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Freitag, 18 Dezember 2015 05:04

Islamischer Lebensstil (77)

Islamischer Lebensstil  (77)
Gegenstand  dieses Beitrags über den Islamischen Lebensstil  sind die wirtschaftlichen Betätigungen.

Gemäß islamischer Denkweise sind es die Überzeugungen des Menschen, die sein Verhalten bei allen Tätigkeiten bestimmen. Die Angelegenheiten des Wirtschaftslebens sind in  einem islamischen Lebensstil eng mit dem Glauben verknüpft. 

Das Modell für Wirtschaftsbeziehungen baut also auf den Glaubensgrundlagen auf. Wirtschaft und Glaube sind manchmal untrennbar miteinander verbunden. Zum Beispiel  fällt die Zahlung von  Khums und Zakat  scheinbar in den Bereich der Wirtschaft, aber in Wahrheit  gehören sie auch in den Bereich des Gott-Dienens. Diese finanziellen Abgaben werden nur von Gott akzeptiert, wenn ihnen die aufrichtige Absicht der Gottesdienstbarkeit zugrunde liegt.

                   

Beim Islamischen Denken ist auch das Arbeiten und die Anstrengung mit der Spiritualität verknüpft,  denn jede Arbeit, die jemand zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes und zur Deckung seiner persönlichen Bedürfnisse und der Bedürfnisse seiner Familie durchführt,  gilt als ein Gott-Dienen.  Die Bemühung um einen Lebensunterhalt  und ein Einkommen trägt also nicht nur zur Entfaltung des weltlichen Lebens bei, sondern sie wird auch im Jenseits belohnt, vorausgesetzt dass der Mensch damit die Gebote Gottes befolgen will und ein wertvolles Ziel anstrebt.  Der Prophet des Islams (s) sagt daher: „ Das Diesseits ist der Acker für das Jenseits“  D.h. dass die diesseitige Welt und alle Dinge in ihr dem Menschen zur Vervollkommnung verhelfen und seine Seligkeit im Jenseits garantieren kann, wenn er ihre  Möglichkeiten für das richtige Ziel nutzt.

 

 Angesichts der hohen Ziele, die für den Menschen vorgesehen worden sind,  lässt sich sagen, dass die vom Islam angestrebte Wirtschaftsordnung die Stärkung und Festigung der hohen religiösen und moralischen Werte im Menschen zum Ziel hat.  Die  spirituelle Entfaltung des Menschen ist also die wichtigste Grundlage in diesem Wirtschaftssystem.  Daher werden andere wichtige Ziele der islamischen Wirtschaft wie die Autarkie, Gerechtigkeit, allgemeine Weiterentwicklung und Wirtschaftswachstum alle im Lichte dieses einen großen Ziels, nämlich  der Menschenveredlung  definiert. Beim islamischen Lebensstil herrschen die Moral und die spirituellen Werte  über die Wirtschaftstätigkeiten des Menschen,  damit Unrecht und Übergriffe auf die Rechte anderer verhindert werden. In der Islamischen Wirtschaftsordnung gilt also ein Mensch als ideal, der sich moralisch verhält und gute Eigenschaften besitzt. Er trifft zwar selber Entscheidungen,   aber sein Verhalten wird nicht von seinen Wünschen beherrscht sondern er verwaltet diese aufgrund der religiösen Moral.  Seine Tätigkeiten sind auf  die Erreichung der Zufriedenheit Gottes und die Durchführung Seiner Gebote gerichtet.  Er verfolgt einen materiellen Vorteil nur, wenn er mit seinem Glauben und seinen Wertmaßstäben konform geht. Ein Muslim ist bei der Nutzung der göttlichen Gaben darum bemüht, auch die anderen nach besten Kräften in den Genuss dieser Segensgaben zu bringen.  Er nutzt die Gottesgaben auf angemessene Weise und verschwendet nichts.  Der ideale Mensch in einer islamischen Wirtschaftsordnung  betrachtet das, was er an Eigentum und an materiellem Kapital besitzt, als ein Pfand seitens Gottes, welches er für  sein geistig-seelisches Weiterkommen und das Weiterkommen seiner Gesellschaft nutzen muss. In einem noch weiter gesteckten Rahmen spürt er auch Verantwortung für die Entwicklung der gesamten Welt.  Denn Gott hat in der Sure Hud (11) im Vers 61 gesagt:

„Er (Gott)  hat euch aus der Erde erschaffen und euch ermächtigt, darauf zu leben und sie zu nutzen und kultivieren…“

 

Als erstes möchten wir nun zum Thema Wirtschaftstätigkeiten im Rahmen eines islamischen Lebensstils auf die Bedeutung der Arbeit und Anstrengung  hinweisen.  Wir haben bereits  im Zusammenhang mit den Pflichten und dem seelischen Wohlbefinden des Einzelnen in einem islamkonformen Leben über die Berufstätigkeit gesprochen. 

 

Diesmal möchten wir die Arbeit als wirtschaftliche Tätigkeit, die im Islam sehr empfohlen wird,  besprechen. Mit Arbeit ist die Summe von körperlichen und geistigen Tätigkeiten des Menschen gemeint,  die  zu einem materiellen Gewinn für den Menschen  führt.  Gemäß der islamischen Denkweise   hat es mit der Gott gegebenen Natur des Menschen (Fitra) und seinem Wunsch  nach Vervollkommnung zu tun, dass er arbeitet und sich anstrengt.  Mit anderen Worten  kommt ein Teil seiner Liebe zur Vollkommenheit in der Arbeit und Anstrengung zum Ausdruck.  Das Interesse am Arbeiten ist wie die anderen Neigungen  im Menschen dazu geschaffen worden, dass er  nach  Stillung seiner Bedürfnisse und einem besseren Leben strebt und die zahlreichen  Gaben der Natur nutzt.

Das Interesse an einer Arbeit spielt eine wesentliche Rolle für die Entwicklung einer Gesellschaft und ihrer Wirtschaft. Wenn die Möglichkeit zur Arbeit nicht geschaffen ist, können einfallsreiche Menschen nicht ihre geistigen Fähigkeiten und ihre Kreativität für neue technische Erfindungen einsetzen. Falls für sie  die Grundlage für eine geeignete Beschäftigung fehlt, so  kommen kreative Ideen nicht zum Zuge und  so kann es sein, dass einige sich unnützen Beschäftigungen zuwenden, die zwar Gewinn bringen aber schädlich sein können.  

 

Arbeit ist das natürliche Bedürfnis des Menschen und die Religion spornt den Menschen zur Arbeit an.   Wenn es heißt, dass die Religion Gottes mit der Natur des Menschen  konform geht, so bedeutet dies,  dass die Gesetze der Religion mit denen der Natur im  Einklang  stehen.   Beide Gesetze haben ja den gleichen Ursprung. Sie kommen von Gott.

Aus der Sicht des Naturgesetzes ist Arbeit ein Mittel, um die Möglichkeiten in der Natur auf die  Nutzung durch den Menschen vorzubereiten.  Arbeit und Anstrengung führen zur Entfaltung der natürlichen Begabungen und Kräfte des Menschen und dies ist der Weg, den auch die Religion dem Menschen vorstellt, damit er durch Aktivierung seiner Kräfte nach geistiger und seelischer Vervollkommnung strebt.   

 

Damit der Mensch ein ruhiges Leben hat und sich ohne Probleme dem Gott-Dienen widmen kann, braucht er Dinge wie Nahrung, Trinkwasser und  Unterkunft.  Diese Bedürfnisse kann er durch Arbeit stillen.  Es ist  ein selbstverständliches Recht des Menschen, seine materiellen Bedürfnisse zu decken. Allerdings setzt die Religion voraus, dass er dabei nicht die immaterielle Vervollkommnung blockiert. Die Deckung der materiellen Bedürfnisse soll ihm vielmehr den Weg zur Vervollkommnung ebnen.  Imam Baqir (gegrüßet sei er) betet: „O Gott!  Ich bitte dich um Wohl im Leben, solange ich lebe und ich bitte dich um ein Leben, durch das ich stark genug bin, dir zu gehorchen und in das Paradies zu gelangen.“

Es gibt zahlreiche Überlieferungen über den Propheten und die Imame, die zeigen, welchen Stellenwert das Arbeiten für sie hatte.  

Der Prophet Gottes hat als Kind und Jugendlicher als Hirte gearbeitet und als junger Erwachsener verdiente er sich durch Handelsgeschäfte seinen Unterhalt. Nach seiner Berufung zum Propheten hat er weiterhin viele Anstrengungen in Kauf genommen, um die Religion zu stärken,  zu verbreiten und zu verteidigen und er hat keine Mühe und  Arbeit gescheut.   

 

Prophet Mohammad (s) sagt, dass Gott es liebt, wenn sein Diener sich bei der  Bemühung um einen rechtmäßigen (Helal)- Unterhalt so sehr anstrengt, dass er müde wird.  Auch hat er gesagt: Wer  Wasser und Boden besitzt aber wegen Untätigkeit arm ist, dem wird der Segen Gottes nicht zuteil.

Einmal sah der Prophet wie ein junger kräftiger Mann am frühen Morgen bei der Arbeit war. Einige sagten zum Propheten:  „Wenn dieser junge Mann seine jugendlichen Kräfte auf dem Wege Gottes einsetzen würde, verdiente er es gelobt zu werden.“

Aber der Prophet sagte: „Das solltet ihr nicht sagen! Wisset! Wenn dieser junge Mann arbeitet, damit er seine Bedürfnisse stillt und nicht auf andere angewiesen ist, hat  er auf dem Wege Gottes einen Schritt getan hat.  Er geht  auch auf dem Wege Gottes, wenn er für seine schwach gewordenen Eltern und für seine kleinen Kinder arbeitet, damit sie nicht auf die anderen angewiesen sind.“

Der Prophet hat davor gewarnt, dass ein Gläubiger nicht arbeitet, weil es sein kann, dass er arm wird und seine  religiösen Überzeugungen unter der Armut leiden und er möglicherweise bereit ist für seinen Unterhalt Dinge zu tun, die gegen die Religion verstoßen.   

Der Prophet spricht in einem Gebet: „O Gott, schenke uns Segen  und suche uns nicht mit Armut heim, denn wenn das tägliche Brot der Menschen nicht  gesichert ist, werden sie unachtsam gegenüber den Pflichten der Religion.“

 

 

 

  

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