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Dienstag, 01 Januar 2013 13:25

Charakter und Verhalten- Von Mesbah Yazdi (Teil 4)

Charakter und Verhalten- Von Mesbah Yazdi  (Teil 4)
Bewertungsgrundlagen für die Qualität des Charakters


Die charakterlichen Eigenschaften gehören zu den seelischen Dingen. Ob sie würdig sind oder nicht, das hängt davon ab, inwieweit sie der endgültigen Vollkommenheit der menschlichen Seele Gerechtwerden bzw. ihr zuwiderlaufen. Mit anderen Worten, jede Angewohnheit, die dem Ideal des wahrhaft vollkommenen Menschen entspricht und ihm auf dem Wege hin zu dem großen End - und Hauptziel weiterverhilft, verdient die Bezeichnung "würdig". Alles, was ihn jedoch davon abhält, diesen menschlichen Bestimmungshaien zu erreichen, wird unwürdig sein.

Als erster Schritt ist daher die letzte und höchste Stufe menschlicher Vervollkommnung klarzustellen, da mit wir den Bewertungsmaßstab zur Unterscheidung der lobenswerten Charaktereigenschaften von den zu tadelnden gewinnen.

Einige haben nur oberflächlich und ohne Weitsicht leider geglaubt, dass die Wahrheit des Menschen sich auf den sichtbaren Körper besehrank und auch die Seele nur eine Eigenschaft und Nebenerscheinung desselbigen darstellt. Sie messen die Qualität menschlicher Attribute lediglich daran, ob sie dem Ideal eines optimalen körperlichen Zustandes und mit den Sinnen zu verspürenden Wohlbefindens einsprechen oder nicht.

Verzicht auf Verbotenes, Schamgefühle, Edelmut, Gerechtigkeitssinn und andere Tugenden stellen für sich alleine keinen selbständigen Wen dar, das bedeutet, sie werden durchweg nur dann begrüßt, wenn sie als Mittel zur Erreichung materieller Vorteile und weltliche Dinge herhallen können. Selbst abstoßende Attribute wie Lüsternheil, Begierlichkeit, Kriecherei, Arroganz, Betrügerei, ja sogar Diskriminierung anderer und ihre Unterdrückung - auch sie gellen an sich noch nicht als hässlich, ausgenommen der Fall, dass die materiellen Ziele und finanziellen Vorteile indirekt oder direkt durch sie in Gefahr geraten würden.

Grundsätzlich schenkt man dem Höchstmaß an seelisch - geistiger Vollkommenheil und menschenwürdigen hohen Gefühlen und geistigen Genüssen, die doch um ein vielfaches stärker und edler als die mit den Sinnen wahrnehmbaren Freuden sind, sehr wenig, wenn nicht überhaupt keine Beachtung: Sie gelten als wertlos.

Unter denen, die diese Anschauung vertreten, sagen wieder eine Reihe: "Was gut und was böse ist, das hangt von der Meinung der Mehrheil ab. Alles, was in einer Gesellschaft von den meisten für gut geheißen wird, gilt in dieser Gesellschaft als gut, auch wenn dasselbe in einer anderen Gesellschaft von der Mehrheil verurteilt und als hässliches Charaktermerkmal betrachtet werden sollte".

Wir haben hier nicht die Absicht, zur oben genannten Meinung den ausführlichen Gegenbeweis zu erbringen. Es würde den Rahmen dieser kurzen Abhandlung sprengen. Zudem haben große Gelehrte in dieser Hinsicht bis ins Detail ihre Ansieht niedergeschrieben und in verschiedenen Werken überzeugende Argumente und handfeste Beweise gegen diese Anschauung aufgeführt. Wir beschränken uns hier nur darauf klarzustellen, was der Islam als Bewertungsmaßstab für das Prädikat "schlecht" bzw. "gut" betrachtet.

Er sieht in der menschlichen Existenz ein viel größeres und edleres Dasein als das so rasch dahinziehende und begrenzte Leben auf der Erdkugel.

Der Islam betrachtet das weltliche Leben als eine Strecke, die der Mensch zurücklegt, und je mehr er von dieser Strecke hinter sich gebracht hat, umso mehr nähert er sich dem ewigen Ziel.

Im Islam steht die Welt um uns herum zu dem ewigen Dasein in einem Verhältnis wie die Sphäre, die das ungeborene Kind im Mutterleib erfahrt, zu der Welt, in die es später hineingeboren wird, sieht. Ja, im Vergleich zu letzterem Verhältnis ist das hiesige Dasein noch viel beengender und niedriger als die Existenz des Ungeborenen in der Gebärmutter, wenn es neben dem ewigen zu Stehen kommt.

Der Seele des Menschen wird durch Islam der Rang einer sehr hohen und edlen Erscheinung zugeordnet. Einer Daseinserscheinung, die eine außergewöhnliche und hervorragende Entwicklung verdient. Wohingegen sich der Körper auf eine lediglich organische Existenz beschränkt. Dies darf jedoch nicht zu dem Fehlschluss führen, dass der Islam körperliche Vollkommenheilen und überhaupt körperliche Dinge ohne jede Funktion weiß, wie manche, die eine Übertreibung begehen und den Körper als etwas vollkommen überflüssiges, wenn nicht sogar als einen Störfaktor und ein Hindernis für die Entwicklung der Seele betrachten.

Dem System der Schöpfung wurde eine vollständige Ordnung verliehen, die die bestmöglichste aller Ordnungen darstellt. Warum sollte sie es auch nicht sein, wo doch ihr ordnender Urheber absolut weise ist. Es wird in diesem Falle undenkbar sein, dass diese Ordnung etwas für die Existenz einer Erscheinung vorsieht, das diese Existenz an ihrer Fortentwicklung hindert. Daher stellt der Körper des Menschen einen Teil seiner Wahrheit dar und dient als Mittel zur Entwicklung seiner Seele hin zu der höheren Well. Wenn wir dem Körper gerecht werden, wenn wir ihm weder mit Unter - noch mit Übertreibung begegnen, so wird er nicht nur kein Hemmschuh auf dem Wege der Vervollkommnung des Menschen sein, sondern ihm - im Gegenteil - auf diesem Wege hilfreich zur Seite stehen.

Trotz alledem darf nicht erwartet werden, dass Islam der leiblichen Hülle die gleiche Bedeutung wie der Seele zuordnet, dass er körperlichen Dingen für sich alleine einen selbständigen Wert beimisst, so wie er es für die Erscheinungen des menschlichen Geistes und seiner inneren Vervollkommnung tut. Dies wäre ein deutliches Unrecht gegenüber den geistig - seelischen Werten.

Die Stellung, die der Islam dem Körper einräumt, nämlich die eines organischen Wertes, beruht auf der Regel "Existenzgebung, weil Erfordernis in der Existenzordnung vorhanden". Anders formuliert: Da der Körper in Wahrheil nur ein Werkzeug der Seele ist, gebührt ihm auch nur die organische Wertstellung.

Jenes Ideal der Vollkommenheit, das der Islam für den Menschen vorsieht, ist jedoch unabhängig. Die islamischen Bestimmungen und Gebote werden diesem Idealbild gemäß aufgestellt und letzteres gilt als Maßstab, wenn das Gute im menschlichen Charakter vom Schlechten getrennt werden soll. Diese Vollkommenheit wird immer Glück und Wohl im ewigen Leben zur Folge haben. Sie ist aber auch noch in sich abgestuft. Der niedrigste Rang der Vervollkommnung wird gleichbedeutend sein mit einem Wohlleben, angefüllt von Genüssen, die unsere Sinne erfassen. Die höchste Stufe jedoch spiegelt sich in der Erreichung vollständiger Erkenntnis und Erlangung des dem Schöpfer am nächsten gelegenen Ranges.

In Wahrheil lad der Islam zu dieser letzten allerhöchsten Vollkommenheit ein: den höchsten Grad an Erkenntnis und den höchsten Grad einer Annäherung zu Gott. Alle Seelen weisen aber nicht die Starke und Größe auf, weltliche und jenseitige leibliche Genüsse sämtlich Beiseitezulassen und nur noch die Nahe Gottes, des Erhabenen, zu wollen und zu sagen:

"Ich wende mein Gesicht dem zu, der Himmel und Erde geschaffen hin. Ich tue dies mit Festigkeit und standhaft und bin kein Götzendiener!"

Oder zu denken; "Gott! Ich bete Dich nicht aus Angst vor der Verdammnis an oder aus Verlangen nach dem Paradies, sondern ich bete Dich an und diene Dir, weil Du es verdienst!"

Da eben nicht jede Seele diesen höchsten Grad erreicht, hat Islam in seiner Vervollkommnungslehre verschiedene Rangstufen vorgesehen. Jeder kann, seiner Fähigkeit gemäß, eine dieser Stufen erreichen. Kann bis dahin, wo es sein Einsätzvermögen erlaubt, sieh Vorwärtsentwickeln.

Fassen wir nun zusammen; Der Maßstab zur Erkennung der Qualität einer Charaktereigenschaft, d.h. zur Erkennung, üb sie gut oder schlecht ist, liegt in ihrer Auswirkung auf das ewige Dasein. Es gilt zu sehen, ob diese Eigenschaft zur dortigen Glückseligkeil hinführt oder nicht.

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