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Mittwoch, 10 Dezember 2014 10:47

Konsens über die IS in der Al Azhar

Konsens über die IS in der Al Azhar
In diesem  Beitrag geht es um  einen Kongress, der vor kurzem an der ägyptischen Al-Azhar-Universität  im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Terrorismus und Extremismus stattfand. 

Am 1. Dezember trafen 700 islamische Denker und Persönlichkeiten von anderen Himmelsreligionen  in der Al Azhar Universität in Kairo zusammen. Sie kamen aus 120 verschiedenen Ländern und folgten der Einladung des Scheich Al Azhar, um sich über den Kampf gegen Terrorismus und Extremismus auszutauschen. um sich über den Terrorismus und den Extremismus auszutauschen. Die Konferenz stand unter dem Motto: Kampf gegen den Terrorismus und Extremismus  und die Betonung der Rolle der Religionsgelehrten und -Institute gegenüber destruktiven Denkweisen.

  Die Al-Azhar –Universität ist das größte wissenschaftliche Zentrum der Sunniten in der Islamischen Welt.  Auch die iranische Stadt Qum, das größte schiitische Theologiezentrum der Islamischen Welt  war vor  weniger als einem Monat Gastgeber eines internationalen Kongresses unter dem Titel „extremistische und takfirstische Gruppen aus der Sicht der islamischen Gelehrten“.  Auf beiden Zusammenkünften haben Denker und einige herausragende Persönlichkeiten der islamischen Rechts- und Denkschulen erklärt , dass die Einstellung und das  Vorgehen der Takfiristen nicht mit den Lehren des Islams vereinbar sind. Dabei beriefen sie sich in ihren Artikeln und Vorträgen auf die Koranverse und die Überlieferungen des Propheten (s). 

Die Konferenz in der Kairoer Al Azhar Universität war seit Jahrzehnten eine der größten internationalen Konferenzen an dieser Universität. Dies zeigt, dass Al Azhar sich nach besten Kräften für die Veranstaltung dieser Konferenz auf internationaler Ebene eingesetzt hat, um den Weltbewohnern kundzutun, dass die IS und anderen takfiristsche Gruppen  nichts mit dem hohen und barmherzigen Denken des Islams zu tun haben. Aus dem gleichen Grund wurden wie in Qum  auch nichtmuslimische Gelehrten eingeladen.                                     

Scheich Ahmad Al Tayyeb, der Scheich der Al Azhar sagte in seiner Eröffnungsrede zur Konferenz für die  Bekämpfung von Terrorismus und Extremismus:  „Terroristische Gruppen wie die IS versuchen allen ihre oberflächliche und irrige Islaminterpretation aufzuzwingen. Aufgrund ihre falschen Ansicht von den Geboten des Islams verurteilen sie die anderen zum Tode und grenzen sie aus der Religion aus. Dies ist nicht rechtfertigbar.“ Er fuhr fort: „Die Extremisten haben durch Änderung der islamischen Geboten und der religiösen Lehren das Dschihad-Verständnis verfälscht und halten es für „mubah“ (erlaubt und freigestellt) die anderen zu töten.“

Er verurteilte die abscheulichen Verbrechen der IS im Irak und Syrien und bezeichnete die Islamversion dieser Terroristen als Schande.

 

In der Schlusserklärung der Kairoer Konferenz an der Al Azhar-Universität wurden die Stellungnahmen von Scheich Al Azhar und der anderen islamischen Konferenzteilnehmer noch einmal unterstrichen. Es hieß in dieser Erklärung: „Alle Gruppen, die bewaffneten und die Sektierer-Milizen, welche Gewalt und Terrorismus gegen die Islamische Umma (Glaubensgemeinde)einsetzen und falsche Flaggen im Namen der Religion hissen, sind Gruppen, die sich durch ihr Denken und Verhalten versündigen und keine Ahnung vom Islam haben.“ 

 

 

An einer anderen Stelle hieß es: „Die Verbreitung von Furcht und Schrecken unter den Gläubigen, die Tötung von Unschuldigen und die Übergriffe auf Ehre und Gut sowie die Verletzung religiöser Heiligkeiten sind Verbrechen gegen die Menschheit, die der Islam verurteilt.“ Weiter hieß es: „Erstens haben solche Verbrechen nichts mit der Religion gemeinsam, sondern führen zur Verunglimpfung einer Religion , die für Frieden, Einheit, Gerechtigkeit , Wohltätigkeit und  Brüderlicherkeit ist.  Zweitens sind die Muslime und Christen Brüder. Sie gehören zu einer Zivilisation und einerGemeinschaft, haben seit vielen Jahren friedlich nebeneinander gelebt und wollen die Fortsetzung der friedlichen Co-Existenz in freien Nationalstaaten.“

 

In der Schlusserklärung der Al Azhar-Konferenz wurden hinsichtlich des Kampfes gegen Extremismus und Terrorismus mehrere Pflichten der Religionsgelehrten definiert und es hieß: „Die Religionsgelehrten müssen die jungen Menschen, die einer Täuschung zum Opfer fielen, an der Hand nehmen. Wir müssen uns darum bemühen, das Feuer der Gewalttaten und und der Konflikte in Bahrain, Jemen, Irak und Syrien zu löschen, anstatt es zu schüren. Der Dschihad dient im Islam nur zur Selbstverteidigung und zur Abwehr von Aggressionen.  Alle sind für den Kampf gegen den Extremismus und den Terrorismus verantwortlich.  Wir fordern die Beendigung der Vergehen der Besatzer gegenüber den Heiligtümern in Palästina und der Verurteilung der Urheber dieser  Vergehens vor dem Internationalen Strafgerichtshof.“

 

Die beiden internationalen Konferenzen zur Bekämpfung des Extremismus und Terrorismus und über die diesbezügliche Aufgabe der Religionsgelehrten in den beiden wichtigsten theologischen Zentren der Islamischen Welt machen deutlich, dass  - entgegen der Behauptungen der takfiristischen Gruppen –  kein Gelehrter der islamischen Rechtsschulen  das abwegige, nicht-islamische Denken und Handeln dieser Terrorgruppen akzeptiert.  Es ist Ziel der takfiristischen Gruppen,  in den islamischen Ländern Tumult und Krisen zu schüren, durch ihre schreckliche Verbrechen zwischen den Muslimen Streit zu entfachen und das Islambild in den Augen anderer Religionen und deren Anhänger zu entstellen.  Sie versuchen, die Schiiten als Nicht-Muslime auszugrenzen, indem sie ihnen haltlose Vorwürfe machen.

