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Dienstag, 06 Oktober 2015 02:37

Islamischer Lebensstil (68)

Islamischer Lebensstil (68)
  In dieser Folge werden wir generell über „gute Werke“ und Wohltätigkeiten im Rahmen eines  islamischen Lebensstils reden.In jedem Menschen gibt es von Natur aus den Hang zur Wohltätigkeit und Liebe zu dem Artgenossen.

Gute  Taten werden in der Gesellschaft sehr gut aufgenommen und anerkannt, da sie dem  Urwesen des Menschen, nämlich der „Fitra“  entsprechen, welche Gott  uns geschenkt hat. Es gibt dem Menschen ein gewisses „gutes Gefühl“, wenn er etwas Gutes tut und anderen hilft. Gott spricht an verschiedenen Stellen im heiligen Koran über die guten Werke und Wohltätigkeit gegenüber  den Mitmenschen, wie zum Beispiel in dem folgenden Vers 112 der Sura Baqara: 

„Doch wer sich Allah hingibt und Gutes tut, der hat seinen Lohn bei seinem Herrn; und diese werden weder Angst haben noch werden sie traurig sein.“

In diesem Vers wird gesagt, dass der wahrhaftige Glaube zu Allah in Bezug zu den guten Taten  des Menschen steht. Mit anderen Worten schlägt sich die Wirkung des Glaubens in den guten  Taten des Menschen nieder, zum Beispiel den guten Taten an den Mitmenschen. In allen Weltreligionen himmlischen Ursprungs spielt die Wohltätigkeit eine sehr große und wichtige Rolle. Vor allem die aufrichtigen Anhänger des Islams streben unentwegt danach, sich  diese sehr positive Charaktereigenschaft anzueignen.

  

In der islamischen Kultur kommen Güte und  Wohltätigkeit sogar über die  Gerechtigkeit zu stehen. Der Grund dafür ist, dass bei der Gerechtigkeit genau das gefordert wird, was dem Menschen zusteht. Jedoch geht die  Wohltätigkeit über die Pflicht, die aus der Gerechtigkeit entsteht,  hinaus, d.h. der Mensch gibt mehr als das her,  wozu er aus Gerechtigkeitsgründen verpflichtet ist, oder er verzichtet auf einen Teil von dem, was ihm eigentlich aufgrund der Gerechtigkeit zustehen würde.

                           

Gott hat zwar das Dasein aufgrund des Prinzips der Gerechtigkeit erschaffen. Ebenso bauen seine Gesetze auf der Gerechtigkeit auf. Die Wohltätigkeit, zu der Gott anregt, geht aber noch über die Gerechtigkeit hinaus. Gerechtigkeit ist die erste Stufe für die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Wohltätigkeit ist die nächsthöhere.

 Damit diese Thematik mehr ins Bewusstsein kommt, nehmen wir ein Beispiel zur Hand:

 In einem System oder in einer Gesellschaft gibt es immer Gesetze, an die sich die Menschen halten müssen, aber  Gesetze allein reichen nicht aus, da der Mensch von Natur aus Gefühle und Verstand besitzt und diese auch gebührend beachtet werden müssen. Der Islam betont sowohl die Gerechtigkeit als auch die Wohltätigkeit und sie schließen einander nicht aus.

Die Wohltätigkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen erwidert die Gefühle des Menschen und ist ein Schritt, der über das Gesetz und die Gerechtigkeit hinausgeht. Die Wohltätigkeit festigt die Freundschaft und Liebe unter den Menschen.

 

 Einer der Wohltaten (Ihsan) ist zum Beispiel das Spenden (Infaq). Spenden dient auch zur Selbstentwicklung des Menschen,  da es dazu führt, dass der Mensch lernt, nicht immer nur an sich selbst zu denken, sondern auch Opfer für andere zu bringen. Spenden steigert  seine Hilfsbereitschaft.  Der Aufruf zur Wohltätigkeit gilt für jede Situation, auch bei finanzieller Knappheit. Im Koranvers 134 der Sure Ale-Imran (Sure 3) heißt es über die Wohltätigen: „Die da spenden in Überfluss und Mangel, die den Zorn unterdrücken und den Mitmenschen vergeben; und Allah liebt, die da Gutes tun“.

