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Dienstag, 02 August 2011 11:16

Ramadan: Heiligtum der Gottergebenheit Teil 2

Ramadan: Heiligtum der Gottergebenheit Teil 2
Wir begrüßen Sie zu einem weiteren Beitrag anlässlich des Fastenmonats Ramadan und hoffen Sie nehmen an seinem Segen teil.

Im Koran stehen an verschiedenen Stellen Gebete. Diese sind großen spirituellen Gehaltes und voller Weisheit. In den Versen 83 bis 85  der Sure Schoara ( Sure 26) bringt der Koran Bitten, die Abraham – gegrüßet sei er – an Gott gerichtet hat, nämlich 

" رَبِّ هَبْ لِی حُکْماً وَ أَلْحِقْنِی بِالصّالِحِینَ / وَ اجْعَلْ لِی لِسانَ صِدْقٍ فِی الْآخِرِینَ / وَ اجْعَلْنِی مِنْ وَرَثَةِ جَنَّةِ النَّعِیمِ . "

Herr! Schenk mir Urteilskraft und nimm mich unter die Rechtschaffenen auf!* Verleih mir einen guten Ruf unter den späteren Generationen* und mach mich zu einem der Erben des Gartens der Wonne!*

Auch hat Abraham a.s. zusammen mit seinen Anhängern laut Koranstelle 60:4-5  wie folgt gebetet:

... رَبَّنا عَلَیْکَ تَوَکَّلْنا وَ إِلَیْکَ أَنَبْنا وَ إِلَیْکَ الْمَصِیرُ / رَبَّنا لاتَجْعَلْنا فِتْنَةً لِلَّذِینَ کَفَرُوا وَ اغْفِرْ لَنا رَبَّنا إِنَّکَ أَنْتَ الْعَزِیزُ الْحَکِیمُ " 

…„Herr! Auf Dich vertrauen wir, und Dir wenden wir uns zu. Bei dir wird  alles enden.* Herr! Mach uns nicht zu einem Mittel der  Versuchung für die Ungläubigen, und vergib uns, Herr! Du bist der Mächtige und Weise!“ 

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Imam Ali a.s. sagt: „Das Herz des Mensch ist das erstaunlichste, was in ihm existiert.“ Mit diesem Herz meint er  natürlich nicht das organische Herz.  Er meint die Erscheinung in uns, welche  Nahrung für  Geist und Seele  aufnimmt. Das Herz erlebt gegensätzliche Stimmungszustände: wie Liebe und Abscheu, Zuneigung und Feindschaft, Glaube und Verneinung, Zweifel und Gewissheit.  Das Herz ist auch das Haus der Besorgnis und der Zuversicht, der Furcht und der Hoffnung, der Angst und der Tapferkeit, des Entsetzens und der Vertrautheit. 

Dieses Haus muss behütet werden, denn wenn man nicht achtgibt, nistet sich  Satan darin ein. Zum Beispiel machen haltlose Erwartungen  den Menschen rebellisch, während Hoffnungslosigkeit ihn davon abhält, sich Mühe zu geben. Zorn stachelt ihn zur Aggression an und gegensätzliche Stimmungen können ebenso unerwünschte Folgen haben. 

Die Erkrankungen des Herzens sind meist versteckt und haben keine klaren Warnsymptome wie die Erkrankungen des Körpers.  Und deshalb sind Menschen, die innerlich krank sind weniger um Heilung von Krankheiten, die ihr Herz zum Sterben bringen, bemüht. Es kann  sein,  dass es ihnen gar nicht klar ist, dass jemand, der kein Herz mehr hat, in Wirklichkeit krank ist.                                           

Es führt zum Verfall des Menschen, wenn er nicht sein Inneres filtert und die Krankheiten   von Geist und Seele behandelt. Er nähert sich der Grenze zu den Tieren.  Wer sein Herz gegenüber der Weisheit und Erkenntnis verschließt, gerät in den Sog der  Egozentrik, der Liebe zum Weltlichen, der Selbstdarstellung  und  anderer negativen Eigenschaften.  Der Monat Ramadan ist die beste Gelegenheit sich von solchen Erkrankungen des Geistes und der Seele zu befreien.

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Hier nun ein paar kurze Ausführungen über  Zwecke des Fastens.

Der Islam bezeichnet die materiellen Segensgaben nicht nur als Faktor für das weltliche Wohl sondern als Mittel zu Erreichung spiritueller Vervollkommnung und des jenseitigen ewigen Glücks. In den materialistischen Denkschulen ist der Körper des Menschen von größter Wichtigkeit und die Menschen werden dazu angespornt, nach den weltlichen Genüssen zu streben. Doch im Islam und den anderen Lehren himmlischen Ursprungs ist das wichtigste Ziel das spirituelle Wachstum des Menschen. Ziel ist die Erreichung von  Liebe und Opferbereitschaft, Genügsamkeit und Gerechtigkeit. Diese gelten als Mittel, um auf die  hohen Stufen der Menschlichkeit zu gelangen. Ein Zweck des Fastens besteht darin, dass die Muslime nicht völlig nach dem weltlichen Wohl streben und miteinander  um  Lebensgenüsse und Bequemlichkeit wetteifern. Das Fasten lehrt sie auch, an die Bedürftigen zu denken und ihre egoistischen Wünsche zu beherrschen und nichts zu vergeuden. 

