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Sonntag, 12 Juli 2015 01:02

Islamischer Lebensstil (53)

Islamischer Lebensstil (53)
  In diesem Teil sprechen  wir speziell über die  Erziehung in der Reifezeit. Die Kinder befinden sich in dieser Zeit  in einem empfindlichen Alter und es ist wichtig, dass die Eltern richtig mit ihnen umgehen.

Die Reifezeit ist ein Schicksal bestimmender Abschnitt für jeden.  Das heranwachsende Kind erfährt  rasche körperliche und seelische Veränderungen.  Es  bewegt sich zwischen der Kinder—und Erwachsenenwelt und begegnet daher den zahlreichen Unterschieden zwischen beiden Welten. In der Reifezeit sucht unser Kind nach seiner wahren Identität und nutzt jede Gelegenheit, um sich und seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. In dieser Zeit will es sich von der Abhängigkeit zur Familie freimachen und die Gesellschaft betreten.

                                        

Eltern dürfen ihre Kinder nicht mehr als üblich und nötig  von sich abhängig machen. Sie müssen   allmählich  die Grundlagen für ihre  Selbstständigkeit schaffen, damit sie schneller  und leichter auf eigenen Füßen stehen können.  Kinder werden zufrieden sein, wenn  ihre Eltern ihnen laufend eine angemessene  Eigenständigkeit erlauben. Ein heranwachsender Jugendlicher fühlt sich sicherer, wenn er in seiner Familie geschätzt und von ihr als  nützliches Mitglied betrachtet wird. Er betrachtet sich dann nicht mehr als minderwertig, weil er selber auch an seine eigenen Kräfte glaubt. Imam Ali sagt über die Vorteile des Selbstbewusstseins:

„Wer an das Gute in seiner Seele  und die Würde seines Selbst  glaubt, der wird sich nicht mit der Sünde erniedrigen.“

    Die Eltern müssen also darum bemüht sei, dass ihr heranwachsendes Kind Selbstvertrauen aufbaut und innerlich zufrieden ist. Dies trägt gemäß Psychologen erheblich zu einer Verbesserung der Beziehungen zwischen Eltern und Kindern  bei, besonders in deren Reifezeit.  Die Eltern sollen in ihrem Kind das Selbstwertgefühl steigern und ihre Fähigkeiten loben und unterstützen, allerdings ohne dabei zu übertreiben.

                      

Die Pubertätszeit ist die Übergangszeit von der Kindheit in das Erwachsenenalter und bei diesem Übergang versucht sich der Heranwachsende an die neuen Bedingungen anzupassen.  Inwieweit ihm das gelingt, hängt davon ab, wie gut er geistig-seelisch  auf diese Phase der Anpassung vorbereitet ist.

Die Verwandlungen, die das Kind im Reifealter emotional und sozial erfährt, sind durchaus spürbar.  Der Heranwachsende befolgt immer weniger das Beispiel der Eltern und  fühlt sich dafür umso mehr zu Freunden und Gleichaltrigen hingezogen.   Er will  beweisen, dass er selbstständig und frei ist.

Ein weiterer Aspekt der Reifezeit sind gesteigerte Gefühle. Der junge Mensch wird öfters mal aggressiv oder empfindet größere Ängste oder auch Resignation.  Weil diese Gefühlsextreme für unser Kind neu sind und es  teilweise nicht weiß,  wie  es diese zum Ausdruck bringen soll, legt es womöglich unübliches Verhalten an den Tag.  Oftmals kann der Heranwachsende seine Gefühle und sein Verhalten nicht richtig kontrollieren und handelt deswegen impulsiv und unüberlegt.

Aber die Psychologen sehen in der  Reifezeit eine Phase, die dazu dient, Erfahrungen für die soziale und emotionale  Selbständigkeit  zu sammeln. Wenn diese Phase zufriedenstellend verläuft, dann hat unser Kind  eine zufriedenstellende Zukunft in Aussicht. Anderenfalls  steigt allerdings das Risiko seiner  Gefährdung. Der Hang zur  Abweichung, Kriminalität und Sucht  nimmt meistens in der Reifezeit konkrete Formen an.

                                                                                            

Der Reifeprozess ist ein kurvenreicher Weg mit viel Auf und Ab.  Die Eltern sind ihren Kindern auf diesem Weg eine Stütze, wenn sie ihre  Gefühle und seelischen Bedürfnisse in dieser Phase beachten.   Das Kind hat im Reifealter bestimmte körperliche und seelische, geistige und religiöse Bedürfnisse.  Es hofft,  dass seine Eltern  diese erwidern.  Die religiöse Erziehung des Heranwachsenden  gehört zu den Dingen, die  in jeder religiösen Familie erforderlich wird und ist ein Bedürfnis.  Wir haben ja in vergangenen Teilen dieser Serie allgemein über das Thema Religionserziehung gesprochen. Aber an dieser Stelle sollten wir uns  die  Problematik der   religiösen Erziehung während der Reifezeit anschauen.

