menschen lassen sich auch mit Regentropfen vergleichen . Solange sie stolz sind und vom hohen Ross aus auf die anderen herunterschauen, sind sie in Wahrheit  klein und  unnütz. Aber wenn sie vom hohen Ross abgestiegen sind,  bescheiden werden und sich zu den anderen gesellen , dann können sie sich nützlich machen und die Welt um sich schöner werden lassen. Gerade aus diesem Grund mochte der Propheten, dass die Menschen zueinander halten und hat von Dingen abgeraten, welche sie von einander trennt.

Ein Mensch mag noch so viele Vorzüge besitzen, solange er nicht mit denen verkehrt, die eine geringere Position als er hat, wird er sich nicht vervollkommnen können. Hochmütigkeit und Stolz hindern den Menschen daran, sich zu vervollkommnen.  Stolz ist die Ursache für die Entfremdung von Gott und die Selbstentfremdung. Stolz hat zur Folge, dass der Mensch den Weg Gottes aus den Augen verliert und  der Linie Satans folgt.  Der Dschinn Iblis ist wegen seinem Stolz gestrauchelt und wurde zu Satan.

Der Heilige Koran hebt diesen Punkt in dem Vers 34 der Sure 2 hervor, denn dort heißt es:

Und als Wir zu den Engeln sagten: „Werft euch vor Adam nieder!“ Da warfen sie sich nieder, außer Iblis. Er weigerte sich und verhielt sich hochmütig und gehörte zu den Ungläubigen.“

Der Koran hat auch auf die sichtbaren Begleiterscheinungen des Stolzes  hingewiesen. Die inneren Eigenschaften machen sich nämlich, ob man will oder nicht bemerkbar. So ist die Arroganz  am Gang und am Blick, an der Sprechweise usw. zu erkennen. Daher heißt es im Vers 37 der Sure 17:

„Und gehe nicht übermütig auf der Erde einher. Du wirst ja die Erde nicht aufreißen noch die Berge an Höhe erreichen (können).“

Hochmütige Menschen stampfen oft beim Gehen fest mit den Füßen auf, um die anderen auf sich aufmerksam zu machen. Sie strecken den Kopf hoch um ihre vermeintliche Überlegenheit zu demonstrieren. Aber der Koran mahnt sie, dies nicht zu tun.

Folgende Parabel dürfte veranschaulichen, wozu Stolz führt:

Ein kleiner Stein sagte zu einem hohen Berg: „Du großer Berg, betrachte mich als einen Teil von dir, denn ich bin so alleine.  Aber ich werde zu deiner Pracht beitragen.“ Da lachte der Berg und sagte stolz: „Du dummer kleiner Stein! Wie kannst du zu meiner Größe beitragen?“  Aber da waren alle kleinen Steinen  auf dem Berg beleidigt und sie alle trennten sich nacheinander von ihm.  Es dauerte nicht lang bis nichts mehr von dem hohen Berg zu sehen war.

                                        

Die Getreuen des Propheten hatten sich wieder einmal um ihn versammelt. Da kam ein Gläubiger hinzu, der ärmlich gekleidet war. Er nahm zufällig neben einem Wohlhabenden in der Runde Platz.  Aber der Wohlhabende raffte seine Gewänder zusammen und rückte beiseite. Der Prophet (s) hatte es bemerkt und fragte den Reichen: „Hast du Angst , die  Armut könnte dich anstecken?“ Da sagte der Reiche: „Nein, o Prophet Gottes!“ Der Prophet fragte wieder: „Hast du Angst, er könnte etwas von deinem Reichtum abbekommen?“ Wieder antwortete der Reiche: „Nein!“  Da fragte der Prophet Gottes ihn: „Fürchtest du, dass deine Gewänder schmutzig werden?“ Auch das dementierte der Reiche heftig.  Da fragte der Prophet Gottes (s) in dem gleichen milden Ton: „Warum hast du dann dein Gewand zusammengerafft und bist beiseite gerückt?“ 

Da kam der Reiche zu sich. Er überwand seinen Stolz und sagte: „Ich bekenne, dass ich etwas falsch gemacht habe. Ich bin bereit, wegen dieses Fehlers diesem muslimischen Bruder die Hälfte meines Reichtums  zu schenken. Vielleicht verzeiht er mir dann, dass ich ihm gegenüber einen solchen Fehler begangen haben.“

Da  sprach der andere, bedürftige Muslim : „Aber ich bin nicht bereit, diesen Vorschlag anzunehmen!“

Die Prophetengefährten schauten ihn verwundert an und fragten, warum er diesen Reichtum ablehnt.  Da sagte dieser: „Weil ich befürchte, dass ich eines Tages auch von einem solchen Stolz erfasst werde und meinen muslimischen Bruder auf diese Weise behandle.“

So bitten wir in diesem Monat der Erleuchtung, dass Gott uns innerlich von allem Stolz  befreit und unser Wesen unter dem segensreichen Regen Seiner Barmherzigkeit und Vergebung von unwürdigen Eigenschaften reinwäscht. 

