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Dienstag, 30 Juni 2015 01:25

Islamischer Lebensstil (49)

Islamischer Lebensstil (49)
Wir möchten das Thema  religiöse Kindererziehung eröffnen. Zu diesem Zweck sollten  wir erst auf drei verschiedene Arten der Erziehung hinweisen, nämlich eine zu  strenge bzw. umgekehrt eine zu  lockere Erziehung oder eine Erziehungsalternative, die zwischen den beiden Extremen liegt.

 

In  einigen  Familien wird die Autorität der Eltern überbetont und es herrschen strenge unabänderliche Regeln.  Dabei hat nur eine Person in der Familie zu sagen.  Meistens ist es der Vater, aber manchmal auch die Mutter. In den strengen Familien gibt es keine Extrarechte für Kinder.  Die Eltern zwingen aufgrund eigener Meinung  den Kindern auf, wie alles zu sein hat.  Kinder, die in strengen Familien aufwachsen, sind nach Ansicht von Pädagogen normalerweise gegenüber den Eltern sehr gefügig und gehorsam, aber aggressionsgeladen.  Sie sind bei  ihren Spielkameraden nicht beliebt, weil sie die Rechte der anderen nicht beachten. Sie sind emotional nicht ausgeglichen und sind verstockt gegenüber der Kritik der Erwachsenen.

                

Kinder von strengen Eltern können sich  normalerweise nicht in eine Gruppe einordnen und sind auch nicht an den Anschluss an eine Gruppe interessiert. Sie sind wenig selbständig und entwickeln weniger Kreativität. Anscheinend haben sie sich den Eltern unterworfen, dies belastet sie aber seelisch. Sie passen  sich ihren Eltern an und reagieren anderen gegenüber unbewusst mit Ablehnung. Sie reagieren sich bei Gleichaltrigen oder kleineren Kindern ab.

 

Das andere Extrem sind Familien,  die ihren Kindern alles erlauben. In solchen Familien kann jeder tun und lassen was er will. Keiner lässt sich von den anderen daran hindern.  Die Befürworter einer solchen   antiautoritären Erziehung sind der Ansicht, dass  Kinder gemäß ihren Neigungen handeln   und jegliche  Einschränkung  zu Minderwertigkeitskomplexen führt.  Ihrer Ansicht geht jeder Wunsch aus einem inneren Bedürfnis hervor, welches bei der ersten Gelegenheit gestillt werden  muss.  Die Neigungen und Wünsche des Kindes sind nach dieser Auffassung die beste Richtschnur für die Herstellung von körperlicher und seelischer Gesundheit.  Es wird auch nicht darauf geachtet, dem Kind ein soziales Verhalten beizubringen. Die Eltern mischen sich nicht ein.

Natürlich hat auch eine extreme lockere  Erziehung negative Folgen. Verhaltensforscher sagen dass die Leichtfertigkeit der Eltern und die uneingeschränkte Freiheit der Kinder zu einem Chaos in den Beziehungen im Familienleben führen.  Leute, die ihren Neigungen gehorchen, bewegen sich  in einer unrealistischen Welt und entfernt von der konkreten Realität des Lebens. Die Kinder werden zügel- und ziellos und verspüren keine Verantwortung gegenüber anderen.  Daher können sie auch keine konstruktiven   Beziehungen zu den anderen herstellen. Auch wenn Kinder aus solchen Familien selbständig denken und handeln,  so ist doch wegen der chaotischen Beziehungen auch eine Art seelisches Ungleichgewicht zu beobachten, welches zu einem gegen die üblichen Regeln verstoßendes Verhalten im privaten und Gesellschafsleben führt.

 

Die dritte Alternative gegenüber einer autoritären bzw. anti-autoritären Erziehung  ist rationaler und ausgeglichener. Durch geeignete Grundsätze werden ausgeglichene  Verhältnisse geschaffen. Die Eltern  beaufsichtigen direkt oder indirekt das Verhalten der Kinder, achten aber zugleich  darauf, dass die  geistige Freiheit und Selbständigkeit des Kindes bewahrt wird. Die religiöse Erziehung ist ein Beispiel für diese Art von Erziehung. Die Lehren der Islamischen Texte rufen uns zur Ausgewogenheit in den Beziehungen zwischen den Mitgliedern der Familie insbesondere in den Eltern-Kinder-Beziehungen auf.  Gemäß Islam sind  Kinder ein göttliches Treuhandgut und  sind die Eltern für die Wahrung ihrer Gesundheit und Gewährleistung ihrer charakterlichen Entfaltung, Erziehung und ihr Wohl verantwortlich.

