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Sonntag, 11 Mai 2014 06:06

Kitab Al-Irschad -von Scheich al Mufid

Kitab Al-Irschad -von Scheich al Mufid
Einleitung Leben Scheich al-Mufids und Umstände seiner Zeit


Scheich al-Mufids tatsächlicher Name war Muhammad ibn Muhammad ibn

Nu´man al-Bagdadi al-Karchi. Sein Beiname (’kunya’, mit dem ein Araber normalerweise

bezeichnet wird, und welche ihn als den Vater von jemandem ausweist,

gewöhnlich wird der Name seines ältesten Sohnes genannt) war Abu ‘Abdallah.

Während seiner Lebenszeit hatte er den Titel (laqab) „Ibn al-Mu´allim“ (Sohn des

Lehrers). Aristoteles war für die Araber der „Lehrer“ schlechthin, und der Titel

mag sich auf Scheich al-Mufids große Gelehrsamkeit bezogen haben, als ob er vom

Intellekt her der Sohn von Aristoteles hätte sein können (in den Augen seiner Zeitgenossen).

Der eigentliche Titel, unter dem er später bekannt wurde, „al-Scheich al-

Mufid“, bezog sich ebenfalls auf seine große Gelehrsamkeit. „Scheich“ bedeutete

zu jenen Zeiten „Gelehrter“, und „mufid“ bedeutet: „Der, der Nutzen bringt.“

Er wurde im Jahre 336 n.H.1 (948 n.Chr.) oder (nach anderen Informationen) 338

n.H. (950 n.Chr.) in ‘Ukbara im Irak geboren. Er wurde im sehr frühen Alter nach

Bagdad gebracht. In Bagdad fanden auch die meisten seiner Studien und Lehrtätigkeiten

statt, deshalb wurde er al-Bagdadi (der Bagdader) genannt. Der Bezirk von

Karch in Bagdad wurde mehrheitlich von Schi´iten bewohnt, und dort ließ sich al-

Mufid wahrscheinlich nieder und hielt viele seiner Lehrveranstaltungen ab. Daher

wird er al-Karchi genannt.

Al-Mufid war ein vom Führungsauftrag der Zwölf Imame überzeugter Schi´it. Die

Zeitspanne, die er in Bagdad verbrachte, war eine Periode, in der schi´itische Gelehrte

relative Freiheit genossen, und so sehen wir ein Aufblühen der schi´itischen

Gelehrsamkeit in Bagdad, besonders derjenigen der Zwölfer-Schi´a. Der Grund

dafür bestand darin, dass die in Bagdad herrschende Dynastie, die Buwayhiden, der

Schi´a sehr zugeneigt waren. Ursprünglich stammten sie aus Daylam im Iran, sie

hatten Bagdad 334 n.H. (945 n.Chr.) erobert. Wahrscheinlich waren sie von der

zaiditischen Überzeugung, aber die Lehren der Zwölfer-Schi´a passten in ihr politisches

Konzept. So wurde den Imami-Schi´iten (Zwölfer-Schi´iten) die Gelegenheit

eingeräumt, ihre Lehre auf eine Weise zu verkünden, wie es ihnen selten möglich

gewesen war.

Die Tatsachen, dass al-Mufid der herausragende Gelehrte der Imami-Schi’a während

seines Lebens wurde, dass sein Werk al-Irschad (die Rechtleitung) von der

Geschichte der Zwölf Imame handelt sowie von ihrem Verhältnis mit den anderen

schi´itischen Glaubensrichtungen, die Berücksichtigung des guten Verhältnisses,

welches die Imami-Schi´iten mit den zaiditischen Buwayhiden hatten, erfordern

wohl eine gewisse Beschreibung der Stufe, welche die Schi´a in dieser Periode

erreicht hatte.

In jener Zeit gab es drei Hauptgruppierungen der Schi´iten: Imamis, Isma´ilis und

Zaidis. Der grundlegende Unterschied zwischen den drei Gruppen lag in ihrer Auffassung

über das Imamat. Auch in ihren Gesetzeslehren gab es Unterschiede. Jedoch

waren diese Unterschiede nur wie diejenigen zwischen den verschiedenen

Rechtsschulen außerhalb der Schi´a.

