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Samstag, 14 Dezember 2013 19:14

Zurzeit noch im Zug der Zeit (18)

Zurzeit noch im Zug der Zeit (18)
Als jemand Imam Ali (a) fragte: Wie bist du auf diese Stufe gelangt, sagte er: Ich habe mich ans Tor zu meinem Herzens gesetzt und niemanden anderen außer Gott hereingelassen.“

Das ideale Lebensziel besteht darin, durch unsere charakterliche Weiterentwicklung, durch Erstreben und Erlangung hoher Werte wie Tapferkeit, Geduld, Güte, Weisheit und Gerechtskeitssinn, dem, der in allem vollkommen ist, näher zu kommen.

Die Vollkommenheit ist aber kein materielles Ziel.

An weltliche Ziele können wir oftmals tatsächlich gelangen. Zum Beispiel an einen gewünschten Berufserfolg, einen erstrebten Studienabschluss , eine größere Anschaffung, für die wir sparen mussten usw.

Indem wir diese Ziele erreicht haben, scheint ihr Wert für uns jedoch zu verblassen. Es verlangt uns erneut nach einem anderen Ziel und nach Erfüllung neuer Wünsche. Wir erleben sogar, dass ein sehnlicher Wunsch in Erfüllung ging und nach dem Erfolgserlebnis unsere Zufriedenheit über den Erfolg in Melancholie umschlägt, weil wir kein neues Ziel mehr haben. Wenn wir aber kein neues Ziel vor uns sehen, schleichen sich die Gedanken der Sinnlosigkeit heran.

Nachdem wir das vorher angestrebte Ziel schließlich erreicht und uns der ersehnte Erfolg beschert wurde, wird das Erreichte Teil unseres Alltags und sein Glanz und der Erfolgsgenuss verblasst.

Wir finden erst dann wieder Ruhe, wenn wir uns das nächste Ziel gesteckt haben.

 

Der Mensch braucht also ein Ziel, dass nie an Glanz verliert, und nie an Anziehungskraft einbüsst. Dies kann eigentlich nur ein Ziel sein, dass er niemals ganz erreicht.

Die Vollkommenheit Gottes ist dieses Ziel. Nie wird es dem Menschen gelingen, diese Vollkommenheit tatsächlich zu erreichen, denn die Vollkommenheit Gottes ist ja unbegrenzt und endlos. Doch kann der Mensch seinen Charakter so veredeln, dass er dieser Vollkommenheit näher kommt. Der Mensch wird Gottes Nähe um so mehr spüren und Glück empfinden, je mehr er sich edle Eigenschaften angewöhnt.

Das unerreichbare Ziel ist die absolute Vollkommenheit. Darauf zuzugehen, bedeutet, dass wir immer wieder den Erfolg erleben, diesem Ziel näher gekommen zu sein. Die Absolute Vollkommenheit ist Gott.Wir können versuchen immer mehr von Seinen Eigenschaften zu erwerben: von Seiner Weisheit, Seiner Güte, Seiner Liebe, Seiner Schönheit. Seine Schönheit ist das absolute Gute. Sie ist unvergänglich und ewig, im Gegensatz zu der materiellen Schönheit, die - auch wenn sie deswegen nicht ihren tieferen Sinn und von Gott gewollten Zweck verliert -einmal verblüht:

 

Das Schönsein ist gut!

 

Doch auch das Gutsein ist schön!

 

Und nur die Schönheit des Guten

 

Kann die Zeit überstehen.

Es klingt im ersten Moment paradox: Weil der Mensch das Ziel der Vollkommenheit nie ganz erreicht, ist dieses Ziel gerade das kostbarste und einzig überdauernde und glücklichmachende Ziel im menschlichen Leben. Dieses Ziel hält den Menschen in Bewegung und lässt ihn streben und hoffen und es beschert ihm Zufriedenheit über das Erreichte.

Dieses Streben nach dem Guten und Edlen füllt das Leben aus und gibt ihm Richtung. Es verhindert, dass der Mensch im Kreise läuft und zuletzt mit Entsetzen feststellt, sein Leben „verlebt“ zu haben. Dieses Streben kann verhindern, dass sein Boot in eine Strömung gerät, die ihn mitreißt, ohne dass es noch eine Rückkehr gäbe.

Nur dieser Weg, der Weg der Selbsterziehung in Richtung „Vollkommenheit“ in Richtung „Gott“ - der Weg der Selbstveredlung , kann ins Eden hineinführen: in die Ewigen Gärten, in denen nur die Guten leben können, so dass Schönheit, Gutsein und Frieden herrschen. Könnte das Paradies denn ein solcher schöner Ort sein, wenn auch die Schlechten eingelassen würden?

 

Sollten wir nicht heute noch den Pfad zu diesem Gipfel antreten und auf ihm Schritt für Schritt Erfolge bei unserer Selbstveredlung ernten? Sollten wir nicht neben all den zwischenzeitlichen weltlichen Zielen diesen Gipfel als das eigentliche Lebensziel ins Auge fassen?

 

Ein Ziel wird zum Erfoglserleben,

 

wenn es von uns erreicht,

 

und das Verlangen, unser Streben,

 

dem Glücksgefühle weicht!

 

Alsbald flüchten jedoch die leichten

 

und fröhlichen Momente,

 

ob dem erfolgreich da Erreichten,

 

dem vorher so Ersehnten.

 

Es wünschen wir abermals dringend,

 

auf etwas zuzustreben!

 

Wünschen scheint unsr`em Wesen zwingend

 

im Leben mitgegeben.

 

Oft haben wir in diesem Sein

 

– Kurzlebiges erheischt,

 

entpuppte sich das Glück als Schein

 

– so waren wir enttäuscht.

 

Nicht selten galt ein Ziel uns erst

 

als kostbar und beglückend

 

Doch mal erreicht, war`s umgekehrt,

 

Erfolg wirkte bedrückend.

 

Schon sehen wir, mit einem Grauen,

 

Ade sagen den Lieben

 

Und wissen, dass von diesen tausend

 

Erfolgen nichts geblieben.

 

Doch gibt`s ein Ziel, das nicht verraucht,

 

dem`s sich zu nähern lohnt.

 

Ein Ziel, das jene Seele braucht,

 

welche uns innewohnt.

 

Ist dieses Ziel auch fern gelegen,

 

so gibt, wer will nicht auf,

 

er will zum Gipfel sich bewegen ,

 

nimmt Steilwände in Kauf.

 

Kann er auch nie vollends erklimmen

 

– die Bergspitze im Leben,

 

so wird`s ihn dennoch nicht verstimmen,

 

kann weiter er doch streben.

 

Je näher er dem Gipfel rückt –

 

desto leichter wird der Pfad,

 

Je sehnlicher er zu ihm blickt –

 

desto rascher er ihm naht.

 

Je höher wir gestiegen sind,

 

desto leichter atmen wir.

 

Die Luft, die du beim Gipfel find`st –

 

viel süßer ist sie dir

 

Ein Bergaufstieg, der keinem gleicht

 

– ein wundersames Ziel

 

Obwohl es niemand ganz erreicht –

 

wird Mühsal nie zuviel.

 

Und jeder Schritt in Zieles Richtung

 

bringt des Erfolgs Genuss

 

Trägt bei zu dir und deiner Schlichtung

 

mit irdischem Verdruss.

 

Den Berg ersteigen will besagen,

 

dem Niedrigen entfliehn.

 

Sich - von Geduld und Mut getragen –

 

zum Edlen zu erziehen.

 

Der Berghang ist ein reiches Leben,

 

in dem wir uns anstrengen

 

Ständig der Spitze zuzustreben,

 

des Daseins Sinn erkennend.

 

Der Gipfel ist Vollkommenheit –

 

sie fällt für`s Tun das Lot.

 

Steht über uns, jenseits der Zeit –

 

ist Eigenschaft von Gott.

 

Dein Sehnen ist das Haltetau,

 

dein Glauben Proviant.

 

Und Seine Botschaft gibt genau,

 

die Wegzeichen zur Hand

 

O Gott, du zeigtest uns aus Gnade

 

Den Lebensweg durch alle Wirr`n!

 

Verwehr`s, dass von dem klaren Pfade

 

Abzweigen wir, uns Schuld aufladen

 

An uns`rer Seele nehmen Schaden

 

Und uns auf Abhänge verirr`n!

 

Im Heiligen Koran, Sure 68 (Mulk), Verse 1 und 2 steht:

 

„Segensreich ist Der, in Dessen Hand die Herrschaft ist; und Er vermag alle Dinge zu tun.“

 

„ Der den Tod erschaffen hat und das Leben, dass Er euch prüfe, wer von euch der Beste ist im Handeln; und Er ist der Allmächtige, der Allverzeihende.“

 

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