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Montag, 10 August 2015 05:01

Islamischer Lebensstil (60)

Islamischer Lebensstil (60)
Auch in diesem Teil wird der Begriff Sila-i Rahim, nämlich die   die Pflege der guten Verwandtschaft- und Freundesbeziehungen im Mittelpunkt stehen. 

Die Empfehlungen zur Aufrechterhaltung dieser Beziehungen gehören zu den wichtigen Anweisungen des Islams für einen islamischen Lebensstil, sie wirken sich eindeutig auf den verwandtschaftlichen Zusammenhalt aus und sind zum Wohl der Gesellschaft. Sila-i Rahim bedeutet Wohltätigkeit und Freundschaft und mit Rahim ist vor allen Dingen die Verwandtschaft gemeint.   Diese schöne Sitte kann in verschiedenen in Form von materieller und geistiger und emotionaler Unterstützung gepflegt werden.  Beim letzten Mal haben wir eine Reihe von Eigenschaften der menschlichen Ur-Veranlagung – Fitra angeführt, die die Pflege der Verwandtschaft- und Freundesbeziehungen automatisch für den Menschen und die menschliche Gesellschaft unabdingbar machen.  Diesmal wollen wir das Thema hinsichtlich anderer Aspekte für den islamischen Lebensstil betrachten.

                                 

Der Islam bekräftigt den verwandtschaftlichen Verbund. Die Pflege der Verwandtschaftsbeziehungen ist ein religiöser Wert im Islam. Gott nennt  diesen Wert direkt im Anschluss an das monotheistische Prinzip der Gottes-Dienstbarkeit. Wir sehen dies an dem Vers 36 der Sure 4, wo es heißt:

„Und dient Allah und setzt Ihm nichts zur Seite; und seid gut zu den Eltern und zu den Verwandten“

 

Sila-i Rahim ist Gott-Dienen und eines der schönsten religiösen Programme für den zwischenmenschlichen Umgang.  Wenn diese Sitte  als religiöse Verpflichtung beachtet wird,  ist es auch ein grundlegender Schritt zur Stärkung der Religion in ihren Werten und zur Festigung der sozialen Normen.  Auch wenn das heutige moderne Leben manchmal dem Menschen die Gelegenheit zu diesem schönen Programm nimmt,  sollte man im Auge behalten, dass diese begrüßenswerte Sitte eine wichtige Rolle dabei spielt, die Glaubensgrundlagen des einzelnen zu stärken, die spirituellen Bedürfnisse zu erwidern und Wohltaten zu fördern und zu verbreiten.  Die Pflege der Verwandtschaft- und Freundesbeziehungen ist wegen der Bedeutung, die sie für die Stärkung der sozialen Bindungen  hat, ein zentraler Lehrsatz des Islams für die Herstellung  der idealen Gesellschaft. In einigen Überlieferungen  heißt es, dass die  Religion unter anderem durch die Sila-i Rahim gestärkt wird und der Mensch durch sie Gott näher kommt. Imam Ali sagt (gemäß Bihar-ul Anwar Bd. 74, S.294):                            „Ihr Diener Gottes: festigt die Grundlagen eurer Religion durch die Verrichtung des Ritualgebetes in der Zeit, in der es angesagt ist, und durch die Sila-i Rahim.“

                              

Die Pflege  der guten Verwandtschaftsbeziehungen  hat nicht nur unmittelbar spürbare  positive Wirkungen, sondern der Mensch zieht auch dadurch den materiellen und immateriellen Segen Gottes auf sich. Daran besteht kein Zweifel.  Ein Segen besteht zum Beispiel darin, dass die Abrechnung am Jüngsten Tag leichter ausfällt,  und der Mensch in den Genuss der göttlichen Vergebung gelangt.

Imam Sadiq(a) sagt über die positive Wirkung von Besuchen und Gegenbesuchen:

„Sila-i Rahim reinigt die Taten, vermehrt das Eigentum,  wehrt Unglück ab, macht die Abrechnung leicht, verzögert den Tod, verlängert das Leben,  veredelt den Charakter, macht großzügig und erfreut Herz und Seele.“(Usule Kafi, Hadith 6 und 12).

Imam Ali (a) empfiehlt seinem Sohn: Imam Hasan (a) :

„Ehre deine Verwandten, denn sie sind der Flügel, mit dem du fliegst, und dein Ursprung, zu dem du (wieder) gelangen wirst, und deine Hand (und Helfer), mit der du (die Feinde) angreifst.“

(Brief 31, Nahdsch-ul Balagha)

                          

 

Die Hervorhebung der guten Verwandtschaftsbeziehungen im Koran und den Überlieferungen demonstriert, von welcher vitalen Bedeutung sie sind.  In den Quellen des islamischen Religionsrechtes wird die Sila-i Rahim auch dann als notwendig gefordert, wenn die Verwandten den Islam verlassen haben oder ungläubig sind. Das heißt also, dass Unglauben und Abkehr von Gott nicht das Recht eines Verwandten zunichtemachen, sondern auch unter solchen Umständen ist Sila-i Rahim etwas Gutes. Nicht selten führt diese gute Sitte sogar zur Rechtleitung von denen, die auf Abwegen waren.

