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Donnerstag, 24 Dezember 2015 04:59

Islamischer Lebensstil (78)

Islamischer Lebensstil  (78)
Wir sind bei einem weiteren Kapitel des Islamischen Lebensstils angelangt, nämlich den wirtschaftlichen Tätigkeiten. 

Sie erinnern sich, dass wir beim letzten Mal auf die Wertstellung der Arbeit hingewiesen haben und wir sagten,  dass die Tätigkeiten eines Muslims  auch  in der Wirtschaft von seiner islamischen Lebensanschauung beeinflusst werden.  Die religiöse Überzeugung bildet ja die Grundlage aller Aspekte eines islamkonformen Lebens und jeder überzeugte Muslime fühlt die Pflicht, seine wirtschaftlichen Tätigkeiten gemäß den religiösen Lehren durchzuführen.

 

Der Islam unterstreicht, dass der Mensch auf Gott vertrauen und davon überzeugt sein soll, dass Gott dem Menschen Nahrung schickt.  Einige haben daraus den falschen Schluss gezogen, es sei paradox, dass der Mensch einerseits auf das tägliche Brot Gottes vertrauen soll und ihm anderes empfohlen wird, zu arbeiten und sich anzustrengen. In der Sure Hud (11)  heißt es im Vers 6:

„Und es gibt kein Geschöpf auf der Erde, dessen Versorgung nicht Allah obläge …“

Es stellt sich also für einige die Frage, wieso der Mensch sich  für den Erwerb seines Lebensunterhaltes anstrengen muss, wenn Gott doch für die Versorgung aller Geschöpfe garantiert?

Zu diesem Punkt hat sich Schahid Ajatollah Morteza Motahari wie folgt geäußert:

„Wenn wir Gott gebührend kennen und mit seinen höchsten Eigenschaften soweit es in unseren Kräften steht, vertraut werden, wird uns klar, dass die Eigenschaft Gottes als Ernährer  keinen Widerspruch hinsichtlich der Verpflichtungen des Menschen hat. Gott nennt sich selber im Koran Raziq (Versorger mit dem täglichen Unterhalt)  aber er hat auch zur Arbeit und Anstrengung  angehalten … Wenn Gott für den Unterhalt sorgt, soll es bedeuten, dass Er jedes Lebewesen mit  Möglichkeiten und Fähigkeiten ausgestattet hat, durch die es in eine bestimmte Bahn gelenkt wird und die ihm helfen.  Zum Beispiel sind die Fähigkeit der  Pflanze, mit ihren Wurzeln, Wasser und Mineralstoffe aus der Erde aufzunehmen oder der Tiere Beute zu jagen, eine Form der Versorgung durch Gott.  Gott hat jedes Lebewesen durch eine Reihe von Neigungen derartig geschaffen, dass es nach der Stillung seiner Bedürfnisse strebt.  Er hat im Koran gesagt, dass Ihm die Versorgung jeden Geschöpfes obliegt. Wenn  die Gewährleistung Gottes für die Versorgung nicht wäre, besäßen die Kreaturen kein Verlangen und keinen Instinkt (und würden nichts tun).  Auch der Mensch hätte kein Interesse daran seine Rechte zu schützen.  Gott hat dem Menschen als das höhere Wesen mehr Möglichkeiten zur Verfügung gestellt. Der Mensch verfügt über die Gabe des Verstandes  und er soll alle seine Kräfte und Fähigkeiten einsetzen, um sein tägliches Einkommen zu nutzen und das zu beschaffen, was er braucht.  Weil Gott der Versorger ist, ist der Mensch so erschaffen, dass er selber den Wunsch hegt, nach dem Erwerb eines Einkommens zu streben.“

Es lässt sich also sagen, dass es ein Zeichen für die Versorgung durch Gott ist, wenn dem Menschen Möglichkeiten wie Verstand und körperliche und geistige Kräfte zur Stillung seiner Bedürfnisse zur Verfügung stehen.  Gott versorgt den  Menschen, aber nicht  auf eine Weise, dass es der Natur und den Gesetzen im Dasein widersprechen würde. Eines der Gesetze im Dasein  lautet: Durch Anstrengung wird mehr erreicht.  Was der Mensch erzielt, verdankt er in der Regel der eigenen Anstrengung.

Nun möchten wir ausschnittweise aus dem Leben der großen Vorbilder der Religion und ihren Bemühungen um einen Unterhalt berichten.

Einmal arbeitete Imam Kadhim (gegrüßet sei er) gerade auf seinem Acker. Ein Mann namens Ali Ibn Abi Hamza kam vorbei und sagte:

„Warum überlässt du den anderen nicht diese Arbeit?“ Der Imam antwortete: „Warum sollte ich das tun? Es hat doch Bessere als mich gegeben, die  solche Arbeiten verrichtet haben!“

Ali Ibn Abi Hamza fragte: „O mein Herr? Wen meinst du?!“ Imam Kadhim (gegrüßet sei er sagte): „Den Propheten Gottes(s) und Ali (a und alle meine Vorväter und Vorfahren. Die Arbeit auf dem Feld ist Sitte der Propheten und der Nachkommen der Propheten und der würdigen Diener Gottes.“

 

Imam Sadiq (a) sagt: „Als der Vers zwei und drei der Sure Talaq (die Trennung – Sure 65) herabgesandt wurde und Gott zur Gottesfürchtigkeit riet (Vers 2 ….Wenn einer gottesfürchtig ist, schafft Allah ihm einen Ausweg) und  es hieß, dass Gott ihn in der Art und Weise, mit der er nicht rechnet, versorgt (Vers 3), wurde es  von einigen Gläubigen nicht richtig verstanden. Sie legten die Arbeit nieder  und widmeten sich nur noch dem Gebet und Fasten und Anflehungen.  Als der Prophet (s) davon erfuhr sagte er: „Für mich ist jemand ein Feind, der den Mund zum Bittgebet öffnet und sagt: `(O Gott!) Gib mir mein tägliches Brot`,  aber Arbeit und Einkommenserwerb beiseite stellt.“

Außerdem wurde folgendes Wort vom Propheten überliefert:  „Die Bittgebete von einigen in meiner Glaubensgemeinde werden nicht erhört,  wie zum Beispiel von einem Mann, der das Haus hütet und  sagt: `O mein Herr, schick mir meinen Unterhalt`,  und keinem Einkommenserwerb mehr nachgeht.“

 

Wir wissen aus dem Leben von Imam Ali (a) , dass er nie untätig blieb.  Immer wenn er die  Regierungsangelegenheiten erledigt hatte, wandte er sich als Richter  der Klärung von Streitfällen zu oder erteilte Unterricht. Und wenn er diese Tätigkeiten abgeschlossen hatte, betrieb er Landwirtschaft oder eine andere Arbeit.

  In der westlich von Medina gelegenen Gegend  war es immer sehr windig, was die Arbeit auf dem Land erschwerte.  Keiner war bereit gewesen,  dort Landwirtschaft zu betreiben. Aber Ali kaufte die dortigen Grundstücke und hat in harter Arbeit dieses Gebiet, dass sich Yanbu`nannte, kultiviert.   Er legte zahlreiche Brunnen und  Dattelhaine an.

 

Imam Ali (a) berichtet aus der Zeit, als der Prophet noch lebte: „Einmal, es war in Medina,  hatte ich großen Hunger. Ich verließ das Haus um Arbeit zu suchen. Nahe bei Medina sah ich eine Frau, die einige Lehmklumpen aufgehäuft hatte und ich  begriff, dass sie diese anfeuchten will. Ich ging zu ihr und schlug ihr vor, dass ich diese Arbeit für sie durchführe, wenn sie mir für jeden Behälter Wasser, den ich ihr aus dem Brunnen hole eine Dattel gibt. Ich holte 16 Behälter Wasser aus dem Brunnen hoch und hatte am Ende Blasen an den Händen. Für die 16 Behälter Wasser erhielt ich 16 Datteln. Ich nahm sie mit zum Propheten und wir aßen sie gemeinsam auf.“

In einer anderen Überlieferung heißt es:  Einmal sah jemand dass Imam Ali eine große Menge von Dattelkernen bei sich hatte. Er fragte: „Was trägst du da?“ Da sagte Imam Ali: „ So Gott es will – sind es Dattelpalmen.“

Dieser Mann berichtet  weiter, dass Imam Ali alle diese Dattelkerne selber einpflanzte.

 

Imam Ali (a) sagt: „Ein gläubiger Mensch ist immer mit einer Arbeit beschäftigt.  Wer arbeitet, dessen Kräfte wachsen.  Für den Unterhalt gibt es Mittel.  Deshalb geht im Bestreben nach dem  Erwerb des täglichen Brotes, richtig vor. Ihr solltet nicht von der Arbeit ablassen, weder wenn ihr frisch noch wenn ihr schlaff seid.  Wisset, dass die Trägheit das Jenseits zerstört.“

 

Wir sehen also im Leben der großen Vorbilder der Religion welchen Stellenwert die Arbeit hat.

 

Der Prophet (s) sagt, der beste Lohn wird denen zuteil die sich Mühe geben. Er sagt: „Wer sich von einer Arbeit ernährt, die halal (religionsrechtlich erlaubt) ist, für  den werden alle Tore zum Paradies geöffnet, so dass er selber das Tor wählen kann, durch das er eintreten möchte.“

 

Gemäß der Lebensweise und den Lehren  des Propheten  ist es wichtig, sich das Wissen, das eine bestimmte Arbeit voraussetzt, anzueignen.  Jeder soll seine Arbeit gut durchführen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Der Prophet (s)hat zu einem Gläubigen namens Ibn Masud gesagt:

„O Ibn Masud, Wenn du dich zu einer Arbeit anschickst, dann erledige sie aufgrund von Wissen und Überlegung und vermeide es, eine Arbeit ohne Sorgfalt und Kenntnis durchzuführen.“

 

 

 

 

 

 

 

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