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Mittwoch, 24 Juli 2013 15:33

32. Deutscher Orientalistentag in Münster vom 23.-27.9.2013

32. Deutscher Orientalistentag in Münster vom 23.-27.9.2013
Münster (Islamische Zeitung) - Ende September wird an der Universität Münster der größte Deutsche Orientalistentag (DOT) seit seiner Gründung stattfinden. Erwartet werden mehr als tausend Teilnehmer.

In gut 900 Vorträgen und 80 Panels werden die Wissenschaftler neue Forschungsergebnisse über Kulturen in Asien, Afrika und in arabischen Regionen präsentieren. „Das Spektrum reicht von der Grundlagenforschung bis zu Gegenwartsthemen wie den Arabischen Revolutionen, der Politik Irans, islamischen Umweltbewegungen oder Chinesen in multinationalen Unternehmen“, erläutert Sinologe Prof. Dr. Reinhard Emmerich, Leiter des DOT-Komitees. Das hiesige Orient-Bild sei stark von Stereotypen geprägt, fügt Arabist Prof. Dr. Thomas Bauer hinzu. So herrschten Ideen vom „intoleranten Islam, geschichtslosen Afrika oder bösen China“ vor. Der DOT könne dazu beitragen, Missverständnisse aufzuklären.

 

Das Programm der Konferenz ist so umfassend wie bei keinem DOT zuvor. Am stärksten sind die Sektionen Indologie, Islamkunde sowie Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, gefolgt von Sinologie, Iranistik, Turkologie und Arabistik. Unter den Rednern sind hochkarätige Gäste wie der Sinologe Prof. Dr. Wilt Idema und der Osmanist Prof. Dr. Cemal Kafadar aus Harvard, Byzantinist Prof. Dr. Hugh Kennedy aus London, Kunsthistoriker Prof. Dr. Robert Hillenbrand aus Edinburgh, der Freiburger Indologe Prof. Dr. Oskar von Hinüber und die Berliner Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Gudrun Krämer. Sie hält am 23. September den öffentlichen Abendvortrag zum Thema „Spannungsbögen: Islam, Säkularisierung und das säkulare Prinzip“. Geplant ist auch ein Rahmenprogramm mit Konzert und Ausstellung.

 

„Wenn Europa sich mit China, Japan, Indien oder arabischen Ländern politisch und wirtschaftlich vertragen will, sollte es echten Respekt vor deren Kultur zeigen“, betont Prof. Emmerich im Interview der Universitätszeitung „wissen.leben“. Früher seien Geistesgrößen wie Bertolt Brecht oder Friedrich Rückert tief vom Orient beeinflusst gewesen. Heute fehle dies. Umso wichtiger sei die Förderung der Orientalistik an deutschen Hochschulen. „Aus der Kenntnis der Geschichte ziehen wir Rückschlüsse auf die Gegenwart. Die heutige Politik und Kultur in Asien oder im Nahen und Fernen Osten kann nur verstehen, wer sie durch die Brille dieser Kulturen betrachtet. Das ist dort nicht anders als bei uns.“

 

Wichtig sei daher auch der internationale Austausch, unterstreicht Prof. Bauer: „In der arabischen Welt werden die Geisteswissenschaften weniger gefördert als hier. Dennoch wird dort geforscht, und wir sind im Austausch. Internationalisierung gehört zu unserem Alltag.“ Prof. Emmerich: „In China, Japan und Taiwan genießen die Geisteswissenschaften ein sehr hohes Ansehen. Dass die Forschung aus politischen Gründen unmöglich wäre, stimmt nicht.“

 

Ob indische Inschriften, koptische Dialekte oder buddhistische Polemiken: Auf dem Orientalistentag werden viele Ergebnisse der aktuellen Grundlagenforschung zu hören sein, wie die DOT-Vertreter erläutern. Disziplinen wie die Turkologie, Arabistik und islamische Theologie nähmen auch Standortbestimmungen ihres Faches vor. Der vor 20 Jahren begonnene Trend mancher orientalistischer Fächer, sich als Regionalwissenschaften für Länder zu verstehen, habe zugunsten der Philologie wieder abgenommen, so Prof. Emmerich. „Ohne Sprachwissenschaft könnte keines unserer Fächer seine Quellen verstehen. Wer die Verbreitung des Buddhismus in Asien untersucht, braucht Sanskrit, Tibetisch, Pali, Chinesisch. Das verlangt Disziplin und Frustrationstoleranz. Selbst der erfahrenste Forscher zieht oft das Lexikon zu Rate.“

 

Zum Gegenstand der Orientalistik gehören die ältesten Texte der Menschheit in Keilschrift und Hieroglyphen oder auch das Aramäische, das über 3.000 Jahre hinweg untersucht wird, wie Prof. Bauer erläutert. Hinzu komme Feldforschung zu mündlichen Dialekten oder ganz unbekannten Sprachen. „Wir wenden außerdem Methoden der Geschichts-, Rechts-, Politik- und Literaturwissenschaften an, zudem haben wir es mit fast allen Religionen zu tun: Buddhismus, Hinduismus, Shintoismus, Islam, orientalisches Christentum. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist entscheidend.“

 

Das Programm des DOT steht allen Interessierten gegen eine Tagungsgebühr offen. Förderer der Konferenz sind die Universität Münster, der Fachbereich Philologie, der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ sowie Münster Marketing.

 

Die Deutsche Morgenländische Gesellschaft (DMG) lädt alle drei bis fünf Jahre zum Deutschen Orientalistentag ein. Der Kongress bringt führende Wissenschaftler und junge Forscher zusammen. Die Gesellschaft wurde 1845 gegründet und stellt die bedeutendste Vereinigung deutscher Orientalisten dar. Ihre Mitglieder beschäftigen sich mit zahlreichen Sprachen und Kulturen in Asien, Afrika und arabischen Regionen. Zur DMG gehören die Disziplinen Ägyptologie, Altorientalistik, Semitistik, Hebraistik, Arabistik, Islamwissenschaft, Wissenschaft vom Christlichen Orient, Iranistik, Buddhismuskunde, Indologie, Turkologie, Altaistik, Mongolistik, Tibetologie, Sinologie, Japanologie, Südostasienkunde, Afrikanistik und verwandte Gebiete. (Quelle: Islamische Zeitung)

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