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Mittwoch, 23 Juli 2014 14:08

Die Spiritualität des Ramadan

Die Spiritualität des Ramadan
Hier sind wir wieder - ein weiteres Jahr ist vergangen und wir stehen wieder einmal vor der Schwelle des Monats Ramadan.

Allah ta'ala sagt uns, dass die Neumonde Zeitmarkierungen für uns sind und es ist sicherlich der Fall, dass viele von uns das Jahr von einem Ramadan zum nächsten bemessen und jedesmal scheint es so zu sein, dass der Ramadan schneller kommt als im nächsten Jahr. Ich möchte in diesem Vortrag einige besonderen Aspekte, die den gesegnetsten aller Monate für uns regeln und auch einige Bedeutungen erwähnen, die im Fasten des Ramadans enthalten sind und sich dem Fastenden erschließen.

Es ist wesentlich für das verpflichtende Fasten im Monat Ramadan, welches neunundzwanzig oder dreißig Tage dauern kann, vorher die Absicht zu fassen. Diese Absicht wird entsprechend der Schule von Medina vor Fadschr am ersten Tag gefasst und ist für die Dauer des gesamten Monats ausreichend, es sei denn, das Fasten wird durch Menstruation, Krankheit oder Reise gebrochen, in welchem Fall man eine neue Absicht fassen muss, um das Fasten wieder aufnehmen zu können. Sollte der Ramadan bereits begonnen haben und man hat den Tag mit einer Mahlzeit begonnen, so beginnt man sein Fasten in dem Augenblick, in dem einem die Nachricht vom Beginn des Ramadans erreicht und muss dann einen Tag Fasten nach dem Ende des Monats nachholen.

Wie wir wissen, dauert das Fasten vom ersten Licht bis zum Untergang der Sonne. Es ist Sunna, Suhur (die Mahlzeit vor Fadschr) in den letzten Teil der Nacht zu verlegen, während man natürlich sicher stellen muss, nicht nach der Zeit von Fadschr zu essen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, fünfzehn Minuten vor der angegebenen Zeit von Fadschr mit dem Essen aufzuhören. Ebenso ist es Sunna, das Fasten so schnell wie möglich nach dem Sonnenuntergang zu beenden.

Während der Stunden des Fastens ist jeder geschlechtlicher Verkehr verboten und dieses Verbot wird im Allgemeinen auch auf jegliche sexuelle Handlung oder Stimulation ausgeweitet, die zur sexuellen Befriedigung führen könnte. Dies ist etwas, was wir insbesondere beachten sollten in dieser Zeit, in der explizites sexuelles Material so verbreitet, leicht zugänglich ist und vielfach gar nicht mehr zu übersehen ist. Wir dürfen nicht vergessen, dass eine sexuelle Emission in den Stunden des Fastens die gleiche Strafe der Kaffara nach sich zieht wie absichtliches Essen oder Trinken. Die Kaffara für das Brechen des Fastens ist die Speisung von sechzig Armen oder das durchgehende Fasten über zwei Monate. Selbstverständlich ist die sexuelle Beziehung verheirateten Eheleuten während der Stunden der Nacht gestattet.

Wir sollten uns an die Worte unseres Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, erinnern, in denen er sagte, dass viele Leute von ihrem Fasten nichts haben außer Hunger und nichts von ihren nächtlichen Gebeten außer Müdigkeit und dass die Angelegenheit des Fastens über den bloßen Verzicht von Essen, Trinken und Sex weit hinaus geht. Wir müssen unsere Zungen und unsere Glieder vor allem bewahren, was uns von unserem Fasten ablenkt und das große Geschenk des Ramadan ehren und respektieren, mit welchem Allah tabaraka wa ta'ala, uns aus Seiner grenzenlosen Großzügigkeit heraus gesegnet hat, so dass wir zu Leuten werden, auf die die folgende Aussage des Propheten, möge Allah ihn segnen und Frieden geben, zutrifft: „Jeder, der Ramadan mit Iman und dem Bewusstsein um die Belohnung dafür fastet, dem werden alle vergangenen falschen Handlungen vergeben."

„Aber was den betrifft, der den Rang seines Herren fürchtet und seinem niedrigen Selbst dessen Gelüste verwehrt, für den wird der Garten zur Zuflucht gemacht." (an-Nâzi'ât, 39-40)

Salman, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überlieferte, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, am letzten Tag des Scha'ban sprach und folgendes sagte: „Oh Leute! Ein großer und gesegneter Monat ist zu euch gekommen. Ein Monat, in dem es eine Nacht gibt, die besser ist als tausend Monate. Ein Monat, in welchem Allah das Fasten verpflichtend gemacht hat und in welchem Er das Gebet in der Nacht zu einer freiwilligen Angelegenheit gemacht hat. Jeder, der sich Allah durch freiwillige gute Handlungen nähert, ist wie jemand, der eine verpflichtende Handlung in diesem Monat vollzieht und eine verpflichtende Handlung in ihm zu machen ist gleich dem Vollzug von siebzig verpflichtenden Handlungen außerhalb dieses Monats. Es ist der Monat des Sabr [Geduld] und die Belohnung für Sabr ist der Garten. Es ist der Monat des großzügigen Gebens und der Monat, in dem die Versorgung eines Mumins erhöht wird. Wenn jemand einem Fastenden etwas gibt, mit dem dieser sein Fasten brechen kann, dann bringt ihm dies die Vergebung der falschen Taten und die Entfernung aus dem Feuer ein und er wird die gleiche Belohnung haben wie derjenige, den er versorgt, ohne dass ihrer beider Belohnung sich verringern würde."

