Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Mittwoch, 05 August 2015 13:39

Islamischer Lebensstil (59)

Islamischer Lebensstil (59)
  Wir haben über Eheleute und ihre gegenseitigen Rechte und Pflichten gesprochen ebenso wie über die Rechte der Kinder, den geeigneten Umgang mit ihnen und ihre religiöse Erziehung.

Außerdem haben wir etwas über die Stellung der Eltern, der betagten Eltern und der Großeltern gesagt.  Bislang waren unsere Anregungen hoffentlich nützlich.

Wir möchten nun über die Beziehungen in einer größeren  Gemeinschaft sprechen, die über die Familie im engeren Sinne hinausgeht und zwar die Verwandtschaft und den Freundeskreis. Dabei wollen wir uns anschauen wie der Kontakt mit ihnen sich gemäß den Lehren des Islams gestalten sollte.  Im Islamischen Vokabular wird diese Beziehung zu Verwandten und Freunden unter dem Begriff Sila-i Rahim zusammengefasst.

Sila-i Rahim ist ein wichtiger Bestandteil der  islamischen Lebensgestaltung. Durch die Pflege der Beziehung zu der Verwandtschaft wird der Zusammenhalt unter ihnen gefördert , während die Pflege der Beziehung zu Freunden und Bekannten  zu einer  besseren Gesellschaft beiträgt. Unter Sila-i  Rahim werden die guten Werke an nahen und entfernten Verwandten und an den Gläubigen und der  gute Kontakt zu ihnen verstanden.  Diese guten Werken können materieller oder auch immaterieller Art sein. Sie können zum Beispiel in geistiger und seelischer Unterstützung bestehen.  Diese gute Sitte ist in der Ur-Natur des Menschen, der Fitra, verankert. Über diese Fitra und ihre Eigenschaften und Neigungen  möchten wir heute etwas ausführlicher sprechen.

 

Der Mensch ist von Natur aus würdig und edel und steht über den anderen Geschöpfen.     Die Religion Gottes setzt   Gebote ein und hält Programme bereit, durch die der Mensch dazu angespornt wird, auf diese Würde zu achten d.h. sich selbst und die anderen als Menschen  zu schätzen.   Dieser Geist spiegelt sich im Rahmen der islamischen Kultur zum Beispiel durch  aufrichtige Hilfsbereitschaft wieder. Gerade durch  die schöne Sitte der Verwandschafts- und Freundschaftspflege, eben Sila-i  Rahim, kann sie  praktiziert werden.  Verwandten und Freunde sollen sich gegenseitig im Leben helfen.

Die Würde des Menschen wird dann geachtet, wenn jeder mit den anderen so  umgeht wie es seine Menschlichkeit verlangt.  Gott möchte zur Beachtung der natürlichen Würde der Menschen, dass sie ihre Würde bewahren, sich würdig verhalten und würdig sprechen.

Wenn jemand einen anderen respektvoll behandelt und achtet so spricht dies auch für seinen eigenen Charakter  und die anderen werden sich deshalb auch zu ihm hingezogen fühlen und ihn bei Problemen um Hilfe bitten.

Eine weitere natürliche Tendenz im Menschen ist sein Verlangen, Liebe zu erfahren und Liebe zu geben.  Der Mensch bedarf in jedem Alter und in allen seinen Entwicklungsabschnitten einer Stillung dieses Verlangens. Dieses Bedürfnis   kann durch die Eltern, und die Geschwister, durch den Ehepartner und die Kinder und Verwandten und alle Personen, mit denen der Mensch in freundlicher Beziehung steht,  gedeckt werden. Sila-i Rahim  bietet einen großen Raum  für die Erwiderung dieser  natürlichen Neigung des Menschen.  Also müssen bei allen Formen des Sila-i Rahim Freundschaft und Liebe die Grundlage bilden.  Bei den Beziehungen zu der Familie und den Verwandten kann jeder sein Bedürfnis nach Liebe stillen, in dem er sich freundlich verhält, so dass er auch von den anderen freundlich behandelt wird. Der Prophet des Islams (s) und die aus seinem Hause haben das freundliche und gütige Verhalten zu Verwandten und Freunden unterstrichen und seinen Nutzen hervorgehoben.

Imam Sadiq (a) sagt:  „Immer wenn du jemanden gerne hast, dann gebe ihm das kund, denn dies vertieft   eure Freundschaft und Liebe zueinander.“ (Bihar ul Anwar, Bd. 71, S. 181).

 

Die Gläubigen versuchen daher  sich freundlich zueinander zu verhalten.  Die Gesellschaft wird durch Freundlichkeit  belebt.                                     

Die Menschenliebe ist ebenso eine natürliche Veranlagung  und eine weitere wichtige Grundlage für die Sila-i Rahim.  Die Menschenliebe holt den Menschen aus seiner Egozentrik heraus und lässt aufrichtige Beziehungen zu anderen Menschen entstehen.  