Die Eltern sind nicht berechtig durch unangemessene Strenge, das Kind an seiner geistig-seelischen Entfaltung und Vervollkommnung  zu hindern, weil es  dadurch  eventuell in  falsche Bahnen gerät.  Sie dürfen die Kinder auch nicht völlig sich selbst überlassen und ihnen alles erlauben und so locker mit ihnen umgehen, dass sie tun und lassen können was sie nur wollen.

Gott spricht in der Sure Tahrim (   66   ) im Vers 6:  „O ihr, die ihr glaubt, rettet euch und die Euren vor einem Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind!“

 

Koranexegeten sagen, dass der Schutz unserer Lieben  vor dem Höllenbrand durch eine gute Kindererziehung in einem gesunden Zuhause  möglich wird. Dafür ist es nötig für die einzelnen Erziehungsphasen der Kinder zu planen.  Wenn die Kinder sich selbst überlassen werden, so besteht die Gefahr, dass  sie  automatisch zur Abweichung von den moralischen Werten verleitet werden.  Und wenn wir zu streng mit ihnen verfahren, so dass sie sich völlig in ihrer Freiheit beschränkt und unterdrückt fühlen, dann werden sie einmal gegen die Eltern rebellieren.  Durch eine geeignete Beaufsichtigung, die mit der kindlichen  Seele und Psyche  harmoniert und Schaffung einer liebevollen und freundlichen Atmosphäre in der Familie, lassen sich unsere Kinder,  diese göttlichen Treuhandgüter, erfolgreich großziehen und charakterlich  formen.

Bei der religiösen Erziehung  sind besonders die kindliche Natur und die natürlichen Bedürfnissen des Kindes zu beachten. Die natürliche Veranlagung (die Fitra) ist die beste innere Quelle der Erziehung. Die Fitra  ist eine Schatzkammer der guten Eigenschaften. Die Grundlagen für eine gute  Erziehung sind damit in Wahrheit von Gott dem menschlichen Wesen wie ein Pfand  mitgegeben worden. Wenn die Hindernisse für die religiöse Erziehung beiseite  und ihre Wachstumsfaktoren bereit gestellt werden, wird sich die Essenz der Menschlichkeit voll  entfalten können. 

 

Kinder sind von Natur aus gottgläubig  und sie neigen von Natur aus zum Guten. Bewusste Eltern müssen den natürlichen guten Werten im Kind zur Entfaltung verhelfen und sie dürfen sich bei der religiösen Erziehung nicht nur auf einige äußere Bräuche und Fragen beschränken.  Da die religiöse Erziehung sich auf eine Serie von inneren und natürlichen Haltungen bezieht, müssen wir die innere Motivation und die spirituellen und religiöse Kräfte  im Kind zum Gedeihen bringen.

 

Bei  der islamischen Erziehung wird die Erreichung einer religiösen Erkenntnis als wichtiger Punkt ins Auge gefasst. Prophet Mohammad (Friede sei ihm und seinem Hause)  hat bei  seiner Verkündigung  die potentielle Fähigkeit zur Erkenntnis und Weitsicht  unterstrichen. Imam Ali (a)  hat es als eines der Ziele der Propheten bezeichnet, die verborgenen spirituellen Kräfte des Menschen zu aktivieren. Er sagt: „Die Propheten sind gekommen) um die verborgenen Gedanken des Menschen zum Sprühen zu bringen.“

Der iranische Denker Motahhari sagt: „Die Religion beruht im Kern darin, das Innere und das Herz des Menschen mit dem Licht des Glaubens und der Gnostik zu erhellen und mit  Erziehung ist gemeint, die inneren Kräfte, welche potentiell im Menschen existieren, zum Gedeihen zu bringen. “

Hiermit ist klargeworden, dass sich die Erziehung nach der Fitra – der natürliche Veranlagung des Menschen -  ausrichten muss.  Dies haben auch westliche Denker gesagt, wie Jean Piaget, der bekannte Schweizer Psychologe. Für ihn ist es das Grundziel der Lehre und Erziehung, die menschliche Persönlichkeit vollständig zur Entfaltung zu bringen und er sagt:

„In der Seele der Menschen liegen kostbare Schätze, die nur entdeckt und hervorgeholt  werden müssen.“

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