Das isma´ilitische und das zaiditische Gesetz waren dem Recht, das im Irak praktiziert

wurde, viel näher. Die Imamiten hatten eine klarere Art von Gesetz, aber einige

Zaiditen vertraten ähnliche gesetzliche Ansichten wie die Imamiten. Die Imamiten

und die Isma´iliten hatten einen ähnlichen Glauben über die Natur des Imamats.

Sie glaubten, dass die Menschen nicht gut ohne Führung arbeiten konnten, und dass

es für den Menschen notwendig war, so eine Führung zu haben, damit er seine

religiösen Pflichten erfüllen und Allah dienen kann. Zuerst hatte Allah diese Führung

in Gestalt der Propheten herabgesandt, die Seine offenbarte Rechtleitung der

Welt präsentierten. Diese Propheten waren vor Irrtum beschützt, damit ihre Botschaft

erhärtet werden konnte. Egal ob ein Prophet nun wirklich ein Herrscher war

oder nicht, in Wahrheit hätte er der Herrscher sein sollen. Der Prophet war in einem

gewissen Sinne ein Imam. Der Letzte der Propheten war Muhammad (s.), und nach

Muhammad (s.) sandte Allah eine Reihe von Imamen, die vor (jeglicher) Sünde

geschützt waren, damit sie als Hüter des Glaubens für die Welt agieren konnten.

Die Imame waren die Zeugen Allahs für die Welt, welche das Fortbestehen der

Existenz der Welt garantierten. Ohne die Imame würde die Welt aufhören zu bestehen.

Die Imame waren durch Allah ernannt worden, und diese Ernennung war

durch ihren (jeweiligen) Vorgänger öffentlich gemacht worden. So war der erste

Imam, ‘Ali ibn Abi Talib, der Schwiegersohn und Vetter des Propheten Muhammad

(s.), durch Muhammad und den Qur´an ernannt worden. Die nächsten beiden

Imame, al-Hassan und al-Hussain (a.), die Söhne ‘Alis (a.), waren jeder der Reihe

nach ernannt worden. Nach al-Hussain (a.) bestanden sie darauf, dass das Imamat

in der Linie al-Hussains (a.) blieb. ‘Ali ibn al-Hussain (a.) ernannte seinen Sohn,

Muhammad al-Baqir (a.), und letzterer ernannte seinen Sohn Dscha´far al-Sadiq

(a.) .

Es war nach dem Imamat Dscha´far al-Sadiqs (a.), dem sechsten Imam, dass die

Hauptmeinungsverschiedenheit zwischen den Imamiten und den Isma´iliten eintrat.

Eine Gruppe von Dscha´fars (a.) Anhängern stellten die Behauptung auf, dass er

seinen Sohn Isma´il zu seinem Nachfolger ernannt habe. Es wurde angenommen,

dass dieser Mann gestorben war, aber diese Anhänger des Imamats von Isma´il

teilten sich in zwei Gruppen: Die eine behauptete, dass Isma´il nicht gestorben, der

letzte Imam in der Verborgenheit sei und er am Ende der Zeit wiederkehren würde.

Eine zweite Gruppe behauptete, dass das Imamat auf Muhammad, den Sohn Isma

´ils, übergegangen sei. Diese letztgenannte Gruppe wurde der Kern, um die sich

die Isma´iliten formierten. Sie verfolgten die Nachfolge durch Isma´il. Diese Gruppe

hatte nun in Ägypten politische Macht errungen und bildete für die zentrale

islamische Welt, die durch die Buwayhiden dominiert wurde, eine ernsthafte Gefahr.

Die Imamiten vertraten die Ansicht, dass Dscha´far (a.) seinen Sohn Musa (a.) zum

siebten Imam ernannt hatte. Mit dem Tode Musas (a.) entstand eine weitere ernst13

hafte Spaltung. Es waren mehrere Überlieferungen im Umlauf, dass es nur sieben

Imame geben würde, und dass der siebente Imam der Imam sein würde, der (aus

der Verborgenheit) wiederkehren würde. Dann behauptete eine Gruppe, dass Musa

(a.) gar nicht gestorben sei und am Ende aller Zeiten wiederkehren würde. Diese

Gruppe war als „al-Waqifa“, „die Anhaltende“, bekannt, und sie hatte noch zu der

Zeit von al-Mufid eine Menge Anhänger. Jedoch war die Hauptgruppe der Imamiten

der Meinung, dass es in Wahrheit nur zwölf Imame gab, wobei der Sohn dem

Vater folgte. Nach Musa (a.) folgten: ‘Ali al-Ridha, Muhammad al-Dschawad, ‘Ali

al-Hadi, al-Hassan al-Askari und dessen Sohn, der zwölfte Imam. Die Überlieferungen,

dass der zwölfte Imam in die Verborgenheit entrücken und am Ende der

Zeit wiederkehren würde, sind zahlreich. Die Imamis waren der Ansicht, dass al-

Hassan al-Askari die Geburt seines Sohnes geheim hielt, und dass der zwölfte Imam

nach al-Hassans Tod 260/873 in der Verborgenheit blieb, wobei er mit seinen

Anhängern in Kontakt blieb durch vier spezielle Abgesandte. Bei dem Tode des

vierten dieser Abgesandten 329/940 schickte der Imam die Ankündigung, dass er in

die andauernde Verborgenheit entschwinden und erst am Ende aller Zeiten zurückkehren

würde. Diese beiden Perioden werden die „Kleine Verborgenheit (ghaiba alsughra)“

und die „Große Verborgenheit (ghaiba al-kubra)“ genannt. Der Imam war

immer noch in der Welt, obwohl er von seiner Gemeinschaft abwesend war, und

das sicherte, dass seine Gemeinschaft ihren wahren Glauben bewahren würde.

Die Zaiditen waren ein viel ungeordnetere Gruppierung als die anderen beiden

Gruppen. Ursprünglich scheinen ihre beiden Hauptlehren so zu sein, dass erstens

der wahre Imam nur dann Imam ist, wenn er sich selbst dazu erklärt und offen gegen

die Machthaber revoltiert, und zweitens, dass sein Imamat zu dem hussainidischen

Zweig der ‘Aliden-Familie gehört. Sie haben anscheinend diese Lehren aufgrund

der Überlieferung von Zaid ibn ‘Ali behauptet, dem Bruder Imam Muhammad

al-Baqirs, welcher so einen Aufstand nach dem Tode seines Bruders angeführt

hatte.

Viele der Zaiditen haben scheinbar Abu Bakr und ‘Umar, die ersten beiden Kalifen,

als echte Imame akzeptiert, und einige akzeptierten auch den früheren Teil von

‘Uthmans Kalifat. Diese Einstellung wurde in der theologischen Lehre „das Imamat

des mafdhul (der weniger Ausgezeichnete) “ genannt. Es herrschte Übereinstimmung

darüber, dass ‘Ali ibn Abi Talib al-afdhal (der Ausgezeichneteste) und somit

der Geeigneteste für das Imamat war, jedoch wurde eingeräumt, dass das Imamat

des mafdhul (des weniger Ausgezeichneten) eintreten könnte, wenn der Ausgezeichneteste

(al-afdhal) nicht öffentlich sein Recht auf das Imamat durch einen

bewaffneten Aufstand geltend machte.1 Diese Lehrmeinung schloss eine erneute

Festsetzung von ‘Alis Nominierung durch den Propheten ein. Wenn ‘Alis Ernennung

für alle klar und öffentlich gewesen wäre, dann wäre über die Legitimation des Imamats von Abu Bakr, ‘Umar und ‘Uthman schwerlich eine Übereinkunft erzielt worden. Daher behaupteten einige Gruppen der Zaiditen, dass ‘Alis Ernennung durch den Propheten eine geheime Ernennung gewesen sei (an-nass al-chafi), die nicht allen Gläubigen öffentlich gemacht worden war, im Gegensatz zu der Lehrmeinung der öffentlichen Ernennung (an-nass al-dschali).

