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Dienstag, 11 März 2014 02:27

Die Fitrat – ein Geschenk an jeden

Die Fitrat – ein Geschenk an jeden
Hat die Welt einen Schöpfer? Wenn ja, wie können wir ihn ausfindig machen?  Eigentlich stellt sich doch jeder Mensch solche und ähnliche Fragen und solange er sie nicht beantwortet hat findet er keinen rechten Sinn im Leben. 

Auch noch in der modernen Gesellschaft besteht die Tendenz eine höhere Macht zu verehren.  Diese innere Neigung  kommt auf ihre besondere Art in jeder Gesellschaft zum Ausdruck.

Mal wurde Götzen aus Stein und Holz angebetet, dann wieder geheimnisvolle Kräfte oder sogar Tiere. Und im Laufe der Geschichte hat der Menschen neue Formen des Götzendienstes angenommen indem er das Geld, Macht oder seine egoistischen Wünschen vergötterte. Das heißt der Mensch  verdingte  sich, nachdem er sich von Gott entfernt hatte, dem Geld, der Macht und den Triebgelüsten und betrachtete sie als das höchste Ziel der Entwicklung. Aber die Menschen, die nur den Einen Gott angebetet haben, hat es auch immer gegeben. Sie wandten sich dem Allweisen und Allmächtigen zu und gingen den Pfad zur würdigen Vervollkommnung des Menschen.

Doch wie kommt es,dass jeder Mensch zur Anbetung neigt?

Wie kommt es, dass die Menschen trotz der deutlichen Unterschiede in der Kultur und der Zivilisation  immer nach einem höheren Wesen streben, dessen Macht dem menschlichen Leben einen Sinn gibt und Zuversicht spendet?

Die Denker der Islamischen Welt haben mit Hilfe des Heiligen Korans und den Überlieferungen der Ahl-e Bait (aleihe salam) eine einleuchtende Antwort auf diese Frage geben können. Sie sagen , dass der Hang zur Hinwendung zu Gott in einer menschlichen Veranlagung namens  Fitrat verankert ist.

Wir wollen in diesem Beitrag mehr darüber sagen.

   

Unter Fitrat  ist  eine Art Rechtleitung zu verstehen, die dem Menschen bei der Erschaffung mitgegeben wurde.  Diese Fitrat oder Fitrah  wird also  nicht anerzogen . Sie besteht aus Neigungen, die  der Mensch von Geburt an in sich trägt.. .  Das Herz des Menschen ist also zu Beginn seiner Geburt kein unbeschriebenes Blatt, sondern  es existieren in ihm einige kostbare Neigungen, die Gott ihm als Pfand mitgegeben hat. Diese Neigungen können ihm im Leben wertvolle Orientierung für seine  Einstellungen und Handlungen geben.

Es gibt verschiedene solcher Neigungen, zum Beispiel die Liebe zum Vollkommenen, zur Wahrheit und zum Schönen und der Hang zu Gott.  Die wichtigste innere Neigung des Menschen ist sein Hang zu Gott. Im Grunde sind auch die anderen Fitrat-Neigungen im Menschen, Manifestationen der Gott suchenden Ur-Natur des Menschen, denn Wahrheit, Vollkommenheit und Schönheit   gibt es in ihrer absoluten Form  ja nur bei Gott.   Gott sagt im Heiligen Koran im Vers 30 der Sure 30: 

„So richte dein Gesicht aufrichtig zur Religion hin als Anhänger des rechten Glaubens, – (gemäß) der natürlichen Anlage Allahs, in der Er die Menschen erschaffen hat. Keine Abänderung gibt es für die Schöpfung Allahs. Das ist die richtige Religion. Aber die meisten Menschen wissen es nicht.”

 

 

Gemäß dieser Koranstelle  ist die Liebe und Anbetung des einen Gottes  eine Eigenschaft, die den Menschen seit seiner Erschaffung begleitet.  Im Vers 172 der Sure  7 heißt es

„Und als dein Herr aus den Kindern Adams - aus ihren Lenden - ihre Nachkommenschaft hervorbrachte und sie zu Zeugen wider sich selbst machte (indem Er sprach): «Bin Ich nicht euer Herr?», sagten sie: «Doch, wir bezeugen es.» (Dies haben Wir so verfügt) damit ihr nicht am Tage der Auferstehung sagt: «Wir waren  dessen unachtsam (und haben die Wahrheit über Gott nicht erkennen können).“

 
 

 

Gemäß diesem Vers hat Gott anscheinend  als endgültigen Beweis, den er den Menschen für sein Gottsein brachte, mit ihnen einen Bund geschlossen. Es gibt verschiedene Erläuterungen zu dieser Koranstelle . Jedenfalls können wir in ihr einen Beweis dafür sehen, dass der Mensch vom Wesen her nach Gott strebt. Zurarah Ibn Ayun, ein bekannter Überlieferer tradiert, dass Imam Sadiq  dieses Bündnis darin sieht, dass Gott die Erkenntnis des Schöpfers in die Herzen der Nachkommen Adams gelegt hat.  Davon ausgehend ist es also nicht die Aufgabe der Propheten Gotterkenntnis und die Gottessuche in den Menschen hervorzurufen, sondern sie sollen die Menschen vielmehr an das natürliche Bündnis mit Gott, welches diese aus verschiedenen Gründen vergessen haben, erinnern.Sie sollen den Menschen zu seiner menschlichen natürlichen Anlage (der Fitrat die aus der Liebe und Ergebenheit gegenüber Gott besteht)  zurückführen.
Der Mensch ist also so geschaffen, dass ihm der Islam, der Glaube an den Einen Gott, die Anbetung des Schöpfers und der Wunsch nach Vollkommenheit und die anderen menschlichen Werte nicht fremd sind. Dieses innere Wissen meldet sich  unter besonderen Umständen, zum Beispiel wenn der Mensch in Not gerät und nach Gott ruft.

Es gibt im Menschen auch noch anderen  Tendenzen. Es sind triebhafte Neigungen und sie sind anderes als die Neigungen der Fitrat.  Mensch und Tier haben Triebe gemeinsam, wie den Nahrungs- und Geschlechtstrieb.  

Trieb und Fitrat sind also voneinander verschieden.

Der große iranische Denker Morteza Motahhari ist der Überzeugung dass sich der Instinkt der Tiere, der ihnen  Anweisungen für ihr Leben gibt, halbwegs als Wissen betrachten lässt. 

Die Neigungen der Fitrat des Menschen sind jedoch ein spezifisches Wissen das nur beim Menschen besteht.

Motahhari stuft  daher die Neigungen der menschlichen Fitrat  höher als die tierischen Neigungen ein und sieht in in der Fitrat heilige Kriterien für das wahre Mensch-Sein.

Diese Neigungen der menschlichen Fitrat sind darüber hinaus auch von den Gewohnheiten des Menschen zu unterscheiden. Gewohnheiten eignet sich der Mensch an und sie sind nicht allgemein gültig, aber die Neigungen der menschlichen Fitrat  sind bei allen Menschen und in allen Epochen die gleichen. Sie werden nicht anerzogen und erworben, sondern  gehören seit Erschaffung des Menschen zu ihm.

Die Fitrat-Neigungen sind ein verborgenes Potential  im Menschen  und einige Dinge können verhindern, dass diese Fähigkeiten zum Vorschein treten.  Ein Hindernis besteht darin, dass sich der Mensch so sehr mit  dem materiellen Leben beschäftigt, dass er unter Umständen sogar seinen Schöpfer leugnet.  Auch die Sündhaftigkeit des Menschen oder in der Gesellschaft verhindern eine Entfaltung  der auf Gott gerichteten Fitrat.

Sünden zerstören die Reinheit von Geist und Seele.  Die edle menschliche Fitrat wird unterdrückt, wenn sich der Mensch seinen Gelüsten verschreibt und nicht richtig nachdenkt oder wenn keine gesunde Denkweise und Kultur in einer Gesellschaft herrschen. Das ist genau die Gefahr, welche die materialistisch orientierten Gesellschaften bedroht.  Wenn wir sehen, dass trotz der Existenz der Fitrat und des Gott suchenden Wesens des Menschen  einige Menschen Gottesleugner werden, so liegt es daran, dass sie durch ihr Denken und Verhalten selber die Entfaltung dieser fruchtbaren inneren Neigungen verhindert haben. Imam Ali (a) beschreibt diese Menschen wie folgt:  „Sie kennen nicht den Weg der Rechtleitung, damit sie ihn gehen noch das Tor zum Niedergang, so dass sie es schließen könnten. Es sind Tote, die scheinbar leben.“

 

Aber wenn jemand selber oder unter bestimmten Bedingungen auch nur für kurze Zeit von seiner Liebe zur  der materiellen Welt frei wird, erkennt er Gott deutlich. Zum Beispiel in einer Situation in der der Mensch auf nichts und niemanden mehr hoffen kann.  Dann nämlich fallen die Schleier über seinem Gott suchenden Fitrat: Er  erkennt Gott und ruft Ihn.

Einmal bat jemand Imam Sadiq (a)  er solle ihm den Weg zu Gott zeigen.

Da sagte der Imam: „Hast du jemals ein Boot bestiegen?“

Der andere : „Ja!“

„Ist es vorgekommen dass dein Boot zerbrach und du keinen Rettungsweg mehr vor dir sahst?“

Er: „Ja!“

Da sagte  der Imam: „Hat sich in diesem Moment dein Herz nicht an etwas gewandt, was dich retten könnte?“

Der Mann: „ Ja, doch! Im Herzen wandte ich mich einem Wesen zu, welches mich retten kann.“

Da sprach der Imam: „Dieses Wesen ist Gott, der dich retten kann, wenn es nichts mehr gibt, was dich retten könnte.“

Dieses Hadith veranschaulicht eine Situation , bei der alle Hoffnung auf weltliche Hilfe  verfliegt und jeder, auch der Gottesleugner, seiner Fitrat gewahr wird und sich Gott zuwendet.

Nachdem der Mensch   durch seine Gott suchende Fitrat seinen Herrn gefunden hat, öffnet sich ihm der Weg zum Gottglauben und zur Gottergebenheit und Gottesanbetung. Er  findet zu dem geeigneten Konzept für sein Leben, das ihm zur Vervollkommnung verhilft.  Dies ist die Rechtleitung, die ihm in sein Wesen gelegt wurde. Darum heißt es auch im Koran in der Sure  im Vers 3: „Wir haben ihn ja den (rechten) Weg geleitet, ob er nun dankbar oder undankbar sein mag!“

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