Teil 360: Sure Yusuf (der Prophet) Verse 34- 36
Wir haben die Sure 12, namens Yusuf bis zum Vers 33 besprochen. Nun geben wir kurze Erläuterungen zu den drei nächsten Versen. Hier der Vers 34 der Sure 12:
(12: 34- 36)فَاسْتَجَابَ لَهُ رَبُّهُ فَصَرَفَ عَنْهُ كَيْدَهُنَّ ۚ إِنَّهُ هُوَ السَّمِيعُ الْعَلِيمُ
„Da erhörte ihn (Josef) sein Herr und wandte ihre List (die List der Frauen) von ihm ab. Er ist der, der hört und weiß!“ (12: 34)
Im letzten Beitrag haben wir davon berichtet, dass Zoleicha dem Josef mit Einkerkerung gedroht hatte. Josef hatte daraufhin selber Gott darum gebeten, dass er einige Zeit ins Gefängnis kommt, damit er vor den unerlaubten Wünschen der Zoleicha und dem Übel der anderen Frauen sicher sei.
Gemäß obigem Vers hat Gott das Gebet Josefs erhört und ihn vor dem Übel und der List der Frauen gerettet. Eigentlich hatte ja Zoleicha Josef einsperren wollen und ihr Befehl wurde auch ausgeführt. Interessant ist jedoch, dass es in diesem Vers heißt, dass die Abwendung der List der Frauen und Zoleichas durch die Einkerkerung Josefs deshalb zustande kam, weil Gott das Gebet des Josef erhörte. Anscheinend will der Koran damit sagen: Auch wenn Zoleicha Josef ins Gefängnis bringen wollte, wäre dies nie geschehen, wenn Gott es nicht so gewollt hätte.
Daraus können gläubige Menschen eine wichtige Lehre ziehen, nämlich die, dass die listigen Pläne der Feinde nicht durchgeführt werden können, ohne dass Gott es will. Daher müssen wir uns also an Ihn wenden und Ihn bitten, wenn wir möchten, dass die Pläne der Feinde fehlschlagen.
Wir sollten noch zwei Dinge zu diesem Koranvers anmerken:
Erstens: Wenn wir die Sittsamkeit anstreben, wird Gott uns die Mittel dazu bereitstellen und unseren Wunsch erfüllen.
Zweitens: Zoleicha wollte Josef ins Gefängnis werfen, um ihn dafür zu bestrafen, dass er nicht ihrem sündigen Angebot gefolgt war. Aber für Josef führte die Einkerkerung zur Rettung vor Sünde und Gottungehorsam.
Es folgt der Vers 35:
ثُمَّ بَدَا لَهُم مِّن بَعْدِ مَا رَأَوُا الْآيَاتِ لَيَسْجُنُنَّهُ حَتَّىٰ حِينٍ
„Hierauf, nachdem man die Zeichen (der Sittsamkeit des Josef) gesehen hatte, kam man auf den Gedanken, man müsse ihn eine Zeitlang gefangen setzen.“ (12: 35)
Es ist ein typisches Merkmal der Abgottregime, dass die Wünsche der Herrscher und Hofleute, ob nun zulässig oder unzulässig, die Hauptrolle spielen und das Volk von ihnen wie Untertanen und Sklaven behandelt wird. Dabei nehmen sie sich das Recht heraus, beliebige Entscheidungen bezüglich der Bürger zu treffen, und es geht nicht darum, ob eine Entscheidung richtig oder falsch ist.
Bei der Geschichte von Josef und Zoleicha haben alle gemerkt, dass Zoleicha schuld gewesen ist, und sie selber hat sogar zugegeben, dass Josef sittsam blieb. Aber letzten Endes hat der Statthalter von Ägypten, der Potiphar, sich schließlich dafür entschieden, dass er Josef besser einkerkert, damit das Ansehen seiner Ehefrau gewahrt wird sowie das Gerede nach einiger Zeit aufhört und die Gerüchte in Vergessenheit geraten.
Wir sehen:
Erstens: Es ist nicht leicht, sittsam zu sein und zu bleiben, denn in Abgottsystemen ist jemand umso mehr gefährdet je reiner er ist.
Zweitens: In einer verdorbenen Gesellschaft haben lüsterne Leute freie Hand und die Reinen und Rechtschaffenen sind Gefangene.
Nun wenden wir uns abschließend dem Vers 36 der Sure 12 zu:
وَدَخَلَ مَعَهُ السِّجْنَ فَتَيَانِ ۖ قَالَ أَحَدُهُمَا إِنِّي أَرَانِي أَعْصِرُ خَمْرًا ۖ وَقَالَ الْآخَرُ إِنِّي أَرَانِي أَحْمِلُ فَوْقَ رَأْسِي خُبْزًا تَأْكُلُ الطَّيْرُ مِنْهُ ۖ نَبِّئْنَا بِتَأْوِيلِهِ ۖ إِنَّا نَرَاكَ مِنَ الْمُحْسِنِينَ
„Nun kamen zusammen mit ihm zwei Jünglinge ins Gefängnis. Der eine von ihnen sagte: `Ich sah mich im Traum Wein keltern.`Der andere sagte: `Ich sah mich im Traum auf meinem Kopf Brot tragen, von dem die Vögel fraßen. Gib die Deutung davon kund! Wie wir sehen, bist du in der Tat ein rechtschaffener Mensch. `“ (12: 36)
Der Statthalter von Ägypten hatte also angeordnet, dass Josef ins Gefängnis gebracht wird. Gleichzeitig mit ihm wurden zwei Diener vom Königshofe, die sich etwas hatten zuschulden kommen lassen, ebenso ins Gefängnis geworfen. Beide hatten einen seltsamen Traum und baten Josef um dessen Deutung. Denn sie hatten davon gehört, dass er ein rechtschaffener und anständiger Mensch ist und vertrauten ihm.
Wenn jemand einen hohen Charakter hat, vertrauen ihm sogar Insassen in einem Gefängnis und ein solcher Mensch kann sogar Gefängnisinsassen positiv beeinflussen.
Die Träume der beiden Mitgefangenen waren unterschiedlich und eigenartig. Sie selber merkten, dass diese Träume etwas zu bedeuten und mit ihrem Schicksal zu tun hatten: Einer kelterte Wein und der andere verteilte auf seinem Kopf Brot unter den Vögeln!
Wie auch immer! Eines ist wichtig, und zwar, dass Josef im Gefängnis einen besonderen Platz einnahm, und die anderen auf ihn aufmerksam geworden waren. In den Überlieferungen heißt es, dass Josef sich im Gefängnis um die Kranken kümmerte und den anderen half. Auch im Gefängnis verhielt er sich menschenwürdig und seine hohen moralischen Tugenden traten zum Vorschein.
Abschließend noch zwei Anmerkungen:
Erstens: Rechtschaffene und Wohltätige erfahren sogar in einem Gefängnis und unter Gefängnisinsassen Achtung.
Zweitens: Der erste Schritt, den Josef tat, um die Religion Gottes vorzustellen, bestand darin, dass er die anderen im Gefängnis gut behandelte und ihnen half.