Die revolutionären Tendenzen der frühen zaiditischen Bewegung gab es in einer

Gruppe, die vorher die Anhänger Muahhad al-Baqirs gewesen waren. Nach seinem

Tod wurden sie die Anhänger von Zaid ibn ‘Ali. Diese Gruppe, unter der Führung

von Abu al-Dscharud, war unter dem Namen „Dscharudiyya“ bekannt. Sie stehen

der Imami-Schi´a näher als die anderen. Ihre Einstellung zu dem Imamat war der

Imami-Schi´a näher, wie es ihrer legalen Lehre entsprach. Was sie anscheinend an

der zaiditischen Bewegung angezogen hat, war deren Schwerpunkt auf den bewaffneten

Aufstand für einen (scheinbar) Anspruchsberechtigten der ‘Aliden auf das

Imamat. Dennoch ist ihr enges Verhältnis zur Imami-Schi´a daran zu erkennen,

dass einige von ihnen glaubten, dass es einen Imam geben würde, der in die Verborgenheit

gehen und am Ende aller Zeiten wiederkehren würde.1 Es wird auch

gesagt, dass einige Mitglieder der Dscharudiyya bereit waren, die Zwölf Imame der

Imami-Schi´a zu akzeptieren, doch dass sie auch einen Platz für Zaid innerhalb des

Imamats wünschten.

Jedoch führten solche Lehren wie die des Imamats des mafdhul (des weniger Ausgezeichneten)

bald zu einer passiven Tendenz unter einigen Elementen in der zaiditischen

Bewegung. Sie fanden, dass diese Doktrin ihnen eine enge Zusammenarbeit

mit dem Kalifat der ‘Abbasiden erlaubte.

Die Buwayhiden waren wahrscheinlich der Zaidiyya zugeneigt, wie schon erwähnt,

wenigstens zu der Zeit ihrer Eroberung Bagdads. Zu einer früheren Zeit dachten sie

sogar daran, den abbasidischen Kalifen abzusetzen und einen Imam der Aliden an

die Macht zu bringen. Das hätte jedoch zu einer extrem schwierigen Situation geführt

hinsichtlich der Mehrheit ihrer Untertanen, die Nicht-Schi´iten waren und das

Kalifat der Abbasiden akzeptierten. Die Doktrin des Imamats des mafdhul (dem

weniger Ausgezeichneten) erlaubte ihnen, mit den weniger ausgezeichneten Abbasiden

zusammenzuarbeiten. Durch die Förderung der Imami-Schi´a, deren Imam in

der Verborgenheit war und nicht bis ans Ende aller Zeiten zurückkehren würde,

konnten sie schi´itische Bestrebungen ermutigen, ohne ihre eigene politische Macht

zu gefährden. Durch die Ernennung eines Aliden-Imams hätten sie sich selbst auf

eine viel niedrigere politische Stellung herabgestuft als die, die sie innehatten, indem

sie einen Abbasiden-Kalifen unterstützen, den sie bestenfalls als mafdhul betrachteten,

als weniger ausgezeichnet.

Die Buwayhiden schafften eine Atmosphäre im Irak und Iran, die einigen Gruppen

Freiräume verschafften, die vorher unter dem Druck der Machthaber gestanden

hatten. Dies galt vor allem für die verschiedenen Zweige der Schi´a, mit Ausnahme

der Isma´iliten und ihrer gefährlichen Bedrohung für Irak von ihrer Machtbasis in

Ägypten aus. Eine andere Gruppierung, der es in dieser Periode anscheinend gut

ging, war die Mu´tazila, eine theologische Schule, die dem Gebrauch des Verstandes

großes Gewicht beimaß. Sie hatten sich fortlaufend der Ansicht angenähert,

dass ‘Ali (a.) der Ausgezeichneteste (al-afdhal) der Gefährten des Propheten war,

und daher hatten sie eine sehr positive Einstellung zur Schi´a.

In dieser Atmosphäre wurde al-Mufid geboren, erzogen und lebte sein Leben. Er

wurde in Bagdad von führenden imami-schi´itischen Gelehrten sowie führenden

Angehörigen der Mu´tazila ausgebildet. Die früheren Gelehrten hatten so eine öffentliche

Stimme nicht hervorbringen können. Während es mehrere imamischi

´itische Gelehrten vor al-Mufid gegeben hatte, die das Prinzip der Anwendung

des Verstandes in der theologischen Spekulation gebraucht hatten, wurde al-Mufid

der Führer eines theologischen Trends innerhalb der Zwölfer-Schi´a, welcher (das

Prinzip der) Vernunft in der imami-schi´itischen theologischen Spekulation fest

etablierte.

In der Tat hatte die breite Masse der imami-schi´itischen Gelehrsamkeit sich für die

Sammlung der Überlieferungen der Imame interessiert. Die ersten Sammlungen

von Überlieferungen, die entweder direkt von den Imamen oder aus zweiter Hand

gesammelt worden waren, waren als „usul“(„Wurzeln“ = Grundlagen) oder Quellen

bekannt. Es hieß, dass es vierhundert solcher usul gegeben habe.1 Die nächste Stufe

bestand darin, diese Sammlungen nach Themen (geordnet) in eine systematischere

Form zu bringen. Die wichtigste dieser systematischen Sammlungen von Überlieferungen

der Imame war al-Kafi. Diese umfangreiche Sammlung von Überlieferungen

wurde von Muhammad ibn Ya´qub al-Kulaini zusammengestellt, der im Jahre

329 n.H. / 940 n.Chr. starb. Al-Mufid studierte dieses Werk unter (der Anleitung)

eines anderen großen Sammlers von Überlieferungen, Ibn Qulawaih (gestorben 368

n.H. / 978-79 n.Chr.).2 Al-Mufid studierte auch Überlieferungen unter dem zweiten

großen Sammler von Überlieferungen, Ibn Babawayh, auch unter dem Namen „al-

Scheich al-Saduq“ bekannt, welcher 381 n.H. / 991-92 n.Chr. starb.3

Mit der Verborgenheit des zwölften Imams ruhte die Führung der imamischi

´itischen Gemeinschaft sehr stark in den Händen der Überlieferungs-Sammler,

welche die Lehre über die Imame propagierten. Ihr vielleicht größtes Aushängeschild

während dieser Periode war Ibn Babawayh. Al-Mufid war durch sein großes

Wissen über die Überlieferungen und seiner Praxis in theoretischer Spekulation in

der Lage, die Kluft zwischen den beiden Elementen zu überbrücken, den spekulativen

Theologen und den Sammlern von Überlieferungen, und so die Imami-Schi´a

mit einer Synthese auszustatten, welche die spekulative Theologie mit einer intelligenten

Anwendung von Überlieferungen kombinierte.

Die Bandbreite seiner Gelehrsamkeit war dermaßen, dass er als der führende Gelehrte

der Imami-Schi´iten anerkannt wurde.

Obwohl diese Periode eine viel günstigere Zeit für die imami-schi´itischen Gelehrten

war, war sie nicht ohne Reibereien zwischen den Schi´iten und ihren Gegnern.

Zwei schi´itische Gedenktage wurden eingeführt. Der Gedenktag an Ghadir

Chumm am 18. Dhu-l-Hidscha1, und ‘Aschura am 10. Muharram2. Diese Gedenktage

wurden von dem Buwayhiden Mu´izz al-Dawla im Jahre 351 n.H. / 962 n.Chr.

eingeführt. Der Gedenktag an Ghadir Chumm erinnert an die Begebenheit, bei

welcher der Prophet, als er von der Abschieds-Pilgerfahrt zurückkehrte, ‘Ali (a.)

zum Führer (mawla) der Leute erklärte und ihn ihnen anempfahl. Dies wurde von

den Schi´iten als eine explizite Ernennung ‘Alis (a.) für das Imamat aufgefasst.

‘Aschura erinnert an das Märtyrertum von al-Hussain im Irak. Im Gegenzug zu

diesen beiden Gedenktagen setzten die Sunniten im Jahre 389 n.H. / 999 n.Chr.

zwei konkurrierende Feiertage an, den 26. Dhu-l-Hidscha und den 18. Muharram,

an welchen sie in dieser Reihenfolge Abu Bakrs Verbleiben in der Höhle mit dem

Propheten während seiner Auswanderung von Mekka nach Medina bzw. den Tod

des Mus´ab ibn al-Zubairs, der den aufständischen Muchtar niederschlug, der aufgestanden

war, um den Tod al-Hussains (a.) zu rächen. Diese Feiertage wurden zu

einer regelmäßigen Quelle der Gewalt zwischen sunnitischen und schi´itischen

Parteigängern. Es gab mehrere Gelegenheiten, an denen ernsthafte Gewalttätigkeiten

zwischen den rivalisierenden Parteien auftraten. An einem dieser Anlässe

wurde al-Mufid aus dem Stadtzentrum von Bagdad verbannt aufgrund von Unruhen,

aber es sieht nicht so aus, als ob al-Mufid in irgendeiner Weise für die Anstiftung

zu diesen Unruhen verantwortlich war. Vielmehr scheint es, als ob die

Buwayhiden es für nötig befanden, unter den Schi´iten einen Sündenbock zu finden,

um die Ordnung zu wahren und ihre Justiz als unparteiisch darzustellen. Al-

Mufid war wichtig genug für sie, um die Gefühle der Sunniten zu befrieden. Jedoch

waren diese Verbannungen nur von kurzer Dauer.

Al-Mufid war ein großer imami-schi´itischer Gelehrter in einem Zeitalter von großen

imami-schi´itischen Gelehrten. Seine älteren Zeitgenossen und Lehrer, Ibn

Qulawaih und Ibn Babawayh sind schon erwähnt worden. Er war jedoch selbst der

Lehrer von zwei sehr großen imami-schi´itischen Gelehrten, den Brüdern al-Scharif

al-Radhi (gestorben 406 n.H. / 1015 n.Chr.) und al-Scharif al-Murtadha (gestorben

436 n.H. / 1044n. Chr.). Al-Radhi, der tatsächlich vor al-Mufid starb, war ein großer

Schriftsteller, Dichter und der Zusammensteller von Nahdsch-ul-Balagha, eine

Sammlung der Ansprachen Ali ibn Abi Talibs. Al-Murtadha folgte und entwickelte

al-Mufids Werk in spekulativer Theologie und muss als einer der größten imamischi

´itischen Theologen angesehen werden.2 Ein anderer Schüler al-Mufids, der zu

den Rängen der großen imami-schi´itischen Gelehrten gehört, war der Überlieferungensammler,

Jurist und Theologe und der spätere Führer der imami-schi´itischen

Gelehrten, al-Scheich al-Tusi.

Die Anzahl von al-Mufids eigenen literarischen Werken war enorm. Ihm werden

über zweihundert Werke zugerechnet; viele davon waren kurze Abhandlungen

polemischer Natur, aber er schrieb auch viel längere Werke über die gesamte

Bandbreite religiöser Themen.

Al-Mufid starb im Jahre 413 n.H. / 1022 n.Chr. Eine riesige Menschenmenge war

bei seinem Begräbnis anwesend, und das Toten-Gebet für ihn wurde von seinem

früheren Schüler al-Scharif al-Murtadha geleitet. Er wurde zuerst in seinem Haus

aufgebahrt, dann aber nach Kazimain gebracht, wo er neben seinem früheren Lehrer

Ibn Qulawaih begraben wurde.

Vorwort des Autors

Preis sei Allah für Seine Inspiration von Wissen über Sich und für Seine Rechtleitung

zu Sich durch Gehorsam Ihm gegenüber. Frieden und Segen sei auf dem besten

Seiner Geschöpfe, Muhammad, Herr der Propheten und Sein aufrechter Freund,

und über die rechtgeleiteten Imame aus seiner Nachkommenschaft. Ich berichte -

Allah gebe mir Hilfe und Erfolg - über das, um das ihr gebeten habt, über die Namen

der Imame der Rechtleitung und die Daten ihres Lebens; genauso erwähne ich

die Orte, an denen ihre Gräber liegen und die Namen ihrer Kinder und einige ihrer

Geschichten, die zum Verständnis ihrer Umstände nützlich sein werden, so dass ihr

mit ihnen so vertraut werdet, wie jemand, der sie kennt, so dass der Unterschied

zwischen (verschiedenen) Behauptungen und Überzeugungen über sie klar wird.

Indem ihr (diese Beweise) mit einbezieht, könnt ihr zwischen düsterem Irrtum und

bewiesenen Tatsachen unterscheiden und euch auf die Wahrheit darin verlassen mit

der Sicherheit von jemandem, der Gerechtigkeit und die wahren Überzeugungen

der Religion besitzt. Ich komme dem nach, worum ihr gebeten habt, wobei ich

darauf achte, kurz und knapp in meiner Antwort zu sein, wie ihr gefordert habt,

dass sie so sein soll. Ich setze mein Vertrauen auf Allah und suche Seine Rechtleitung

entlang des Weges der Rechtschaffenheit.

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