Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Mittwoch, 18 November 2015 03:05

Die Tragödie in Mina aus der Sicht der Menschenrechte (2)

Die Tragödie in Mina aus der Sicht der Menschenrechte (2)
Die Tragödie von Mina und der Tod von beinahe 8000 Muslimen war sehr schmerzlich für die Islamische Welt. Viele Juristen und Bürger muslimischer Länder haben eine gerichtliche Untersuchung zu diesem Unglück verlangt und gefordert, dass das saudi-arabische Regime seine internationalen Verpflichtungen anerkennt.

 

Saudi Arabien ist Gastgeber der Pilger zu dem großen Hadsch-Treffen und muss alle Dienstleistungen für die Hadschpilger erbringen und Vorkehrungen treffen, damit die Pilger, die aus allen Richtungen zur Durchführung  ihrer Hadsch-Pflicht an die Heiligen Städten in Mekka und Medina kommen, gesund bleiben.

Gemäß internationalen Bestimmungen muss das Regime in Riad wegen Verletzung der Menschenrechte der Pilger zum Hause Gottes Rede und Antwort stehen.

Die Regierung der Saudis hat gemäß internationalen Bestimmungen durch Ausstellung eines Einreisevisums für die Pilger die Pflicht übernommen, für die Rechte der Gäste aus dem Ausland, unter anderem das Recht auf Leben, zu garantieren.

Das Recht der Hadschpilger auf Gesundheit und den Zugang zu medizinischer Versorgung ist, wie wir schon sagten, auch in Mina verletzt worden.

Der arabische Staat hätte sofort nach dem Unglück mit der Bergung der Verletzten beginnen müssen. Aber wie Augenzeugen schilderten,  hat das Regime von Riad auch  diese menschliche Pflicht versäumt. Viele verletzte Pilger, die rechtzeitige Hilfe brauchten, sind verdurstet. Obwohl die Rettungskräfte der Saudis nicht genügend Erfahrung zeigten, wie sie die krisenhaften Zustände  bewältigen sollten, haben die Saudis die Hilfen der  Rettungskräfte von anderen Ländern  verhindert und auf diese Weise das Ausmaß der Tragödie vergrößert.

Ein selbstverständliches Menschenrecht ist das Recht auf Trinkwasser.

Im Artikel 25 der Internationalen Menschenrechtserklärung steht:

Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen …

Die Würde des Menschen verlangt, dass die Mindestbedingungen für seinen Leben hergestellt werden und das Recht auf Trinkwasser wird zu den wirtschaftlichen und sozialen Rechten des Menschen gezählt.

Im Artikel 11 des internationalen Paktes für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte wird ebenso auf dieses Recht jedes Menschen hingewiesen.

Wie Augenzeugen berichten, sind viele verletzte Hadschspilger an Durst und wegen der großen Hitze und dem Mangel an Sauerstoff gestorben. Einige Überlebende berichten von den Qualen, die die Verletzten unter der heißen Sonne erlitten. Der  Durst war so unerträglich, dass einige das Bewusstsein verloren.  Unterdessen hätten die Sicherheit- und Rettungskräfte der Saudis problemlos die Verletzten mit Trinkwasser versorgen oder sie mit Wasser besprengen können. 

In der Nähe des Unfallortes gab es eine Feuerwehrstelle, an der es Wasser gab. Oder die Hubschrauber, die das Unglücksgebiet überflogen hätten Wasser auf die Verletzten sprühen können.

Aber keiner dieser Maßnahmen erfolgten um das Verdursten der verletzten Pilger zu verhindern.

Man sollte wissen, dass die Pflicht der Staaten bezüglich der zweiten Generation von Menschenrechte, wie zum Beispiel das Recht auf medizinische Versorgung, Gesundheit und Trinkwasser die Regierungen dazu verpflichten  mit den Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen , diese Rechte zu erfüllen.

Es ist lebenswichtig für den Menschen, Flüssigkeiten zu sich zu nehmen und wenn der Mensch seinen Bedarf an Trinkwasser und Flüssigkeiten nicht decken kann, verdurstet er.  Deshalb hätte die saudische Regierung alles daransetzen müssen, den Verletzten am Unfallort Wasser zukommen zulassen um ihr Leid zu lindern.

Ein weiteres Menschenrecht galt für die Hadsch-Pilger, nämlich  das jedes erniedrigende Verhalten, und Folter  zu unterlassen sind.

Im Artikel 7 des internationalen Paktes für die politischen und bürgerlichen Rechte  von 1966 heißt es: „Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“

Und außerdem darf aufgrund Artikel 5 der internationalen Menschenrechtserklärung und Artikel 20 der Islamischen Menschenrechtserklärung niemand körperlich oder seelisch gefoltert werden.

Laut Artikel 1 der UN-Anti-Folterkonvention, gilt der Begriff Folter für „jede Handlung, durch die einer Person vorsätzlich große körperliche oder seelische Schmerzen oder Leiden zugefügt werden, wenn diese Schmerzen oder Leiden von einem Angehörigen des öffentlichen Dienstes oder einer anderen in amtlicher Eigenschaft handelnden Person, auf deren Veranlassung oder mit deren ausdrücklichem oder stillschweigendem Einverständnis verursacht werden.“ 

 

 

Ist es keine Folter, wenn man Menschen unter schwersten Bedingungen bis an die Grenze zum Tod, sich selber überlässt und ihnen kein Wasser zum Trinken gibt?