Es gibt zwei Aspekte des Ramadans. Der erste ist die Handlung des Fastens und der zweite ist das Wesen der Zeit als solcher. Es gibt auf der Welt keine spirituelle Tradition, die nicht das Fasten in der einen oder anderen Weise praktiziert hätte. Fasten ist in der Tat eine zutiefst menschliche Handlung. Jedes andere hungrige Geschöpf außer dem Menschen wird, wenn ihm Nahrung, welches es mag, angeboten wird, diese automatisch verzehren. Nur der Mensch ist durch einen Willensakt in der Lage, vom Essen in einer solchen Lage abzusehen. Dies macht es zu einer besonderen Handlung der Anbetung, die von Allah, wenn sie um Seiner willen vollzogen wird, sehr hoch belohnt wird. Es gibt eine Vielzahl an nützlichen Folgen, die das Fasten mit sich bringt, die zu einem nicht geringen Teil medizinische sind, denn es ist gar keine Frage, dass das Fasten unserer körperlichen Gesundheit nützt. Jedoch liegt der Nutzen des Nicht-Essens und des Nicht-Trinkens darin, dass wir eine der grundlegendsten Verbindungen, die uns an die niedere Welt ketten, kappen können. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte in einem Hadith: „Jede gute Handlung des Sohnes von Adam [des Menschen im Allgemeinen] wird ums siebenhundertfache verfielfacht. Allah sagt: ‚Außer dem Fasten. Es ist mein und Ich belohne es Selbst. Der Fastende verlässt das Essen und Trinken um Meines willen.' Der Fastende hat zwei Freuden: Freude, wenn er sein Fasten bricht und Freude, wenn er seinem Herrn begegnet."

Es gibt keinen Zweifel darüber, dass der Ramadan eine besondere Zeit ist. Jeder Muslim weiß dies, denn dieser Monat unterscheidet sich qualitativ von jeder anderen Zeit. Dies ist unabhängig vom Fasten, denn es ist nicht das Fasten, welches den Ramadan unterscheidet, es ist eher, weil Allah das Fasten in diesem Monat verpflichtend gemacht hat, so dass wir den maximalen Nutzen von seiner Besonderheit als Monat ziehen können. Allah ta'ala hat ihn zum Schauplatz eines großen Geheimnisses gemacht - die Nacht, die besser ist als tausend Monate - und aus diesem Grund wählte der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, diesen Monat vor Beginn seiner Prophetenschaft als Zeit des Rückzuges aus. In einer dieser Nächte geschah das große Wunder: die Offenbarung von Allahs Buch begann. Wie viele Mufassirun [Qur'ankommentatoren] hingewiesen haben, sind tausend Monate mehr oder weniger die Lebensspanne eines Menschen, das heisst die Erfahrung der gesamten Zeit, die jedem von uns zur Verfügung steht. Auf was also in der Beschreibung der Lailat al-Qadr im Qur'an hingewiesen wird, ist dass dieser Moment außerhalb der Zeit liegt. Ein Augenblick in jedem Jahr, wenn sich für uns ein Fenster zur Zeitlosigkeit öffnet, wenn wir auf eine Weise Zugang zur Anwesenheit Allahs haben.

Es ist dieser Augenblick, der den gesamten Monat durchdringt, so dass in diesem die Tore des Gartens geöffnet sind und ein entfernter Widerhall der weichen und duftenden Brise von dort zu uns auf die Erde kommt. Die Schaijatin, die normalerweise auf uns eindringen, uns stören und es uns schwer machen, uns an Allah zu erinnern und das Richtige zu tun, sind in Ketten gelegt, was unseren Herzen den willkommenen Geschmack von Erleichterung und Freiheit gibt. Deshalb werden gute Handlungen während des Ramadans so hoch bewertet, wie uns das Hadith mitteilt.

Jedoch ist wie bei aller guten Nachricht auch ein Quentchen an Warnung beigemischt und diese liegt in der Erinnerung, dass diese Zeit extrem wertvoll ist und wir es uns nicht leisten können, sie zu verschwenden. Denn bevor der Monat begonnen hat, scheint der gesamte Ramadan sich weit vor uns auszubreiten. „Viel Zeit" sagen wir zu uns, aber wie oft habe ich Leute sagen gehört, als das Ende der letzten Woche sich näherte: „Hätte ich nur mehr Nutzen aus dieser Zeit gezogen!"

Quelle: IZ

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