Durch das Fasten wird den Muslimen bewusst, dass sich der Mensch durch Begierden  von den spirituellen Dingen entfernt und in tierische Eigenschaften abrutscht. Das Fasten verleiht ihnen zudem Selbstwert. Ein genügsamer Mensch fühlt sich unabhängig von den anderen, aber ein Nimmersatt ist eventuell bereit, Unterdrückung und Schmach auf sich zu nehmen.

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Der Heilige Koran ist im Monat Ramadan auf den Propheten des Islams herab gesandt worden. Daher wird das Lesen im Koran  für diesen Monat besonders empfohlen und wird der Monat Ramadan  auch als „Frühling des Korans“ bezeichnet. Der Koran soll schön gelesen werden. Der Prophet des Islams hat gesagt: Zu allem gehört ein Schmuck und der Schmuck  des Korans ist ein schöner Klang.

Es gibt Regeln für ein schönes Lesen des Korans und Koranrezitatoren spezialisieren sich darauf, die Himmelsschrift auf schönste Weise vorzutragen. Wir wollen ihnen  einige zeitgenössische Koranrezitatoren vorstellen und  beginnen mit Ostad Mahmud Ali Al Banna.

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Mahmud Ali Al Banna wurde 1926 in einem ägyptischen Dorf geboren. Im Gegensatz zu vielen anderen Landwirten, die möchten dass  ihre Kinder ihnen auf dem Acker helfen, hat  Hadsch Ali, der Vater von Mahmud sich gewünscht,  dass sein Sohn ein großer Koranrezitator wird.  Deshalb sandte er den kleinen Mahmud in die Koranschule in seinem Heimatdorf.  Mahmud Ali Al Banna erinnert sich, wie gerne er sich auf den Unterricht vorbereitete: 

„Ich bin abends so lange aufgeblieben, bis ich mir den Abschnitt,  den ich am nächsten Tag  meinem Lehrer vortragen sollte,  ins Gedächtnis eingeprägt hatte. Danach sah ich mir  den Abschnitt, den ich mir vorher gemerkt hatte, an, damit ich beide Teile zusammen vortragen kann und eine feste Verbindung zwischen ihnen zustande kommt.“ 

Nach einiger Zeit schickte sein Vater Mahmud Ali zur Weiterbildung in die Stadt Tanta  im Nordosten Ägyptens. Darüber berichtet Mahmud Ali:

Ich war noch sehr jung, als mich mein Vater nach Tanta an die Minshawi-Schule schickte. Was mich  am meisten anspornte in Tanta zu bleiben, waren die vielen Menschen, die kamen um meine Stimme zu hören. Ich habe Meister Mohammad Rifat nachgeahmt. Manchmal wurde ich von der Ahmadi-Moschee zu verschiedenen Anlässen zur Rezitation eingeladen.  Damals galt ich unter der Bevölkerung als außergewöhnliches Kind, weil ich die großen Meister sehr gut nachahmen konnte. Es gab mir Ansporn zu neuen Ideen, wenn ich hundert Zuhörer oder noch mehr vor mir hatte, die mich ermutigten.  Damals war ich 12 Jahre alt.“ 

Mohammad Ali Al Banna wechselte auf Anregung seines Lehrmeisters die Schule und machte noch mehr auf sich aufmerksam. In Kairo nahm er mit seinen Koranrezitationen an wichtigen Versammlungen teil. Im Alter von 22 Jahren   wurde er 1948 der erste Rezitationsmeister, dessen Koranlesungen  vom Rundfunk in Direktübertragung ausgestrahlt wurden.

Meister Mahmud Ali Al Banna bereiste 40 Jahre lang verschiedene Kontinente und Länder und konnte mit seinem schönen Koranvortrag viele  Herzen für die Himmelsschrift  begeistern. Die Universität Al Azhar hat Al Banna zu zahlreichen  Konferenzen eingeladen. Nach dem Verscheiden von Scheich Mahmud Chalil Al Hussary  wurde Al Banna zum Scheich der Quranrezitatoren Ägyptens ernannt und behielt diesen Titel bis an sein Lebensende. 1985 erkrankte er nach seiner Rückkehr aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Einige Tage vor seinem Tod bat er seinen Sohn Ahmad um Papier und Schreibstift, um seinen letzten Willen festzuhalten.  Er wollte, dass ihm  sein Sohn einen Koran mit in sein Grab legt.

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