Einige Augenzeugen berichten, dass man die Körper von Personen, die noch am Leben waren, in die Kühlcontainer mit den Leichen brachte, ohne sie auf Lebenszeichen zu untersuchen.   Gemäß diesen Augenzeugenaussagen, atmeten einige von ihnen noch und waren nur bewusstlos geworden.

Ist es keine Folter zwischen Leichen zu liegen und auf den eigenen Tod zu warten? Liegt in einem solchen Fall keine Missachtung der Menschenwürde vor? 

 

Aus dem Verbot der Diskriminierung  gehen Pflichten für die Staaten hervor.  Gemäß den erschütternden Augenzeugenberichten  wurden aber Verletzte  

aus bestimmten Ländern, absichtlich einfach liegen gelassen wurden, bis sie starben  und wenn sie protestierten, sind sie  beleidigend behandelt worden.

Die Achtung von Leichen und der Würde des Menschen gehört ebenso zu den Menschenrechten der Hadschpilger.

 

 Im Artikel 2 der Islamischen Menschenrechtserklärung von 1990 heißt es unter anderem: „Das Recht auf körperliche Unversehrtheit wird garantiert. Jeder Staat ist verpflichtet, dieses Recht zu schützen,“

 

Aber Saudi Arabien hat sich selbst nach  dem Tod der Hadschpilger nicht richtig verhalten. Erst  viele Stunden   nach dem Unglück wurden die letzten Leichen vom Unglücksort weggebracht.  Sie blieben trotz der großen Hitze eine lange Zeit auf den Straßen übereinander liegen, was ihre Verwesung beschleunigte. 

Man hat die Leichen auf Bahren gelegt und weil die Lastwagen mit denen die Leichen abtransportiert wurden, nicht die notwendigen Normen erfüllten, haben sie die Bahren mit den Toten in die Lastwagen hochgehievt.

Die Zahl der Toten überstieg die Kapazität der geeigneten Leichenhallen in Mekka Dschidda und Taif.

Ein Teil der Leichen wurde also  nicht unter geeigneten Bedingungen aufbewahrt worden. Und sogar die Gesichter der Toten haben Veränderungen erfahren .

Gemäß Artikel 36 des Wiener Übereinkommen  von 1963, über konsularische Beziehungen,  haben die Konsularbeamten des Entsendestaats das Recht mit Angehörigen des Entsendestaats in dem Empfangsstaates zu verkehren und sie aufzusuchen. Ebenso wie die Angehörigen des Entsendestaates mit den Konsularbeamten ihres Staates verkehren und sie aufsuchen können.  Laut Artikel 37 dieser Konvention  muss der Empfangsstaat beim Tod von Angehörigen des Entsendestaates, dies unverzüglich dem Konsulat des Entsendungsstaates mitteilen.

Nachdem die Nachricht über das tragische Ereignis in Mina im Internet verbreitet wurde, waren viele Angehörigen der Hadschpilger in Sorge.  Aber das saudische Regime beging größere Verzögerungen hinsichtlich der Informationsübermittlung an die  muslimischen Staaten und machte keine genauen Angaben über die Toten und Verletzten.

Außerdem hätte das saudische Regime die notwendigen Schritte zur Untersuchung der Angelegenheiten vornehmen müssen, damit die Leichen der Hadsch-Pilger sobald wie möglich in ihre Heimatländer überführt werden.  Aber sie haben in den ersten Tagen nach dem Unglück keine schnelle und verantwortungsbewusste Mitarbeit diesbezüglich  geleistet.

 

 

 Die vorliegenden Dokumente und die Zeugenaussagen zeigen, dass nicht die notwendigen Maßnahmen zur Verhütung des Unglücks ergriffen wurden und dass noch nicht einmal Maßnahmen zur Verminderung der Verluste während der Tragödie erfolgten. 

Wenn den Verletzten rechtzeitig geholfen worden wäre, wäre es wahrscheinlich niemals zu dieser hohen Opferzahl gekommen. Einer der Augenzeugen berichtet; „Die Pilger starben einer nach der anderen, ohne dass die Saudis etwas unternahmen. Dabei hätten sie automatisch alles für ihre Behandlung und Rettung Nötige tun müssen. Sie hätten den Weg öffnen können. Die 10 möglichen Fluchtwege waren versperrt. Und an den Seiten standen Zelte von Pilgern aus anderen Länder. Hätte man die Fluchtwege geöffnet, dann hätten die verletzten Pilger aus dem Gebiet herausgebracht werden können.  

Zwischen den Zelten standen andere Pilger und warteten darauf, dass den verletzten Pilgern geholfen wird. Aber wegen dem Vorgehen der saudischen Kräfte geschah nichts und die Fluchtwege wurden nicht geöffnet.“

Hätten die saudischen Kräfte Verantwortung verspürt  und die Polizei informiert, hätte diese mit Rettungshubschraubern Wasser über die Verletzten sprühen können. Das Versäumnis hinsichtlich der Rettung der Verletzten zeigt, dass diese Kräfte jedoch keine Verantwortung verspürten und am Tod der Pilger mitschuldig sind.

Es  werden immer noch einige Personen vermisst, darunter iranische Amtsträger wie der ehemalige Botschafter Irans in Libanon, Rokn Abadi. Dazu ist zu sagen, dass ein Land gemäß internationalem Gesetz hinsichtlich des Schicksals jeder Person, die eingereist ist, Auskunft geben muss.  Saudi Arabien muss also klarstellen, was mit diesen verschollenen Pilgern geschehen ist. 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren