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Dienstag, 04 August 2015 17:12

Menschenrechte im Islam

Menschenrechte im Islam
  Am Mittwoch, dem 5. August ist  der Tag der Islamischen Menschenrechte und Menschenwürde. An diesem Tag haben 1990  die Mitgliedsländer der OIC – damals noch Organisation der Islamischen Konferenz – heute Organisation  für Islamische Zusammenarbeit – die Islamischen Menschenrechte bekanntgegeben.

Die UNO-Charta für Menschenrechte stimmt zum großen Teil mit  natürlichen Prinzipien und mit der natürlichen Veranlagung (Fitra) des Menschen ein und in dieser Beziehung deckt sie sich auch mit dem  Geist der Islamischen Menschenrechte. Es gibt aber auch einige umstrittene  Grundsätze in der UN-Menschenrechtscharta, die aus dem Säkularismus und nicht-religiösen Denken  hervorgehen.   Deshalb hat  eine Gruppe von Denkern der Islamischen Welt ein Dokument zusammengestellt, welches frei von den Unzulänglichkeiten in der internationalen Menschenrechtserklärung ist. 

Das Ergebnis dieser gemeinsamen Anstrengung der islamischen Länder war die Verabschiedung der Islamischen Menschenrechtserklärung, auch Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam genannt. Die Erklärung wurde am 5. August 1990 in Kairo auf der 19. Außenministersitzung der Mitgliedsländer der OIC gebilligt.

Sie bestätigt wie die Erklärung der UNO  viele Freiheitsrechte darunter politische und soziale Freiheit als Rechte des Menschen. Sie erklärt es zur Pflicht der Regierungen und Gesellschaft einen Lebensraum zu schaffen, in denen diese Rechte gewährleistet werden.

Der wichtigste Mangel an der internationalen Menschenrechtserklärung und anderen internationalen Urkunden zu diesem Thema besteht darin, dass diese Menschenrechte  ein Produkt der westlichen Kultur sind. Sie wurden im Laufe der kulturellen Wandlungen im Westen zurechtgeschliffen und sind Teil dieser Kultur geworden.

Die Erklärung der Menschenrechte im Islam und die internationale Menschenrechtserklärung sind in vielen Dingen sehr ähnlich, doch gibt es auch wesentliche Unterschiede zwischen ihnen.

 

Die Meinung der  muslimischen und westlichen Denker ist   in Bezug auf die Menschenrechte teilweise sehr unterschiedlich.   

Aus westlicher Sicht ist es nur der menschliche Verstand, der   die Menschenrechte bestimmt. Die Rechte des Menschen sind also säkulare Rechte und stehen in keiner Beziehung zu  Gott und seiner Religion und  Offenbarung. Aber  aus Islamischer Sicht ist der Mensch erstens ein Wesen, das von Gott abhängig und von ihm erschaffen worden ist. Er ist also nicht unabhängig von Gott. Die Existenz des Menschen geht vom Allmächtigen aus und  der Mensch kann diesen Ursprung nicht ignorieren.

Zweitens unterliegt der Mensch der Herrschaft Gottes. Seine Angelegenheiten liegen in der Hand Gottes.

Daraus ergibt sich also eine grundsätzlich ein anderer Ansatz für die Formulierung von Gesetz und  Gesetzgebung.  Für die westlichen Denker ist ein Gesetz gültig, welches den Wünschen des Menschen und dem Gedanken entspricht, dass der Mensch die zentrale Position einnimmt.  Daher hängt für sie auch die Gültigkeit des Gesetzes von der Meinung und den Wünschen der Menschen ab. Aber aus der Sicht des Islams ist ein Gesetz gültig und richtig, welches uns durch die Offenbarung seitens Gott mitgeteilt wurde, denn dieses Gesetz des Schöpfers gereicht in Wahrheit erst den Menschen zum Wohl.

Die islamische Sichtweise betont also im Gegensatz zu den westlichen Denkern, der den Mensch unabhängig von Gott sieht, die Fügung des Menschen in die Gebote Gottes. 

 

Kurzum: Das islamische Denken basiert darauf, dass die Quelle der Gesetzgebung und der Maßstab für die Gültigkeit von gesetzlichen Bestimmungen die Zentralität des Glaubens an den Einen Gott ist. Aber im westlichen Denken spielt   der Mensch mit seinen individuellen Wünschen die zentrale Rolle.                             

Die Menschenrechte  werden im Westen nur im Rahmen des weltlichen Lebens gesehen und das Ewige Leben im Jenseits wird außer Acht gelassen. Aber islamisch gesehen, ist das Leben des Menschen nicht auf das irdische Dasein beschränkt und besteht ein Zusammenhang zwischen den Rechten des Menschen und dem Jenseits. Die Menschenrechte sind nicht nur auf das weltliche beschränkt, vielmehr wird der  enge Zusammenhang zwischen  Diesseits und Jenseits gesehen. Laut  Religion Gottes ist das Diesseits  der Acker für das Jenseits. Die Beachtung der islamischen Menschenrechte wird nach dem irdischen Leben belohnt.  

 

Gemäß westlicher Philosophie soll das Recht  den  Einzelnen gegenüber dem Unrecht der Regierung und anderen schützen. Dabei finden die  Rechte des Einzelnen öfters mehr Beachtung als das Wohl der Gemeinschaft. Soziale und familiäre Beziehungen werden hierbei eher als Fesseln betrachtet, von denen sich der einzelne frei machen muss .

Aber aus islamischer Sicht soll das Gesetz, sowohl die Rechte des einzelnen als auch der Gemeinschaft gewährleisten. Es soll göttliche und soziale Gerechtigkeit herstellen und dazu dienen, dass der Mensch spirituell in Gottes Nähe gelangt.

Die unterschiedliche gedankliche Ausgangsbasis hat also  zu  elementaren Unterschieden zwischen der Menschenrechtserklärung der Muslime und der UNO geführt. 

                                

Die Islamische Menschenrechtserklärung berücksichtigt Punkte, die  von der Menschenrechtserklärung der UNO außer Acht gelassen wurden. Sie unterstützt Rechte, die zweifelsohne zu den selbstverständlichen Rechten des Menschen gehören, auf die die UNO jedoch nicht eingegangen ist.   Dadurch erweist sich die Kairoer Erklärung als eine neue Initiative und demonstriert den Wert der Menschenrechte aus der Sicht des Islams.  

Zum Beispiel erklärt die Islamische Menschenrechtserklärung  die Kolonialisierung für verboten und erkennt das Recht auf ihre Bekämpfung für alle Menschen an.  Sie untersagt offen den Kolonialismus in jeder Form, weil er eine der schlimmsten Formen der Versklavung darstellt.  Diese Menschenrechtserklärung erklärt es zum Recht für alle Völker die unter der Kolonialisierung leiden, sich aus ihr zu befreien und selber über ihr Schicksal zu bestimmen. Sie erklärt es zur Pflicht aller Regierungen und Völker den Opfern der Kolonialisierung Hilfe zu leisten, damit dieses verheerende Phänomen beseitigt wird.

 

Die Kairoer Menschenrechtserklärung hebt auch das Recht auf ein Leben in einer sauberen  und von moralischer Verderbnis reinen Umgebung hervor.  Außerdem wird in dieser Erklärung die Regierungsmacht als ein Pfand beschrieben, welches dem Herrscher oder den Herrschenden anvertraut wurde, und es wird verworfen,  dass  Regierungen ihre Position als Treuhänder der Macht ausnutzen.  Also sind laut der Islamischen Menschenrechtserklärung die  Diktatur und jeglicher weiterer Missbrauch der Macht ein Verrat an der Treuhänderschaft und  untersagt. Der Treuhänder der Macht verliert  aufgrund eines solchen  Verrates  seine Legitimität.  Im Artikel 23 der Kairoer Erklärung für die Menschenrechte im Islam heißt es:

„Autorität bedeutet Verantwortung; es ist deshalb absolut verboten, Autorität zu missbrauchen oder böswillig auszunutzen. Nur so können die grundlegenden Menschenrechte garantiert werden.“

                                      

Der Westen versucht unter Missachtung der Überzeugungen in den Kulturen anderer Länder, darunter den muslimischen Ländern, der ganzen Welt die liberalen säkularen Werte, die in seinen Gesellschaften gelten, aufzuzwingen, zum Beispiel  in Form der Menschenrechte. Daher gilt  der Tag der Islamischen Menschenrechte und der menschlichen Würde als Wahrzeichen für den Widerstand der islamischen Länder gegenüber dieser Maßlosigkeit und der kulturellen und politischen Hegemonie des Westens.

 

Mit der Islamischen Menschenrechtserklärung will die Islamische Weltgemeinschaft auf internationaler Ebene ihre islamische Identität und die Standpunkte dieser Gottesreligion hinsichtlich der Menschenrechte kundgeben. Deshalb bietet der 5. August eine Gelegenheit, die  Menschenrechte gemäß Islam vorzustellen und zu erklären und auf diese Weise  den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen den Völkern zu erleichtern.

  Durch Ernennung eines Tages zum Tag der Islamischen Menschenrechte und der Menschenwürde wird die Absicht verfolgt, die Kultur und menschenrechtlichen Werte des Islams in die Diskussion der Völkergemeinschaft über die Menschenrechte einzubringen .Die islamische Kultur und Werte und die Rolle der Religion bei der Bereicherung der Menschenrechte soll durch diesen Tag  auf Weltebene mehr Beachtung finden. Die Völkergemeinschaft soll auf den Zusammenhang zwischen Islam und den Menschenrechten aufmerksam gemacht werden und es sollen Wege zur Darlegung der grundsätzlichen Menschenrechte und menschlichen Freiheiten aus religiöser Sicht geebnet werden.

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