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Montag, 09 November 2015 05:53

Imam Alis (a) Denken im Spiegel des Nahdsch-ul Balagha (30)

Imam Alis (a) Denken im Spiegel des  Nahdsch-ul Balagha  (30)
Dies ist nun der letzte Teil unseres Beitrags über das Denken Imam Alis laut dem Nahdsch-ul Balagha. 

Wir haben Ausschnitte aus diesem Buch gebracht und die Gedanken eines großen Menschen dargelegt. Er regierte über ein großes Gebiet, war begeisterter Gottesdiener und wurde für seine hohen Eigenschaften bekannt.  Seine Aufgaben als Vorsteher der Gesellschaft und höchster Verantwortungsträger in der politischen Welt  ließen ihn auch nicht einen Augenblick lang die Anbetung Gottes und die Veredlung des Charakters vergessen.  Sein konsequentes Handeln ging mit Barmherzigkeit einher.  Er übte Nachsicht mit dem Volke aber opferte niemals die Wahrheit den Interessen. Imam Ali  war ein hervorragender Mensch mit bewundernswerten Eigenschaften. Zamakhschari, der bekannte Hadith-Kenner,  Theologe, und Korankommentator der Sunniten hat in Bezug auf Ali (a)gesagt: „  Was kann ich über einen Menschen sagen, dessen überragende Tugenden seine Feinde aus Hass und Neid leugneten und über die seine Freunde aus Angst vor dem Feind schwiegen.  Dennoch war die Kunde von seinen Tugenden so verbreitet, dass sie Ost und West erreichte.“

In diesem letzten Teil möchten wir einen Blick auf die Beachtung der  Rechte der Minderheiten durch Imam Ali (a) werfen.

Imam Ali (a) behandelt die Menschen aufgrund der hohen Lehren des Korans und der edlen Tradition des Propheten (s).  Er hat sich ein Heiliges Wort von Gott zur Devise gemacht, nämlich das heilige Hadith: „Alle Menschen sind Mitglieder meiner Familie. Diejenigen liebe ich am meisten, die sich gegenseitig am liebevollsten behandeln und die sich am meisten dafür einsetzen, einander zu nützen.“

 

In dem großen Reich, über das Imam Ali regierte, konnten religiöse nicht-muslimische  Minderheiten in Frieden und Sicherheit leben.  Der  Imam wies seine Befehlshaber und Gouverneure an auf alle Menschen Rücksicht zu nehmen, darunter die Schriftbesitzer (Juden und Christen).   

 

Seinem Gouverneur Malek Aschtar in Ägypten empfiehlt er  laut der Regierungsanweisung im Brief 53 : „Behandle die Menschen, über die du regierst freundlich , gütig und barmherzig, denn sie sind von zweierlei Art: Entweder dein Bruder in der Religion, oder dir in der Schöpfung gleich (und Menschen wie du).“

 

Also sieht Imam Ali im Menschsein etwas sehr Wichtiges und fordert, dass   der Mensch als ein Geschöpf Gottes freundlich behandelt und geachtet werden muss.

                            

Ein anschauliches Beispiel für das menschliche Verhalten Imam Alis zu den Schriftbesitzern (Ahl-e Kitab) lieferte die Geschichte von seiner Reise mit einem Christen.

Einmal war Imam Ali (a) während seiner Regierungszeit auf dem Weg nach Kufa einem Christen begegnet.  Einen Teil der Strecke legten sie gemeinsam zurück. Sie  führten ein freundliches Gespräch miteinander, bis sie schließlich an eine Weggabelung kamen und jeder in eine andere Richtung gehen musste. Imam Ali begleitete seinen Reisegefährten noch ein Stück auf dessen Weg. Der Mann wunderte sich und fragte: „Wolltest du nicht nach Kufa?“ Der Imam sagte freundlich: „Doch!“

Der andere fragte erstaunt: „Warum gehst du dann in diese Richtung ?Der andere Weg führt doch nach Kufa!“

