Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Freitag, 14 Mai 2010 11:51

Schiiten in Saudi Arabien fordern ihre Rechte

Schiiten in Saudi Arabien fordern ihre Rechte
Leider werden in einigen Ländern Minderheitsrechte nicht beachtet.
Ein anschauliches Beispiel liefert die Lage der Schiiten in Saudi Arabien. Diese können viele ihrer elementaren Rechte nicht ausüben. Aber weil die Regierung in Riad sich der westlichen Politik anpasst, reagieren die westlichen Verfechter der Menschenrechte nicht auf diese offensichtlichen Verstöße.

 

In Saudi Arabien bilden die Schiiten schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der 24 –Millionen- Bevölkerung des Landes. Sie leben vor allen Dingen in den östlichen Gebieten. Aber auch in Medina, im Westen des Landes, gibt es eine größere Anzahl von Schiiten. Seit langem bringen die Schiiten in diesem Teil der arabischen Halbinsel unter sunnitischer Herrschaft in einer einigermaßen geeigneten Lage zu, aber seit Beginn des 20. Jahrhunderts und Machtübernahme der Ale Sa`ud haben sich ihre Lebensbedingungen erheblich verschlechtert. Die Saudis, die der Sekte der Wahhabiten angehören werfen den Schiiten Götzenanbetung vor und einige ihrer Geistlichen haben sogar Religionsgutachten ausgestellt, in denen die die Tötung der Schiiten erlaubt wird!

Seit beinahe 100 Jahren werden die Schiiten in Saudi Arabien unterdrückt und ihre Freiheitsrechte verletzt. Inzwischen wurde den Schiiten sogar verboten, zu Hause das Gemeinschaftsgebet zu verrichten. Es sind bereits mehrere Schiiten verhaftet worden, weil sie es doch getan haben. Der Leiter des arabischen Menschenrechts-Informationsnetzes in Kairo, Dschamal Eyd verurteilte, dass die schiitischen Bürger sogar gezwungen werden zu unterschreiben, dass sie nicht mehr das Gemeinschaftsgebet in ihren Wohnungen verrichten werden.

Auch in den Moscheen dürfen die Schiiten nicht gemeinsam beten. Ein Mitglied der Menschenrechtsvereinigung Saudi Arabiens sagte, dass die Schiiten weder in ihren eigenen Moscheen beten oder religiöse Zeremonie abhalten, noch in den sunnitischen Moscheen das Gebet verrichten dürfen. Der Gemeinschaftsimam Hodschat-ul-Islam Mohammad Baqer An Naser aus Chobar hat in einer Erklärung über das Verbot des Gemeinschaftsgebetes der Schiiten erklärt, dass die Schiiten nach dem Verbot des Gemeinschaftsgebetes in ihren eigenen Moscheen auch daran gehindert wurden, in den sunnitischen Moscheen hinter dem Gebetsimam das Gemeinschaftsgebet zu verrichten. Er erklärte, dass die Schiiten auf diese Weise gezwungen sind, ihre eigenen religionsrechtlichen Regeln außer Acht zu lassen.

Es ist klar: Wenn die Schiiten in Saudi Arabien noch nicht einmal in ihren Häusern gemeinsam das Gebet verrichten können, dann dürfen sie auch erst recht nicht andere religiöse Zeremonien pflegen. Zu diesen Zeremonien gehören die so wichtigen Trauerzeremonien anlässlich des Martyriums Imam Husseins aleihe salam, Enkelsohn des geehrten Propheten. Diese Trauerzeremonien sind in Saudi Arabien verboten. Voriges Jahr wurden circa 30 Teilnehmer an solchen Gedenkfeiern festgenommen.

Die Positionsträger der Saudis versuchen den Schiiten alle örtlichen Möglichkeiten für religiöse Zeremonien zu nehmen. Sie haben viele schiitische Moscheen und Imam-Hussein-Trauerhallen zerstört oder verriegelt. Der Innenminister Nayif Ebne Abd al-Asis ordnete vor kurzem wieder die Schließung von neun schiitischen Moscheen an. Die Schiiten der Stadt Chobar in der Provinz von Riad reagierten auf die Schließung ihrer Moscheen mit einer Liste von Tausenden von Unterschriften, und forderten in ihrer Erklärung den saudiarabischen Herrscher Malek Abdullah auf, dass ihre Moscheen wieder freigegeben werden und sie wieder ihr Gemeinschaftsgebet verrichten können.

