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Freitag, 09 November 2012 06:31

Die Altorientalische Musiktherapie

Die Altorientalische Musiktherapie
Einführung von Mine Nur Akarsu

(iz). Bereits seit Menschengedenken werden Töne, Harmonien und Klänge zu Heilungszwecken eingesetzt. In systematischer Form kommt diese Heilmethode in der Altorientalischen Musiktherapie zum Ausdruck. Diese kam bis in das 18 Jahrhundert als anerkannte Behandlungsform in den Gesundheitshäusern der islamischen Welt zum Einsatz.

Bekannte Gelehrte wie Al Farabi, Al Kindi und Ibn Sina entwickelten die Musiktherapie zu einem ganzheitlichen Behandlungskonzept und hinterließen ein kostbares Erbe. Die medizinischen Hintergründe beziehen sich dabei auf die Humoralpathologie, die Lehre von den Körpersäften. Diese spielt auch in der Traditionell Europäischen Heilungslehre, zum Beispiel nach Hildegard von Bingen, und auch in der Traditionell Chinesischen Medizin eine bedeutende Rolle.

Der Einfluss der verschiedenen Tonarten auf die Körpersäfte des Menschen wurde hierbei beobachtet, weiterentwickelt und angewandt. In dem berühmten „Kanon der Medizin“ aus dem 11. Jahrhundert n.Chr. spricht Ibn Sina von dem Blut, der Gelben und der Schwarzen Galle sowie dem Schleim des Menschen, deren Zusammensetzung das Temperament und die Konstitution eines Menschen bestimmen.

So gingen medizinische Betrachtungen zu dieser Zeit von einem ganzheitlichen Ansatz aus, der charakterliche, biologische, konstitutionelle, kulturelle, soziale und individuelle Faktoren umfasste. Diese Entwicklung wurde erst rückläufig als der medizinische Bereich von dem mechanistischen Weltbild zu Beginn des Industriezeitalters geprägt und auf dessen Grundlagen weiterentwickelt wurde. So wurde auch der Mensch als mechanisches Wesen gesehen, der maschinell zu funktionieren hat.

In dieser Epoche setzte sich die Symptombehandlung durch und der Mensch als ganzheitliches, individuelles System wurde kaum mehr in Betracht gezogen. Diese Anschauung prägte die wissenschaftliche Medizin Europas zu weiten Teilen und auf diesen Grundlagen basiert die moderne Medizin. Auch jetzt noch geht es in der Schulmedizin eher um die Behandlung von Symptomen mittels chemischer Medikamente, um die Funktionsfähigkeit des Menschen wiederherzustellen als um den Aspekt der Stärkung der Selbstheilungskräfte, die zu einer dauerhaften, langfristigen und sanften Selbstregulation des Individuums führen.

Die Anregung der Selbstregulation ist das wesentliche Ziel aller Naturheilverfahren, so auch der Altorientalischen Musiktherapie. Hier geht es auf der körperlichen Ebene darum, die Körpersäfte in Regulation zu bringen, um so das Gleichgewicht wiederherzustellen. Krankheit wird als der Zustand definiert, in dem das Ungleichgewicht der Körpersäfte herrscht. Hierbei geht die Ibn Sina Medizin auch von der Relevanz menschlicher Lebensumstände aus, hierzu gehören: die Luft, die Ernährung, der Wechsel zwischen Aktivität und Erholung, geistige Aktivität, Schlafgewohnheiten und Ausscheidungen.

Es gilt in der Altorientalischen Musiktherapie eben darum, die Konstitution und das Ungleichgewicht zu erkennen, um aus den etwa 50 musiktherapeutischen Tonarten dasjenige auszuwählen, welches in der Lage ist, sich regulierend auf den Gesamtzustand auszuwirken. Hierzu ist also ein medizinisches Grundwissen um die körperlichen Zustände von entscheidender Bedeutung für den Therapieerfolg. Die Auswahl einer falschen Tonart kann, ähnlich wie die Auswahl einer falschen Arznei , die Dysregulation begünstigen. Die Anwendung der Musik ohne die Kenntnis der Medizin ist kaum möglich.

Dr. Rahmi Oruc Güvenc als Psychologe und Leiter des Zentralasieninstituts der Marmara Universität Istanbul ist es zu verdanken, dass der Begriff „Altorientalische Musiktherapie“ in Europa in den Achtziger Jahren eingeführt wurde und an Bekanntheit gewann. Hierzu trug ein Projekt bei, das in Schloss Rosenau in Österreich von Dr. Güvenc und Dr. Tucek durchgeführt wurde und die Ausbildung von Musiktherapeuten und die Erforschung der Musiktherapie zum Ziel hatte. Das Projekt wurde über mehrere Jahre durchgeführt und die Ergebnisse waren so vielversprechend, dass sie sich auch im klassischen Bereich der modernen westlichen Medizin durchzusetzen begann. Heute gibt es mehr und mehr Musiktherapeuten, die unter Einbeziehung psychotherapeutischer, pädagogischer und psychologischer Erkenntnisse, in ihrer Therapiepraxis die Musiktherapie zur Anwendung bringen.

Auch einzelne Kliniken in Deutschland und Österreich machen sich die Wirkungen der Klänge als heilendes Medium zunutze. So wirken verschiedene Tonarten auf verschiedene körperliche Bereiche und seelische Zustände. Ein streng wissenschaftlicher Beweis lässt sich hierbei kaum erbringen wie es für viele verschiedene Verfahren der Naturheilkunde der Fall ist und so muss auch die Musiktherapie als Erfahrungsmedizin gelten. Hierbei zeigt jedoch die Erfahrung der Therapeuten, die die altorientalische Musiktherapie in ihrer Arbeit einsetzen, dass diese bedeutende Therapieform somatische, psychosomatische und psychische Beschwerden nachhaltig zu lindern in der Lage ist. Weitere Informationen und Hörproben gibt es unter www.tumata.com.

Einer Überlieferung zufolge (die Dr. Güvenc gerne berichtet) weigerten sich die Seelen als Gott ihnen befahl, in die Körper einzutreten. So nahm der Erzengel Gabriel eine Flöte (die Ney, ein wichtiges Instrument der Altorientalischen Musiktherapie) und spielte darauf, während er die Seelen in die menschlichen Körper führte. Seit jener Zeit erinnert der Klang der Ney die Menschen an ihre Verbindung zu Gott und an die Freiheit der Seele in ihrer körperlosen Form.

Möglicherweise ist ebendiese Erinnerung einer der Gründe, die nachhaltige und dauerhafte Heilungsprozesse im Menschen begünstigt. Denn die Verbindung zum Schöpfer ist der Schlüssel zu jeglichem Gleichgewicht des menschlichen Daseins, sei es auf seelischer, mentaler und/oder körperlicher Ebene. Die heilenden Klänge erinnern an die Unendlichkeit.

Die Autorin ist Heilpraktikerin, 41 Jahre alt und türkischer Abstammung. Nach einem Studium erhielt sie die Zulassung zur Heilpraktikerin nach staatlicher Überprüfung durch das Gesundheitsamt Berlin. Die Dozentin für Psychiatrie und Schriftstellerin ist Leiterin ALANUR Association, Berlin.

Kontakt:
www.alanur.info
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