Von Imam Zain ul Abedin (Imam Sadschad(a) ist ein wunderbares  fünfzehnteiliges Gebet erhalten geblieben, das sich Munadschat-e Chamsah Aschar -  die 15 Anflehungen  nennt.  Eine dieser Anflehungen ist die Anflehung Munadschat al-schakiin-  „Anflehung der sich Beklagenden“. Aber in diesem Gebet werden keine Klagen über weltliche Dingen vor Gott getragen  sondern es sind Klagen über die Dinge, die dem Menschen bei der Erfüllung seiner Pflichten gegenüber Gott und seiner Gottdienstbarkeit und der Erreichung menschlicher Tugenden Probleme bereiten. Im ersten Abschnitt dieser Anflehung spricht Zain ul Abedin (a) zu Gott:

„Mein Gott, ich erhebe meine Klage zu Dir über eine Seele, die Schlechtes gebietet und zur Sünde eilt, die sehr nach dem Ungehorsam Dir gegenüber verlangt und Deine Missbilligung verursacht. Sie führt mich auf die Wege des Verderbens und macht mich bei Dir zum niederträchtigsten Frevler. Ihre Erkrankungen sind zahlreich und ihre Wünsche unablässig. Wenn ihr Schlimmes zustößt, ist sie voller Klage, doch wenn ihr Gutes widerfährt, ist sie geizig und will nicht wohltätig sein!“

 

Es ist die eigene „Nafs“,  über die sich der Imam beklagt.  Der Begriff „Nafs“ bedeutet  so viel wie Seele, Ego, Selbst und  kommt häufig in religiösen Texten vor;  so auch im Koran.  In der Sure 12 werden im Vers 53 Worte von Prophet Josef (a) rezitiert und zwar sagt er: „Und ich erachte meine Seele nicht frei von Schwäche; denn die Seele gebietet oft Böses, davon sind jene ausgenommen, derer mein Herr Sich erbarmt. Wahrlich, mein Herr ist Allverzeihend, Barmherzig."

Diese „Nafs“ , welche das Böse befiehlt, wird „Nafs Amara“ genannt – die befehlende Seele. Sie spornt einerseits zur Sünde und zur Befriedigung von niedrigen Trieben an. Andererseits hält sie den Menschen davon ab, nach spirituellen Genüssen zu streben.  Außerdem versucht diese befehlende Seele die Fehler zu rechtfertigen und das Hässliche der Sünde zu vertuschen. Auch diese Seele ist es, die den Menschen drängt, über die Fehler der anderen herzuziehen und zu denken, dass dies richtig sei. Sie drängt den Menschen zur Lüge und stellt jede Lüge als  Notlüge dar.

 Die Rechtfertigung der Sünde ist eigentlich noch schlimmer als die Sünde selber. Denn wenn der Sünder sich bewusst wird, dass er etwas Hässliches getan hat, versucht er  reuevoll umzukehren und die Sünde wieder gut zu machen. Aber in dem Moment, wo er seine Tat als zulässig betrachtet, wird ihre Hässlichkeit verdeckt ,und der Weg für die Umkehr bleibt verschlossen, so dass der Mensch gedankenlos  sein Sünde wiederholt und sich dadurch immer mehr von Gott entfernt.

Imam Sadschad beklagt sich in seiner Anflehung über eine Seele, die rasch zur Sünde veranlasst und den Menschen, sollte er Reuegefühle empfinden, damit vertröstet,  dass er die Reue verschieben kann. Auf dieser Weise werden die guten Gelegenheiten für irdische Genüsse verschwendet und der Mensch gibt die Gelegenheit aus der Hand seine Sünden wieder gutzumachen.  Nicht nur die Nafs sondern auch Satan macht dem Sünder faulen Versprechungen  damit er die Reue verzögert.

Aber wer ein Diener Gottes ist, bereut raschen einen Ungehorsam gegenüber dem Herrn und versucht, ihn so bald wie möglich wieder gut zu machen. Deshalb betet Imam Zain ul Abedin (a) an einer anderen Stelle dieser Anflehung:

"Mein Gott, ich habe keinen Willen und keine Kraft außer durch Deine Macht, und ich kann mich nicht aus den Verstrickungen in das Unheil des weltlichen Lebens befreien, außer durch Deinen Schutz. Daher bitte ich Dich bei Deiner vollkommenen Weisheit und bei Deinem sich durchsetzenden Willen: Lasse mir nichts widerfahren, außer Deiner Großzügigkeit, und mache mich nicht zum Ziel der schweren Heimsuchungen, ... sei  mein Hüter vor den Sünden! Bei Deiner Gnade und Barmherzigkeit, o Du Barmherzigster aller Barmherzigen!“    

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