 

Wie Sie wissen, können die Entfaltung des religiösen Denkens und die Liebe zu moralischen Tugenden in der Reifezeit ihren Höhepunkt erreichen.  Es gibt eine Gruppe von Heranwachsenden die möchten, dass sich alle gut verhalten: sie selber und die anderen.  Sie halten sich von Sündigem fern. Die Grundlagen für Reinheit und Aufrichtigkeit sind tatsächlich in der Reifezeit auch sehr stark, aber zugleich tauchen in dieser Zeit auch  Zweifel an der Religion auf. Der heranwachsende Mensch hegt teilweise Skepsis an seinen bisherigen Überzeugungen und denen seiner Eltern.   Er will sicher sein, dass das, woran er bisher geglaubt hat, auch stimmt. Er will sich aufgrund von logischen Argumenten ein Urteil bilden. Überhaupt will er eine neue Einsicht in die Daseinswelt gewinnen.   Manchmal wagt  er sich jedoch nicht, Zweifelsfragen mit anderen zu besprechen, und gerade an diesem Punkt beginnen die Probleme. Der heranwachsende Jugendliche bleibt in den Zweifeln stecken  und sie  fassen in ihm Fuß.

Außerdem besteht die Gefahr, dass  er sich mit seinen Zweifelsfragen an unwissende oder ungeeignete Leute wendet, die ihn negativ beeinflussen.

 Eltern und Lehrer  spielen also eine wichtige Rolle dabei den Kindern im Reifealter eine Orientierungshilfe in Bezug auf  die   religiösen Grundsätze  und die  wünschenswerten moralischen Prinzipien zu geben.   Dies gelingt nur, wenn sie in freundschaftlicher Beziehung zu ihrem  heranwachsenden Kind stehen und sich ebenso auf  eine überzeugende Beweisführung stützen.  Die Heranwachsenden müssen mit den geeigneten Methoden zum Nachdenken vertraut werden.  Der Glaube an die religiösen Grundlagen und das monotheistische Tauhid-Weltbild muss ihnen aufgrund von rationalen Beweisen nahegebracht werden.  Wir können  geeignete Bücher vorschlagen,  in denen sie die Antworten auf ihre Zweifelsfragen finden.

Ausschlaggebend ist die Methodik. Religiöse Dinge sind auf eine Weise für Jugendliche  darzulegen, dass sie den Zusammenhang zwischen den religiösen Lehren und dem täglichen Leben sehen.  Heranwachsende sollen spüren, dass die Religiosität im Leben nützlich ist und ihre seelischen Bedürfnisse   erwidert werden, wenn sie die religiösen Lehren praktizieren.   Wenn die Einsicht in religiöse Fragen durch Erfahrung und Praxis untermauert wird, prägt sie sich in das junge Herz ein.  Dann entwickelt der Jugendliche  ein konkretes Gespür für Tugendhaftigkeit, Enthaltsamkeit, Anstand und Wahrhaftigkeit.

Durch die behutsame Lenkung der Eltern und Lehrer  gelangt der Heranwachsende an die Erkenntnis, dass die Religion  mit Vernunft und Wissen in Einklang steht.  Dann erkennt er auch, dass die Religion in unserer heutigen Welt der rasch voranschreitenden Wissenschaft und Technik kein Hindernis für den Fortschritt der Menschheit bedeutet und ihm wird klar,  dass sie im Gegenteil dazu sogar den Menschen anspornt, in der Wissenschaft Fortschritte zu machen.

 

Es ist Aufgabe der Eltern und Lehrer,  das Beten und Bittgebete  für die Jugendlichen attraktiv zu machen.  Zum Beispiel können sie davon sprechen, welche wissenschaftlichen und psychologischen Gründe es für das Bittgebet gibt  und wie sich das Beten positiv auf das Leben und  Handeln des Menschen  auswirkt.  Wir müssen dem Jugendlichen klarmachen, dass Bittgebete nicht  bedeuten soll, dass der Mensch untätig bleibt, sondern  dass Bittgebete im Gegenteil den Menschen optimistisch stimmen und dadurch  zum Handeln motivieren.

Jeder Mensch braucht eine unverwüstliche Stütze, bei der er jederzeit Zuflucht suchen kann.  Gottvertrauen macht den  heranwachsenden jungen Menschen innerlich fest und bewahrt ihn vor Anzweifelungen.  Auf diese Weise gewinnt er Selbstvertrauen und  erhält das Leben für ihn einen tieferen Sinn.

Die Rolle der Eltern, Erzieher und Lehrer besteht darin, die Kinder in der Reifephase von den oberflächlichen religiösen Gefühlen  zu einer Sichtweise zu verhelfen, die auf Vernunft und Nachdenken aufbaut. Dadurch verhelfen sie den Jugendlichen zu einer besseren Beziehung zu Gott, zu sich selber und zu den anderen.

 

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