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Donnerstag, 24 September 2015 04:41

Islamischer Lebensstil (66)

Islamischer Lebensstil (66)
Wir besprechen weiter die islamkonformen Umgangsweisen mit anderen. Diesmal geht es speziell um die  gutnachbarlichen Beziehungen.  Dies ist ein Thema, das uns mehr oder weniger alle angeht.

 

Das Bevölkerungswachstum hat heute die Menschen räumlich zusammenrücken lassen. Die wachsende Bevölkerungsdichte hat besonders  in den Städten zahlreiche Folgen gehabt. Einige davon sind positiv. Aber andere haben wegen einem misslungenen Management  Probleme verursacht.  Deshalb müssen Gesetze  zur Regelung des Zusammenlebens im  verkleinerten Lebensraum aufgestellt werden.

 

Wegen der großen Bevölkerungsdichte leben viele Stadtbewohner in Mehrfamilienhäusern oder noch mehr in Appartementwohnungen. Dadurch ist eine neue Form von nachbarschaftlichen Beziehungen zustande gekommen.  Dabei kann es wegen  der ständigen Begegnung auch zur Störung der Nachbarn oder zum Nachbarstreit kommen und das städtische Leben bei fehlender gegenseitiger Nachsicht nervenaufreibend  werden.

Nachbarn  haben, ob sie wollen oder nicht,  immer wieder auf irgendeine Art miteinander zu tun. Die guten nachbarschaftlichen Beziehungen erfordern daher die Beachtung einiger moralischer Punkte und gesetzliche Regelungen.

                                    

Der gute Kontakt zu den Nachbarn ist im Islam so wichtig, dass er im Koran  zusammen mit dem Hinweis auf die Anbetung Gottes und die Achtung der Eltern und Wohltätigkeit zu Verwandten genannt wird. Im Vers 36 der Sure Nisa (Sure 4) steht:

„Und dient Gott und setzt Ihm nichts zur Seite; und seid gut zu den Eltern und zu den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbar, sei er nahe oder entfernt…“

 

Es wird also in diesem Vers darauf hingewiesen, dass man sich gut zu den Nachbarn verhalten soll.

                                     

Die Meinungen der Kommentatoren darüber was mit „nahen“ bzw. “entfernten“ Nachbarn gemeint ist, gehen auseinander.  Einige sind der Ansicht,  damit sei  nur die räumliche Entfernung gemeint. Andere meinen, dass indirekt mit „nah“ und „entfernt“  die Nachbarn gleichen Glaubens und die Nachbarn anderen Glaubens gemeint sind.  Jedenfalls soll man also alle Nachbarn gut und  die nahen Nachbarn besonders gut behandeln.

 

Das Recht der Nachbarn wird im Islam dermaßen hervorgehoben, dass wir in dem Brief Imam Alis (gegrüßet sei er) an seine Söhne (Brief 47 im Nahdschul Balagha) lesen:

„Der Prophet (Segen sei auf ihm) sprach so oft ihretwegen (der Nachbar wegen)  Empfehlungen aus, dass  wir dachten,  er werde die Anweisung geben dass die Nachbarn voneinander erben sollen.“

 

Die Rechten und Pflichten, die sich aus einer Nachbarschaft ergeben,  sind dermaßen wichtig,  dass alle Dinge, die hinsichtlich der Glaubensbrüder empfohlen wurden, hinsichtlich eines Nachbars ebenso empfohlen und bekräftigt werden. Imam Sadschad (gegrüßet sei er)  sagt:

„Dein Nachbar hat das Recht, dass du in seiner Abwesenheit seinen Ruf wahrst  und ihn in seiner Anwesenheit höflich behandelst.  Wenn ihm ein Unrecht geschieht, sollst du ihm helfen. Du sollst nicht nach seinen Fehlern forschen und du sollst etwas Schlechtes, was du an ihm festgestellt hast, verdecken. Wenn du weißt, dass er deinen Rat akzeptiert, dann gib ihm privat einen Rat. Wenn er in Schwierigkeiten gerät, lass ihn nicht alleine. Verzeih ihm seine Fehler und Sünden und verkehre mit ihm rechtschaffen und großmütig.“

(Al-Khisal, Saduq, S.965)

 

Der Prophet des Islams (s) sagt über das Recht der Nachbarn: „Hilf dem Nachbarn, wenn er dich um Hilfe bittet und wenn er dich darum bittet, dass du ihm  etwas leihst, dann leih es ihm. Wenn er  etwas benötigt, dann stille sein Bedürfnis. Tröste ihn, wenn ihn ein Unglück trifft und  gratuliere ihm, wenn ihn eine gute Nachricht erreicht.  Wenn er krank ist, dann besuche ihn am Krankenlager und wenn er sterben sollte,  nimm an seiner Beisetzung teil.  Dein Haus solltest du nicht  höher bauen als das Haus deines Nachbars, damit du nicht die Windzufuhr  behinderst, es sei denn er erlaubt es dir.“ (Muskan ul Fawad , Schahid Thani S. 50)

 

Über die finanzielle Unterstützung und die Sorge für  das Wohl der Nachbarn hat der Prophet des Islams (s) gesagt: „Jemand glaubt nicht an mich, der nachts gesättigt schläft, während sein Nachbar hungrig ist“

(Mustadrik al Wasail, Bd. 8, S.924)