Menschenliebe führt zu einem  sozialen Verhalten, dass allgemein begrüßt wird.   In den Beziehungen zwischen den Verwandten kommt die Menschenliebe durch emotionale Verbindungen zum Ausdruck. Durch gute Beziehungen in Form der Sila-i Rahim werden diese emotionalen Verbindungen intensiver.   

Der Prophet des Islams (s) sagt über die Menschenliebe:  „Jemand der seine Zeit verbringt, ohne dass er auf die Probleme der anderen Muslime achtet, ist in Wahrheit kein Muslim.“ (Bihar ul Anwar, Bd.71,S.327)

 

Der Mensch wünscht sich auch von Natur aus eine vertraute Beziehung zu den anderen. Er  möchte gerne jemanden haben, der zuverlässig ist und dem er Geheimisse anvertrauen und mit dem er über seine Bekümmernisse sprechen kann.  Viele Gebote im Islam darunter die Sila-i Rahim erwidern diesen natürlichen Wunsch.  Dank der nahen Kontakte  zu Verwandten und Freunden können auf diese Weise zahlreiche Schwierigkeiten beseitigt werden.

 

Nicht nur die natürliche Veranlagung zur Hilfsbereitschaft ist eine  wichtige Grundlage für die Sila-i Rahim, sondern auch die natürliche Tendenz des Menschen zu vergeben .  Der Prophet (s) und die Imame aus seinem Hause haben die Vergebung und Nachsicht hervorgehoben. Nachsicht und Großmut verbessern wesentlich die Beziehungen zwischen den Menschen im Rahmen eines islamischen Lebensstils.

Der Prophet (s) hat gesagt: „Ihr sollt verzeihen, denn dies gereicht mir zur Ehre.“ (Usul-e Kafi , Bd.2, S. 108)

Gott  empfiehlt  im Koran seinem eigenen Propheten die Vergebung und Wohltätigkeit. Wenn die Gläubigen sich mit dieser Tugend schmücken, können sie die gute Sitte der Sila-i Rahim stärken.

     

Eine weitere,  dem Menschen von Gott in seine Natur hineingelegte Neigung ist die Bereitschaft, soziale Verantwortung zu übernehmen. Diese Bereitschaft steckt potentiell in jedem Menschen.  Die Siha-i  Rahim und der Kontakt zu den Verwandten und Freunden ist ein günstiger Bereich, um dieses Potential  zu aktivieren.  Das natürliche Pflichtgefühl gegenüber anderen ist  überall im Leben der Menschen auf geistiger, sozialer wirtschaftlicher und religiöser Ebene zu verspüren.  Durch eine Förderung und Entfaltung dieser Verantwortungsbereitschaft, wird der Mensch gegenüber  seiner Familie, seinen  Verwandten und Freunden eine größere Verpflichtung verspüren und ihre Probleme als eigene Probleme betrachten und nach ihrer Beseitigung streben.

 

In der Fitra – der menschlichen Ur-Natur  - liegt auch der Wunsch nach anhaltendem Glück und nach Zufriedenheit und auch dieser Wunsch wird durch der Pflege der Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen erwidert.   Jemand der sich noch nicht von dieser inneren Neigung entfremdet hat, möchte dass alle Menschen, so auch die Verwandten und Freunde, Freude im Leben haben. Er wird daher,  immer wenn er davon erfährt, dass sie bekümmert sind,  nach besten Kräften versuchen ihren Kummer zu beseitigen. In den Islamischen Überlieferungen  wird jemand, der dafür sorgt, dass andere sich freuen und wohl fühlen, gelobt. Imam Kadhim (a) sagt:

„Unter dem göttlichen Thron gibt es einen Schatten, und nur die können sich in diesem Schatten ausruhen, die gute Werke an ihrem Glaubensbruder tun oder seine Probleme beseitigen und sein Herz fröhlich stimmen.“ (Bihar al Anwar, Bd.11, S.569)

Durch Entfaltung dieser natürlichen Neigung im Rahmen der Sila-i Rahim  werden auch die Beziehungen zwischen den Verwandten besser.

 

Wir nannten einige Neigungen in der Gott gegebenen Natur des Menschen , der Fitra, die besonders wichtig für die Sila-i Rahim – die Pflege der Beziehungen in der Verwandtschaft und zu  Freunden -  sind.  Diese Neigungen müssen in einer Gesellschaft gestärkt werden, so dass  die Allgemeinheit in den Genuss ihrer  konstruktiven Wirkungen gelangen kann. Laut  den Islamischen Überlieferungen und den religiösen Empfehlungen  muss jeder  diese menschlichen natürlichen Neigungen  in den Beziehungen zu den anderen berücksichtigen, damit ihre positiven Wirkungen  in der   Sila-i rahim  im Rahmen eines islamischen Lebensstil und auf allen materiellen und immateriellen Ebenen in der Moral und in der Gesellschaft sichtbar werden.  

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren