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Montag, 02 November 2015 04:23

Islamischer Lebensstil (71)

Islamischer Lebensstil (71)
  In mehreren Teilen unserer Serie über den Islamischen Lebensstil haben wir über den Umgang mit den verschiedenen Bevölkerungsgruppen  gesprochen, zum Beispiel beim letzten Mal über das Verhalten zu den Nicht-Muslimen. In diesem Zusammenhang haben wir einige wichtige Punkte angeführt.

Unter anderem sagten wir dass die Muslime gemäß ihrer Religion die Rechte anderer Menschen beachten  und ein friedliches Zusammenleben mit ihnen anstreben müssen. Dies gilt  insbesondere  für die religiösen Minderheiten in der Islamischen Gesellschaft, denn sie leben unter dem Schutz der islamischen Regierung. Aber auch die Rechte der Mitmenschen  in nicht-muslimischen Gesellschaften müssen von den Muslimen beachtet werden und die   Muslime müssen sie freundlich behandeln.   Der Islam hat von Anfang an zu einem friedfertigen Zusammenleben mit allen Menschen aufgerufen. 

Die zahlreichen Empfehlungen des Propheten und der Imame aus Seiner Familie über das friedliche Zusammenleben der Muslime mit den Anhängern der anderen Gottesreligionen zeigen, wie gesagt,  dass der Islam keinen Krieg mit Nicht-Muslimen  führen will.  Die Imame empfahlen für die Beziehungen zu den Nicht-Muslimen die Einhaltung der Gerechtigkeit und die Beachtung ihrer Rechte. Die Muslime dürfen die Anhänger der anderen Religionen nicht schlecht behandeln.

Heute geht es um wichtige grundlegende Kriterien im Rahmen des Islamischen Lebensstils für die Beziehungen zu den anderen ganz allgemein. Diese Kriterien werden  wegen ihrer Bedeutung zu den Furu`addin – den Zweigen des Islams gezählt. Diese Kriterien sind Tawalla und Tabarra.

                                 

Tawalla bedeutet  Freundschaft  und es ist die Liebe zu den Freunden Gottes gemeint.  Tabarra aber bedeutet Lossagung, nämlich die Lossagung von den Feinden Gottes.

 

                            

Freundschaft und Feindschaft gab es schon zu Adams Zeiten.  Die erste  Feindschaft zeigte sich an dem Mord des unschuldigen Habil (Abel), Sohn des Hadhrat-e Adam. Aber im Grunde hatte es schon vorher Feindschaft für den Menschen gegeben,   als nämlich Satan  hochmütig  die von Gott befohlene  Niederwerfung vor  Adam verweigerte.  Gott verbannte ihn deswegen.

Von Anfang an kam es also zu einem Zusammenstoß zwischen dem Guten und dem Bösen.

Der Mensch begegnet auf seinem Weg durchs Leben laufend  Weggabelungen,  an denen er entscheiden muss, ob er den Weg des Rechtes und  Guten oder den Weg des Unrechtes und Schlechten wählt.

 

In der Daseinswelt herrscht bekanntlich das Gesetz der Anziehung und Abstoßung.  Die Daseinserscheinungen ziehen das an, was mit ihnen harmoniert und was nicht mit ihnen im Einklang steht, halten sie von sich fern.  Auch der Mensch ist so geschaffen, dass er etwas, was mit ihm harmonisiert anzieht und was nicht mit ihm harmonisiert abwehrt.

Jeder Mensch wird bereits festgestellt haben, dass es in seinem Inneren sowohl Zuneigung als auch Abscheu gibt und alle seine Handlungen und Zustände auf irgendeine Weise darauf zurückgehen, was er gerne haben und was er nicht haben möchte.  Dieses psychische Phänomen ist in Wahrheit auch die Quelle der bewussten Handlungen und Entscheidungen des Menschen.

Gott hat Zuneigung und Zorn in den Menschen hineingelegt, damit er mit ihrer Hilfe sich schützt und sein Leben erhalten kann.  Der Mensch soll Dinge, die mit ihm im Einklang stehen, erstreben  und seine Abscheu  soll Dinge, die in Disharmonie zu ihm stehen und ihm schaden, von sich fernhalten. Beide natürlichen Tendenzen  dienen dem Lebenserhalt. Wären diese Kräfte nicht im Menschen, dann würde er  von sich aus nicht nach Dingen wie Nahrung suchen oder nicht gegenüber Gefahren Widerstand leisten. Dies würde letztendlich seine Vernichtung bedeuten.

Ein weiterer  wichtiger Punkt besteht darin,  dass der Mensch im Leben den kostbaren Segen der Entscheidungsfreiheit besitzt.  Es lässt sich sagen, dass er durch die Handlungen, für die er sich selber entscheidet, zum großen Teil auch über sein Glück und Unglück bestimmt.  Seine Entscheidung geht wiederum auf seine Zuneigung  bzw. auf seine Ablehnung zurück.  Ein Mensch der seelisch –geistig gesund ist,  kann nicht im Leben gegenüber allen Dingen und allen Menschen gleichgültig sein und sie alle gleich bewerten.  Denn jeder vernünftige seelisch gesunde Mensch hat Ziele und Werte. Er  strebt auf seine Ziele zu und auf diesem Weg ist er einigen Dingen zugeneigt und liebt sie und anderen abgeneigt und hält sich von ihnen frei.  Der Mensch nimmt dank seiner Zuneigung mit anderen Menschen eine engere Beziehung auf und schließt mit ihnen Freundschaft. Auf diese Weise  stillt er ein Bedürfnis und gleichzeitig auch  das Bedürfnis von anderen.

Emotionen, insbesondere Liebe und Abscheu, Sympathie und Antipathie bilden  eine erstaunliche Kraft, die den Handlungen des Menschen und seinem Lebensstil eine Richtung gibt.  Dies wird  in der islamischen Lehre genau berücksichtigt und es gibt zahlreiche Koranverse und Überlieferungen die diese Emotionen in die geeigneten Bahnen lenken.

                    

Einmal sagte der Prophet Gottes zu seinen Gefährten:

„Welches sind die festesten Stützen des Glaubens?“ Einige sagten:  Gott und Sein Prophet wissen besser Bescheid. Aber andere stellten selber Vermutungen an.  Die einen hielten  das  Ritualgebet und andere die  Zakkat-Abgabe für die beste Stütze des Glaubens und  wiederum andere meinten es sei das Fasten, bzw. der Hadsch oder der  Dschihad.

Aber der Prophet (Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause)sagte:

„Alle diese Dinge haben ihren Segen, aber sie sind nicht der festeste Halt des Glaubens, sondern der festeste Halt des Glaubens ist die Freundschaft auf dem Wege Gottes, die Befolgung der Freunde Gottes und die Ablehnung und Lossagung von den Feinden Gottes.“ (Usul-e Kafi, Bd. 2, S. 125)

 

 Tawalla und Tabarra sind deshalb so wichtig, weil Freundschaft und Feindschaft des Menschen Ausgangspunkt für sein Tun und Lassen sind,  für seinen Einfluss   und seine Beeinflussbarkeit. Sie bestimmen über seine Vorgehensweise im privaten Leben und in der Gesellschaft.  Die Rettung bzw. der Absturz und das Abirren jedes Menschen hängen davon ob, was und wen er im Leben liebt.  In einer Geschichte aus dem Leben von Prophet Moses (gegrüßet sei er) steht, dass Gott ihm offenbarte: „Hast du jemals etwas für mich getan?“

Moses antwortete: Ja! Ich habe für Dich das Gebet verrichtet, gefastet und gespendet und bin Deiner eingedenk gewesen.“

Da erreichte ihn Gottes Ruf: „Aber das Ritualgebet ist für dich ein Zeichen seitens Gott und das Fasten ist für dich ein Schild gegenüber dem Feuer. Das Spenden ist ein Schatten für dich am Tag der Auferstehung von den Toten. Und es ist ein Licht für dich, wenn du Meiner eingedenk bist. Aber nun sag Mir, welches Werk du nur für Mich vollbracht hast?“

Moses sagte: „O Gott! Bitte gib mir Rechtleitung!“ Da sprach Er: „Hast du jemals jemanden wegen Mir geliebt und jemanden wegen Mir als Feind betrachtet?“

Da wusste Moses, dass die beste Tat darin besteht, Gott zuliebe jemanden zu lieben und Gott zuliebe jemanden abzulehnen.

                     

Liebe und Ablehnung sind keine Randerscheinungen von Handlungen sondern sie sind sogar zwei wichtige Ausgangspunkte, die die Motivation und Art der Handlungen bestimmen. Es gibt folgendes weise Wort von Imam Baqir (gegrüßte sei er):

„Wenn du wissen möchtest ob du ein guter Mensch bist, dann betrachte dein Herz.  Wenn du diejenigen, die auf Gott hören, liebst und diejenigen die Gott gegenüber ungehorsam sind, ablehnst, bist du ein guter Mensch und Gott liebt dich. Aber wenn du diejenigen, die ihm gehorchen, ablehnst und diejenigen liebst, die ihm nicht gehorchen, dann ist nichts Gutes  in dir und Gott ist dir feind. Der Mensch ist immer Freund dessen, der ihn gern hat.“  (Safinat-ul Bihar)

 

Aus diesen Worten Imam Baqirs (a) geht hervor wie groß der Einfluss von Freundschaft und Feindschaft  in der islamischen Werteordnung ist. Jemand wird in dieser Werteordnung als spirituell gesund eingeordnet, dessen Liebe und Ablehnung  nach Gott orientiert ist. Da aus islamischer Sicht Gott alles Schöne und Gute in sich vereint,  sieht der Gläubige in Gott die Quelle aller Tugend und allem Schönen  und liebt Ihn am meisten.  Daher muss er Gott zuliebe lieben und ablehnen und alle seine Beziehungen zu anderen müssen von dieser Liebe bestimmt werden, damit Gott mit ihm zufrieden ist.

 

  

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