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Samstag, 10 Mai 2014 13:20

Islamischer Lebensstil (4)

Islamischer Lebensstil (4)
Sie erinnern sich an unsere bisherigen Ausführungen und dass wir sagten, dass der Lebensstil des Einzelnen und einer Gesellschaft auf Ansichten und Überzeugungen zurückgeht. 

Die Ziele, die der Mensch im Leben anstrebt, hängen davon ab, wie er das Leben interpretiert.  Wenn seine Lebenausschauung materialistisch geprägt ist, wird er mehr oder weniger den optimalen Genuss des materiellen Leben anstreben und einen entsprechenden Lebensstil aufweisen, und wenn er eine religiöse Lebensanschauung besitzt, wird er andere Ziele und einen anderen Lebensstil haben. Die Lebensanschauung bestimmt über die Lebensziele.

Bevor wir uns also näher mit dem religiösen und islamischen Lebensstil und den damit verbundenen Pflichten des Einzelnen und der Gesellschaft auseinandersetzen, müssen wir die islamische Sichtweise zum Leben, Menschen und Dasein betrachten. Dadurch werden wir auch mit dem Lebensziel und dem hohen Platz des Menschen in dieser monotheistischen Weltanschaung vertraut.

Wir haben schon einige Andeutungen zu diesem Thema gemacht und von der Zentralität Gottes im Islamischen Leben und dem engen Bezug zwischen dem diesseitigen Leben und dem Hiernach gesprochen.  Wir sagten auch, dass der Islam in seiner Weltanschauung den Menschen lehrt, dass einerseits seine Existenz völlig von Gott abhängig und andererseits sein Leben nicht auf das irdische Dasein beschränkt ist. Die Beziehung des Menschen zu seinem Ursprung und zu der jenseitigen Zukunft ist damit klargestellt und der Mensch soll den Zusammenhang zwischen dem vorläufigen diesseitigen und dem ewigen jenseitigen leben nicht aus den Augen verlieren. Gemäß Islam ist das irdische Leben ein Mittel und die Vorstufe, durch die ein glückliches Ewiges Leben erreicht wird. Daher muss das diesseitige Leben richtig genutzt werden.  

Die Einstellung zum Dasein und Leben wirkt sich erheblich auf den Lebensstil der Menschen aus. Jeder hat ein besonderes Bild vom Dasein und wählt dementsprechend  seine Ziele und Wege durchs Leben. Das gilt auch für die Kenntnis vom Islamischen Daseinsbild.  Je mehr die Kenntnis des Einzelnen oder der Gesellschaft den Lehren des Islams entspricht und  Bestimmungen und Gesetze sich nach diesen Lehren richten, desto mehr wird der Lebensstil islamisch sein. Der islamische Lebensstil wird von dem Vertrauen in das Verborgene Wissen und dem Glauben an die Einheit Gottes, sowie an die Propheten und das Jenseits,  und den hohen Rang des Menschen in der Daseinswelt  und vielen anderen  Dingen, die der Islam lehrt, geprägt wie zum Beispiel , dass Gott gemäß Seines Wortes die Daseinswelt in den Dienst des Menschen gestellt hat und dass er, der Mensch, sich durch Gott-Dienen  vervollkommnen soll.

Wenn wir an dieser Stelle ansetzen,  werden uns die unterschiedlichen Folgen  des religiösen und des säkularen Denkens auf den Lebensstil klar.  Es ist typisch für den säkularen Lebensstil, dass die Religion zu einer persönlichen Geschmackssache herabgesetzt und dass sie aus allen Lebensbereichen  als  Kriterium der Bewertung ausgeschaltet wird.

Beim säkularen Denken ist nicht mehr Gott, sondern der Mensch Mittelpunkt .  Diese Denkweise kommt im Humanismus zum Tragen.