 

Es kann sein, dass man sich fragt, wie man denn in wirtschaftlich gesehen schweren Zeiten überhaupt etwas spenden kann? Die Antwort darauf lautet,  dass der Mensch so viel spenden soll,  wie es ihm möglich ist und außerdem ist zu beachten,  dass mit Infaq (dem Spenden) nicht nur Geld und Sachspenden gemeint sind, man kann auch immaterielles von dem Segen spenden, den man besitzt, zum Beispiel von seinem Wissen. Denn es kommt bei Gott grundsätzlich darauf an, dass man Selbstverzicht,  Opferbereitschaft und Großzügigkeit erlernt, und dieser Geist auch unter den Armen erhalten bleibt. Der Islam will durch das Spenden nicht nur gegen die Armut angehen sondern die Menschen charakterlich veredeln. 

 

Die guten Werke lassen sich zwei ethischen Bereichen zuordnen  nämlich dem persönlichen und dem gesellschaftlichen. Natürlich  prägt die persönliche Ethik auch das gesellschaftliche Verhalten des Menschen.

Gott beschreibt die guten Werke  im persönlichen Bereich im Koran mit dem Gebetsritual, der Geduld, der Liebe zur Ahl-ul Bait (der Familie des Propheten -Friede sei auf ihnen) oder nächtliche Anflehungen und Bitte um Vergebung.  Denn dadurch werden der Charakter und der Lebensstil des Menschen geformt. Als ein anschauliches Beispiel für gute Werke (Ihsan) wird  auch der Glaube genannt. Der Gläubige gleicht nämlich seinen Lebensstil seinen Überzeugungen an und ändert sein persönliches Leben  entsprechend.

 

Die guten Werken im gesellschaftlichen Bereich kann man im Prinzip noch einmal in zwei Unterbereiche einteilen: Nämlich gute Werke in Form von guten Taten und gute Werke in Form von Unterlassen schlechter Taten.  Gemäß dem Koran ist die Enthaltung von Hässlichem also ebenso ein Beispiel für Ihsan (ein gutes Werk). Als Beispiele kann  die Selbstbeherrschung im Zorn gelten.

Die Gottesfürchtigkeit (Taqwa) wird daher auch als Ihsan bezeichnet, denn gottesfürchtige Menschen enthalten sich von allem, was die Vernunft und das Religionsgesetz als hässlich und schlecht verwirft.

. Diejenigen die vollkommene Gottesfürchtigkeit erreicht haben, verhalten sie sich sowohl im persönlichen als auch im gesellschaftlichen Bereich dementsprechend.

Im Koran wird auch die Enthaltung von Sünden und Unzucht als gutes Werk  bezeichnet.

 Als gute Dinge werden im Koran zum Beispiel ein Opfer für Gott, die Erfüllung einer Pflicht,  Nachsicht gegenüber  negativen Dingen der Mitmenschen,  Versöhnung bei familiären Schwierigkeiten, das Beachten von alten Menschen, das Werben für den Islam und die Einladung zur Anbetung des Einen Gottes, jede Bemühung auf dem Wege Gottes und das Ertragen von Härten,    Hilfeleistung an die  Bedürftigen, die Zakat und Khumsabgabe sowie Spenden Gott zuliebe, insbesondere an die Verwandten,  bezeichnet.

       

  Im Koran steht,  dass diejenigen, die Gutes tun, einen hohen Rang bei Gott besitzen.  Auch durch die Gerechtigkeit erreicht der Mensch höhere Stufen, aber die guten Werke und die Menschlichkeit  lassen ihn noch höher steigen.  Verstandesgemäß sollte man neben den Regeln der Gerechtigkeit also auch nach den guten Werken streben, denn für ein richtiges Leben sind nicht nur die gesetzlichen Schranken zu beachten, sondern  auch die Gefühle der Menschen zu berücksichtigen.

Im Rahmen eines islamischen Lebensstils  sollten also die guten Werke und  Wohltätigkeit  noch höher als  die Gerechtigkeit und das Gesetz zu stehen kommen.                                                

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