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Dienstag, 07 Juli 2015 03:25

Islamischer Lebensstil (51)

Islamischer Lebensstil (51)
 Die religiöse Erziehung von Kindern ist gerade im heutigen Zeitalter ein sehr wichtiges Thema für muslimische Familien. Daher möchten wir uns auch in diesem Teil damit auseinandersetzen.

 

 Religiöses Verhalten geht aus einem religiösen Gefühl hervor und das religiöse Gefühl ist in dem Bedürfnis des Menschen nach Spiritualität und Vollkommenheit verankert. Dieses Bedürfnis  verursacht, dass der Mensch der Religion zugeneigt ist und das religiöse Gefühl weiterentwickelt. Heutzutage wird die wahre von Gott mitgegebene natürliche Veranlagung (die Fitra)  größtenteils außer Acht gelassen und es werden einige natürliche Bedürfnisse des Menschen, darunter seine spirituellen, vergessen.  Aber die Familie als erste Grundlage der religiösen Erziehung spielt eine entscheidende Rolle für die Beachtung der natürlichen spirituellen Neigungen des Menschen.  Der Aufbau der  religiösen Überzeugung des Menschen wird daher wesentlich in  der Familie bewirkt und zwar insbesondere in der Kindheit.

Die religiöse Entwicklung  vollzieht sich im Inneren des Menschen aufgrund der äußerer Faktoren. Ob sie erfolgreich verläuft, hängt direkt von der Erziehung in der Familie ab.  Das Interesse der Kinder an den religiösen Lehren wird durch geeignete elterliche  Erziehungsmethoden geweckt und gefördert.

Nach psychologischer Ansicht ist die Fitra des Menschen in seiner Kindheit noch frei von unerwünschten Verschmutzungen.  Das kindliche Herz steht für die Entfaltung des religiösen Gefühls und die Aufnahme von religiösen Überzeugungen  bereit. Es ist empfänglich für das Spirituelle und Moralische, was Eltern und Erzieher lehren.     

Der Grundstein für die ersten Überzeugungen  wird gemäß psychologischen Untersuchungen bei den ersten Erlebnissen und den ersten Gefühlen im Kind gelegt. Die ersten Erfahrungen und Gefühle sind am beständigsten.  Weil Kinder zuhause in der Familie ihre ersten religiösen Erfahrungen und Gefühle von den Eltern übernehmen, können diese am dauerhaftesten die religiösen Gefühle im Kind prägen.  Die Grundeinstellung des Kindes zu den religiösen Bräuchen und ihre Pflege entwickeln sich durch Beobachtung des religiösen Verhaltens der Eltern.

 

Einige Überzeugungen und Gefühle gehen in das Unterbewusstsein des Kindes über und prägen es. Psychologen sagen, dass Kinder und Heranwachsende noch mehr von den verborgenen Haltung der Eltern beeinflusst werden, als dass sie das äußere Verhalten ihrer Eltern nachahmen.  Es kann sein, dass Eltern religiöse Handlungen oberflächlich durchführen, ohne innerlich richtig überzeugt zu sein. Es ist klar, dass sie dadurch nur wenig zu der Entwicklung der religiösen Gefühle ihrer Kinder beitragen oder sie sogar negativ beeinflussen.

             

Der Grad der Empfänglichkeit für die Religion und den Glauben an die religiösen Werte ist je nach Alter verschieden und hängt auch von den seelischen Veränderungen ab.  Die richtige Kenntnis von den besonderen Merkmalen einer Altersstufe und den entsprechenden emotionellen Bedürfnissen von Kindern und Heranwachsenden helfen den Eltern dabei, die  Religiosität ihrer Sprösslinge zu formen.  Für  die religiösen Überzeugungen und ein intensiveres Interesse an den religiösen Lehren   muss an die inneren Bedürfnisse angeknüpft werden.  Eltern und Lehrer müssen entsprechend den Bedürfnissen des Kindes die religiöse Lehre vorstellen.  Gemäß psychologischer Erkenntnisse  entwickelt sich das  religiöse Empfinden in mehreren altersgemäßen Phasen: In der ersten Phase  ahmt das Kind die religiösen Handlungen  der Eltern äußerlich nach. Wenn die Eltern das Gebet verrichten, ahmt auch das Kind ihr Tun nach, ohne die Bedeutung zu kennen.  Das Kind steht zum Gebet, verbeugt sich und macht die Niederwerfung. Auch wenn dieses Nachahmen rein äußerlich ist, so hat es eine Wirkung auf die religiöse Einstellung des Kindes. Diese Phase beginnt normalerweise im Alter von 3 oder 4 Jahren und dauert bis zum 6. Lebensjahr.

