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Mittwoch, 06 Mai 2015 02:59

Appell zum Nachdenken (4)

Appell zum Nachdenken  (4)
  Ajatollah Khamenei hat in seinem offenen Brief an die jungen Menschen im Westen gesagt, dass die Hervorrufung von Hass und dunkler Angst vor dem Anderen  die Grundlage für den Westen bot, um rücksichtslos nach eigenen Vorteilen zu suchen.

Er schreibt. „Nun möchte ich, dass ihr euch selber fragt, warum diesmal die alte Politik der Angstmache und Verbreitung von Hass in einem derartig beispiellosen Ausmaß den Islam und die Muslime ins Visier genommen hat?

Warum ist das internationale Machtsystem von heute bestrebt, das islamische Denken an den Rand und in die Passivität zu drängen? Welche Sinngebungen und Werte gibt es denn beim Islam, die dem Konzept der Großmächte in die Quere kommen, und welche Interessen werden durch die falsche Darstellung des Islams denn gedeckt?“

 

Zu Beginn des Islams waren zwei Gruppen am meisten gegen den Islam:  Die eine Gruppe von Islamgegnern bestand aus denjenigen, die  sich wegen ihres Reichtums an ein Wohlleben und zweifelhafte  Vergnügungen gewöhnt  hatten.  Die andere Gruppe von Islamgegnern war politisch motiviert. Es waren Leute, die  in der vorislamischen Zeit Macht und  eine  gesellschaftliche Position besessen hatten.

Welche Lehren und Werte enthält nun der Islam,  dass er damals wie heute von den Mächtigen  angegriffen und abgelehnt wird.

Diese Frage möchten wir in diesem Beitrag aus der Reihe Appell zum Nachdenken näher betrachten.

                                  

Die Islamische Weltanschauung geht von dem Prinzip des Tauhid – der Einheit Gottes aus – Sie baut auf dem Gedanken auf, dass es nur den Einen Gott gibt, der Allweise ist und die Welt erschaffen hat. In zahlreichen Koranversen heißt es, dass sich alles auf Erden und in den Himmeln auf Gott zubewegt. Die Welt ist nicht ziellos erschaffen worden sondern ihr weiser Schöpfer hat mit der Schöpfung ein Ziel verfolgt. Demgemäß dient   auch die Erschaffung des Menschen  einem Ziel. Der Mensch gilt als ewiges Wesen, und wird nach dem Tod in eine andere  Welt gebracht, das ewige Jenseits, wo er  für seine irdischen Taten belohnt bzw. bestraft wird.

 

Gemäß Islamischer Anschauung ist der Allmächtige, Allweise und Allbarmherzige zentraler Mittelpunkt des Daseins,  Er hat den Menschen erschaffen, damit er den Gipfel der Vollkommenheit anstrebt und erreicht. Unter allen Kreaturen ist nur der Mensch es würdig auf Erden Gottes Statthalter zu   sein. Der Mensch genießt also ein sehr hohes Ansehen und wegen dieser  Würde hat Gott der Höchsterhabene, seine Engel angewiesen, dass sie sich vor der Größe des Menschen niederwerfen.  Der Koran lehrt uns, dass der Geist des Menschen (Ruh)  die eigentliche Identität des Menschen ist und ewig lebt.  Es hängt von den  Taten des Menschen in dieser materiellen Welt ab, ob er in der kommenden Welt ewiges Glück oder ewiges Unglück erleben wird. Weil der Mensch Entscheidungsfreiheit besitzt, ist er auch selber für sein Schicksal verantwortlich.

 

 

Ziel  der Erschaffung des Menschen ist die Vervollkommnung. Dies ist aber nur möglich wenn er  selber Entscheidungen treffen und Verantwortungen übernehmen kann. Im Heiligen Koran steht, dass Gott das Schicksal eines Volkes nicht ändert, solange sich dieses Volk nicht selber ändert. Der Mensch im islamischen Weltbild  ist also nicht passiv sondern aktiv.  

