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Dienstag, 25 August 2015 05:30

Islamischer Lebensstil (62)

Islamischer Lebensstil (62)
In diesem Teil wird dargelegt, was aus der Sicht des Islams für ein gutes  gesellschaftliches Leben notwendig ist und wie man richtig mit  Freunden umgeht und die Sila-i rahim mit ihnen pflegt.

 

In den letzten Folgen sprachen wir über „Sila-i rahim“ und die familiäre Umgangsweise beim „Besucher sein“ und „Besuche geben“ .In dieser Folge wollen wir  den Bereich für den Umgang mit anderen auf eine größere Umgebung  als den Kreis der Familie und Verwandtschaft ausdehnen,  wie zum Beispiel den Nachbarkreis oder andere gesellschaftliche Gruppen, d.h. diejenigen,  mit denen wir, gewollt oder ungewollt, laufend in Kontakt kommen.

 

Bevor wir uns mit diesem Thema beschäftigen, müssen wir erst über die Wichtigkeit des gesellschaftlichen Umgangsverhaltens sprechen. Mit „gesellschaftlichen Umgangsverhaltens“ ist das Verhalten zu anderen als Mensch und Artgenosse gemeint, unabhängig ob sie Verwandte oder Nachbarn sind oder aus der gleichen Stadt oder dem gleichem Land kommen oder der gleichen Religion angehören.

Das heißt also, dass jeder als Mitglied der großen Familie der Menschheit gegenüber den anderen Menschen moralische Verpflichtungen hat,  an die wir  uns halten müssen. Der Islam hat in diesem Bezug einen bestimmten generellen Rahmen an ethischen Verhaltensweisen für die Muslime festgesetzt und wir werden uns noch einen Einblick in diese Lehren der gesellschaftlichen Verhaltensregeln verschaffen.

Auf der ganzen Welt finden wir immer wieder Menschen, die sich von gesellschaftlichen Leben zurückziehen und dafür auch bestimmte Gründe besitzen. Einige Gläubige begründen diese Zurückgezogenheit damit, dass sie sich auf diese Weise in Ruhe und ohne Stress  vollkommen dem Gott-Dienen  widmen können und vor  den negativen Eigenschaften in der Gesellschaft, wie Verleumdung, Neid, oder Misstrauen sicher sind.  Entgegen  der Einstellungsweise dieser Gruppe von Personen, muss jedoch generell gesagt werden, dass der Kontakt zu den  Mitmenschen eines der wichtigsten inneren Bedürfnisse des Menschen darstellt.

Der Mensch ist von Natur aus ein gesellschaftliches Wesen. Kein Mensch ist, selbst unter ganz normalen Umständen,  in der Lage  „alleine“ zu leben und zu existieren, denn er kann nur weiter existieren, wenn er in der Gesellschaft bleibt. Außerdem kann er auch nur dann seine  Lebensqualität steigern. Der Mensch benötigt sowohl für den Beginn des Lebens als auch für Überwindung darauffolgender  Lebenshürden den Beistand  weiterer Menschen. Der Mensch kann nur durch den Umgang mit anderen  erkennen, wer er wirklich ist und welche Fähigkeiten  oder  Fehler er besitzt. Erst durch den gesellschaftlichen Kontakt kann er sich  ein realistisches Bild von sich selber machen.  

Haben Sie sich übrigens schon mal darüber Gedanken gemacht, warum man Verbrecher in Einzelhaft einsperren lässt? Man tut dies weil diese Ausgrenzung eine der schlimmsten Strafen und schlimmer als Hunger oder Durst ist.

Der gesellschaftliche Kontakt ist auch wegen der  Aneignung von viele positiven ethischen Charaktereigenschaften im Rahmen der Beziehungen zu den anderen wichtig; hohe Eigenschaften  wie zum Beispiel Gerechtigkeit, Gleichbehandlung, Wohltätigkeit, Selbstopfer, Barmherzigkeit, Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit, Sittsamkeit usw.

 Natürlich hat das  Gesellschaftsleben auch  Schattenseiten wie Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Egoismus, Arroganz, Lüge, Lästern, Eifersucht, Neid und Verrat. Diesen hässlichen Eigenschaften und Erscheinungen im Gesellschaftsleben sollte man natürlich entgegenwirken und versuchen,  sie durch die  oben genannten positiven Eigenschaften zu ersetzen.

Übrigens kann jemand auch  nur dann  Erfahrungen sammeln und nutzen, wenn er sich unter die Menschen begibt.

                                            

In Bezug auf die islamische Sicht ist zu sagen, dass ein Kontakt zu allen Mitmenschen nicht immer befürwortet wird, wenn er auch nicht verboten ist. Der Umgang selbst ist generell nicht von allein etwas Positives, d.h., es reicht allgemein nicht aus, wenn man einfach nur ein geselliger Mensch ist. Darüber, ob ein Kontakt gut oder ungut ist,  entscheidet die Absicht, die wir damit verfolgen und welche Wirkung der Kontakt auf uns hat.  Zu den  wichtigsten Zielen sollten die Verbesserung der moralischen Ethik und die Förderung  der Selbsterziehung sein. Deswegen sollte man sich von Kontakten, die zu Sünde oder Frevel verleiten und vom  geraden Weg wegführen, lösen und nicht das eigentliche Ziel des Lebens, nämlich die Vervollkommnung verfehlen.

 

Wenn jedoch , im Gegenteil dazu,  die  gesellschaftliche Verbindung mit jemandem, dazu führt, dass der Mensch Gott näher kommt und sein  Glaube gestärkt wird, dann sollte man diese Verbindung erhalten und ernsthaft darum bemüht sein, sie auszubauen. Daher werden für einen Islamischen Lebensstil besondere Richtlinien für die gesellschaftlichen Kommunikationen vorgelegt.  Der Islam findet nicht jede Art von Kontakt ratsam.  Von den schädlichen rät er ab.
Der geehrte Prophet Muhammad (Friede sei auf Ihn und auf seine Familie) hat zu  seinem getreuen Schüler  Abu Dharr gesagt:  „Oh Abu Dharr, ein rechtschaffenen Menschen Gesellschaft zu leisten,  ist besser als das Alleinsein, jedoch ist die Einsamkeit und das Alleinsein besser, als wenn du mit jemandem zusammensitzt, der nicht rechtschaffen ist.“(Bihar-ul Anwar, Band 74, Seite 84)

Zu den gesellschaftlichen Beziehungen  gehört der Kontakt  zu  den Menschen, die die gleiche Denkweise vertreten und dem gleichen Glauben angehören. Im Fachbereich wird er  als Umgang aufgrund der Religion  bezeichnet. Als Muslime tragen wir in Bezug auf unsere anderen muslimischen Brüder bestimmte Verantwortungen und Verpflichtungen, denn eine Überlieferung des Propheten besagt:

 „ Derjenige, der den Hilferuf seines muslimischen Bruders hört und ihm nicht zur Hilfe eilt, ist kein Muslim.“

Außerdem besteht eine gewisse Verbindung zwischen uns und unseren Mitbürgern, die von Natur aus von der Verbindung zu Nicht-Mitbürgern  verschieden ist.

Unter diesen Mitmenschen, Mitbürgern oder Glaubensbrüdern sucht der Mensch sich Freunde aus und stellt mit ihnen einen engeren Kontakt her. Diese Freundesbindung bringt auch eine  bestimmte moralische Verantwortung mit sich.

 

Wegen dem außerordentlichen Einfluss, den eine Freundschaft  auf die Persönlichkeit des Menschen ausübt, widmet der Islam ihr besondere Aufmerksamkeit.  In manchen Überlieferungen heißt es, dass man an den Freunden des Menschen seine Persönlichkeit  und seine Moral ablesen kann.  Der berühmte iranische Dichter Saadi hat einen interessanten Vers zu diesem Thema: „Sag mir erst, mit wem du im Leben verkehrst, damit ich erkennen kann, wer du bist.“

Natürlich hat ein Umgang mit schlechten Freunden negative moralische Auswirkungen, denn generell werden durch eine Freundschaft bestimmte Eigenschaften direkt oder auch oft indirekt von der einen Person auf die andere übertragen, ob man will oder nicht. Von Imam Ali (Friede sein auf ihm) liegt  zu dieser Thematik folgende  Überlieferung vor:  

„ Den Kontakt mit einem Menschen, der böswillig  ist,  soll man  meiden, denn dein Wesen  wird durch diesen negativen Menschen unbewusst beeinflusst.“ (Kommentar zu Nahdsch-ul Balagha ,  Ibn Abi-l Hadid, Band 20, Seite 272).

In einem Brief von Imam Ali (Friede sein auf ihn) an seinen Schüler Harith Hamedani, belehrt er ihn allgemein über das Auswählen des Freundeskreises: „ Meide die Gesellschaft von Gott-Ungehorsamen, denn Schlechtes verbindet sich immer mit Schlechtem.“ (Nahdsch- ul Balagha, Brief 69, Seite 353)

Ein weiterer wichtiger islamischer Grundsatz lautet: „ Alles was du für dich angebracht findest, solltest du auch für die anderen angebracht finden.“ Einmal kam ein Beduine zum Propheten (Friede sei auf Ihn und seine Familie)  und bat ihn: „Oh Prophet, lehre mich ein Tun, welches  dazu führt, dass ich ins Paradies einkehre!“

Der Prophet erkannte, dass dieser Wüstenbewohner ihn nur selten aufsuchen kann. Also musste er ihn etwas lehren, was als Grundsatz in allen Bereichen dienen kann. Es  musste  ein genereller Grundsatz sein, der ihm ins Paradies verhilft. Der Prophet antwortete daher: „Lass den anderen das  zukommen, was du gerne von ihrer Seite erfahren möchtest und  tue ihnen nichts an, von dem du nicht möchtest, dass sie es dir antun.“

(Wasail- al- Schia, Band 11, Seite 228)

Eine  berühmte Weisheit von Imam Ali (Friede sei auf ihn), steht im Brief von Imam Ali an seinen Sohn Imam Hassan (Friede sei auf ihn), nämlich „Oh mein Sohn! Lege bei dir den Maßstab an! Daher befürworte, die Dinge, die du für dich selber  befürwortest auch für die anderen. Und genauso wie du Dinge für dich selbst meidest und nicht möchtest,  sollst du sie auch für andere meiden und nicht mögen.  Unterdrücke niemanden, denn du magst auch nicht, dass man dich unterdrückt! Tue Gutes, denn du ziehst auch nur das Gute für dich selber vor… Wünsche den anderen, was du dir selber wünschst und  sage nicht Dinge, die du nicht gerne von anderen  hören möchtest…“

In der nächsten Folge werden wir uns weiter mit diesem Thema beschäftigen.

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