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Montag, 15 Juni 2015 04:34

Islamischer Lebensstil (46)

Islamischer Lebensstil (46)
Wir möchten ab diesem Teil von den Beziehungen zwischen Eltern und Kindern gemäß einem islamischen Lebensstil sprechen. Wir beginnen mit einer Begebenheit aus dem Leben von Sokrates. Es heißt, dass er vor seiner Verurteilung gefragt wurde, was sein größter Wunsch sei.

 

 Er antwortete: „Mein größter Wunsch ist, vom  höchsten Punkt in Athen aus dem Volk zuzurufen:  Freunde! Warum verbringt ihr eifrig und gierig die wertvollsten Jahre eures Lebens damit, Reichtum anzuhäufen, ohne richtig um die Lehre und Erziehung eurer Kinder, nämlich die Erben  eures Reichtums bemüht zu sein?“

Viele Pädagogen und Gelehrten sind davon überzeugt, dass die ersten Lebensjahre die beste Zeit ist,  Kindern etwas beizubringen. Jedes Kind besitzt eine Reihe von Begabungen und was es im Kindesalter lernt und erlebt,  wirkt sich entschieden auf seine Persönlichkeitsbildung aus.  Der österreichische Psychologe Alfred Adler, ist der Überzeugung, dass allgemein in den ersten 4 bis 5 Jahre des Menschen, seine Art,  sein Verhalten und seiner besonderer Lebensstil geprägt werden , um dann im Groben bis an sein Lebensende bestehen zu bleiben.

Angesichts der erleichterten Lernsituation und des großen Einflusses des in der Kindheit Erlernten auf die Zukunft des Menschen und seine Bereitschaft für die Entfaltung  sollte man auf keinen Fall die  ersten Jahre eines Kindes unbeachtet lassen.

                

Die Erziehung der Kinder ist schon immer eine wichtige Angelegenheit für den Menschen und für die Großen der Menschheit gewesen. Gott hat im Heiligen Koran sehr viel über die Erziehung des Menschen gesagt und geeignete Wege vorgeschlagen.  Die Erziehung des Kindes ist eine der wichtigsten Aufgaben, die als erstes den Eltern und dann den Lehrern und weiteren Erziehern obliegt.  Zweifelsohne beginnt jeder konstruktive Wandel einer Gesellschaft bei der Kindererziehung.  Wenn schlechte Kinder als Erwachsene die Gesellschaft betreten, werden sie diese mit ihrem schlechten Verhalten negativ beeinflussen.  Oftmals ist Fehlverhalten entweder auf eine falsche Erziehung zurückzuführen oder auf Versäumnis und Leichtfertigkeit der Eltern.  Die Familie spielt als Fundament der Erziehung eine bedeutende Rolle für die Heranformung des Kindes, denn sie  ist der erste Ort des Lernens und viele Fertigkeiten für die Herstellung von Beziehungen erlernt der Mensch in den ersten Jahren seines Lebens in der Familie. Die Familie spielt eine große Rolle bei der moralischen Entwicklung.

    

Gott leitet den Vers 6 der Koransure Sure Tahrim (66) wie folgt ein:

„O ihr, die ihr glaubt, rettet euch und die Euren vor einem Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind, …“

In dieser Koranstelle empfiehlt Gott, der Allweise, den gläubigen Eltern, dass sie auf sich und ihre Kinder achten sollen. Das ist eine Empfehlung, die die Erziehung betrifft und alle Familienmitglieder angeht. Aber was ist Erziehung eigentlich?

Verhaltensexperten sagen,  Erziehung  bedeute, Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen und  vorhandene Kapazitäten zu aktivieren. Eltern, die ja als Erste mit der Kindererziehung zu tun haben, müssen also aufgrund der inneren und natürlichen Bedürfnisse des Kindes planen und den Erziehungsprozess vornehmen.

                  

Bei der Erziehung ist es sehr wichtig, zum richtigen Zeitpunkt zu handeln. Deshalb empfehlen  Erziehungspsychologen, nichts bei der Kindererziehung zu überstürzen und ebenso wenig etwas zu verzögern oder zu versäumen.  Denn beides kann zu Verhaltensstörungen führen.

 

 Die Tugenden eines Menschen sind wie Perlen in einer Muschel.  Wenn die Muschel zu früh aufgebrochen wird, wird die Perle unvollkommen sein. Das Wachstum und Gedeihen eines Kindes ist einer natürlichen Ordnung unterworfen und muss allmählich erfolgen. Weder kann man  den Erziehungsprozess  gewaltsam beschleunigen noch eine Wachstumsphase außer Acht lassen. Wer versucht eine Abkürzung in der Erziehung zu nehmen, wird dadurch negative Folgen auslösen.