Da sage Ali (a): „Ich will dich noch ein Stück begleiten , denn der Erhabene Prophet (der Segen Gottes sei auf ihm) hat gesagt:  „Wenn zwei Menschen sich unterwegs miteinander unterhalten , dann entsteht ein Recht zwischen ihnen. Du hast nun ein Recht gegenüber mir und wegen dieser Pflicht dir gegenüber begleite ich dich zum Abschied noch ein paar Schritte und dann werde ich meinen eigenen Weg entlanggehen.“

Der Christ  schien eine Wahrheit erkannt zu haben und sagte : „Dass euer Prophet einen solchen Einfluss unter den Menschen gefunden hat und seine Religion so schnell auf der Welt Verbreitung fand, liegt bestimmt an einem edlen Verhalten wie diesem!“

Dieser Christ wunderte sich noch mehr, als er im Nachhinein erfuhr, dass dieser freundliche Reisegefährte, der mächtige Kalif der Muslime: Imam Ali Ibn Abi Talib (a).  Dieses Erlebnis löste in ihm einen Wandel aus. Er wurde Muslim und Anhänger des Imams.

Imam Ali herrschte über das große Islamische Reich. Aber er betrachtete sich gegenüber dem Gesetz als gleichgestellt mit jedem Bürger, ob Muslim oder Nicht-Muslim.  Bekannt ist die Geschichte von seinem verlorenen gegangenen Kettenhemd.

Es wird berichtet, dass Ali ein Kettenhemd, das er vermisste, in der Hand eines Christen sah. Imam Ali ging zum Richter und reichte eine Klage ein. Er sagte: „Ich habe dieses Kettenhemd weder verkauft noch jemandem geschenkt und nun sehe ich, dass es bei diesem Mann ist.“ Der Richter fragte den Angeklagten: „Der Kalif hat seine Klage vorgetragen! Was sagst du dazu?“

Der antwortete: „Dieses Kettenhemd gehört mir.“ Da verlangte der Richter einen Zeugen oder Beweis vom Imam.  Ali (a) lachte und sagte: „Ich habe keinen Zeuge.“

Der Richter entschied also  zugunsten  des Christen.

Dieser aber war sehr beeindruckt von der Gerechtigkeit des Kalifen. Dieser   hätte ja ohne irgendeinen  Urteilsspruch sein Kettenhemd herausverlangen können. Da gestand er die Wahrheit,  gab Ali (a) das Kettenhemd zurück und bekannte sich zum Islam.

Es war zur Zeit seiner Kalifenherrschaft, als Ali (a) einen blinden alten Mann sah, der die Menschen um Almosen bat. Sofort schickte er einen seiner Leute, damit er sich über ihn erkundigt. Dieser berichtete ihm: „Er ist ein Christ.“

Der Imam  sagte verstimmt: „Ja, als er noch jung war, haben sie ihn für sich arbeiten lassen und seine Kräfte genutzt. Warum helfen sie ihm nun, wo er alt, schwach und blind und arbeitsunfähig ist,  nicht,  verwehren  ihm sein Recht und  überlassen ihn sich selber?“

Dann gab er seinem Finanzverwalter  Anweisung, dass er dem Christen Unterhalt  aus der Regierungskasse zahlen soll.

                        

Für Imam Ali (a) besaßen alle Bürger, ob Muslim oder nicht die gleichen Rechte. Für ihn war ein Unrecht , das einer jüdischen Frau angetan wurde genauso wie ein Unrecht das einer Muslimin geschieht. Als er hörte, dass man einer nicht-Muslimin Unrecht angetan hatte, wurde er zornig und verteidigte ihr Recht.

Nach dem Siffin-Krieg  hatten  die Soldaten von Muawiya ihre Angriffe und Plünderungszüge fortgesetzt. Muawiya hatte einen seiner Befehlshaber beauftragt, die Stadt Anbar in der Nähe von Kufa , dem Regierungssitz von Imam Ali, anzugreifen und durch Raub und Mord die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen.  