                      

Einige Religionen und Denkschulen trennen zwischen dem privaten und dem gesellschaftlichen Wohl und  ihre Anhänger bleiben gegenüber dem passiv, was sich in der Gesellschaft politisch  vonstattengeht oder an gesellschaftlichen Ereignissen eintritt.  Einige Lehrschulen beachten nicht alle Aspekte des Menschseins. Zum Beispiel ist für sie  die Verrichtung von Gebetszeremonien und Gottesdienst die einzige Verpflichtung des Menschen gegenüber Gott.

Gemäß der  jüngsten und letzten Gottesreligion, dem Islam, bringt der vollkommene Mensch alle Aspekte seines Wesens zur Entfaltung.  Der Islam legt ein Konzept  für die Heranbildung eines solchen Menschen unter Nutzung von Verstand und Offenbarung vor.  In diesem Konzept werden alle Seiten des menschlichen Lebens,  die individuellen und sozialen, die weltlichen und die jenseitigen, die materiellen und die immateriellen beachtet.

Die Religionen göttlicher Herkunft laden  die Menschen zur Anbetung des Einen Gottes und zur Gott-Dienstbarkeit ein und außerdem  unterbreiten sie Gebote für die Moral und für die Selbstveredlung.

Aber sie halten auch Gebote und Anweisungen für das Regieren,  die Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Jurisprudenz und ähnliches bereit.

Zu den islamischen Lehrsätzen für die Gesellschaft, die ausdrücklich im Heiligen Koran und in den Überlieferungen der Reinen (aus dem Hause des Propheten) hervorgehoben werden, zählt  das Gebot, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren.

Es ist eine der wichtigsten Grundlagen für das politische Denken eines Muslims. Dieses Gebot bedeutet,  die anderen zu guten Werken aufzurufen und sie von schlechten Taten abzuhalten. Seine Beachtung ist eine Pflicht für die Muslime, wobei besondere Bedingungen eingehalten werden müssen.

 

Die  Verantwortung eines jeden Muslims hinsichtlich des Schicksals seiner Gesellschaft, erfordert, dass er nicht gleichgültig gegenüber den Ereignissen und Zuständen in  Umgebung bleibt.

 

Der Heilige Koran sagt über die Vorzüge der Gläubigen im Vers 110 der Sure 3:

„Ihr seid die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand. Ihr gebietet das, was rechtens ist, und ihr verbietet das Unrecht, und ihr glaubt an Allah.“ 

 

Und im Vers 104 derselben Sure heißt es: „Und aus euch soll eine Gemeinde werden, die zum Guten einlädt und das gebietet, was rechtens ist, und das Unrecht verbietet; und diese sind die Erfolgreichen.“

Imam Sadiq (a.s.) hat gesagt:“Immer wenn jemand Verwerfliches sieht und dagegen protestieren kann, aber es nicht tut, möchte er im Grunde, dass gegen Gottes Gebot verstoßen gibt. Wenn aber  jemand möchte, dass gegen Gottes Gebot verstoßen wird,  hat er sich zur Feindschaft gegen Gott erhoben!“

 

Ein Handeln nach dem Gebot das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren, wird darin bestehen, dass ein Muslim nicht gegenüber dem Hässlichen und Unrechten schweigt .Von diesem Gebot sind auch nicht die Herrscher und Regierungen ausgeschlossen, mit anderen Worten wird ein Mensch der islamische Erziehung erfahren hat, nicht gegenüber den Fehlern und Vergehen der Herrscher schweigen.

 

Imam Ali (a) sieht in der Nicht-Beachtung des Gebotes, das Gute zu empfehlen und das Schlechte zu verwehren den Grund für den Untergang der Zivilisation. Er mahnt: „Stellt das Gebieten des Guten und Verhindern des Schlechten nicht ein, denn dann werden die Übeltäter die Oberhand über euch gewinnen.“

                            

Eine der islamischen Lehren, welchen ebenso wenig wie das Gebot das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren, den arroganten Mächten gefällt ist der Kampf gegen Unrecht und Unterdrückung.

Der Islam nennt es eine unverzeihliche Sünde die Geschöpfe Gottes ungerecht zu behandeln. Es ist ein Haq un Nas – ein  Recht der Mitmenschen, ihnen kein  Unrecht anzutun. Wahre Gläubige achten darauf, nur ja nicht das Haq un Nas zu verletzen und niemandem ein Unrecht anzutun. Ein solches Unrecht kann schon darin bestehen, grundlos jemandem gegenüber das Gesicht zu verziehen.  Gott erwartet von einem gläubigen Menschen, dass er nicht nur selber einem anderen kein Unrecht antut, sondern auch nicht schweigt, wenn anderen ein Unrecht angetan wird und vielmehr  dagegen vorgeht.

Im Koran stehen zahlreiche Verse, die die Muslime zum Kampf gegen Unrecht und für die die Herstellung der Gerechtigkeit auffordern. In der Sure 4 heißt es: im Vers 75:

„Und was ist mit euch, daß ihr nicht für Allahs Sache kämpft und für die (Rettung )der Schwachen - Männer, Frauen und Kinder -, die sagen: `Unser Herr, führe uns heraus aus dieser Stadt, deren Bewohner ungerecht sind, und gib uns von Dir einen Beschützer, und gib uns von Dir einen Helfer.`"

Der Islam lehrt aber auch, dass niemand sich einem Unrecht beugen soll. Der Unterdrückte darf sich nicht mit dem Unrecht zufriedengeben und muss sich dagegen wehren und die anderen Gläubigen um Hilfe bitten. Genauso wie es etwas Schlechtes ist, Unrecht zuzufügen ist es auch im Islam etwas schlechtes sich einem  Unrecht zu beugen. Gemäß Vers 279 der Sure 2: sollen die Muslime weder Unrecht tun, noch Unrecht dulden.

                              

Der Mensch lehnt aufgrund der ihm von Gott gegebenen Natur Unrecht und Ungerechtigkeit ab. Aber  dieser Aspekt der Menschlichkeit tritt nur im Handeln zum Vorschein, wenn der Mensch  auf der von Gott gewollten Bahn bleibt. Der Kampf gegen Unrecht mag schwierig erscheinen, denn der Mensch kann bei der Bekämpfung von ungerechten Herrschern und Regimes sogar sein Leben und das Leben seiner Lieben in Gefahr bringen. Dies kann jemanden, der materiell zum Leben eingestellt ist,  von diesem gerechten Kampf abbringen.

Aber der Islam  kann mit seinen progressiven Werten und Lehren, Menschen hervorbringen, die den Geist des Widerstandes gegenüber den Abweichungen und der Ungerechtigkeiten  bei sich selber und bei den anderen am Leben erhalten, um auf diese Weise das Wohl des Diesseits und des Jenseits zu erzielen. Dies ist etwas völlig anderes als das sich die arroganten Herrscher wünschen. Sie möchten nämlich passive Menschen, die sich unterdrücken lassen  und nicht bereit sich  zu wehren  und den hohen Stellenwert des Menschen nicht kennt. Gerade an diesem Punkt setzt die Feindschaft der arroganten Mächte an.

                

Revolutionsoberhaupt  Ajatollah Khamenei hat in einer seiner Ansprachen in diesem Zusammenhang gesagt:

„Die Muslime haben die besondere Eigenschaft, dass sie die Bewegung der Welt durch ihren Willen beeinflussen und zwar wegen der leuchtenden Gebote des Islams und wohl auch wegen der Gesinnung und der Haltung, die der Islam den Muslimen verleiht, wie die Ablehnung des Unrechtes und die Unversöhnlichkeit mit dem Schlechten und Verdorbenen; wie das Gebot, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren…. Dies ist die besondere Eigenschaft der Muslime.  Die  Imperialisten sind über eine solche Eigenschaft verärgert und besorgt.“ 

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