Es mag heutzutage schwierig sein, sich Zeit für die Kinder zu nehmen. Wichtig ist aber nicht unbedingt, wieviel Zeit man aufbringt, sondern wie man die Zeit,  die für die Erziehung zur Verfügung steht, nutzt und gestaltet. Eltern können jede Gelegenheit, selbst wenn sie nur ein paar Minuten lang ist, nutzen, um mit ihrem Kind zu sprechen, oder seine Fragen zu beantworten, um es zu liebkosen und mit ihm zu spielen; um sich ein Bild anzuschauen, das es gemalt hat usw. Wichtig ist,  dass wir im Laufe des Tages immer wieder unserem Kind für einige Augenblicke Aufmerksamkeit  schenken. Eltern können vom Arbeitsplatz aus mit ihren Kindern telefonieren. Sie können innerhalb der Woche eine bestimmte Zeit für eine Beschäftigung festlegen, welche die Kinder lieben, wie Radfahren, ein Besuch im Park oder ein Kinobesuch oder ein gemeinsames Essen im Restaurant oder der Imbissstube.  Natürlich muss man darauf achten, dass Kinder unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen haben.  Fünfjährige haben an anderen Dingen Spaß als Siebzehnjährige und die Interessen von Jungen und Mädchen sind unterschiedlicher Art. Wir müssen also bei mehreren Kindern, für jedes ein besonderes Programm ins Auge fassen.

Für Kinder ist in den ersten Jahren sehr vieles interessant und schön. Sie sind leicht zum Lachen zu bringen und leicht zu beeinflussen.  Kleine Kinder wollen alles wissen. Sie verspüren die Gefühle welche die Eltern ihnen gegenüber hegen. Wenn Eltern oder andere in ihrer Umgebung etwas Negatives oder Positives über sie sagen, bleibt es ihnen in der Erinnerung.  Je mehr positive Äußerungen  sie hören, desto einfacher wird es sein, ihre Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen.

Die gewünschte und gesunde Entfaltung von Kindern   hängt also von der konstruktiven Beziehung der Eltern zu ihnen ab. Es wird für uns leichter sein, eine gesunde Persönlichkeitsentfaltung des Kindes zu erreichen, wenn wir uns ausreichend über die Grundsätze der Psychologie im Zusammenhang mit der Eltern-Kind-Beziehung informiert haben. 

Ebenso wird es durch eine positive Einstellung zum Kind für  Eltern leichter,  eine erzieherische Wirkung auszuüben.  Wenn wir Eltern unser Kind als ein Geschenk und Treuhandgut Gottes betrachten und ungeachtet seiner Verhaltensfehler als einen Menschen mit zahlreichen potentiellen Fähigkeiten akzeptieren, werden  wir ihm die Möglichkeit geben, sich zu behaupten  und seine Gefühle zu äußern.  Die positive Einstellung zum Kind lässt auch die Grundlage für  gezielte Liebesbeweise an das Kind entstehen.  Die Familie muss Zentrum für Liebe, Aufmerksamkeit und Achtung sein, damit das Kind infolge der Liebe, die es von den Eltern erfährt, sich diese zum Vorbild nimmt.

Ein wichtiger Weg zur Verhütung von Kriminaltaten, besteht in der gesunden sozialen  Entfaltung der Menschen und der Anhebung des religiösen und sozialen Kulturniveaus.  Dieser konstruktive Aufbau  geht auch auf das Familienmilieu, welches die erste gesellschaftliche Umgebung für den Menschen ist, zurück. Die Eltern können also, indem sie ihre Kinder die Einhaltung der guten Gesellschaftssitten lehren und sie dazu anspornen und durch Gewährleistung ihrer psychischen Gesundheit, ebenso wie durch Stärkung ihrer sozialen Fertigkeiten, ihres Selbstvertrauens und des Verantwortungsgefühls, den größten Beitrag  zur Verhütung von Kriminalität in der Gesellschaft leisten.

 Die Einstellung und das Verhalten der Eltern kann  die Entfaltung eines Kindes erleichtern bzw. behindern.  Strenge Eltern verhindern, dass ihre Sprösslinge eine konstruktive Beziehung zu Gleichaltrigen herstellen, welche für ihre Selbstständigkeit von großem Nutzen wäre. Aber ausgeglichene Eltern  werden  ihren Kindern besonders in der Reifezeit Sicherheit bieten. Sie unterstützen ihre Kinder bei der Lösung von Schwierigkeiten und spornen sie zugleich dazu an selbstständig zu entscheiden und zu handeln und Aufgaben zu übernehmen.

Darüber mehr im nächsten Teil.  

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