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Mittwoch, 16 September 2015 09:35

Islamischer Lebensstil (65)

Islamischer Lebensstil (65)
  Im letzten Programm haben wir über die Bedeutung des Gebotes, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren innerhalb der Familie und Gesellschaft hingewiesen.  Wir sollten einen Blick auf die Art und Weise, wie man dieser Pflicht nachkommen kann, werfen.

 

Wie gesagt ist das Schicksal des Einzelnen aus der Sicht des Islams mit dem Schicksal der Gesellschaft verknüpft.  Deshalb kann keiner gegenüber dem Schicksal der anderen und ihren Handlungen gleichgültig bleiben und sich damit begnügen nur seine persönlichen  Pflichten zu erfüllen. Es  geht aus den Überlieferungen hervor, dass der Gläubige offenen Sünden nicht gleichgültig begegnen darf.  Imam Sadiq (a) bringt ein Wort des Propheten Gottes (Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause). Der Prophet hat gesagt:  „Wenn jemand  heimlich eine Sünde begeht, dann nimmt nur er selber Schaden, aber wenn er öffentlich sündigt und die anderen nicht darauf regieren, wird es der ganzen Gesellschaft schaden.“ (Bihar al Anwar, Bd. 97, S. 78)

Das Gebot, Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verwehren, gehört zum Islam und zum  Islamischen Lebensstil. Die Freunde der Religion müssen sich dafür einsetzen, dass dieses Gebot praktiziert wird und als feste Sitte in der Gesellschaft Fuß fasst.  Die Pflicht, das Gute zu gebieten und vom Schlechten abzuhalten, betrifft nicht nur bestimmte Personen oder eine bestimmte Gruppe, sondern ist allgemeine Pflicht  für alle in der Gesellschaft. In Wahrheit  ist es eine Art allgemeine Aufsicht und betrifft alle Muslime, ob Frauen oder Männern, alt oder jung.   Dieses Gebot ist deshalb so wertvoll, weil den Menschen dadurch der rechte Weg gewiesen und die spirituelle Gesundheit der Gesellschaft gewährleistet wird.  Die Anweisungen der Religion sind  eine Botschaft  seitens Gottes,  und Seine würdigen Diener haben die ehrenvolle Aufgabe, diese Botschaft den Sündigen zu vermitteln,  damit  das   Feuer des Gott-Ungehorsams in ihren  Herzen gelöscht wird.

Bei der Befolgung der Anweisung, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren ist es sehr wichtig genügend informiert zu sein und die richtigen Methoden anzuwenden.  Die Praktizierung dieses Gebotes scheitert oftmals daran, dass auf die falsche Weise vorgegangen wird. Möglicherweise wird dann sogar genau das Gegenteil vom erwünschten Ergebnis bewirkt.   Einer der wichtigsten zu beachteten  Grundsätze besteht darin, dass derjenige der von einer Sünde abhalten will, selber auf möglichst hoher Stufe sich dieser Sünde enthält bzw. dass er  die guten Werke, zu denen er anhält, selber auf möglichst hoher Stufe praktiziert. Es ist nicht einzusehen, dass jemand andere von etwas Schlechtem, was er selber praktiziert, abhält  bzw. selber kein größeres Interesse an einem guten Werk hat, zu dem er anspornt.  Wenn jemand möchte, dass sein guter Ratschlag eine Wirkung hat, muss er selber entsprechend diesem Rat handeln.

Im Vers 2 der Sure Saff (Sure 61) heißt es:

„O ihr, die ihr glaubt, warum sagt ihr, was ihr nicht tut?“

 

Im Koran wird jemand getadelt, der selber nicht seinen Pflichten nachkommt und zugleich von den anderen erwartet, dass sie es tun. Gott bezeichnet dies im Koran  als Unverstand.

In dem Vers 44 der Sure 2 heißt es:

„Wollt ihr den Menschen Aufrichtigkeit gebieten und euch selbst vergessen, wo ihr doch das Buch lest! Habt ihr denn keinen Verstand?“

Die großen Leitbilder des Islams haben ihre Anhänger aufgefordert, durch ihr eigenes Verhalten als Beispiel voran zu gehen, anstatt  durch Worte  zu etwas aufzufordern.

Imam Sadiq(a) sagt: „Ladet die anderen durch anderes als durch Worte zum Guten ein.“

 

Ostad Motahhari sagt dazu: „Jeder der  Rechtschaffenheit herstellen will, muss als erster selber rechtschaffen sein. Der Prophet des Islams (s)  wäre niemals von den anderen befolgt worden, wenn er nicht selber, allen anderen voran, das getan hätte, was er gebot.  Wenn er sagte: `Verrichtet das Gebet und das Nach-Mitternacht-Gebet`, dann widmete er sich mehr als jeder andere dem Ritualgebet.  Wenn er gebot:  `Spendet auf dem Wege Gottes, verzichtet und bringt Selbstopfer`, dann hat er das als erstes selber getan.“

 

Natürlich ist die mündliche Aufforderung zum Guten und Verwehren des Schlechten auch eine Möglichkeit. Allerdings muss sie auf nette Weise erfolgen.  Um eine Wirkung auf andere zu haben, muss man freundlich sprechen. Mit unpassenden Worten kann man niemanden vom Irrweg zurückrufen, sondern man bewirkt unter Umständen das Gegenteil. Durch grobe Worte wird jemand, der vom Weg abgeraten ist, nur eigensinnig werden und Aversionen  und Hassgefühle entwickeln.  Und wenn er erst einmal gegenüber Recht und Wahrheit Front bezogen hat, wird eine Rechtleitung  nicht mehr so einfach sein.

 Imam Ali (a) empfahl in  seinem Letzten Willens  seinem Sohn Imam Hasan (a): „Übertreibe nicht mit Vorwürfen und Tadeln, denn es verursacht Feindschaft.“

 

Wir sollten also die besten und wirksamsten Ausdrücke und Wörter einsetzen. Denn jemand, der das Gute gebietet und das Schlechte verwehrt, ist -  wie gesagt - in Wahrheit ein Überbringer der Botschaft Gottes. Daher muss er die edelsten und reinsten Worte benutzen, damit die beste Einwirkung der himmlischen Botschaft erzielt wird.   

Wichtig ist auch die Herstellung von Vertrauen. Wenn jemand seinem Gegenüber nicht vertraut, wird er dessen guten Rat nicht akzeptieren.  Es wird nichts nützen, ihn zum Guten anzuhalten und vom Schlechten abzuhalten. 

Wer etwas erreichen will, muss dem anderen erst beweisen, dass er es gut mit ihm meint und sein Wohl möchte.  Die Propheten Gottes, insbesondere der Prophet des Islams (der Segen Gottes sei auf ihm und Friede seinem Hause) haben diesen Punkt beachtet und dies ist eines ihrer Erfolgsgeheimnisse.  Sie machten ihre gute Absicht spürbar, so dass jeder erkennen konnte, dass es ihnen nicht um persönliche und weltliche Interessen geht, sondern ihnen am Wohl der Menschen gelegen ist, und sie das Beste für die Gläubigen wollen.

In der Sure Tauba(Sure 9) heißt es über Prophet Mohammad (Segen sei auf ihm) im Vers 128:

„Zu euch ist nunmehr ein Gesandter aus euren eigenen Reihen gekommen. Bedrückend ist es für ihn, wenn ihr in Bedrängnis seid, (er ist) eifrig um euch bestrebt, zu den Gläubigen gnadenvoll und barmherzig.“

 

Es ist also  für einen Erfolg beim Gebieten des Guten und Verwehren des Schlechten sehr wichtig, das Vertrauen der anderen zu gewinnen.

 

Ebenso wichtig ist die Achtung der Meinung anderer. Manchmal  handelt jemand falsch, weil er davon überzeugt ist,  es wäre  absolut richtig. Nicht selten ist ihm dieses Tun sogar heilig.  In diesem Moment müssen wir beachten, nichts Beleidigendes über seine Ansichten zu sagen. Nur durch logische Argumente können wir eventuell etwas erreichen und wir müssen ihn  behutsam auf seinen Irrtum  aufmerksam machen.

Im Heiligen Koran heißt es in diesem Zusammenhang in der Sure Nahl ( 16 ) im Vers 125:

 

„Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung auf, und streite mit ihnen auf die beste Art. Wahrlich, dein Herr weiß am besten, wer von Seinem Wege abgeirrt ist; und Er kennt jene am besten, die rechtgeleitet sind.“

 

Jeder schätzt seine eigenen Ansichten und wenn jemand seine Ansichten und Gewohnheiten beleidigt, so fühlt er sich selber angegriffen und reagiert dementsprechend.  Ein verächtliches Verhalten gegenüber falschen Überzeugungen und sinnlosen Bräuchen  ist nicht richtig und geht am Ziel vorbei. Wir werden jemanden  dadurch nicht rechtleiten sondern ihn nur dazu bringen, dass er noch mehr an seinen Ansichten festhält.  Der folgende Vers 108 der Sure An`am (Sure 6) kann uns hierzu als wertvolle Mahnung und Erklärung dienen:

„Und schmäht die nicht, welche sie statt Allah anrufen, sonst würden sie aus Groll ohne Wissen Allah schmähen. Also lassen Wir jedem Volke sein Tun als wohlgefällig erscheinen. Dann aber werden sie zu ihrem Herrn heimkehren; und Er wird ihnen verkünden, was sie getan haben.“

                                      

Es ist überhaupt grundsätzlich wichtig, den anderen  zu achten, damit unser guter Rat ihm hilft sich von Schlechtem zu befreien und Tugenden zu entfalten.

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