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Samstag, 04 Juli 2015 01:46

Islamischer Lebensstil (50)

Islamischer Lebensstil (50)
  Wir werden in Fortsetzung der letzten Beiträge  über die religiöse Erziehung im islamischen Lebensstil sprechen. 

Die Familie ist ohne Zweifel eine Gemeinschaft, in der Moralwerte, Glaubensüberzeugungen und Gesellschaftsnormen von den Eltern an deren Kindern weitergeben werden und  sie verschafft einen Raum für spirituelles und emotionales Wachstum. Demzufolge lässt sich behaupten,  dass die Familie ein hohes Potential für die religiöse Erziehung der Kinder besitzt.  Gemäß Psychologen  muss demzufolge die Familie der Neigung des Kindes zum Glauben und zur Spiritualität, welche übrigens in den ersten Lebensjahren  auftritt, eine besondere Aufmerksamkeit schenken. Manchmal vergessen Eltern und  Pädagogen, welche mit guten Absichten den Kindern die  Glaubenslehre beizubringen versuchen, jedoch, dass ihre Kenntnis über die geistigen und seelischen Zustände eines Kindes nicht ausreichen. Daher verletzten sie durch einige Fehler  Seele und der Geist des Kindes. In der Kindesphase müssen Glaubensüberzeugungen und religiöse Gefühle in einer warmen, vertrauten Atmosphäre und mit einer angemessenen Methode herangebildet werden, so dass die Sichtweise des Kindes  und im Endeffekt Verhalten und Moral des Kindes  positiv beeinflusst werden.

                                  

Das eigentliche Ziel des Glaubens, ist die Veredlung der Menschen und die Heranbildung ihrer  Empfindungen und Verhaltenweise sowohl  spirituell als auch moralisch. Die Eltern sind im Familienumfeld die ersten Vorbilder, so dass sich das Kind bei  ihnen, den Eltern, die moralischen und die religiösen Wertigkeiten und andere Lebenslehren aneignet. Deswegen sollten die Eltern anfangs selbst  der Inbegriff der moralischen Werte sein und in der Familie eine Atmosphäre für geistiges und ethisches Wachstum bereitstellen. Wenn die Erzieher der Kinder selbst praktizierende  Vorbilder  sind, wirkt sich dies sehr effektiv auf die Standhaftigkeit der Kinder in Bezug auf die Erfüllung von religiösen Pflichten aus.  Es ist so wie die Psychologen sagen: Das  „Erlernen durch Beobachtung“ ist die beste Methode für die Erziehung des Kindes . Imam Sadigh (Frieden sei auf ihm) sagt dazu: : “Mein Vater Imam Baghir (Frieden sei auf ihm) war sehr oft Gottes eingedenk. Während ich ihn beim Gehen begleitete, bemerkte ich, dass er Gottes gedachte (Dhikr). Ich habe ihn fast immer beim Dhikr gesehen, sogar wenn er mit anderen  redete. Wenn er mit anderen redete, konnte ihn dies nicht  dazu bringen, dass Gott ihm aus dem Sinn gerät. Mein Vater hat uns (Kinder) gewöhnlich vor Sonnenaufgang versammelt. Wer von uns  den Koran rezitieren konnte, dem empfahl er ihn zu rezitieren und wer von uns dies noch nicht konnte, dem empfahl er das Gedenken (Dhikr) an Gott.“

 Diese Überlieferung enthält zwei Aussagen: Erstens, dass Imam Baghir (Frieden sei auf ihn), als Vater selbst, ein aktives Vorbild ist für das beständige Gott-Eingedenk-Sein und seine Worte mit seinem Verhalten  übereinstimmten. Zweitens sollte man die Kinder nicht sich selbst überlassen. Vielmehr  sollte man  neben wohlbedachter Gewährung von Freiheit und unter  Berücksichtigung ihrer Selbständigkeit bei  angemessenen Gelegenheiten, den Raum für das geistige Wachstum der Kinder entstehen lassen. Außerdem sollte man auch mit den möglichen Mitteln die Motivation und Begeisterung für eine Beziehung zu Gott  stärken. Die religiöse Erziehung soll den Menschen dazu anregen, Gott anzubeten, so dass er erkennt, wie hilfreich die Religion für ihn im Leben ist.  Psychologen sagen, dass dieses Verlangen nach der Religion, wenn es sich im Menschen  entfaltet, von sich aus eine erzieherische Wirkung auf  Gefühle, Verhalten und Gesinnung hat.  Die Kunst des Erziehers im Bereich der geistigen Wahrnehmungsentwicklung des Kindes besteht darin,  dass er die kindliche Neugier und das Verlangen nach der Wahrheit über das Schöne der Religion und der Religiosität steigert.  Zum Erreichen dieses Zieles sollte man jede aufgezwungene Anweisung,  und sofortige Übertragung einer religiösen Angelegenheit  ohne vorherige Bereitschaft des Kindes vermeiden.

Der Weg des religiösen Erziehens und Lehrens ist mit dem Weg zu einem Berggipfel vergleichbar, auf dem es Höhen und Tiefen gibt.   Wenn der Mensch diesen Weg verlässt, ist er gezwungen ein Stück zurückzugehen. Er sollte ihn daher unermüdlich fortsetzen.