             

Die zweite Phase im religiösen Erziehungsprozess betrifft die Altersstufe 6 bis 11. In dieser Phase werden die Kinder nach der  Nachahmung auch von den religiösen Gefühlen der Eltern beeinflusst und die emotionale Neigung zum Gott-Dienen nimmt Gestalt an.  Je tiefer die innere  Teilnahme der Eltern bei Durchführung der religiösen Pflichten ist und ihre religiösen Gefühle zeigt, desto feiner sind auch die religiösen Gefühle, die sich in der Seele des Kindes entwickeln, so dass es selber den Wunsch hegt, gottesdienstliche Handlungen wie das Fasten durchzuführen und wir aus seinem religiösen Verhalten seine Gefühle zu Gott herausspüren.  Diese edlen Gefühle   legen das Fundament  für die Verinnerlichung des Glaubens in den nächsten Phasen.

 

Die dritte Phase des Entfaltungsprozesses der religiösen Gefühle beginnt mit 11 Jahren und dauert circa bis zum 16. Lebensjahr.  In dieser Zeit fordert das heranwachsende Kind immer mehr Beweise und logische Argumente. In dieser Phase ist es für eine religiöse Lehre und religiöse Handlungen auf rationaler Basis empfänglich. Diese Phase im Alter von 11 bis 16 ist für die religiöse Erziehung besonders wichtig und es ist die Phase der Erkenntnis.  Die Psychologen sprechen von einer Phase der religiösen Entfaltung. In dieser Phase sind neben der gewonnenen Erkenntnis durch Beweise und Logik auch religiöse Gefühle und Erlebnisse vorhanden. Der Erfolg in dieser dritten und letzten Phase religiöser Erziehung hängt natürlich davon ab, inwieweit die vorherigen Phasen ihren natürlichen und richtigen Verlauf genommen haben.

 

Die Entwicklung der religiösen Wahrnehmung und ihre aufeinanderfolgenden Phasen zeugen davon, dass ein grundlegendes Bedürfnis nach der Religion in der Psyche und der Natur des Menschen vorhanden ist.  Wenn  günstige Erziehungsbedingungen hergestellt und vor allen Dingen, wenn Familie und Gesellschaft von den Gefahrenfaktoren für eine religiöse Erziehung frei gehalten werden, werden wir ohne weiteres beobachten wie sich das religiöse Empfinden auf schönste Weise unter den Heranwachsenden und Jugendlichen entfaltet. 

Angesichts der genannten Phasen ist darauf zu schließen, dass die religiöse Erziehung dem Alter und den emotionalen und geistigen Kräften des Kinder und Heranwachsenden  angepasst sein muss.

Abgesehen von der inneren Bereitschaft beim Kind gibt es noch zahlreiche weitere Faktoren, die bei der religiösen Erziehung eine Rolle spielen. Zum Beispiel die kindlichen Bedürfnisse. Der französische Psychologe Henri Wallon sagt: „Das Kind und der Heranwachsende achtet nur auf etwas, was seinen Wünschen und Verlangen entspricht.“ Es ist also notwendig, dass wir die Bedürfnisse des Kindes kennen.

Wenn wir einen Inhalt und eine erzieherische und moralische Botschaft an das Kind weitergeben wollen, muss ein inneres Bedürfnis beim Kind vorliegen. Nur so wird unsere Bemühung  etwas nützen. Zunächst ist also auf das innere Verlangen des Kinders und Jugendlichen zu achten oder dieses Verlangen und Interesse  muss durch entsprechende Bedingungen hervorgerufen werden.

Imam Ali (Friede sei mit ihm)  deutet in der Weisheit 193 im Nahdsch-ul Balagha auf einen sehr wichtigen Punkt hin:  Er sagt: „Wahrlich, die Herzen haben Neigungen und (die Möglichkeit) zum Nähern und zum Abkehren, so nähert euch ihnen an, während sie (im Zustand) der Neigungen und des Annäherns sind,  denn wenn das Herz zu etwas gezwungen wird, wird es blind.“

                    

Der iranische Denker Schahid Motahhari erläutert diese Worte Imam Alis (a) wie folgt:

„Der Geist bzw. das Herz des Menschen ermüdet ähnlich wie sein Körper. In dem Moment dürfen ihm keine komplizierten und schwierigen Gedanken aufgebürdet werden.  Vielmehr muss in diesem Moment das Herz durch Erfreuliches von der Ermüdung   befreit werden.“

 

Bei der religiösen Erziehung ist die Entfaltung des religiösen Empfindens gegenüber dem religiösen Wissen vorrangig zu behandeln.  Religiös erzogen bedeutet mit verinnerlichten Überzeugungen leben und nicht nur religiöses Wissen speichern.  Da die Religion den Menschen zur Vervollkommnung verhilft, wird das Aufzeigen der schönen Seiten der Religion im Kind und Heranwachsenden Freude, Hoffnung, Dynamik und fruchtbaren Ehrgeiz hervorrufen.

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