                             

Imam Kadhim (a) – beschreibt  die gutnachbarlichen Beziehungen wie folgt: „Gutnachbarliche Beziehungen bestehen nicht nur darin, dass du selber die  Nachbarn nicht plagst und störst, sondern  schließen auch mit ein, dass du gegenüber dem Ärger, den dir Nachbarn machen,  geduldig bleibst.“

(Tuhaf al Uqul, S. 904)

 

Der Gläubige soll also  seine Nachbarn aus einer menschenfreundlichen Sicht sehen   und nicht streng aus der Sicht des Gesetzes. In dem Sinne ist derjenige also ein guter Nachbar, der sich nicht für die Störungen die anderen Nachbarn mit gleichem revanchiert sondern durch Selbstverzicht und Güte   nachbarlichen Störungen großzügig und geduldig übersieht.  Sollte er letztendlich gezwungen sein, eine Reaktion auf nachbarliche Störungen zu zeigen, so sollte er den Nachbarn  nur in einer netten Art  auf seinen Verstoß aufmerksam machen, damit sich dieser den gut gemeinten Rat zu Herzen nimmt, und nicht beleidigt ist.

      

Jeder sollte also selber darauf achten, seine Nachbarn nicht zu verärgern und zu stören. Der Prophet (s) hat gesagt, dass dies  zu Feindschaften führt und auch zu einer Entfernung von Gott und jemand, der seine Nachbarn stört und belästigt, mit der Hölle rechnen muss.

Es wird (im Nahdsch-ul Fasaha) folgendes Hadith (2352)vom Propheten überliefert: „Jemand vor dessen Übel sein Nachbarn nicht sicher ist, wird nicht ins Paradies einkehren.“

 

In einer anderen Überlieferung aus dem Leben des geehrten Propheten steht, dass  er an einem Tag gleich dreimal wie folgt gesagt hat:  „Bei Gott, ein solcher hat keinen Glauben!“ Da fragte die anderen: „Wer denn?“

Der Prophet sagte: „Jemand, vor dessen Belästigungen und Störungen sein Nachbar nicht sicher ist.“

Natürlich sind Störungen eine Begleiterscheinung des Gesellschaftslebens.  Möglicherweise raubt die Missachtung  der einen  von einigen Regeln des Anstandes, anderen die Ruhe und sind eine Belästigung. Daraus können sich Feindschaften und Streit entwickeln.

                             

Aus der Biografie  des Propheten und der Edlen aus seinem Hause entnehmen wir, wie sehr sie auf ein gutes Verhalten mit den Nachbarn Wert legten. Sie wiesen auch darauf hin, welchen großen Segen die gutnachbarschaftlichen Verhältnisse bringen, wie zum Beispiel  die Kultivierung der Städte und das Aufblühen der Wirtschaft  und ein längeres Leben.  

 

 Denn gute Nachbarn eilen einander zur Hilfe und helfen sich gegenseitig in Härten. Sie lassen nicht zu, dass es dem Nachbarn finanziell schlecht geht. Die Beseitigung von finanziellen Problemen ist in sich ein Faktor für seelischen Frieden und erhöht die Lebenserwartung. Aber auch die Harmonie zwischen Nachbarn trägt zu einem ruhigeren Leben bei. Ein ruhiges Nachbarverhältnis steigert ebenso die Lebenserwartung, während umgekehrt Nachbarstreit an den Nerven zerrt und die Beteiligten krank macht.

      

Zweifelsohne beschert Gott denjenigen Nachbarn Segen, die sich würdig verhalten. Imam Sadiq (a) sagt über den Segen guter Nachbarschaftsverhältnisse:  „Gute Nachbarschaftsverhältnisse lassen die Städte aufblühen und verlängern das Leben“ (Kafi, Bd. 2, Seite 766, ) .

Ähnlich war schon folgendes Wort des Propheten: „Die Pflege der Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen, ein freundliches Verhalten und gute Nachbarschaftsbeziehungen, lassen die Städte aufblühen und verlängern das Leben.“ (Nahdsch-ul Fasaha, Hadith 938).

 

Eine weitere positive Wirkung eines guten Verhaltens gegenüber Nachbarn besteht darin, dass der Mensch Gottes Wohlgefallen findet. Wer seine Nachbarn gütig behandelt, der zieht die Liebe Gottes und seines Propheten (der Segen Gottes sei auf ihm und Friede den Edlen aus seinem Hause) auf sich,  denn gute Werke und Wohltätigkeit  sind Eigenschaften, die Gott gefallen  und wer sich mit ihnen schmückt, den liebt Gott.  Deshalb hat der Prophet  gesagt:

„Wenn ihr wollt, dass Gott und der Prophet euch lieben,  dann seid ehrlich, wenn ihr sprecht und behandelt eure Nachbarn gut!“(Nadsch-ul Fasaha, Hadith 455)

In den Überlieferungen steht, dass ein freundliches Verhalten insbesondere zu der Familie und den Verwandten aber auch zu den  Nachbarn das beste Mittel ist, um in das ewige Paradies zu gelangen. Der Prophet hat über das freundliche Verhalten gesagt: „Seid freundlich,  gut und gütig zu euren Nachbarn und ehrt eure Frauen, damit ihr ohne Abrechnung ins Paradies gelangt.“

(Al Tauhid, S. 721)

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