Abu Bakr Al Baghdadi der Anführer der IS stützt sich auf die haltlosen Behauptungen, die die Wahhabiten gegen die Schiiten aufstellen und bezeichnet die Schiiten als Häretiker. Er bezeichnet auch einen großen Teil der syrischen Bevölkerung, die Aleviten sind, als Häretiker und fordert ihre Ermordung. Der Anführer der Terrorgruppe Daisch (IS) bezeichnet die Schiiten und Aleviten als Feinde  und befiehlt den Terroristen, die ihm unterstehen, das Massaker unter ihnen fortzusetzen. Dieses unmenschliche  Vorgehen nennt er auch noch Dschihad. Al Baghdadi hetzt mit seinen Botschaften die Sunniten gegen die Schiiten im Irak auf, um  das Kriegsfeuer zwischen Schiiten und Sunniten zu entfachen.  Er hat zu den gefährlichen Takfiristen die er anführt gesagt, überall würden die Sunniten Hoffnung in sie setzen.  Die IS-Terrogruppe und ähnlich denkende Gruppen wie die An Nusra und die Al Qaida  sind um Aufhetzung der Sunniten gegen ihre schiitischen Glauensbrüder bemüht, sie unternehmen aber keinen einzigen Schritt gegen das zionistische Regime, welches der eigentliche Feind der Islamischen Welt ist. Es gibt sogar Anhaltspunkte für ihre Zusammenarbeit mit diesem Besatzerregime.

Auf den internationalen Konferenzen in Qum und in Al Azhar haben die sunnitischen und schiitischen Teilnehmer alle Behauptungen der IS zurückgewiesen und erklärt, dass diese nur der  Spaltung und Kriegsschürung unter den Muslimen dienen sollen.   Es hat in der Geschichte schon viele sunnitische Gelehrten gegeben, die aufgrund ihrer realistischen Einstellung  alle Vorwürfe gegen die Schiiten logisch zurückgewiesen und die Einheit der Muslime betont haben. Ein heutiges Beispiel ist Scheich Ahmad Al Tayyeb, der Vorsitzende der Al Azhar-Universität, dem bedeutendsten sunnitischen Theologie-Zentrum . Er hat vor einiger Zeit in einem Interview mit dem  ägyptischen Nile-TV-Sender wichtige Äußerungen gemacht. Auf die Frage des Reporters ob nach seiner Meinung die schiitische Denkweise Fehler aufweise, sagte er: „Nein! Welche Fehler denn? Vor fünfzig Jahren hat doch der damalige Direktor der Al Azhar Scheich Schaltut  eine Fitwa herausgegeben, dass der Schiismus die fünfte Rechtsschule des Islams ist.“

 

Auf die Frage: „Was sollen wir tun, wenn unsere Kinder schiitisch werden wollen?!“  sagte Scheich Ahmad  Al Tayyeb wie folgt:

„Machen wir jemandem Vorwürfe, wenn er von der hanafitschen zur malikitischen Rechtsschulen  überwechselt?  Sie (diejenigen die den Schiismus angenommen haben) sind doch nur von der vierten auf die fünfte Rechtschule übergewechselt.“

Auf die Frage, was zu tun ist, wenn ein Schiit den Sohn oder die Tochter eines Sunniten heiraten will, sagte der Scheich der Al-Azhar:  „Na und?! Was ist daran auszusetzen?! Die Heirat zwischen den verschiedenen Rechtsschulen ist freigestellt.“

 

Bei einer  der wichtigsten Fragen die der ägyptische Fernsehsender Ahmad Al Tayyeb bei diesem Interview stellte,  ging es um die Behauptung, der Koran der Schiiten wäre anders.  Diese Verleumdung wird von den Wahhabiten und takfiristischen Gruppen verbreitet. Aber der Scheich der Al Azhar hat vor der Fernsehkamera klar und deutlich gesagt, dass es eine Lüge ist und es als Aberglauben bezeichnet. Er betonte: „Der Koran, der bei den Schiiten ist, ist nicht von unserem Koran verschieden  und sogar sein Schriftbild ist wie das unserer Koranexemplare.“

Die Standpunkte von Scheich Al Azhar zum Schiismus und seine Initiative zur Einberufung einer internationalen Konferenz gegen Terrorismus und Extremismus  nach einer ähnlichen Konferenz vor wenigen Wochen in dem schiitischen Teheologiezentrum im Iran  zeigen, dass die islamischen Gelehrten der verschiedenen islamischen Rechtsschulen  erkannt haben welche gefährlichen Ziele takfiristische Terrogruppen wie IS verfolgen und dass es notwendig ist, etwas zu unternehmen um die Muslime  darüber aufzuklären. Die islamischen Denker und Gelehrten haben wegen ihrer Beliebtheit und ihrer Geltung unter den Muslimen nun die Verantwortung , die Muslime in ihrer Gesellschaft über die  Ziele der takfiristischen Terrorgruppen zu informieren.  

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