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Samstag, 22 März 2014 13:17

Besuche und Gegenbesuche zu Nouruz

Besuche und Gegenbesuche zu Nouruz
Nouruz gehört fest zur Kultur der Iraner und wird zusammen mit dem Erwachen der Natur im  Frühling gefeiert.

Es ist ein alter iranischer Brauch, den auch Nachbarvölker begehen. Den Nouruzfeiern liegt der Gedanke von der Wiedergeburt in der Natur und der Wiedergeburt der Herzen zugrunde.Nouruz verbreitet eine besondere Stimmung in der Gesellschaft. In den ersten Tagen des neuen Sonnenjahres und während der Neujahrsfeiertage herrscht eine große Fröhlichkeit. Nouruz ist eine gute Zeit, um die Sorgen des Lebens für ein paar Tage zu vergessen, sich auszuruhen, den Arbeitsalltag beiseite zu lassen und Abstand von den Mühen des  Vorjahres zu gewinnen. Nouruz, welches soviel wie Neuer Tag bedeutet – bietet die Gelegenheit die Geschehnisse des Vorjahres noch einmal im Geiste vorüberziehen zu lassen und daraus nützliche Erfahrungen mit ins neue Jahr zu nehmen.  Die ergrünte und erblühte Frühlingsnatur überreicht  uns die Botschaft der Hoffnung auf die Zukunft.

Ein wichtige gute Sitte, die in den Nouruz Tagen besonders zur Geltung kommt, ist die Pflege der Verwandschaftsbeziehungen und sind Besuche und Gegenbesuche bei Verwandten und Bekannten. Dabei handelt es sich um eine Sitte, die der Islam hervorhebt.

Das Neujahrsfest ist die beste Gelegenheit, die Beziehungen mit den Verwandten zu pflegen und die menschlichen Beziehungen innerhalb der Familie zu verbessern.  Jeder sollte diese Gelegenheit nutzen  um seine Beziehungen zu Familie, Freunden, Bekannten und Nachbarn zu festigen und seine Freundschaft zu ihnen zu stärken. Besuche und Gegenbesuche wirken erfrischend und sind eine gute Gelegenheit zur Versöhnung und Freundschaft. Dadurch wirkt sich Nouruz sehr positiv auf die Gesellschaft aus.

Gleich am ersten Nouruztag beginnt man sich zu besuchen. In allen Familien ist es Sitte, erst die Ältesten in der Familie aufzusuchen und ihnen zum Beginn des neuen Jahres zu gratulieren.  In den darauffolgenden Tagen suchen dann die älteren die jüngeren Familienmitglieder auf. Das nennt sich Did wa  Bazdid – Besuch und  Gegenbesuch.  Meistens nehmen alle Mitglieder der Familie an diesen Nouruzbesuchen teil.  Diese  Besuche und Gegenbesuche bei Familie , Freunden und Bekannten können bis Ende der Neujahrsfeiertage am 13. Farwardin oder bis zum 31. Farwardin (20. April) gemacht werden.

Nicht nur Besuche bei der Familie und bei Freunden und Nachbarn sondern auch ein Besuch bei Menschen, denen im alten Jahr ein Unglück zugestoßen ist, sind üblich. Es ist eine gute Sitte, die Neujahrsbesuche bei denen zu begonnen, die im alten Jahr einen lieben Menschen verloren haben. Die Familien, die den Verlust eines Menschen zu beklagen haben, erwarten am ersten Neujahrstag zu Hause den Besuch . Dieser Besuch ist für sie ein erstes Nouruz nach den Trauerfall und wird „No Eyd"  genannt . Er verläuft fast wie andere Neujahrsbesuche. Die Besucher wünschen den Trauernden, dass sie den Schmerz überwinden können und es ist Sitte, dass die Familienältesten ihnen neue Kleidung schenken, damit sie die schwarze Trauerkleidung ablegen.

Das städtische Leben und die große Bevölkerungsdichte, die beruflichen Einschränkungen und das heutige Leben in Appartements sind Faktoren, worunter die Sitte der Besuche und Gegenbesuche generell  abgenommen hat, aber die Iraner sind darum bemüht, diese schöne Sitte mindestens zu Nouruz aufrecht zu erhalten. Sie beachten damit eine der wichtigen Regeln im Islam nämlich auf arabisch die Silat-e Rahim – die Pflege der Verwandtschaftsbeziehungen, die im Koran und in den Überlieferungen besonders unterstrichen wird. Der Prophet des Islams hat gesagt:

„Gott liebt jemanden, der die Verwandschaftsbeziehungen pflegt. Er versorgt ihn mit einem größeren Unterhalt, verlängert sein Leben und lässt ihn in das versprochene Paradies einkehren."

Im Islam wird auch die Herstellung von freundschaftlichen und respektvollen Beziehungen zu den Nachbarn, Freunden und den Glaubensbrüdern oder –schwestern empfohlen.  Gott sieht eine große Belohnung für jeden Menschen vor, der darum bemüht ist die Schwierigkeiten von anderen zu beseitigen oder in der Familie, Frieden und Freundschaft zu stiften, falls es einmal Streit gibt.

Dieser Ansporn und diese Empfehlungen sollen dazu dienen, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen nicht zu einer reinen seelenlosen Formalität werden. Auch werden seelische und geistige Bedürfnisse des  Menschen durch Herstellung guter sozialer Beziehungen erwidert.

Psychologen sind der Ansicht, dass eines der besten Mittel zur Verhütung von Depressionen darin besteht in Gesellschaft von Freunden zu sein.  Da Depressionen  35 bis 40 Prozent der seelischen Leiden darstellen, können also Besuche und der enge und gute Kontakt mit den Verwandten , wie er beim Neujahrsfest gepflegt wird, erst recht die Gefahr einer solchen chronischen Erkrankung vermindern.  Depressivität ist die Krankheit des Jahrhunderts und hat sich überall auf der Welt schädlich ausgewirkt.  Doch Iraner  sind weniger als die Menschen in westlichen Gesellschaften von dieser Krankheit betroffen, weil sie auf den zwischenmenschlichen Kontakt besonderen Wert legen.

Dr. Abdullah Mutamedi Schalamzari, der an der Universität Sozialwissenschaften lehrt, sagt: „ Besuche und Gegenbesuche rufen das Gefühl der Zugehörigkeit im Menschen hervor und er fühlt, dass er Freunde hat. Der Mensch möchte sowohl geliebt werden als auch Liebe zeigen." Die gegenseitigen Besuche zum Neujahrsfest  erwidern  nach Ansicht von Dr. Schalamzari alle beiden Neigungen im Menschen.

Die gegenseitigen Besuche unter den Verwandten haben eine besondere Wirkung auf  das menschliche Gehirn. Wie neue Untersuchungen zeigen aktiviert das Treffen mit Familienmitgliedern oder bereits schon das Betrachten ihrer Fotos den Teil des Gehirns, welcher sich auf die Gefühle zur Familie, oder auch  zu Freunden und sogar zu uns selber beziehen.  Bei diesen Untersuchungen wurde die Gehirntätigkeit von Versuchspersonen bei der Betrachtung von Bildern von Verwandten, Freunden eigenen Bildern aber auch Bildern von  fremden Personen beobachtet. Dabei stellte sich heraus, dass die Bilder von Verwandten oder von Menschen, die ihnen äußerlich ähnlich sahen einen anderen Gehirnabschnitt aktivieren als die Bilder von unbekannten Fremden. Es zeigte sich,  dass das Gehirn die eigenen Angehörigen gesellschaftlich höher einstuft als Fremde.

Das Treffen mit Freunden und Bekannten steigert darüber hinaus  die soziale Intelligenz . Diese ist Teil der  sozialen Kompetenz, und besteht in der Fähigkeit, andere zu verstehen sowie sich ihnen gegenüber situationsangemessen und klug zu verhalten". Mit zunehmenden gesellschaftlichen Kontakt wächst im Normalfall auch die soziale Intelligenz.

Das Treffen mit Freunden und Bekannten ist also ein wichtiger Weg um diese Fähigkeit im Menschen zu entfalten.

Der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen und braucht den Kontakt zu anderen. Psychologen sagen, dass viele Bedürfnisse erst durch den sozialen Austausch erwidert werden können. Die Beziehungen zu Freunden und Bekannten  steuern  erheblich zur seelischen und sogar körperlichen Gesundheit und zu einem langen Leben bei.

Zu Beginn des Neuen Jahres klingt nun fröhliches Lachen aus den Häusern der Iraner. Die Neujahrsbesuche lassen eine freundliche und frohe Stimmung aufkommen und das ist ein guter Beginn für ein neues Jahr, in dem die Freundschaft zu den anderen gestärkt werden soll.

Die Iraner haben da ein beliebtes Sprichwort, nämlich: Liebe verwandelt Dornen in Blumen.

Das Treffen unter Bekannten sät Freundschaft in die Herzen und jedes Wiedersehen lässt diese Saat gedeihen bis sie zu einem kräftigen Baum der Freundschaft herangewachsen ist. Besuche und Gegenbesuche tragen zur Versöhnung bei. Sie vertreiben etwaige negative Gefühle und stärken die Verbindung unter den Verwandten.

Wir hoffen daher, dass diese schöne Sitte der Iraner zu einem guten Brauch auf der ganzen Welt wird.

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