Beständigkeit und Geduld waren die Grundprinzipien der Propheten und Gottesfreunde zur Realisierung der wahren religiösen Erziehung. Diese großen Persönlichkeiten, sprachen die Fitra, das innere Wesen der Menschen an,  denn die religiösen Dinge und die göttlichen Lehren stehen in Bezug mit diesem unversehrten inneren Wesen des Menschen. Der notwendige Raum für die Annahme der Wahrheiten wird nicht  mit Zwang und Drohung, sondern vielmehr mit Milde, Toleranz und Beständigkeit geschaffen.

                                     

 Einer der Schäden der religiösen Erziehung in den Familien ist, dass sie sich nur mit oberflächlichen und vorübergehenden Methoden abfinden. Aber für den Erfolg auf diesem Weg ist es notwendig, die religiöse Erziehung des Kindes so lange fortzusetzen, bis sie sich  im Gedanken, Charakter und Wesen des Kindes einprägt. Diese effektive Methode ist nichts anderes als die Verinnerlichung der religiösen Lehren,  mit der man im Kindesalter anfangen sollte, damit sie durch geeignete  Verfahrensweise und laufende  Beobachtung zum Ergebnis kommen kann. Wenn die islamischen Lehren die Durchführung und Achtung der  religiösen Verpflichtungen bereits für das Kindesalter empfehlen, soll es dazu dienen, allmählich von deren äußeren Gestalt zu ihrem tiefen Inhalt zu gelangen.  Wenn die religiöse Erziehung jedoch nicht kontinuierlich geschieht, werden die Bemühungen umsonst sein. Der Reihe nach sollten religiöse Lehren stufenweise fortgesetzt werden, sodass im Wesen und Charakter der Kinder verankert werden.

 

Doktor Abdulazim Karimi,  iranischer Psychologe, sagt: Einer  der schädlichen Faktoren, welche die religiöse Erziehung behindern, ist Strenge und das Erzwingen von   schwierigen  Regelausführungen. In Wirklichkeit empfehlen wir deshalb ein   mildes und tolerantes Vorgehen hinsichtlich des Religionsverständnisses und der Religionsausübung, damit die Kinder ihre Eltern nicht für streng halten, sondern sehen dass sie ihnen mit Toleranz in der Erziehung entgegenkommen. Sicherlich bedeutet dieses Entgegenkommen  nicht, dass man dem Kind alles leichtsinnig erlaubt und in allen Dingen sofort nachgibt. Es bedeutet vielmehr, dass wir, indem wir ausgeglichen bleiben und  Extreme (wie Übertreibung und Untertreibung) vermeiden, effektive Schritte für die religiöse Erziehung unserer Kinder unternehmen.“

 

Die behutsame und liebevolle Empfehlung zur Durchführung der religiösen Pflichten bewirkt allmählich,  dass die Kinder sich an religiöse Handlungen  gewöhnen und ihnen diese Freude bereiten. Erfolgreiche Eltern schaffen einerseits eine schöne Atmosphäre  für die Durchführung der  religiösen Verpflichtungen und andererseits bemühen sie sich um ein größeres Religionsverständnis der Kinder. Gegen  die Gewöhnung der Kinder an die Erfüllung mancher religiöser Verpflichtungen ist also nichts einzuwenden,  wenn gleichzeitig ihre religiösen Empfindungen  und Kenntnisse gefördert werden.  Wollte man den Kindern angewöhnen zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Umfang etwas zu lesen, würde es ja auch nicht bedeuten,  dass man nicht auf den Inhalt des Gelesenen achtet.  In Wirklichkeit, werden in jedem Bereich durch den Aufbau der Verhaltensgewohnheiten, darunter auch die Gewöhnung an Erfüllung von  religiösen Pflichten,  die Hindernisse für den Handlungswillen  beseitigt und die Fortsetzung dieser Pflichten gewährleistet.  

 Ein wichtiger weiterer Punkt in der religiösen Erziehung, ist die Hervorrufung des Wunsches beim Kind, mehr über die Religion zu erfahren,   so dass die religiöse Erziehung im Verlauf ihrer selbst das Kind auf die Religionslehre vorbereitet.  Deswegen sollten wir immer auf die physische, psychische, emotionale und vernunftmäßige  Bereitschaft des Kindes achten und den Raum für die Aufnahme und Akzeptanz der religiösen und geistigen Lehren im Kind aufbauen. Wenn wir zum Beispiel, jemanden, der völlig satt ist, die besten und schmackhaftesten Speisen vorsetzen,  wird er trotzdem kein Verlangen danach verspüren und sollten wir ihn beharrlich dazu auffordern, führt es  außerdem noch dazu, dass er diese Speisen verabscheut. Denn er besitzt nicht die notwendige innere Bereitschaft. Jedoch eine Person, die hungrig ist, muss nicht erst beharrlich von jemanden zum Essen aufgefordert werden, selbst wenn die Speise nur schlicht und simpel ist. Solange der Mensch nicht durstig ist, trinkt er selbst das reinste Wasser nicht. Der bekannte iranische Dichter Moulawi (Rumi) hat in diesem Zusammenhang, ein berühmtes Gedicht geschrieben, welches er für diejenigen erstellte, die nach der Wahrheit suchen. Er empfiehlt ihnen: „Verlange nicht und fordere nicht viel nach Wasser, gelange eher an Durst.“  

Wir sollten also bei der religiösen Erziehung im Inneren der Kinder und Jugendlichen eine Motivation entstehen lassen, sodass ihr Herz darauf vorbreitet ist, das Saatgut des Glaubens in sich aufzunehmen und reifen zu lassen.

 

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