Die Soldaten von Muawiya waren  plündernd durch die Stadt gezogen. Sie  töteten mehrere Soldaten Imam Alis (a).  Als Imam Ali davon erfuhr, dass sie auch zwei Frauen beraubt hatten, wurde er sehr traurig. Hier ein diesbezüglicher Auszug aus seiner

Ansprache (Chutba) 27:

 

                             

„Und ich habe erfahren, dass ein Mann von ihnen (aus dem Heer des Muawiyah)  im Hause einer muslimischen Frau und einer anderen, die unter Schutz stand (eine Jüdin), eingedrungen ist und ihnen ihren Schmuck von ihren Beinen, Armen, Hals sowie ihre Ohrringe entrissen hatte. Sie konnte sich nur damit ihrer (Ermordung) erwehren, indem sie aussprach: „Allahs sind wir, und zu Ihm kehren wir zurück.“ Dann gingen sie beladen (mit dem Diebesgut) weg, und kein Mann von ihnen ist verwundet worden, und kein Blut von ihnen ist geflossen. Wenn irgendein Muslim deswegen vor Kummer gestorben wäre, kann man ihn nicht tadeln, sondern er wäre bei mir wertgeschätzt.“ 

Imam Ali (a) war auf dem Schauplatz von Kämpfen unerschrocken und kühn und  wenn er mit den Unwissenden über die Religion sprach und aus seinem Wissensschatz mitteilte, war er überzeugend und bescheiden.  Bei seinen Disputen mit den Schriftbesitzern (Juden und Christen) richtete er sich nach dem Koran. Gott spricht im Vers 125 der Sure: 16)Sure Nahl):   „Lade ein zum Weg Deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung, und debattiere mit ihnen auf die beste Art und Weise! …“

 

Und Gott empfiehlt in der Sure Ankabut (    29       ( im Vers 46: „Debattiert mit den Schriftbesitzern nur auf die beste, weiseste Art, mit Ausnahme von denen, die ungerecht sind.“

 

Die meisten die zu Imam Ali (a)kamen um mit ihm zu debattieren, waren von seiner starken Logik und seiner spirituellen Rang und seiner Persönlichkeit beeindruckt.

Hier ein Beispiel.

Nach dem Verscheiden des Propheten (s )Gottes Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause)  traf eine Gruppe von Christen unter Leitung eines Bischofs in Medina ein. Sie stellten in Anwesenheit des Kalifen Abu Bakr einige Fragen. Kalif Abu Bakr sandte sie zu Imam Ali.

Einer von ihnen fragten Imam Ali:  „Wo ist Gott?“

Da zündete der Imam ein Feuer an und stellte eine Gegenfrage: „Wo liegt das Gesicht  dieses Feuers?“

Einer der christlichen Gelehrten sagte: „Es weist nach allen Seiten“. Imam Ali (a) sagte:  „Wenn es für ein Feuer, welches Gott erschaffen hat , keine konkrete  Richtung gibt,  ist sein Erschaffer, der ihm in keiner Weise ähnelt, größer als dass er ein Vorder- und Rückseite haben sollte.  Und er zitierte aus dem Koran wie folgt: „Allah gehört der Osten und der Westen; wohin ihr euch auch immer wendet, dort ist Allahs Angesicht.“ (Sure 2, 115)   und fügte hinzu: „Gott bleibt nichts verborgen.“

Auf diese Weise erwiderte Imam Ali (a) mit einem anschaulichen Beispiel überzeugend die Frage des christlichen Gelehrten.

 

Hiermit ist unsere Betrachtung der Gedanken von Imam Ali (gegrüßet sei er) anhand des Nahdsch-ul Balaghas zu Ende. Bei eslam.de ist eine Übersetzung dieses wertvollen Werkes als Buch erhältlich bzw. auf der Internetseite vorhanden. Es sei erwähnt, dass diese Übersetzung uns  bei der Übertragung dieses Beitrages aus der Farsi-Sprache sehr behilflich war.

 

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