Es wird überliefert, dass Imam Sadiq einmal von jemandem  gefragt wurde: „Es gibt Leute, die mit mir verwandt sind, aber die nicht so denken wie ich. Bin ich ihnen gegenüber verpflichtet?“ Der Imam sagte: „Ja, das Recht der Verwandten wird durch nichts ungültig. Wenn sie den gleichen Glauben haben wie du, dann haben sie dir gegenüber zwei Rechte: Eines  ist das Recht als Verwandte und das andere das Recht als Muslime.“

                             

Eine Form der Sila-i Rahim besteht darin einem Verwandten  zu helfen, wenn er sich in Lebensgefahr befindet. Dann ist es Pflicht, ihn unter Einsatz des Lebens im Rahmen der Islamischen Gebote zu verteidigen und die Gefahr von ihm abzuwenden. Der Prophet Gottes (Gottes Segen sei auf ihm und Frieden auf seinem Hause) sagt: „Wer sich mit seinem Leben und seinem Besitz für die sila-i rahim einsetzt, den belohnt Gott der Höchsterhabene mit dem Lohn von 100 Märtyrern.“ (Wasail al Schia, Bd. 6, Seite 286)

 

Sila-i Rahim kann auch in Form von finanziellen Hilfen geschehen. Wenn es in der Verwandtschaft  Bedürftige gibt, dann müssen wir sie materiell unterstützen.  Auch dies wurzelt in der Fitra des Menschen, seiner Gott gegebenen Natur also, und der Islam hebt diese Form der Hilfe ausdrücklich hervor. Der Koran betrachtet solche Verwandtschaftshilfen als  finanzielle Pflicht. Imam Ali hat gesagt: „ Wer durch Gott an Reichtum gelangt, der soll damit den Verwandten helfen.“ (Nahdsch-ul Balagha, Chutba (Freitagsgebetsansprache) 142)

 

Sila-i Rahim besteht auch in geistiger Hilfe. Wenn ein Verwandter oder ein Freund,  einen guten  Rat braucht, so soll der Mensch  ihm zur Hilfe eilen.

 

Vielleicht denken einige, der Islam erwarte die Sila-i Rahim  nur von denjenigen,  die gut betucht sind und diejenigen, die sich finanziell schlecht stehen und andere nicht unterstützen können, seien von diesem Gebot  ausgeschlossen. Dies ist aber nicht der Fall, denn die Sila-hi rahim soll ja die emotionelle Bindung zwischen den Verwandten stärken, und dies ist auch auf immateriellem Wege möglich.  Manchmal wird diese Gefühlsbindung bereits durch einen Besuch  oder dadurch, dass man einen Verwandten nach seinem Befinden befragt, ihn anruft oder ihm einen freundlichen Brief schreibt,  hergestellt.

Imam Ai (a) sagt: „Pflegt die Sila-i Rahim zu euren Verwandten, und sei es nur mit einem Gruß.“

 

Auch ist es Sila-i Rahim, wenn Verwandte sich Freud und Leid teilen, zum Beispiel bei Hochzeitsfeiern oder bei  Besetzung eines Verwandten und den Trauerzeremonien. Dies gilt als emotionelle Mitbeteiligung und stärkt die Verwandtschaftsbeziehungen.

 

Das Mindeste was die Verwandtschaftspflege erfordert, besteht darin, die Verwandten nicht zu ärgern oder zu verletzen. So sollte man vermeiden, hinter ihrem Rücken über sie zu lästern, oder sie zu verleumden, schadenfroh zu sein oder sich in ihr Privatleben einzumischen bzw. sie  ständig  zu bekritteln. Das sind die Mindesterwartungen an eine Sila-i rahim.  Wenn jemand einem bedürftigen  Verwandten nicht finanziell helfen kann, so soll er  zumindest verhüten, dass er herabgesetzt wird. Imam Sadiq (a) sagt:

„Das Beste, was man für die guten Verwandtschaftsbeziehungen tun kann, ist , sich davon sie enthalten die Verwandten zu ärgern oder zu kränken.“ (Usul-e Kafi , Bd.2,Seite 151).

Die Sila-i rahim hat zahlreiche positive Folgen. Eine der wichtigsten ist die größere Lebenserwartung. Imam Sadschad (a) sagt: „Wer möchte, dass sein Leben länger wird und sein Unterhalt wächst,  der soll die guten Verwandtschaftsbeziehungen pflegen (Usul-e Kafi, Bd.2, Seite 156).

Genauso  wie die Pflege der Verwandtschaftsbeziehungen sehr im Islam empfohlen wird, wird umgekehrt der Abbruch dieser Beziehungen verworfen.  Gott hat diesen Abbruch im Koran ernsthaft getadelt.

In den Versen 22 und 23 der Sure Mohammad, Sure 47, steht:

„Wolltet ihr denn, indem ihr euch abwendet, Verderben im Land haben und die Verwandtschaftsbande zerschneiden?“

„Diese sind es, die von Allah verflucht sind, so dass Er sie taub macht und ihre Augen erblinden lässt.“

                   

Abschließend noch dieses Wort von Imam Sadiq (a): „Ich suche bei Gott Zuflucht vor Sünden, die die Vernichtung beschleunigen, den Tod näher rücken lassen, und die Städte von ihren Bewohnern leert. Diese  Sünden sind der Abbruch der Beziehungen zur Verwandtschaft, das Schikanieren der Eltern und  die Abkehr von den Wohltaten an ihnen.“

(Usul-e Kafi, Bd. 2, S. 448)

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