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Mittwoch, 30 Dezember 2015 19:15

Islamischer Lebensstil (79)

Islamischer Lebensstil  (79)
  Wir behandeln weiter das Thema islamkonforme wirtschaftliche Betätigungen. Diesmal soll es um die Bedeutung von Besitz und dessen Einsatz für produktive Tätigkeiten gehen. 

 

Aus islamischer Sicht ist Besitz und materieller Segen der Grundstoff für die Stabilität der Gesellschaft.  Gott verweist im  Vers 5 der Sure 4 darauf, dass Besitz dem Unterhalt dienen soll, denn es heißt: „Und gebt nicht den Schwachsinnigen euer Gut, das Allah euch zum Unterhalt gegeben hat. ….“

 In diesem Vers wird auch indirekt vor der Vernichtung von Gütern gewarnt. 

Der Verlust von Gütern schadet der Wirtschaft und gefährdet die Existenz einer Gesellschaft.  Besitzgüter sind das Blut in den Adern der Gesellschaft und dürfen nicht in die Hände von Leuten geraten, die keine Vernunft besitzen. 

Der Koran bezeichnet Besitz als wertvoll, wenn er  Faktor für Wachstum und Entwicklung ist. Im Vers 180 der Sure 2 lesen wir:

„Es ist euch vorgeschrieben, dass, wenn sich bei einem von euch der Tod einstellt, sofern er Gut hinterlässt, den Eltern und den Verwandten auf geziemende Art ein Vermächtnis gemacht wird. Dies ist eine Verpflichtung gegenüber den Gottesfürchtigen.“

 

In diesem Vers benutzt der Allmächtige das Wort „Chair“ für Güter und Besitz. „Chair“ bedeutet „Gutes“ und Gott verwendet dieses Wort sicherlich nur für etwas, was einen Wert darstellt und wichtig ist.  Daher lässt sich auch darauf schließen, dass der angemessene Erwerb von „Gut“- Besitz also -   gut ist  und eine Tugend. Die Vergeudung von  Gut dagegen ist verwerflich.  

Gott bezeichnet  Besitz als Segen, den er jemanden zukommen lässt, und für die der Mensch sich dankbar erweisen soll.

Der Prophet (Gottes Segen sei auf ihm ) und seine edlen Nachkommen  haben die Bemühung um  Erwerb von Besitz, der halal, also  religionsrechtlich rechtmäßig ist, hervorgehoben. Sie haben  es getadelt, wenn jemand, seinen Besitz nicht für einen Erwerb nutzt.

Imam Ali (a) sagt: „ Ein Volk, das genug Wasser und Ackerboden hat, aber weder das Wasser auffängt noch den Boden kultiviert,  sie nicht nutzt und wegen Faulheit oder falschem Vorgehen bedürftig wird, bleibt entfernt vom Segen Gottes.“

                                

Mit Produktion  ist in der islamischen Wirtschaft jegliche Beschäftigung mit einer zulässigen Arbeit gemeint, die zum Leben dient und den Einzelnen und die Gesellschaft wirtschaftlich weiterkommen lässt.

Die Großen des Islams haben die Muslime zu einem Handwerk und zur Landwirtschaft aber auch zum Handel angespornt. Arbeit, Gewerbe und Produktion haben sie als Ehre bezeichnet.

Einer der Anhänger Imam Sadiqs (a) berichtet:

Einmal sah Imam Sadiq(a) dass ich später als die anderen zum Bazaar, wo ich arbeitete, kam. Da sagte er  zu mir: „Geh am  frühen Morgen auf deine Ehre zu (nämlich in deinen Laden)  .

Wenn Imam Sadiq (a) den Gewerbeort als Ehre bezeichnet so bedeutet es nichts anderes, als dass es eine Ehre ist zu arbeiten, etwas zu produzieren und seinen Besitz für einen Erwerb zu nutzen.

Die Produktion soll islamisch gesehen wertvollen Zielen dienen. Wir können diese Ziele aus dem Inhalt des Korans und den Überlieferungen ableiten. Solche Ziele sind: die Wahrung der Ehre des Menschen,  Unabhängigkeit von unterdrückerischen Menschen,  angemessene Verbesserung des Lebensstandards,  Spenden auf dem Wege Gottes, Stillung der persönlichen  und sozialen Bedürfnisse.  Dies alles sind Ziele, die mit wirtschaftlichen Betätigungen im Rahmen des islamischen Lebensstils verfolgt werden. Imam Baqir (a) sagt:

„Jemand der im Leben   nach einem Unterhalt strebt, um nicht mehr von anderen abhängig zu sein und für das Wohl seiner Familie zu sorgen  und damit er seinem Nachbar Freundschaft erweisen kann, der wird dem Allmächtigen am Jüngsten Tag mit einem Antlitz begegnen, das so strahlend ist, wie der

 (Voll-)Mond in der Nacht zum Vierzehnten.“

Außerdem wird berichtet, dass ein Mann zu Imam Sadiq (a) sagte:

„Bei Gott. Ich strebe nach dem irdischen Leben und möchte gerne an Besitz gelangen.“

Da fragte ihn der Imam: „Was willst du mit dem Besitz  tun?“

Der Mann antwortete: „Ich möchte damit mich und meine Familie im Leben versorgen und mich um die Verwandten kümmern und Almosen geben und auf die kleine und große Hadschreise gehen (Hadsch und Umra). Da sagte der Imam (a): „Das ist kein Streben nach dem Weltlichen, sondern es ist Streben nach dem (Glück im) Jenseits.“

 

An dieser Überlieferung ist deutlich abzulesen, dass der Islam Arbeit und Produktion nicht deswegen empfiehlt, damit jemand Reichtum anhäuft, sondern  der Mensch soll die göttlichen Gaben nutzen, um charakterlich weiter  zu kommen und anderen damit  zu helfen und weltliche Besitzgüter für den Zweck einzusetzen, dem sie in Wahrheit gemäß der Religion dienen sollen.

 

An dem was wir sagten, ist zu sehen, dass Produktion und wirtschaftlicher Betätigung  aus islamischer Sicht  Zwecken dienen, die von denen anderer Wirtschaftssystemen und –theorien teilweise sehr verschieden sind. Jede Wirtschaftstheorie räumt der Produktion eine besondere  Bedeutung bei und betrachtet Wirtschaftswachstum als Erfordernis. Doch betrachten sie diese aus verschiedenen Blickwinkeln.  Bei einigen Wirtschaftstheorien, die auf der Welt herrschen, ist die Erzielung von Profit der einzige Beweggrund für wirtschaftliche Aktivitäten.  So  ist zum Beispiel im Kapitalismus  die  Kapitalvergrößerung Hauptziel, denn grundsätzlich steht für sie  die materielle Seite des Lebens im Vordergrund.  Aus islamischer Sicht hat der Mensch jedoch nicht nur ein stoffliches sondern auch ein immaterielles Leben, d.h. es gibt ein Diesseits und ein Jenseits für den Menschen. Das Jenseits folgt dem Diesseits, wobei  die jenseitige Lebensqualität davon abhängt, wie der Mensch  sich im  diesseitigen Leben verhalten hat. Deshalb kann in einer islamischen Wirtschaftsordnung  die Erzielung von materiellem weltlichem Wohlstand nicht das einzige Ziel sein, denn es geht auch um die Seligkeit im Jenseits.

In einem solchen System  sollen  also die weltlichen Bedürfnisse auf eine Weise und in einem Rahmen  gewährleistet werden,  dass der Mensch spirituell weiterkommt und seine Beziehung zu Gott wächst.  In einem islamisch gestalteten Leben, ist der Mensch darum bestrebt bei seinen wirtschaftlichen Betätigungen  das endgültige Lebensziel und das wahre Glück nicht aus den Augen zu verlieren.   Mit anderen Worten: Der Mensch strebt nach einem würdigen irdischen Leben, welches ihn dabei unterstützt an das ewige Glück zu gelangen.

 

Wegen der Art, wie der Islam die Produktion sieht,  nehmen auch  die Produktionsfaktoren in der islamischen Wirtschaftsordnung einen anderen Platz ein, als bei weiteren Systemen.  Die Produktionsfaktoren nämlich Arbeit, Kapital und die Ressourcen werden alle als göttliche Gaben verstanden, die Gott  dem Menschen als Pfandgüter zur Verfügung gestellt hat. Er soll diese Güter unter Beachtung bestimmter Gebote hüten und zur Erreichung bestimmter Ziele einsetzen.

Im Heiligen Koran wird der Mensch immer wieder auf die Ressourcen und Möglichkeiten, die Gott ihm zur Verfügung gestellt hat, aufmerksam gemacht und der Mensch wird zur Kultivierung der Erde angespornt.  Eine Reihe von Versen besagen, dass dem Menschen Himmel und Erde unterworfen wurden und dass Tag und Nacht, Wind und Regen und die Möglichkeiten, mit dem Schiff das Meer zu überqueren dazu geschaffen wurden, dass der Mensch die Gott gegebenen Möglichkeiten der Unterhaltsversorgung  wahrnimmt.  In diesen Versen wird der Mensch zu produktiven Aktivitäten ermuntert. Zum Beispiel im Vers 12 der Sure  45 heißt es:

„Gott ist es, Der euch das Meer dienstbar gemacht hat, auf dass die Schiffe darauf nach Seinem Geheiß fahren und auf dass ihr nach Seiner Gnadenfülle trachten und dankbar sein möget.“

 

 

Die Nutzung der göttlichen Gaben im Himmel und auf Erden ist ohne die notwendigen Mittel gar nicht möglich.  Also stellt Gott auch die Produktionsfaktoren bereit. Er versetzt den Menschen in die Lage, Produktionsmittel zu beschaffen bzw. anzufertigen und für die Produktion einzusetzen. 

                                  

                                                 

Die ideale islamische Gesellschaft muss stark sein. Und deshalb empfiehlt Gott in der Sure 8 im Vers 60, dass die Muslime sich gegenüber dem Feind Gottes wappnen sollen um ihn abzuschrecken. Dort heißt es : Und haltet für sie bereit, was ihr an Kraft und an kampfbereiten Pferden (haben) könnt,…“ Im Grunde ist mit „Kraft“ jedes  Mittel gemeint,  welches zur Abwehr des Feindes nötig wird.

Heutzutage beruht die Stärke eines Volkes auf seiner Wirtschaftsmacht und seiner Technologie. Es  werden viele Kriege nicht mehr auf militärischen Schauplätzen sondern auf der wirtschaftlichen und kulturellen Arena und der Medienbühne ausgetragen.  Um heute das  Gebot, sich optimal mit den notwendigen Kräften  gegenüber dem Feind  auszurüsten, umsetzen zu können, muss die   Technologie weiter entwickelt und ein größeres Wirtschaftswachstum mit einer größeren Produktion erreicht werden . Im Islamischen Lebensstil gilt daher die Autarkie  zu den Grundzielen der Produktion und der Investition.

Insgesamt lässt sich sagen, dass es in der islamischen Wirtschafsordnung   um Ziele geht,  die ohne Produktion  und Wirtschaftswachstum nicht erreichbar sind. Wenn die Produktion verstärkt wird, erstarkt das Land. Es  kann ein besserer Lebensstandard erreicht werden und die Bekämpfung von Armut und der Ansporn zur Investition werden erfolgreicher verlaufen. Bei einer Steigerung der Produktion und zunehmendem Wirtschaftswachstum lassen sich auch das  Hamstern von Gütern und das Brachliegen von Kapital verhüten.

 

 

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