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Dienstag, 01 April 2014 13:15

Der Granatapfel - eine Frucht paradiesischen Ursprungs

Der Granatapfel - eine Frucht paradiesischen Ursprungs
War die Frucht vom Baum der Erkenntnis, nach deren Genuss Adam und Eva laut Bibel aus dem Paradies vertrieben wurden, tatsächlich ein Apfel? Oder handelte es sich, wie manche Wissenschaftler behaupten, um einen Granatapfel? Wie dem auch sei - der Granatapfel gehört zu den ältesten im gesamten Mittelmeerraum kultivierten Pflanzen.

 

Er schmeckt nicht nur köstlich, sondern ist auch gesund und hat darüber hinaus eine vielfältige kulturell-religiöse Bedeutung.

Die Heimat des Granatapfels (lat. Punica granatum) liegt in West- bis Mittelasien; heute wird er im gesamten Mittelmeerraum angebaut. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Türkei über den Kaukasus bis nach Iran, Afghanistan und Pakistan. Doch auch in der Region von Syrien bis Ägypten und in Nordafrika ist er seit Jahrhunderten heimisch.

Überwiegend wird der Granatapfel als Strauch oder kleiner Baum kultiviert. Er kann jedoch bis zu fünf Meter hoch werden. Unter günstigen Bedingungen erreicht er ein Lebensalter von mehreren hundert Jahren.

Granatapfelblüte

Im Frühsommer prunkt der Granatapfelbaum mit leuchtend roten großen Blüten. Daraus entwickeln sich die apfelförmigen, zunächst grünen, dann hell- bis dunkelroten oder braun-roten Früchte. Ihr Inneres besteht aus Kammern, in denen sich bis zu 400 von saftig-glasigem Fruchtfleisch umgebene Samenkerne befinden. Die Früchte werden in den Monaten September bis Dezember geerntet.

Granatapfel-Ernte im Iran

Schon in der griechischen und persischen Mythologe finden wir den Granatapfel als Symbol für Fruchtbarkeit, Schönheit und ewiges Leben, seltener dagegen im Zusammenhang mit Blut und Tod. Manche Sagen sind bis heute lebendig, so die Geschichte vom Streit der griechischen Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite, wer von ihnen die Schönste sei, den der Trojaner Paris dadurch entschieden haben soll, dass er Aphrodite einen Apfel (Granatapfel) überreichte.

Im Judentum gilt der Granatapfel ein Symbol der Rechtschaffenheit, da seine (angenommenen) 613 Samenkörner den 613 Geboten der Torah entsprechen. In der Bibel wird der Granatapfel mehrfach erwähnt. Darüber hinaus gilt er im Christentum wegen seiner vielen Samenkörner in einer festen Schale für die Einheit der Kirche in der Vielfalt.

Im Koran ist vom Granatapfel beispielhaft für die von Gott geschaffenen guten Dinge die Rede. So heißt es in der 6. Sure (Vers 141): „Er ist es, Der Gärten wachsen lässt, mit Rebspalieren und ohne Rebspalieren, und die Dattelpalme und Getreidefelder, deren Früchte von verschiedener Art sind, und die Olive und den Granatapfel, einander ähnlich und unähnlich. Esset von ihren Früchten, wenn sie Frucht tragen, doch gebet Ihm die Gebühr davon am Tage der Ernte und überschreitet nicht die Grenzen. Wahrlich, Er liebt die Maßlosen nicht."

Als Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit war der Granatapfel im Orient schon vor Jahrhunderten ein beliebtes Motiv bei der Herstellung kostbarer Stoffe und Teppiche. Über Italien verbreitete es sich ab dem 15. Jahrhundert in ganz Europa. Vor allem in den venezianischen Werkstätten wurden die prächtigen, teilweise mit Gold durchwirkten Stoffe hergestellt, die wir heute in Museen und auf Gemälden der damaligen Epoche bewundern.

Bis weit ins 20. Jahrhundert gehörte im wohlhabenden Bürgertum Deutschlands ein Zwiebelmuster-Service zur Aussteuer jeder Braut. Doch kaum jemand weiß, dass es sich beim Dekor dieses Anfang des 18. Jahrhunderts von der Manufaktur in Meißen entwickelten Porzellangeschirrs mit "Zwiebelmuster" keineswegs um abstrahierte Zwiebeln handelt, sondern um Granatäpfel und Pfirsiche.

Meißener Teller mit Zwiebelmuster-Dekor

In der Medizin gewinnt der Granatapfel zunehmend an Bedeutung. Dabei waren seine Wirkkräfte in der Volksheilkunde lange bekannt, bevor sein hoher Gehalt an Vitaminen, Kalium, Calcium, Eisen usw. wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte. Ein tägliches Glas Granatapfelsaft soll das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich reduzieren, ebenso die Konzentration von "schlechtem" Chorestorol im Blut. Weiter soll fermentierter Granatapfelsaft gegen verschiedene Krebsarten vorbeugen und den Alterungsprozess von Körperzellen hinauszögern. Auch die Alzheimer-Forschung setzt große Hoffnungen auf die Inhaltsstoffe des Granatapfels. Erst kürzlich wurde ein neu entwickelter anti-toxischer Extrakt aus den Samen und der Schale von Granatäpfeln als größter Durchbruch in der medizinischen Forschung gefeiert, seit 1829 der Aspirin-Grundstoff in der Weide entdeckt wurde.

Iran ist mit insgesamt 67.000 ha Granatapfelgärten das größte produzierende und exportierende Land von Granatäpfeln in der Welt. Alljährlich werden über 150.000 Tonnen an verschiedene europäische Länder und Märkte in Russland, Länder des Mittleren Ostens sowie zentralasiatische Länder und Japan exportiert.

Sobald die Granatapfelsaison beginnt, findet man die leuchtend roten Früchte nicht nur in den Obstgeschäften und auf allen Märkten, sondern oft werden sie auch von fliegenden Händlern am Straßenrand zum Kauf angeboten.

Die meisten Früchte werden roh verzehrt, aber man verwendet Kerne und Saft auch für die verschiedensten leckeren Gerichte und Süßspeisen. In der Yalda-Nacht, der längsten Nacht des Jahres, gehören Granatäpfel auf jeden Familientisch. Doch dazu demnächst mehr.

Auf unserer Homepage steht das Rezept für Khoresht-e Fesenjan, ein Fleischgericht mit Walnuß-Granatapfel-Sauce, sowie für Granatapfel-Gelee, ein köstliches Dessert. Nusche Djan! Guten Appetit!

Von Frau Dr. Irmgard Pinn

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