Der Dogmatismus der Kirchenväter hatte zur Folge, dass man im Westen  im Humanismus Zuflucht vor  deren strengen Lehren suchte. Dabei haben einige westliche Denker vollständig die religiösen Lehren abgelehnt und den Menschen von dem christlichen Denken und Glauben abgetrennt und den Intellekt anstelle der Religion gesetzt.  Unterdessen ist der Verstand aber bei vielen Fragen gar nicht in der Lage sie zu beantworten.  Jedenfalls hat man den Menschen im Humanismus dermaßen überbewertet, dass seine Eigenschaft als Gottesdiener geleugnet wurde.  Gemäß dem Humanismus ist der Mensch Dreh- und Angelpunkt aller Wahrheiten und Werte. Er ist ein selbstbezogenes Wesen, das nur hinsichtlich seiner Menschenwürde Verantwortung trägt  und dem es gestattet ist zur Erreichung  seiner Interessen alles so zu nutzen wie er das möchte.  Über immer gibt es keine höhere Instanz.

Der Humanismus lehnt jeden methapysischen Gedanken wie zum Beispiel die Überzeugung von göttlichen Offenbarungen und Religionen himmlischer Herkunft ab und betrachtet den Menschen als den Alleinherscher über die Natur. Die wichtigste Grundlage für das Menschenbild ist im Humanismus der Verstand. Durch ihn wird die Religion Gottes ersetzt und die Religiosität aus der Mitte des Lebens an den Rand gedrängt. Im humanistischen Denken,  liegt des Endziel des Menschen

im idealen weltlichen Leben. Gemäß dieser Denkweise besteht das Lebensziel im Streben nach Genuss und Gewinn und eigennützigen Gebrauch der Gaben, die Gott in die Natur gelegt hat, unter Einsatz aller Mittel. Der westliche Lebensstil entstand  auf einer solchen Denkgrundlage auf. 

Die westlichen Kolonialmächte konnten in ihrer über zwei Jahrhunderte andauernden Herrschaft über islamische Länder bis zu einem gewissen Grade den muslimischen Ländern ihren Lebensstil aufzwingen und dadurch zahlreiche Misslagen  hervorrufen. Der iranische Denker Rahimpour Azghadi sagt:

„Der liberaldemokratische Westen hat den islamischen Ländern vor allen Dingen das säkulare Denken im Sinne von der  Beseitigung der Religion aus dem allgemeinen Bereich  der Gesellschaft beschert.  Die Ereignisse  die sich in den letzten 200 Jahren im Westen abgespielt haben und deren Auswirkungen auch die Islamische Welt erreichten, gingen alle von diesem Denken aus. Der Westen gelangte sehr rasch zu dem Resultat, dass er zur Wahrung seiner Politik und Macht seinen Lebensstil übertragen muss und dafür setzte er alle Mittel insbesonders die Mittel der Kunst ein.“

Herr Rahmipour Azghadi verweist  auf die Methoden des Westens bei der Verbreitung des säkularen Lebensstils und sagt:

„Sie haben über die Medien Diskussionen entfacht. Durch Filme und Fernsehserien über die Beziehungen zwischen Eheleuten, die Art des gesellschaftlichen Umgangs und der zivilen und familiären Verhältnisse allmählich einen Stil für uns konstruiert. In diesen 150 Jahren haben die Muslime leider die Fähigkeit,  ihren eigenen Lebensstil zu formen,  fast aus der Hand gegeben – ganz  im Gegensatz zu der Ära, in der die Islamische Zivilisation Ausgangspunkt eines Lebensstils  für die ganze Welt war.  Im Laufe der letzten  150 Jahren sind die Muslime immer schwächer geworden bis Anfang des 20. Jahrhunderts die ganze Islamische Welt mehr oder weniger unter die Kontrolle des Westens und der westlichen Armee geraten war.“   

 

Ein Grund für die Verbreitung des westlichen Lebensstils unter den Muslimen ist in dem wissenschaftlichen und industriellen Fortschritt in Europa und Amerika zu sehen. Der Westen stellt ein weiterentwickeltes Leben vor. Er hat mit seinen verschiedenen Erfolgen in Wirtschaft und Wissenschaft die Menschen und Gesellschaften in seinen Bann gezogen.  Seine Erfolge haben in vielen die Vorstellung hervorgerufen, der Lebensstil in westlichen Gesellschaften sei besser als ihr eigener.

Das Ziel ,dass der Mensch gemäß säkularem Denken anstreben soll, ist der höchstmöglichste materielle Genuss und nicht mehr. Höchste Ziele sind daher für den  materiell orientierten Menschen  Konsum, Wohlstand und Gewinn.  Das gute Wirtschaftsleben ist  am wichtigsten und richtungsgebend.  Aus westlicher Sicht soll der Mensch nach größerem Gewinn und Vorteil streben. Tut er das nicht, so hat er sein Ziel verfehlt und wenn er dieses Ziel anstrebt, muss er jeden Störfaktor aus dem Weg räumen.  Der Mensch hat einen Verstand, mit dessen Hilfe er an den optimalen Lebensgenuss gelangen kann.

 

Natürlich hat man durch Schätzung des Intellekts  wertvolle Errungenschaften erzielt. Da aber die göttliche Offenbarung und das religiöse Wissen links liegen gelassen wurden, ist man zahlreichen Probleme begegnet.

Der islamische Lebensstil lehnt sowohl die Ignoranz gegenüber der Offenbarung als auch die Ignoranz gegenüber Vernunft und Erfahrungen ab.   Erst zusammen mit dem Offenbarungswissen wird es dem Menschen durch  Vernunft und Erfahrungen möglich, wahres Glück zu erreichen.

Dr. Rafii, ein iranischer Universitätsdozent, sagt dazu: „Zur Erzielung eines vollständigen Wissens über den Lebensstil, müssen wir alle diese Quellen nutzen und aus ihnen ein harmonisches Ergebnis gewinnen.  Mit einer systmatischen wissenschaftlichen Anstrengung sollten wir in der Lage sein, die Botschaften über die Übereinstimmung zwischen Vernunft und Offenbarung aufzudecken. Dann werden wir in allen Bereichen, darunter auch im Bereich des Lebensstils, eine Islamische Theorie erzielen.“

Westlich geprägtes Leben ist eine Leben ohne Religiosität, und ein solches Leben ohne Beachtung Gottes und der Spiritualität bringt aufrichtige  Liebe im Privat- und Gesellschaftsleben zum Verblassen.  Das säkulare Denken sieht in der Religion nur eine von vielen Erscheinungen in der Gesellschaft. Das heißt, die Religion ist nicht richtungsbestimmend für die gesellschaftlichen Erscheinungen, ist weder ihre Grundlage  noch ihr Ziel . Die Religion darf im Säkularismus nicht mehr erklären, wie der Mensch in der Gesellschaft - im Wirtschaftsleben und der Politik, in den Medien, der Familie und an der Uni usw. handeln soll, sondern ihre Funktion wird  auf den Privatbereich reduziert.  Es ist also nicht mehr die Religion, die dem Leben einen Sinn gibt.  Die Entfremdung von Gott ist daher die Ursache für viele Probleme im Westen.  Revolutionsoberhaupt Ajatollah Khamenei sagt dazu:

„Die Zuwendung und Liebe zu Gott verleiht dem Leben Sinn und füllt die geistig-seelischen Lücken aus. Sie bringt auf jeder Arena menschlichen Lebens den Erfolg . Der Grund weshalb in Ländern wie den USA  selbst Geld, Militärmacht und Wissenschaft nicht zum Glück und zur geistig-seelischen Sicherheit und Ruhe führen konnten, ist eben diese Entfremdung von Gott und der Spiritualität.“

 

 

 

 

 

 

 

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