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Mittwoch, 09 September 2015 03:12

Islamischer Lebensstil (64)

Islamischer Lebensstil (64)
  Wir besprechen weiter die geeigneten Umgangsformen für einen Islamischen Lebensstil. 

Wie Sie wissen ist der Mensch ein geselliges Wesen und der Fortbestand der Gesellschaft hängt von den guten Beziehungen ihrer Mitglieder und dem gegenseitigen Achtung zwischen ihnen ab.  Daher soll der Mensch anderen gegenüber so handeln, wie er gerne selber behandelt werden möchte.  Zum Beispiel wenn ihm die Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit gefällt und möchte, dass die anderen es gut mit ihm meinen, dann muss er  diese Punkte beachten und die Rechte der anderen akzeptieren.

Das Prinzip: Was du für dich befürwortest, das befürworte auch du für die anderen, schließt mit ein, dass der Mensch nicht egoistisch denkt und vorgeht. Er soll das Gute nicht nur für sich wollen, sondern auch für die anderen und sich dafür einsetzen, dass das Gute in der  ganzen Gesellschaft und sogar auf der ganzen Welt Verbreitung findet und das Schlechte bekämpft wird.

Die islamischen Lehren unterstreichen, dass ein Muslim nicht gleichgültig gegenüber dem, was er bei anderen beobachtet, bleiben darf.  Jeder Muslim hat die Pflicht, seine Familienangehörigen, seine Freunde und  Mitmenschen zu den guten Eigenschaften aufzurufen und sie von den schlechten Dingen fernzuhalten. Dieses islamische Gebot ist das Gebot, Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verwehren. Seine Beachtung  ist eine der besten Angelegenheiten in der islamischen  Sozialethik und eines der wichtigen Merkmale für einen islamischen Lebensstil.  Auf Arabisch nennt sich dieses Gebot al-amr bil-maaruf wan-nahy anil-munkar.

In der islamischen Terminologie werden alle guten Taten,  mit Maruf  bezeichnet. Sie  entsprechen der Gott gegebenen Ur-Natur des Menschen – der Fitra. Dahingegen ist Munkar alles was zur Vernichtung und dem Untergang des Menschen führt.  Jede Handlung, die dem Menschen bei seiner Entfaltung und Vervollkommnung weiterhilft und die gemäß Verstand und Religionsgesetz einen Wert hat, ist Maruf –  Gutes.

Und jede Handlung, die dazu führt, dass der Mensch oder die  Gesellschaft  vom Weg zur Vollkommenheit abkommt,  ist verwerflich  und fällt unter Munkar – das Schlechte.

 

Gott hat das Gebot,  zum Guten aufzurufen und das Schlechte zu verwehren an mehreren Stellen im Koran angeführt  und die Beachtung dieser Regel ein Zeichen des Glaubens genannt.

Im Vers 71 der Sure 9 (Tauba) steht:

„Und die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen sind einer des anderen Beschützer: Sie gebieten das Gute und verwehren das Böse und verrichten das Gebet und entrichten die Zakah und gehorchen Allah und Seinem Gesandten. Sie sind es, derer Allah Sich erbarmen wird. Wahrlich, Allah ist Erhaben, Allweise.“

 

Es lässt sich also aufgrund dieses Verses sagen, dass der wahre Glaube die Freundschaft mit den anderen Gläubigen und das Interesse an deren Schicksal voraussetzt.  Eine Freundschaft schließt auch mit ein, dass man sich gegenseitig auf das Gute aufmerksam macht und Kritik am Schlechten übt.  Mit diesem Gebot sind  auch laut obigem Vers  die Verrichtung des Gebetes  und die Befolgung der Anweisungen Gottes und das Spenden an die Bedürftigen, zum Beispiel in  Form der Zakah verknüpft.  Für diese Dinge erfahren die Gläubigen zur Belohnung den endlosen Segen Gottes.

Wer die anderen zum Guten anhält und vom Schlechten abhält,  genießt bei Gott größeres Wohlgefallen, als jemand, der dies nicht tut. Dies hat der Prophet des Islams (Segen sei auf ihm und Friede den Edlen aus seinem Hause) gesagt. Denn als ihn jemand fragte: „O Prophet Gottes! Wer ist der beste von allen?“, antwortete er: “Jemand, der mehr als alle andere das Gute gebietet und das Schlechte verwehrt und jemand, der mehr als alle andere Gottesfürchtigkeit hegt und mehr als alle andere damit zufrieden ist, was Gott will.“  (Madschma ul Bayan, Tabarsi, Bd. 1, S. 614)

 

Imam Ali (gegrüßet  sei er)  sagt über die Bedeutung des Gebotes al-amr bil-maaruf wan-nahy anil-munkar im Vergleich zu den anderen religiösen Bestimmungen:

„Alle guten Werke und das Mühen auf Gottes Wegen erscheinen gegenüber dem Gebot, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren, wie ein Tropfen gegenüber einem wogenden Ozean. Noch höher  kommt ein gerechtes Wort zu stehen, welches gegenüber einem frevelnden unterdrückerischen Herrscher gesagt wird.“  (Nahdsch-ul Balagha, Hikmat 374)

Der Islam lehrt, dass der Mensch nicht gleichgültig gegenüber dem Geschehen um ihn herum bleiben kann.  Diese generelle Empfehlung prägt auch die islamischen Umgangsformen. Dies bedeutet, dass jeder Muslim die Pflicht hat, jede auch noch so kurze günstige  Gelegenheit, die sich in Gesellschaft der anderen ergibt, wahrzunehmen, um Gutes zu empfehlen und Schlechtes zu kritisieren.  Da der Kontakt mit anderen Menschen im engeren Kreis der Familie beginnt, soll die Durchführung dieses Gebotes in dieser Umgebung beginnen.  Es leuchtet jedem ein, dass dies eine Notwendigkeit darstellt. Die Mitglieder einer Familie müssen liebevoll und bewusst aufeinander achten und einander auch in immateriellen und religiösen Dingen eine Stütze sein.  Zwar ist die familiäre Umgebung im Gegensatz zu anderen sozialen Umfelder, klein , aber die Voraussetzungen für die Durchführung des Gebotes, Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verwehren,  ist in diesem kleinen Umfeld, weitaus größer. Auch die diesbezügliche Verpflichtung jedes Familienmitgliedes ist  größer.  Weil die Mitglieder einer Familie ständig miteinander in Kontakt stehen,  kennen sie  gegenseitig ihre guten und schlechten Eigenschaften und Taten.  Diese Kenntnis ruft Verantwortungsgefühl hervor.  Deshalb wird im Heiligen Koran und in den Überlieferungen des Propheten und der Imame aus seinem Hause  die Durchführung des Gebotes „das Gute  gebieten und das Schlechte verwerfen“  in der Familie besonders hervorgehoben.

                                

Im Vers 6 der Sure Tahrim ( 66 ) heißt es zu Beginn:

„O ihr, die ihr glaubt, rettet euch und die Euren

 vor einem Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind, …

 

In Erläuterung dieser Koranstelle sagt Imam Sadiq (gegrüßet sei er): „Weise sie (die Mitglieder deiner Familie) zu dem an, was Gott geboten,   und untersage ihnen, wovor Gott gewarnt hat.  Wenn sie dich befolgen, hast du sie vom Feuer ferngehalten und die Anweisung Gottes durchgeführt, und  wenn sie nicht gehorchen, bist du deiner Verpflichtung nachgekommen.“

 

Einer der Muslime hatte sich, als dieser edle Vers geoffenbart worden war, traurig in einen Winkel verzogen. Da fragten ihn die anderen, warum er betrübt ist. Er sagte:

„Ich kann mich selber nicht zum Guten hin verändern und fürchte, in die Hölle zu geraten. Und nun hat Gott auch die Rettung meiner Familie vor der Höllenstrafe von mir verlangt.“

 

Als der Prophet Gottes davon hörte, tröstete er ihn: „Sei nicht traurig! Es genügt, wenn du sie zu dem anhältst, was du selber (an Gutem)  tust und sie von dem abhältst, was du dir selber (an Schlechtem) abgewöhnt hast. (dann hast du deine Aufgabe als Muslim erfüllt)“

 

Die Durchführung des obigen Gebotes muss auch in der gesellschaftlichen Umgebung erfolgen.   Aus islamischer Sicht hängt das Schicksal des Einzelnen mit dem der Gesellschaft zusammen. Es besteht eine Wechselwirkung zwischen der Gesundheit bzw. dem Verderb des  Einzelnen und der Allgemeinheit.  Daher darf niemand nur  seine persönlichen religiösen Pflichten erfüllen und   gegenüber dem Vorgehen und dem Schicksal der anderen gleichgültig sein.  Die Missachtung und Schmähung der göttlichen Werte wirkt sich nämlich allmählich negativ auf die Gesellschaft aus, auch wenn sie nur vonseiten einer geringen Anzahl von Leuten erfolgt.  Ein Sünder unter den Menschen ist wie jemand, der mitten auf dem Meer an  der Stelle, wo er mit anderen in einem Boot sitzt, ein Loch bohren will. Wenn die anderen ihn nicht von diesem gefährlichen Vorhaben abhalten und ihn gewähren lassen,  nur weil er ja auf seinem eigenen Platz ein Loch in den Boden des Bootes bohrt, werden alle untergehen, wenn ihm seine Tat gelingt.

Wenn eine Sünde  öffentlich Verbreitung findet, ist es zum Nachteil aller. Es ist also für alle eine islamische und menschliche Pflicht,  darauf acht zu geben  die anderen zum Guten anzuhalten und vom Schlechten abzuhalten, damit eine saubere und gesunde gesellschaftliche Umgebung entsteht in der die Tendenzen zum Schlechten keine Chance haben.  In den Überlieferungen wird bestätigt, dass alle darunter leiden werden, wenn Schlechtes und Sünden offensichtlich in der Gesellschaft Verbreitung finden und keiner mit Ablehnung reagiert.

 

                                                                                      

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