Sie stellten auch eine andere wichtige Forderung, nämlich die Freilassung ihrer Angehörigen aus dem Gefängnis und es hieß:

„Diese Personen sind schon so lange im Gefängnis, dass inzwischen die meisten von ihnen über 50 sind. Sie befinden sich in keiner guten Lage.“

In den Gefängnissen in Saudi Arabien sitzen viele Anhänger des schiitischen Glaubens ein. Sie wurden aus politischen und religiösen Gründen festgenommen . Viele sind wegen der einfachsten religiösen Bräuche verhaftet worden. Das US-Komitee für Religionsfreiheiten hat vor kurzem die Druckausübungen auf die Schiiten in Saudi Arabisen scharf kritisiert und die Freilassung des ältesten religiösen Gefangenen in Saudi Arabien, nämlich Hadi Al Moteef gefordert.

Solange die schweren Benachteiligungen der Schiiten in Saudi Arabien anhalten, wird Riad den Schiiten schon gar nicht erlauben, gesellschaftlich aktiv zu sein oder politische Verantwortungen zu übernehmen. Sie werden auch nicht in den Militär- und Ordnungskräften zugelassen. Fast alle hohen Schlüsselpositionen und Exekutivposten der Regierung sind ohnehin in der Hand der Familie der Saudis.

Ein Schiit erfährt sein ganzes Leben lang in Saudi Arabien Herabsetzung. In den Schulen werden schiitische Schüler beleidigt und ihnen wird vorgeworfen, sie seien Götzendiener und Gottlose. In den Schulbüchern stehen zahlreiche Dinge, die nicht stimmen und von Feindseligkeit gegen den schiitischen Glauben geprägt sind. Nur wenige schiitische Lehrer haben ein zudem begrenztes Recht ihre eigene Anschauung zu sagen. Ihnen drohen aber bei Nichteinhaltung der Schranken harte Disziplinarstrafen. Den schiitischen Geistlichen ist es nicht gestattet , ihren Anhängern die schiitischen Lehren zu erklären.

An den Universitäten ist die Lage nicht besser. Dort herrscht eine anti-schiitische Atmosphäre vor und die schiitischen Studenten werden verleumdet. Schiiten finden nur schwerlich Zugang zu den höheren Ausbildungsebenen. Studenten, die in ihrer Abschlussarbeit gegen den schiitischen Glauben schreiben, werden gelobt und der Staat übernimmt die Unkosten für den Druck. Die Schiiten dürfen ihre Bücher nicht drucken und verkaufen. Sie durften auf der Buchmesse in Saudi Arabien im vergangenen März ihre Bücher über Geschichte und Werke mit analytischen Inhalt nicht anbieten. Raid investiert jährlich Millionen von Dollar in die Publizierung anti-schiitischen Büchern im In- und Ausland. Mit staatlicher Unterstützung wird auf Internetseiten und in regierungsnahen Medien wie dem Fernsehnetz Al Arabiyah gegen die Schiiten gehetzt.

Die Schiiten leben in erdölreichen Gebieten Saudi Arabiens. 40 Prozent der Arbeitskräfte in der US-Unternehmen Aramco , dem wichtigsten Erdölunternehmen in Saudi Arabien sind Schiiten. Die Schiiten stehen sich aber finanziell nicht gut. Wegen der Propaganda und dem Druck der Saudis betreiben Geschäftsleute in Saudi Arabien nur mit wenig Handel mit Schiiten und viele meiden es Erzeugnisse der Schiiten zu kaufen. Die Regierung kümmert sich viel weniger um die Gebiete mit schiitischer Bevölkerung als um andere Gebiete.

Die Benachteiligungen der Schiiten durch die Saudis haben zwei Gründe: Es handelt sich erstens um haltlose Argumente hinsichtlich der Religion, die auf die radikale anti-schiitische Einstellung der Wahhabiten zurückgehen. Zweitens liegen politische Motivationen vor: Die Regierung in Riad ist den Schiiten gegenüber misstrauisch eingestellt und denkt, dass sie von der islamischen Revolution im Iran beeinflusst werden. Nach den erfolgreichen Bewegungen der Schiiten im Irak, im Libanon und Jemen, hat diese Feindseligkeit zugenommen. Die engstirnige Haltung der saudischen Regierung hatte zur Folge, dass sie die Diskriminierung und Herabsetzung der Schiiten auf ihre Tagesordnung setzen. Die Schiiten hatten, als 2000 der heutige König von Saudi Arabien Malek Abdullah an die Macht kam, gehofft, dass sich etwas ändern würde, aber bislang hat sich nichts getan. Dabei wäre es zum nationalen Vorteil dieses Landes, wenn die Schiiten als gleichberechtigter Teil der saudi arabischen Gesellschaft akzeptiert würden, denn dann könnten sie gemeinsam mit den anderen Muslimen in diesem Land zu dessen Weiterentwicklung beitragen.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren