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Montag, 06 Juli 2015 14:30

Deutsche Verkehrsplaner helfen, tödliches Gedränge in Mekka zu verhindern

Symbolbild Symbolbild
Written by:  lavassani
Um tödliches Gedränge zu verhindern, führen saudi-arabische Städteplaner die Menschenmassen auf neuen Wegen nach und durch Mekka - mit Unterstützung aus Deutschland.  

 

Rund drei Millionen Muslime pilgern jedes Jahr nach Mekka. Die Gläubigen kommen dann auf einer Fläche zusammen, die nur etwa doppelt so groß ist wie der alte Flughafen Berlin-Tempelhof. Die Pilgerfahrt Hadsch beginnt mit dem Lauf nach Mina. Im überschaubaren Tal nahe Mekka übernachten die Pilger dicht an dicht. In den frühen Morgenstunden verlassen sie ihr Lager und besteigen den Berg Arafat, auf dem der Religionsgründer Mohammed im Jahr 632 nach Christus seine letzte Predigt gehalten haben soll.

Der Weg führt die Gläubigen in den nächsten Tagen über Muzdalifa bis nach Mekka. Das Gedränge bei der riesigen Wallfahrt forderte immer wieder Menschenleben. Vor 25 Jahren, am 2. Juli 1990, kam es zur Katastrophe. Mehr als 1400 Menschen starben bei einer Massenpanik.

Komplett überfüllt war damals der Fußgängertunnel von Mekka nach Mina, als es unruhig wurde unter den Pilgern. Ein Augenzeuge berichtete, über jeden Gestürzten seien "zahllose Füße hinweggetrampelt". Unter den Toten waren Hunderte Indonesier und Türken. Bis 2006 ereigneten sich immer wieder Unglücke - bis die Saudi-Araber sich entschieden, die Pilgerströme neu zu lenken, dabei kamen auch Spezialisten aus Deutschland zum Einsatz.

"Das Problematische war, dass es dort früher keine Einbahnwege gab", sagt Dirk Serwill, Verkehrsplaner der Ingenieurgruppe IVV aus Aachen. Serwill erstellte zusammen mit seinen Saudi-arabischen Auftraggebern ein System, das auf einer einfachen Grundregel basiert: Die Wege der Pilger dürfen sich nicht kreuzen.

Bis 2006 konnten die Muslime auch an engen Stellen kreuz und quer laufen. Das führte dazu, dass zu viele Menschen einzelne Wege verstopften - und die Gefahr für eine Massenpanik stieg. "Das Paradoxe ist, dass wir den Platz sogar verkleinert haben", sagt Serwill. Der Pilgerstrom wurde kanalisiert, entstandene Freiflächen können im Notfall genutzt werden.

Keinen einzigen Unfall wegen Überfüllung habe es seit 2006 gegeben, sagt Salim al-Bosta, Abteilungsleiter im Saudi-arabischen Ministerium für Städtebau und Dörfer. Bosta ist für die Planung der Baumaßnahmen in Mekka zuständig. Etwa zehn Milliarden Dollar habe der Aufbau der komplett neuen Infrastruktur in den vergangenen Jahrzehnten gekostet.

Das wohl eindrucksvollste Beispiel für die Veränderungen ist die Dschamarat-Brücke. Früher war die symbolische Steinigung des Teufels an diesem Punkt der Pilgerfahrt einer der gefährlichsten Momente für die Gläubigen. Die Muslime werfen dabei Steine auf Pfeiler, die in eine Brücke eingelassen sind. Sie sollen das Diabolische symbolisieren. Dichtes Gedränge, verirrte Kiesel und hektische Bewegungen endeten immer wieder in Massenpaniken mit vielen Toten.

Die Planer ließen die alte Brücke abreißen und bauten ein Monstrum: Auf fünf Etagen können die Gläubigen heute den Teufel steinigen, eine halbe Million Menschen kann die Brücke pro Stunde passieren. Und wenn irgendwann einmal noch mehr Pilger kommen, wird einfach angebaut.

"Diese Brücke ist erweiterbar nach oben", sagt Bosta. Saudi-Arabien rechnet mit weiter steigenden Besucherzahlen. 2040 sollen bis zu sechs Millionen Menschen gleichzeitig Mekka besuchen können.

Wichtig sei außerdem das sogenannte Scheduling, berichtet Serwill. Die Planer in Mekka führten den vermutlich komplexesten Zeitplan der Welt. Tausende Besuchergruppen werden zu einer genau festgelegten Zeit durch einzelne Abschnitte des mehrtägigen Hadsch geschleust. Auch das verhindert, dass es zu gefährlichen Staus kommt.

Zur nächsten großen Wallfahrt Ende September erwartet Saudi-Arabien wieder rund drei Millionen Besucher. Wenn die Muslime aus der ganzen Welt danach wieder abgereist sind, wird Dirk Serwill die Videoaufnahmen von jedem Teil der Pilgerroute analysieren. Das System werde laufend verbessert, Schwachstellen würden neu gestaltet. "Nach dem Hadsch ist vor dem Hadsch", meint er.
(Quelle: Spiegel Online)


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