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Dienstag, 17 Dezember 2013 05:40

Islam , Wandel, Innovation und Modernismus

Islam , Wandel,  Innovation und Modernismus
Wir besprechen in diesem Beitrag den Standpunkt des Islams zu Wandlungen und der Nutzung von neuen menschlichen Errungenschaften.

Es sind Wandel und Veränderungen, die uns als Erstes bei der Betrachtung des Daseinsreiches auffallen. Im All spielen sich Wandlungen im Großformat und in der Welt der Atome im Kleinstformat ab.

 

Auch die Jahreszeiten bringen ständig Veränderungen: Nach Wintersende bietet der Frühling, als Überbringer von neuem Leben und Frische – erneut den Ausblick auf Vielfalt und Wandel, und auch Sommer und Herbst sind wie Bildergalerien von Abwechslung und Veränderung. Ähnlich beginnt das menschliche Leben mit dem Frühling der Kindheit- und Reifezeit, der dann von der aktiven, energiegeladenen Zeit der jungen Erwachsenen und des mittleren Alters abgelöst wird und schließlich in den Herbst des Alters herüberwechselt. Schon daran zeigt sich, dass das Leben von uns Menschen ständig mit Veränderungen verknüpft ist.

 

Dieses große Ausmaß an Wandlungen in der ganzen Schöpfungswelt kann nicht ziellos sein.

 

Doch nicht jeder Wandel wird begrüßt. Die Ankunft des Frühlings gibt allen Aufschwung, während einigen im Herbst und Winter Kraft und Energie verloren gehen. Die Verwandlung der Blüten auf den Bäumen in Obstfrüchte erfreut jeden, während eine andere Verwandlung, nämlich die Fäulnis von Früchten, niemandem gefällt.

 

Die Veränderungen in der Natur gehen sowohl in Richtung der völligen Entfaltung als auch des Verderbens. Was sagt der Islam zu diesen Wandlungen?

 

Aus der Sicht des Islam bedeutet es einen Schaden, wenn ein Tag des Menschen wie der andere ist. Dies zeigt am besten, wie der Islam zu Veränderungen steht. Der Islam bezeichnet die Wandlungen in der Daseinswelt als Verfahrungsweise Gottes . Gemäß dem Islam wurden Welt und Mensch nicht ohne Grund erschaffen. Die Schöpfung hat ein Ziel, und alles in ihr geht auf dieses Ziel zu.

 

Aus der Sicht des Islams soll es das Ziel des Einzelnen sein, sich in einen idealen Menschen, der alle hohen Eigenschaften besitzt, zu verwandeln, während das gemeinschaftliche Ziel eine in jeder Beziehung optimale Gesellschaft ist.

 

Von daher kann aus der Sicht des Islams nicht jede Änderung und jeder Wandel wünschenswert sein.

 

Erwünscht und akzeptabel sind Wandlungen, die zu hohen Zielen und Gipfeln der menschlichen Vervollkommnung führen.

 

Innovation und Modernismus müssen nicht immer bedeuten, mit der Vergangenheit zu brechen und ein unsicheres unbekanntes Neu-Gebiet zu betreten.

 

Der Islam würdigt die Vergangenheit wegen seiner Entstehung und der von ihm überbrachten Lehren, und dem Konzept, welches er für das Weiterkommen des Menschen enthält. Die beiden wertvollen Hinterlassenschaften des Propheten nämlich das Buch

Gottes und die Edlen aus seinem Hause werden also nie der Vergangenheit angehören, sondern sie beleuchten auch in der Zukunft den Weg.

 

Die universale Botschaft des Islams und das Erfordernis seines Verbleibs als die letzte Religion Gottes, macht ein großes Potential auf dem Gebiet der Innovation notwendig, wobei allerdings keine Innovation von den Lehren des Korans und des Propheten und der Edlen aus seinem Hause abweichen darf.

 

Mit anderen Worten: Bei den Innovationen und Modernisierungen, die der Islam akzeptiert, wird die Religion niemals an den Rand gedrängt, sondern er bleibt Kernstück der innovativen Bewegung und ist in Wahrheit sogar ihr Impuls. Wichtig ist dabei der Punkt, dass diejenige Innovation und Weiterentwicklung erwünscht ist, welche den Menschen nicht seinen egoistischen Neigungen und der Liebe zum Weltlichen unterwirft, sondern ihm auf dem Weg zu den menschlichen Vollkommenheiten weiterhilft.

 

Der Prophet (s) und die Imame (a) haben sowohl die Gesellschaft Neues gelehrt, als auch entsprechend den Erfordernissen der Zeit neue gesellschaftliche Erscheinungen akzeptiert. Imam Sadiq (aleihe salam) sagt: „Wer die Erfordernisse seiner Zeit kennt, wird vor Irrtümern sicher sein.“ Siehe Tuhaf-al Uqul, S. 356.

 

Und Imam Ali (a) hat gesagt:

 

Ein vernünftiger Mensch sollte seiner Meinung die Meinung der Weisen und seinem Wissen das Wissen der Gelehrten hinzufügen.“

 

Laut Ghurar al Hukm, S. 384 hat Imam Ali auch gesagt: „Die Erfahrung nimmt nie ein Ende und die Kenntnisse des vernünftigen Menschen wachsen ständig durch sie.“

 

Eine Innovation muss aus islamischer Sicht einem hohen Ziel dienen und eines der wahren Bedürfnisse des Menschen erwidern. Sie muss die Werteordnung des Islams einhalten und über weltliche Bedürfnisse hinaus auch für ein gutes Jenseits des Menschen garantieren. Die Mindestforderung ist, dass eine Innovation nicht die Vervollkommnung des Menschen behindert. Eine Innovation und Änderung wird dann vom Islam abgelehnt, wenn sie kein klares Ziel hat und lediglich der Abwechslung dient. Ebenso akzeptiert der Islam keine Neuerung, welche die Interessen der Mitglieder der Gesellschaft verletzt und im Widerspruch zu den hohen menschlichen Idealen steht.

 

Angesichts dieser Gesichtspunkte dürfen also in einer islamischen Gesellschaft die wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften des Westens nicht durch blinde Nachahmung übernommen werden, sondern bei ihrer Übernahme sind die Werte und Grundsätze des Islams als Entscheidungskriterium zugrunde zu legen.

 

Die Begegnung der Muslime mit der westlichen Zivilisation verlief und verläuft in der zeitgenössischen Geschichte unterschiedlich. Einige akzeptieren bedingungslos alles aus dem Westen und andere lehnen die westliche Zivilisation völlig ab und erklärten keiner ihrer Errungenschaften für wünschenswert. Beides sind extreme Denkweisen, während ein vernünftiger Umgang mit der westlichen Zivilisation mit einer genauen Analyse einhergehen sollte. Der Islam missbilligt ja grundsätzlich sowohl Unter- als auch Übertreibung.

 

Der Islam befürwortet die Nutzung von Wissenschaft und Technologie. Was nicht gegen die göttlichen Lehren verstößt und rational oder wissenschaftlich verfechtbar ist, darf im Leben angewendet und neu eingeführt werden. Das bedeutet zum Beispiel: Wenn Säkularismus und Humanismus im Westen im Gegensatz zu den Lehren des Islams stehen, ist dies kein Grund, Erfindungen wie Strom, Telefon oder Medien nicht zu nutzen . Auch kann die falsche Nutzung von einigen Errungenschaften der westlichen Zivilisation kein Grund dafür sein, diese Errungenschaften vollständig abzulehnen.

 

Das Verhalten der islamischen Gesellschaften gegenüber der westlichen Zivilisation und dem Phänomen des Modernismus war sehr verschieden. In einem Zeitabschnitt haben diese Gesellschaften sich bewusst dem Westen zugewandt, um bei ihm Methoden zu übernehmen. Grund war nicht uneingeschränkte Begeisterung für den Westen sondern der Wunsch, einige Errungenschaften zu nutzen, um den Muslimen zu wissenschaftlichen und industriellen Fortschritten zu verhelfen. Aber in einem anderen Zeitabschnitt führte die Zuwendung zum Westen und seiner Modernität zur Westhörigkeit, d.h. zu blinder Nachahmung und Kapitulation gegenüber dem Westen. Hierbei haben junge Leute aus einigen muslimischen Ländern,die nach Europa zum Studium geschickt wurden, nach ihrer Rückkehr mit Hilfe der fremden Mächte Schritt für Schritt die Angelegenheiten ihrer Länder in die Hand genommen.

 

Als Elitekräfte und Intellektuelle gelangten sie an politische Macht, übernahmen in der Wirtschaft und der Verwaltung das Ruder und gewannen die absolute Dominanz auf dem Gebiet kultureller, literarischer sowie wissenschaftlicher Tätigkeiten und in der Lehre. Dabei wurden sie in Wahrheit von den Kolonialherren im Hintergrund dirigiert. Die westhörigen Akademiker spornten die Bevölkerung zur blinden Nachahmung des Westens an. Einige haben in ihrer Begeisterung für die westliche Technologie bei der Nachahmung sogar die selbstverständlichsten Gebote des Islams ignoriert.

 

Ein Beispiel für diese Selbstverfremdung ist an dem Regime zu erkennen, das vor der Islamischen Revolution im Iran herrschte und zu einer kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Kolonialisierung des Irans führte. Aber Reformer wie Imam Chomeini erhoben sich und hissten das Banner des Kampfes zur Wiederbelebung der religiösen Werte .Imam Chomeini forderte, dass sich die Muslime auf ihr Verhalten besinnen und machte ihnen klar, dass sie unter dem Deckmantel des Modernismus der Gefahr der Hegemonie und der Ausbeutung ausgesetzt werden. Imam Chomeinis Devise gegenüber dem Phänomen des Modernismus lautete: Nutzung der positiven Errungenschaften bei Wahrung der Unabhängigkeit der Muslime und ihres Selbstwertes. Dank seiner Anweisungen konnte die iranische Nation unter den schwersten Bedingungen den Weg zur Abhängigkeit in allen Bereichen gehen. Heute erzielen die Iraner , angeführt von Ajatollah Khamenei, ständig weitere Erfolge in Wissenschaft und Technologie und veranschaulichen Innovation und Modernismus im Rahmen der hohen Werte des Islams.

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