Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Montag, 04 August 2014 06:49

In der Wiedervergeltung ist Leben (1)

In der Wiedervergeltung ist Leben (1)
In diesem Beitrag werden die Gründe und Aspekte der Wiedervergeltung eines Mordes aus der Sicht des Islams besprochen.

Der Islam schenkt der Würde des Menschen und seiner Stellung im Dasein besondere Beachtung und lädt ihn zu einem Leben ein, das im Zeichen des Ein-Gott-Glaubens steht. Diese Gottesreligion hält Konzepte bereit dank derer jeder Muslim Verantwortung hinsichtlich des Wohls  seiner Gesellschaft verspürt .

Die Gläubigen sind angehalten, das tägliche Ritualgebet zu verrichten und im Monat Ramadan zu fasten. Der Islam ruft sie  darüberhinaus zur Beachtung weiterer Gebote auf. Die Muslime sollen  ihren Pflichten gegenüber der Gesellschaft nachkommen;  Pflichten wie das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren und Gerechtigkeit walten zu lassen.   Der Islam will Sicherheit  in der Gesellschaft herstellen. In einer islamischen Gesellschaft muss vollständige Sicherheit herrschen.  Die Bürger sollen voreinander sicher sein. Jeder soll sogar  vor  dem Gerede anderer und auf höherer Ebene sogar vor schlechten Gedanken anderer geschützt sein. Der Prophet des Islams sagt: „Der Allmächtige hat Leben, Besitz und Ansehen eines Muslims genauso wie das schlechte Denken über ihn für andere verboten“ (المحجةالبیضاء Al Mahadschat ul Baida Bd. 5. S. 268) . In einer Islamischen Gesellschaft ist also jedes Mitglied für den Schutz von Leben und Besitz,  der Ehre (der weiblichen Angehörigen)  und dem Ansehen der  anderen verantwortlich und darf diese nicht angreifen oder verletzen. Für jemanden der  dennoch einen  Übergriff begeht, gelten  diesseitige und jenseitige Strafen.  Der Islam befiehlt also, dass das Leben der Menschen geschützt wird und keiner das Blut eines Unschuldigen vergießt. Für einen Mörder wird dabei die Wiedervergeltung durch die Todesstrafe ins Auge gefasst.     

                   

Das Recht auf Leben ist ein elementares Menschenrecht und die anderen müssen dieses Recht achten. Der Heilige Koran  stuft das Recht auf Leben so hoch ein, dass die Wiederbelebung eines Menschen mit der Wiederbelebung aller Menschen gleichgestellt wird und der Mord an einem Menschen dem Mord an allen Menschen gleichkommt:

Im Vers 32 der Sure 5 steht:

... wenn jemand einen Menschen tötet - es sei denn für (Mord) an einem andern oder für Gewalttat im Land -, so soll es sein, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten...“

                            

In der Menschenrechtserklärung heißt es im Artikel 3, dass jeder Mensch das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit hat. Außerdem steht im Artikel 2 der Islamischen Menschenrechtserklärung:

Das Leben ist ein Geschenk Gottes und ein Recht, welches jedem Menschen gewährleistet wird und  alle Menschen, Gesellschaften und Regierungen sind verpflichtet, dieses Recht zu schützen und sich gegenüber jeder Verletzung dieses Rechtes zu wehren. Niemand darf ohne religionsrechtliche Erlaubnis getötet werden.“ 

In der Scharia des Islams gilt das Todesurteil als eine Strafe, die Gott und der Gesetzgeber einsetzt, um zu verhindern, dass unschuldiges Blut vergossen wird. Durch diese Strafe wird dem Mörder seine Tat mit Gleichem vergolten.

                       

Grundsätzlich werden alle rechtlichen und sozialen Bestimmungen für die Wahrung der  Interessen der Mehrheit der Gesellschaft ins Auge gefasst.

  Wir alle wissen, dass das Wort Gottes und Gottes Gebot immer gerecht ist und Gott keinem seiner Menschengeschöpfe ein Unrecht antut. Gott hat vielmehr das  wahre Wohl der Menschen im Auge.

Im Koran steht im Vers 115 der Sure 6 wie folgt: „Und das Wort deines Herrn ist in Wahrheit und Gerechtigkeit vollendet worden...“. Im Vers 46 der Sure 41 lesen wir außerdem „...Und dein Herr ist niemals ungerecht gegen die Diener!“

Gott der Allbarmherzige und Allweise sagt zudem in den Versen 178 und 179 der Sure 2:

„O ihr, die ihr glaubt! Es ist euch die Wiedervergeltung vorgeschrieben für die Getöteten: der Freie für den Freien, der Sklave für den Sklaven, das Weibliche für das Weibliche. Doch wenn jemandem von seinem Bruder (im Glauben) etwas vergeben wird ( und er statt der Wiedervergeltung mit einem  Entschädigungsgeld zufrieden ist) so soll der Vollzug auf geziemende Art und die Leistung ihm gegenüber (seitens des Mörders)  auf rechtschaffene  Weise geschehen. Dies ist eine Erleichterung von eurem Herrn und eine Barmherzigkeit. Wer nun von jetzt an (die Gesetze) übertritt, dem wird eine schmerzliche Strafe zuteil sein.“

„In der Wiedervergeltung ist Leben für euch, o ihr, die ihr einsichtig seid! Vielleicht werdet ihr gottesfürchtig sein.“

Vor dem Islam gab es viele  blinde Racheakte. Bei den Arabern in der  vorislamischen Zeit  war es Brauch, sich für den Mord eines Mitgliedes  des eigenen Stammes an allen Mitgliedern des Stammes, dem der Mörder angehörte, zu rächen. So kam es manchmal dazu, dass wegen des Mordes an einer Person  alle Mitglieder eines anderen Stammes umgebracht wurden. Der Islam  hat diese Rachezüge unterbunden, indem er als erstes verlangte, dass eine Angelegenheit vor einen Richter gebracht wird, damit der Täter und das Ausmaß des Verbrechens festgestellt wird und jegliche Bestrafung erst nach dem gerechten Urteil eines Gerichtes erfolgt.  Der Islam führte die Regel ein, dass nur der Urheber einer absichtlichen Tötung dafür mit seinem Leben büßen muss, wenn sich herausstellt, dass er schuldig ist. Doch sorgte der Islam auch für eine Milderung, indem er den Angehörigen des Ermordeten  gestattete, gegen ein Entschädigungsgeld oder sogar ohne ein solches auf die Vollstreckung des Urteils zu verzichten.

Ein intaktes Gesellschaftsleben  ist durch allgemeine Sicherheit und durch die Beachtung der gegenseitigen Rechten und Pflichten gegeben.  Eines der vielleicht wichtigsten Ziele der Strafgesetze im Islam ist der Schutz der gesellschaftlichen religiösen Ordnung. Dieses hohe Ziel ist aber nur durch die Verbesserung und Erziehung der Menschenen gewährleistet. Sollten sich einige  nicht zum Guten hin ändern, müssen sie durch Angst vor Strafe von  Taten,  die der Ordnung in der Gesellschaft schaden, abgehalten werden.

Der wichtigste Grund für das  Todesurteil ist laut Koran, wie wir  sagten, der Schutz des Lebens der Gesellschaft. Wir kommen noch im 2. Teil darauf zurück was hierbei unter „Leben“ genau zu verstehen ist. Mit der Tötung des Mörders soll keine Gewalt verbreitet oder Rache geübt werden, sondern es geht darum ein gesundes Leben in der Gesellschaft zu gewährleisten, die Schäden die durch Mord entstehen, zu begleichen und die  Lage zu normalisieren.

Gott ist zu allen seinen Geschöpfen Erbarmungsvoll und Gütig.  Er wendet sich im Koran im Vers 179 der Sure 2 nachdem Er die Wiedervergeltung als „Leben“ bezeichnet , an die Verständigen und Vernünftigen , damit sie völlig rational die  Vorteile des  Vergeltungsgebotes erkennen.

Die Vollstreckung des Todesurteils in einer Gesellschaft nimmt den gefährlichen Individuen  die Möglichkeit , das Blut von weiteren Unschuldigen zu vergießen oder schreckt sie von Anfang an von einem Mord ab.  Außerdem wirkt die Vollstreckung des Todesurteils beruhigend auf die Gesellschaft, deren Gefühle  durch eine niederträchtige Tat verletzt wurde.

                                  

Der Islam behandelt alle Fragen realistisch und unter Beachtung aller Aspekte.  Daher begeht er auch bei dem Vorgehen gegen den Mord an Unschuldigen  weder eine Über- noch eine Untertreibung.  Weder stützt er sich nur auf die Wiedervergeltung  wie es das Judentum in Gefolge von Verfälschungen der göttlichen Lehren  fordert, noch schreibt er seinen Anhängern wie im Christentum  vor auf Vergeltung zu verzichten oder sich mit Entschädigungsgeld zu begnügen. Der Islam meidet diese Extreme, denn die ausschließliche Wiedervergeltung führt zu Racheakten und die ausschließliche Vergebung  zu weiteren Morden.

Wie gesagt, muss gemäß Islam das Todesurteil nicht unbedingt durchgeführt werden und die Angehörigen des Todesopfers können alternativ  auf ihr Recht auf Vergeltung verzichten und  dem Täter verzeihen.

Der Islam zieht also in  Reaktion auf einen Mord zwei wichtige Grundsätze  in Betracht, nämlich den der Gerechtigkeit und den der Barmherzigkeit und er stellt die Vergebung sogar über die Vergeltung.  Nachdem die Angehörigen eines Opfers dem Mörder verziehen haben, dürfen sie ihm nicht mehr nach dem Leben trachten, denn dann gelten sie selber als Mörder.

Einige , die den Islam nicht gut genug kennen, könnten dennoch fragen,  weshalb der Islam das Todesurteil vorsieht und warum er nicht andere Strafen für Mord wie zum Beispiel lebenslängliche Haftstrafen  vorsieht. Wir werden noch zu diesem Thema   Stellung nehmen.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren